Quick and Dirty

(Vorab eine Warnung: Auch wenn es nicht so aussieht, dies ist ein Text über das Schreiben! Ihr braucht ein wenig Durchhaltevermögen 😉 )

Die Inspiration für den heutigen Blogartikel, den ich eigentlich gar nicht geplant hatte, bzw. von dem ich mir schon sicher war, dass heute keiner mehr kommen würde, kam mir in unserem Garten. Das ist insofern verwunderlich, weil ich eigentlich keine Beziehung zu unserem Garten habe. Das heißt, er ist mir eigentlich herzlich egal, wenn nicht gerade Gartenarbeiten anstehen. Dann ist er mir nicht nur nicht egal, sondern dann könnte ich ihn auch einfach zubetonieren. Oder abfackeln.

Nun ist aber der Frühling unweigerlich auch in unser Fleckchen Erde gekommen und rings um unser Haus herum wird seit Tagen im Garten gewerkelt, gemäht, gesäht, gemacht und getan. Nur bei uns herrschte überwiegend Ebbe, was das anging.

Meine Frau nimmt die Gartenarbeit deutlich ernster als ich und hat daher, ich gestehe es zu meiner Schande ein, auch den größeren Anteil daran. Dadurch, dass sie aber auch mit den Kindern und allem Weiteren einiges zu tun hat, bleiben manche Dinge auch einfach liegen. Wenn dann noch schlechtes Wetter dazu kommt, wie wir es vergangene Woche zwischenzeitlich immer wieder hatte, dann kommt einiges ins Stocken.

In diesem Fall führte das dazu, dass unser Rasen wahrscheinlich der einzige im Umkreis von einem Kilometer war, der noch nicht gemäht worden ist.

Rasenmähen ist die einzige Tätigkeit im Garten, die ich, mal mehr, mal weniger, ohne zu murren durchführe. Es ist herrlich stupide, mit dem Elektromäher vor und zurück über die Fläche zu gehen, nur ausgebremst von der Wäschespinne hier, um die herum man ein Büschel Gras stehen lassen muss, durch die Schaukel dort, bei der dasselbe gilt, das Trampolin, unter dem schon lange nichts mehr richtig wächst und dem alten Sandkasten, der inzwischen nur noch Spinnen als Heimat und dem Kater als Kratzbaum dient.

Das sind an sich schon genügend Hindernisse, die es zu umschiffen gilt. Dazu kamen, durch die angefangene und dann leider abgebrochene Arbeit der Frau, ein halb ausgerissener und liegen gebliebener Baum und eine halb ausgerissene und liegengelassene Hecke. Zusätzlich liegen noch zwei lange und schwere Aluminiumleitern neben unserem Haus, die man alleine nicht bewegen kann.

Und dann kam zu allem anderen noch, dass ich mich heute irgendwie seltsam fühle. Meine Frau muss heute arbeiten, so dass es mein Job war, vorher noch ein wenig einzukaufen, unter anderem Verpflegung für sie. Danach kam ich nach Hause und war einfach nur zerschlagen. Das kann auch daran liegen, dass ich diese Nacht nicht vor halb zwei schlafen konnte, weil ich gewisse Medikamente zu spät genommen hatte, die mich jetzt wach hielten.

Jedenfalls sagte ich um viertel vor zwölf zu meiner Frau, dass ich mich noch einmal eine Viertelstunde hinlegen würde. Und dann bin ich um viertel nach drei wieder aufgestanden. Tag im Arsch, könnte man sagen. Zumal dann meine beiden Kinder, die mich heute mal haben mustergültig ausschlafen lassen, versorgt und bespaßt werden wollten.

Und immer wieder einmal sah ich durch die beiden Terrassentüren auf unseren Garten und die Wildnis von einem Rasen. Und ich wusste, dass der eigentlich gemäht werden musste. Gleichzeitig wusste ich, dass ich an manchen Stellen nicht so gut würde mähen können, wie es eigentlich sein musste. Und über die Uhrzeit war ich mir auch unsicher: nach dem Abendessen noch den Rasen mähen? Macht man das?

Nun, wie ihr euch sicher denken könnt, ich habe es gemacht. Und ich habe dabei einige Stellen auslassen müssen, weil ich weder den Baum, noch den Strauch, noch das Trampolin oder den Sandkasten und nicht einmal die großen Leitern alleine bewegt bekam. Das Ergebnis sieht nun also so aus, dass das Gros der Fläche gemäht ist, es aber immer noch Stellen gibt, bei denen deutlich nachgearbeitet werden muss.

Und so ist es auch bei Romanen. Manchmal muss man einfach ein Gros der Handlung und des Textes heruntertippen, auch wenn man genau weiß, dass eigentlich noch Voraussetzungen fehlen, oder dass es Stellen gibt, die einem immer wieder auffallen werden, weil sie noch nicht so sauber sind, wie die anderen. Manchmal braucht man noch ein wenig Hilfe dazu, manchmal auch einfach mehr Zeit. Aber wenigstens hat man schon einmal etwas gemacht. Denn man weiß ja nie, ob einem nicht vielleicht doch noch wieder was dazwischen kommt.

Ich hätte im Garten warten können, bis alle Voraussetzungen perfekt gewesen wären. Aber immer mit der Gefahr, dass es dann doch wieder regnet, dass ich zu spät von der Arbeit komme, dass jemand krank ist, oder, oder, oder.

Und beim Schreiben könnte ich auch warten, bis die Muse mich küsst, bis mir die perfekten Worte einfallen, bis alles ganz klar vor mir liegt, bis, bis, bis.

Manchmal muss es einfach Quick and Dirty sein, damit man überhaupt schon etwas getan hat. Die Feinarbeiten, die kommen dann später. Und wenn man sich dessen bewusst ist, dass das eine nicht der Todesstoß für das andere ist, dann fühlt es sich auch gar nicht mehr so schlimm an.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und hoffe, dass euer Nachbar nicht noch zu später(er) Stunde auf die Idee kommt, seinen Rasen mähen zu wollen!

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10 Gedanken zu “Quick and Dirty

    • Mic schreibt:

      Auf diesen Nachbarn könnte ich jetzt neidisch sein … wenn ich nicht so gut wüsste, dass du jede Hilfe verdient hast, die du bekommst! Deswegen freue ich mich für dich!

      Und mit dem anderen hast du recht. Insbesondere das Vermögen ist manchmal ein echtes Problem. Weil man den richtigen Zeitpunkt meist erst dann erkennt, wenn er vorbei ist. Das gilt auch nicht nur für Schreiben und Gartenarbeit …

      Gefällt mir

  1. „Quick and Dirty“… bei der Überschrift machte ich mich erst auf einen anderen Inhalt gefasst. Und dann kommt der Garten… Aaaaaber keine Sorge! Ich habe noch erkannt, dass es sich hier eindeutig um etwas Metaphorisches handelt und es sehr wohl quick und dirty ist. Aber den Vorgarten, mein Lieber, den hättest du auch noch mähen können. ;pppppp

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