Gestern war Welttag des Buches …

… und ich dachte, weil alle darüber schreiben, beweise ich mal Mut zur Lücke und schreibe erst heute darüber.

Muss ich wirklich Worte darüber verlieren, wie wichtig ich Bücher finde oder wie wichtig sie mir sind? Bücher sind Wissen, sind Kultur, sind Erbauung, sind Lehrer und sind Meister. Bücher sind aber auch Leichtigkeit, Unterhaltung, Spaß, Freude. Das alles und noch viel mehr macht das gedruckte Wort aus. Ein Leben ohne Bücher ist für mich nicht vorstellbar. Darum geht es am Welttag des Buches.

Leider gibt es auf der Welt immer noch viel zu viele Menschen, die nicht in den Luxus geraten, Bücher wirklich lesen zu können. Sei es, weil sie schlicht keinen Zugriff zu ihnen erlangen, oder weil sie niemals des Lesens mächtig geworden sind. In unseren Breitengraden muss niemand Analphabet bleiben und doch gibt es auch in Deutschland noch sehr viele Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Ich finde, dass es am Welttag des Buches auch darum gehen sollte.

Worum es für mich aber persönlich vor allem geht, ist um die Reflexion. Die Reflexion darüber, wie ich selbst mit Büchern umgehe, wie ich Bücher wertschätze und wie ich Buchkultur vermitteln kann.

Wie ihr wisst, habe ich zwei Töchter. Die eine geht inzwischen auf die weiterführende Schule, die andere ist im ersten Schuljahr. Beide Kinder wurden von klein auf daran gewöhnt, in einem Haushalt zu leben, in dem Bücher und das geschriebene Wort wichtig sind.

Der Großen habe ich seinerzeit stundenlang vorgelesen. Wir sind gestartet mit diesen praktischen Pixi-Büchern, die sicherlich jeder von euch kennt. Aber die reichten ihr bald nicht mehr aus. Die Geschichten mussten länger werden und spannender. Phantasievoller.

Als meine Tochter ungefähr sechs Jahre alt war, waren wir bei Romanen angekommen, für die sie nach landläufiger Meinung wohl noch zu jung gewesen wäre. So habe ich ihr in vielen kleinen Häppchen „Die unendliche Geschichte“ und „Momo“ vorgelesen. Und als sie selber schon lesen lernte, war das letzte große Projekt „Der Herr der Ringe“. Ich weiß nicht, wie lange wir gebraucht haben, bis ich ihr das Mammutwerk komplett vorgelesen hatte. Aber es hat Freude gemacht, es war unser abendliches Ritual.

Meine Tochter liest selber seitdem auch sehr viel. Die „Harry Potter“-Bücher müsste sie inzwischen eigentlich auswendig können. Und sie ist jetzt in einem Alter, wo sie immer öfter auch vor Papas Bücherregalen steht und sich irgendeinen Thriller ausleihen möchte. Ich gebe zu, dass ich mich damit manchmal schwer tue. Vielen Eltern ist es egal, was ihre Kinder lesen. Ich weiß nicht, wann ich z.B. von meinen Eltern auf Horrorgeschichten losgelassen wurde. Sehr früh jedenfalls.

Vielleicht sorgt meine eigene Einstellung zu Büchern dafür, dass ich genau abwäge, was ich meiner Tochter zumuten möchte. Und irgendwann wird sie dann doch das lesen, was sie lesen mag und wann sie es lesen mag. Das ist eine normale Entwicklung, der ich mich so wenig verschließen kann, wie derjenigen, dass sie irgendwann den ersten Freund (oder von mir aus auch die erste Freundin) mit nach Hause bringen wird. Irgendwann werde ich mein Kind auch literarisch „loslassen“ müssen.

Die Kleine ist ganz anders als ihre Schwester. Ihr habe ich auch die Pixi-Bücher vorgelesen, aber nicht besonders lange. Sie hatte bald kein Interesse mehr daran. Auch an längeren Büchern, wie den Geschichten vom kleinen Raben Socke war bald das Interesse verflogen. Die Kleine hat eine andere Passion von ihrem Vater geerbt: das Hörspiele hören.

Dafür lernt sie wesentlich schneller und besser lesen als ihre große Schwester und ich bin mir sicher, dass sie irgendwann, ganz bald und von sich aus die ersten Bücher lesen wird.

Beide Kinder wachsen also auf ihre Art mit Büchern auf. Auch das ist etwas, das ich den Eltern gerne zum Welttag des Buches mitgeben möchte: erschließt euren Kindern diese Welten! Wenn ich daran denke, dass es immer noch Kinder gibt, die in Haushalten aufwachsen, in denen außer der Fernsehzeitschrift nichts Lesbares existiert, dann möchte ich schreien!

Nun, was soll ich noch sagen zu diesem Feiertag, der keiner ist, aber eigentlich einer sein sollte? Mir fällt nichts mehr ein. Außer vielleicht, danke zu sagen. Ich bedanke mich bei allen, die Bücher schreiben. Ich bedanke mich bei allen, die Bücher verlegen. Ich bedanke mich bei allen, die Bücher kaufen. Ich bedanke mich bei allen, die Bücher verschenken. Ich bedanke mich bei allen, die Bücher tatsächlich auch lesen.

Ich bedanke mich bei allen, die sich hier bei mir herumtreiben, weil sie Interesse daran haben, dass mein eigener Traum vom Buch am Leben bleibt. Damit ich kommendes Jahr sagen kann: es ist Welttag des Buches – und auch meines ist mit dabei!

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9 Gedanken zu “Gestern war Welttag des Buches …

  1. Nur zur Vollständigkeit: Gestern war auch der Tag des Bieres! ;p

    Und passend zum Welttag des Buches habe ich gestern sechs neue Bücher gekauft – und war noch auf einer Lesung! Wenn das mal nicht Engagement ist… 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Ja, Hörbücher sind auch Bücher. Stimmt, darauf bin ich gar nicht eingegangen. Aber ich hoffe, dir war auch so klar, dass ich Menschen wie deinen Sohn ganz klar mit bei denen einrechne, die sich an Büchern erfreuen können.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich liebe Buchläden. Und kann an keinem vorbeigehen und darin mindestens ein neues Exemplar zu erstehen. Am liebsten die kleinen, gemütlichen, verwinkelten, eigentümergeführten Läden. Stöbern, schmöckern, Schätze entdecken. Ich weigere mich das rumliegende Readerding zu benutzen und lese am liebsten ganz klassisch…wenn ich bloß mehr Zeit dazu hätte.

    Gefällt 1 Person

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