Die Radioanalogie – Abwechslung tut Not

Ende der 70er sangen die Buggles, dass Video den Radiostar getötet hatte. Das schien aus damaliger Sicht auch so zu sein, denn überall stürzten sich die Massen auf das neue Medium, das gerade auch für den Musiksektor eine ganz besondere Bedeutung erlangen sollte – was einem die Spätgeborenen anhand des heutzutage ausgestrahlten Programms auf Sendern wie VIVA oder MTV kaum noch glauben dürften.

Das Radio aber überlebte den Videoboom. Und es schaffte sich seine Nischen. Ich kann mich erinnern, wie das Radio den Zugang zu neuen musikalischen Welten schaffte, aber auch zu großartigen Hörspielen, zu Features, zu Nachrichten, zu Hintergründen.

Bei uns dudelt jeden Tag im Büro das Radio. Meine Kollegin besteht darauf und ich habe mich im Laufe der Jahre daran gewöhnt. Es stört mich auch nicht. Vorhin kam ich nur ins Nachdenken.

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass die meisten Radiosender immer und immer wieder die gleichen Songs spielen? Wenn ich heute das Radio einschalte, dann kann ich mir sicher sein, dass keine Stunde vergeht, ohne dass entweder Adele mir Hallo gesagt, Andreas Bourani mich aufgefordert hat, nicht so hart zu mir selbst zu sein, oder dass … ach, ihr wisst schon, was ich meine.

Sicher, die Leute wollen das hören, sollen sie auch. Aber muss es wirklich immer und immer wieder dasselbe sein? Das, was uns das „Unterhaltungsradio“ bietet? Und jetzt kommt mir nicht damit, dass andere Sender anders wären. Sicher, es gibt noch das Formatradio, aber dafür braucht es auch Moderatoren von Format – und die findet man heute auch kaum noch. Die DJs von einst sind nichts anderes als Knöpfchendrücker, die zwischen den einzelnen Songs die Werbung anmoderieren dürfen, oder den Verkehrsfunk als die neuste Erfindung des Radiogottes anpreisen.

Ist es da ein Wunder, dass immer mehr Leute kein Radio mehr hören?

Und falls ihr euch jetzt fragt, was das schon wieder mit Romanen zu tun haben soll: stellt euch mal vor, es würden nur noch Romane entstehen, die immer nach Schema F gehen, wo man immer das Gleiche zu lesen bekommt und bald keiner mehr auseinanderhalten kann, ob da gerade Bourani, Naidoo oder Bendzko schreibt. Weil alles und alle gleich zu sein scheinen!

Mein dringender Appell an die Autoren da draußen: schreibt abwechslungsreich! An die Verleger (gerade auch im „Unterhaltungssektor“): gebt ihnen die Chance dazu! Und an die Leser: dankt es ihnen, indem ihr nicht immer zu Schema F greift!

Ich bin dann einstweilen mal nicht so hart zu mir selbst. Hallo, auch!

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10 Gedanken zu “Die Radioanalogie – Abwechslung tut Not

      • Genau deswegen höre ich Underground-Radio … abgesehen davon, dass ich meinen heißgeliebten Metal eh nicht über die Mainstream-Sender bekommen kann 😛

        Ein toller Artikel! Die Fülle an Büchern schaukelt uns gerne vor, dass alles dasselbe sei … Wenn man aber mal durch die Masse guckt, findet man immer wieder eine kleine Anzahl anderer Titel. Dann und wann wagen die Verlage zum Glück noch was – die Geschichte hat mehr als einmal bewiesen, dass Bestseller nicht nach Schema F verlaufen muss! Für meinen Geschmack könnte es noch viel mehr „Anderes“ geben; ich wünschte, ich müsste mir solche Bücher nicht mit viel Mühe im Internet zusammenkratzen, sondern könnte einfach in den Buchladen gehen und fragen: „Können Sie mir ein ganz besonderes, ungewöhnliches Buch empfehlen? (Bloß keine Vampire!)“ Und würde nicht schräg angeschaut werden dafür, haha.

