Das Ende eines Romans und die „Angst“ vor dem Trivialen

Wie ihr alle wisst, nähert sich mein Roman „Die Welt der stillen Schiffe“ rasant (nun ja) seiner Fertigstellung. Seit ich mir selber den symbolischen Tritt in den Hintern verpasst habe, hat die ganze Sache Zug bekommen und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ich irgendwann in diesem Monat eigentlich fertig werden sollte. Dann habe ich circa ein halbes Jahr am Erstentwurf gesessen. Das ging schon mal deutlich schneller, war aber auch schon deutlich langsamer. Insofern ist da alles im grünen Bereich.

Ich hadere im Moment nur ein wenig mit der Sprache, die am Ende des Romans zur Anwendung kommt. Dazu muss man wissen, dass, ganz passend zum Rest der Handlung, auch am Ende ein gewisses „Action-Potenzial“ vorhanden ist. Das bedeutet, dass durchaus noch einmal die Spannungskurve angezogen wird. Jedenfalls ist es das, was ich beabsichtige zu tun. Ich glaube auch, dass ich von der reinen Handlung her eine ganz gute Szene im Kopf zusammengemixt habe.

Aber die Sprache, die Sprache …

Kennt ihr das, liebe Mit-Autoren, dass ihr auf einmal mitten in einer handlungsreichen Passage steckt und euch die Frage stellt, ob das jetzt eigentlich noch literarisch genug ist, oder doch schon zu sehr auf dem Niveau eines Trivialromans, eines „Groschenhefts“?

Nicht, dass ich etwas gegen Groschenhefte und ihre Autoren hätte! Im Gegenteil, ich bewundere Menschen, die in der Lage sind, so etwas in Serie zu schreiben und sich dabei nicht immer in den gleichen Plattitüden zu ergehen. Gleichzeitig habe ich aber in Bezug auf mich selber die Angst, genau in diese Plattitüden zu verfallen.

Ich schaue mir meinen Text an und traue im Endeffekt vielleicht auch der Geschwindigkeit nicht, in der ich ihn verfasse. Literatur, auch Spannungsliteratur, sollte ja immer ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit, an Sprachgewandtheit und vielleicht sogar an „Gravitas“ mit sich bringen. Kann man das noch genug aufbringen, wenn man zehn Seiten in einer Stunde schreibt?

Was vielleicht – nein, eigentlich sogar wahrscheinlich – an dieser Stelle mal wieder die Schere im Kopf ansetzte, ist die Angst, den Roman auf der Zielgeraden noch zu ruinieren. Kennt ihr das, dass ein Roman über 95% seiner Handlung wirklich gut war und die letzten 5% es so versauen, dass man am Ende die Schwarte zur Seite legt und sich fragt, wieso man damit eigentlich soviel kostbare Lebenszeit verplempert hat? Das möchte ich gerne vermeiden.

Und so hat sich mein schlechtes Gefühl die Sprache ausgeguckt. Als ob ich Angst hätte, in Angesicht des Showdowns in den Tenor einer schlechten Actionserie abzudriften. „Als ob“ in dicken Anführungszeichen geschrieben.

Was mir helfen kann und muss ist die alte Weisheit, dass der erste Entwurf immer auf seine Weise schlecht ist. Das habe ich früher für eine Binse gehalten, inzwischen, nachdem ich die ersten Erfahrungen mit „ernsthafter“ Überarbeitung gemacht habe, kann ich diesen Gedankengang nachvollziehen. Sicherlich ist nicht alles schlecht, aber es ist fast alles noch zu verbessern.

Und nicht zuletzt ist es auch eine Frage des persönlichen Anspruchs: schreibe ich Hochliteratur oder Unterhaltungsliteratur? Sicherlich das Zweitgenannte. Das darf man dann auch verschiedentlich der Sprache anmerken. Es gilt, wie meistens im Leben, den passenden Mittelweg zu finden und zu beschreiten. Ein Weg, wie ihn alle Autoren in den entsprechenden Genres zu finden und zu beschreiten haben.

Und jetzt entschuldigt mich, ich habe einen Showdown zu schreiben ;-).

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2 Gedanken zu “Das Ende eines Romans und die „Angst“ vor dem Trivialen

  1. Viel Erfolg lieber Mic. Du machst das bestimmt grossartig. Und wenn du weisst, dass du es eh noch überarbeiten musst – dann weisst du auch, dass es im Ansatz erstmal nicht perfekt sein muss, sondern „nur“ beinhalten muss, was du sagen willst. Ausformulieren oder Umformulieren kannst du dann, wenn es da steht und du sicher bist, alles aufgeschrieben zu haben, was du schreiben wolltest.
    Ich finde das echt schnell mit einem halben Monat. 🙂

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    • Mic schreibt:

      Jahr, liebe Kitty, ein halbes Jahr! Ein halber Monat wäre allerdings auch mal eine Marke, die man anpeilen könnte … nein, wirklich nicht. Aber danke dir, ich bin eigentlich auch gar nicht einmal unzufrieden. Will es jedenfalls nicht sein.

      Mit dem Rest hast du vollkommen recht! Und die Passagen, die ich so zwischendurch noch einmal quer gelesen habe, haben mir auch recht deutlich gesagt, dass alles „drin“ ist. Teilweise war es erstaunlich, wie viel Handlung zwischen verschiedenen Punkten stattgefunden hat. Das kommt einem beim Schreiben doch immer noch wieder ein wenig anders vor.

      Gefällt 1 Person

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