„Die Welt der stillen Schiffe“ – Wo sind gerade die Probleme, was läut gerade gut?

Als Reaktion zu meinem Artikel von gestern habe ich einen Kommentar von der lieben Kiira bekommen, den ich für so wertvoll halte, um ihn in einem gesonderten Beitrag zu beantworten:

Hallo Michael,
Gut, dass du keine Zahlen gegeben hast. Wolltest du mit diesen Zahlen nicht auch eigentlich aufhören? Ich erinnere mich da dunkel an so einen Beitrag …
Viel spannender finde ich solche Punkte: Wo sind gerade die Probleme? Was läuft gerade gut? So wie dein aktueller Bericht geschrieben ist. Ich sehe das auch gar nicht negativ. Wenn man sich bewusst wird, was man am Anfang oder Zwischendurch falsch gemacht hat, dann kann man sich das für das nächste Mal schenken und geht da ganz anders ran. Sind doch schöne Erkenntnisse oder? Auch wenn das für dieses Werk eine Menge mehr an Arbeit bedeutet. Kann man sich die Punkte vielleicht in kleinere Portionen einteilen? Sodass du nicht alles auf einmal angehen musst?
LG Kiira

Weißt du, Kiira, es ist immer so eine Sache mit den Zahlen. Ich hatte das ja wirklich schon in einem anderen Beitrag beschrieben. Sie sind einfach eine Nenngröße, die für mich Fortschritt visualisierbar macht. Ich denke, da ist auch nichts Verkehrtes dran, solange ich nicht irgendwann (wieder) anfange, allen möglichen Quatsch zu schreiben, nur um möglichst schnell den Wordcount nach oben zu treiben.

Das aber nur am Rande.

Danke, dass du mich noch einmal mit der Nase darauf gestoßen hast, dass es nicht nur darum geht, Punkte aufzulisten, bei denen es Probleme gibt, sondern auch die Punkte zu nennen, bei denen es gute Ansätze gibt. Denn die habe ich gestern, denke ich, viel zu sehr unter den Teppich gekehrt.

Was ich auf jeden Fall als gut gelungen ansehe, im Moment, ist die Figurenkonstellation rund um meinen deutschsprachigen Übersetzer an Bord des englischen Zerstörers Ashanti. Ich will nicht zu viel verraten, aber es gibt da mehr als nur genug Gründe, dass er meinen deutschen Protagonisten alles Schlechte dieser Welt wünschen könnte.

Wie bereits angedeutet, ist das allerdings ein unterschwelliges Thema, das erst im Nachhinein in die Handlung eingeflossen ist. Für den Roman stellt es insofern kein Problem dar, da das Thema auch erst mit Erscheinen dieser Figur wirklich aufkommt.

Was desweiteren gut klappt ist die Eskalation der Ereignisse rund um das Schiff, auf dem sich meine Leute nun befinden. Jede Aktion erzeugt eine Gegenreaktion. Was mir daran nicht schmeckt ist, dass ich viel zuviel zu erklären habe, rundherum. Da macht sich dann das Sprachproblem bemerkbar. Wenn alle einen Universalübersetzer im Ohr hätten, wäre das leichter und schneller geklärt.

Was ich vor allem in den Griff kriegen sollte, bei einem zweiten Entwurf, ist dieses Ausufernde. Die Story begann klein und griffig. Jetzt sind es bereits wieder über 400 Seiten. Das ist einfach zu viel! Viel zu viel! Einige Passagen können zusammengefasst werden oder ganz rausfliegen. Ich habe da schon Kandidaten im Kopf, die die Handlung letztlich ausbremsen. Auch das ist, bei aller „falsch investierten“ Arbeit ein positiver Aspekt.

Ob es möglich ist, die Dinge in kleinere Portionen einzuteilen, darüber denke ich im Augenblick noch nach. Der Vorteil bei einem zweiten Entwurf, den man von Grund auf neu schreibt ist ja, dass man praktisch eine Geschichte anhand ihrer selbst plotten kann. Ich gehe dann gerne hin, schreibe mir die verschiedenen Szenen auf einzelne Zettel und sortiere diese hin und her, nehme Zettel heraus, füge Zettel hinzu.

(Anekdote am Rande: Das habe ich so auch mal mit einem dienstlichen Schreiben gemacht. Der Blick meiner Chefin war Gold wert!)

Das Positive ist, dass mir alle Möglichkeiten noch offen stehen! Und du hast sowas von Recht, Kiira, ich muss nicht alle Punkte auf einmal angehen. Ich muss mir nur klar darüber werden, was ich jetzt, in diesem Moment, eigentlich tun möchte. Will heißen: sobald ich wieder bereit bin, mit dem Schreiben weiter zu machen. Noch genieße ich ja meinen Urlaub ;-).

Ich danke dir jedenfalls für deine sehr konstruktive Antwort, die mich auf einige sehr positive Gedanken gebracht hat!

Dir und allen, die das auch gelesen haben, wünsche ich einen schönen Karfreitag!

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4 Gedanken zu “„Die Welt der stillen Schiffe“ – Wo sind gerade die Probleme, was läut gerade gut?

  1. Hallo Michael,

    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und für den Link zum Wörterzählen. Welcher Artikel mir im Kopf schwirrte, war https://traumvombuch.wordpress.com/2016/02/24/vom-word-count-wahnsinn-runterkommen/ (die Suchfunktion auf deiner Seite funktioniert gut :-D).
    Was ich gut verstehe ist, dass du deine Produktivität sichtbar haben und messen können möchtest. Ich hatte nur das Gefühl, dass ein kleiner Wordcount eine negative Reaktion nach sich ziehen könnte. In Bezug auf den Esel mit der Wörter-Möhre.

    Vielen Dank für die Auflistung der Dinge, die gut funktionieren. Das ist total spannend! Besonders gut finde ich: „Jede Aktion erzeugt eine Gegenaktion“. Das ist ein Grundsatz, den man schon im Physikunterricht in der Schule lernt, und der auch stimmt. Genauso wie „Man kann nicht nicht reagieren“, denn selbst ein Ignorieren ist eine Gegenreaktion. Ich denke, dass sowas deinen Roman sehr realistisch macht.

    Die Idee mit den Zetteln ist interessant. Ich kann mir gut vorstellen, dass das hilft, die Gedanken und die Struktur zu erfassen. (Das Gesicht deiner Chefin hätte ich gerne gesehen! :-D)

    Dass meine Antwort dich auf einige positive Gedanken gebracht hat, freut mich sehr! 🙂

    Dir auch einen schönen freien Tag.

    LG Kiira

    Gefällt 1 Person

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