        P.S.: Da es mir neulich in einer anderen Kommentarsektion passiert ist und Tim Bendzko hier sogar namentlich erwähnt wird: Nein, ich bin nicht mit ihm verwandt!

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      • Mic schreibt:

        Angeblich gibt es ja diese Buchläden, wie du sie dir wünschst, noch irgendwo da draußen. Wahrscheinlich stimmt das sogar. Für meine Stadt kann ich aber sagen: ich wüsste nicht, wo! Hier ist alles auf Mainstream gepolt, auch die inhabergeführten Läden. Die führen dann zwar keine Vampire, aber eben auch sonst nichts Besonderes. Wobei, um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich habe bei meinem letzten Besuch in der Mayerschen auch Romane von kleinen Verlagen gesichtet, was mich doch gewundert hat. Fraglich ist für mich dann immer nur, inwieweit da der Sachverstand der Buchhändler vor Ort dahinter steckt, oder wie viel Einfluss im Gegensatz der Zentraleinkauf der Kette nimmt.

        Zu deinem PS: kannst du das anhand eines Stammbaums belegen? 😉

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      • Ich hoffe, ich stolpere mal über so einen Buchladen … hier in Wien hat man zumindest eine Alternative mit den unglaublich schönen Antiquariaten. Aber es steht ja nicht jeder auf alte Bücher 😉 Man müsste fast mal einen Buchhändler fragen, wie das so vonstatten geht … Die Beobachtung mit den Kleinverlagen habe ich auch schon gemacht. Und nein, so direkt beweisen kann ich es tatsächlich nicht, hihi … Meine Familie hat sich bei einem Familienstreit vor zwei Generationen aufgespalten (jetzt redet die eine Familienhälfte nicht mehr mit der anderen), also könnte es theoretisch sogar möglich sein, zumal der Name Bendzko wirklich nicht alltäglich ist. Aber letztendlich weiß ich es nicht, also bin ich lieber defensiv ^_^

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      • Mic schreibt:

        Ich habe nichts gegen alte Bücher, aber sie bilden ja auch nur das ab, was Verlage und Autoren (und Publikum) für verkäuflich befunden haben, als diese Bücher neu waren.

        Ich habe ja wirklich kein Problem mit dem Mainstream und würde auch nie behaupten, der große Revoluzzer zu sein. Als problematisch sehe ich an, dass die Wahrnehmung beidseitig geringer wird. Beispiel Radio: der Hörer nimmt nur noch das enge Angebot wahr, das ihm geliefert wird – der Sender liefert das enge Angebot, weil Auswertungen besagen, dass das gehört/gekauft wird.

        War die Aufspaltung deiner Familie wenigstens so spannend, dass man sie künstlerisch verarbeiten kann? 😉

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      • Hallo Mic! Geht mir genauso: Ich habe auf keinen Fall den Kommi geschrieben, um Mainstream Bücher zu verteufeln, ganz im Gegenteil 😉 Aber manchmal wünscht man sich doch was Erfrischendes und muss irgendwie soooooo sehr danach suchen … Gilt für Musik als auch Bücher gleichermaßen. Meist hilft da nur Tante Google. Oje, da habe ich ja aein Fass aufgemacht … nein nein, ich glaube wirklich nicht, dass das so spannend ist *rausred*

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      • Mic schreibt:

        Dann machen wir das Fass mal ganz schnell wieder zu ;-).

        Ja, manchmal wäre was Erfrischendes wirklich nicht schlecht. Das ewig Gleiche färbt ja nun wirklich extrem auf die Umwelt ab. Wie oft habe ich zu hören bekommen, dass das, was ich an Musik höre, ja ganz nett wäre, aber das würde doch keiner kennen!?

        Und jetzt gehen solche Menschen in die Buchhandlung, stehen vor dem Regal und denken sich, na, was wohl: Liest sich ja ganz nett, aber kennt ja keiner/ich nicht. Lass mal lieber was Bewährtes kaufen.

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