Fragen, Fragen … und tiefe Einblicke in die Psyche eines Autors

Gestern berichtete ich euch von dem Kampf, vor den ich mich gestellt sehe, wenn es darum geht, meine Ziele in Bezug auf die Veröffentlichung meines ersten Romans nicht aus den Augen zu verlieren. Ich weiß, dass ich dazu neige, meine eigenen Ansprüche zu vergessen und mich in anderen Dingen zu verlieren. Nicht umsonst habe ich das Wort „Prokrastination“ dafür gewählt.

In Reaktion auf den Beitrag habe ich von kitty einige Fragen gestellt bekommen, bei denen ich spontan beschlossen habe, dass ich die Antworten darauf nicht in den Kommentaren „verstecken“ möchte, sondern dass ich sie zum Gegenstand eines eigenen Beitrags mache.

Darum hier zunächst kittys Kommentar von gestern:

Wenn man sich selbst gegenüber nachlässig wird, dann hat das meist einen sehr guten Grund.
Kannst du diesen Grund definieren?
Ist es Angst vor Ablehnung? Ist es Angst, dein „Baby“ freizugeben? Oder hast du Angst, dass es nicht gut genug sein könnte? Bist du so perfektionistisch, dass es in deinen Augen immer nochmal überarbeitet werden muss? Oder fehlt dir genug Feedback vorab?
Alles Fragen – und es gäbe sicherlich noch mehr – die mir grad einfallen. Musst du nicht für mich beantworten, aber vielleicht für dich selbst? Vielleicht hilft es dir ja.
Ich drück dir jedenfalls die Daumen!:)

Zunächst einmal bedanke ich mich natürlich für das Daumen drücken! Wie ich schon schrieb, kann ich davon einiges gebrauchen. In jedem Fall. Und ja, bei den Fragen sind einige dabei, die ich mir tatsächlich auch schon selbst gestellt hatte, bei denen es aber nicht verkehrt sein kann, sie auch noch einmal in geschriebener Form vor mir zu sehen.

Ist es Angst vor Ablehnung?
Die kurze Antwort hierauf wäre „ja“. In der Tat habe ich Angst davor, dass jemand kommt und mir nicht nur sagt, dass das, was ich geschrieben habe, schlecht ist, sondern dass dieser Jemand mal eben so meine gesamte Identität als Autor infrage stellt. Wie ich auf diesem Blog schon häufiger berichtet habe, habe ich zwischen 1987 und 2015 vor mich hingeschrieben, ohne dass ich mich getraut habe, den Gedanken an eine Veröffentlichung ernsthaft zuzulassen. Der Hauptgrund ist genau diese Ablehnung. Das Schreiben ist für mich sehr wichtig. Ich denke, das glaubt ihr mir inzwischen, wenn ihr diesen Blog länger als seit gestern lest. Und ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn mir das Gefühl genommen würde, auch etwas Lesbares zustande zu bringen. Spricht das gegen mein Selbstbewusstsein? Absolut! Aber Selbstbewusstsein ist etwas fragiles, das Bestätigung braucht. Ablehnung wäre kontraproduktiv.

Ist es es Angst, mein „Baby“ freizugeben?
Nein, diese Angst habe ich zum Glück inzwischen nicht mehr. Früher war es für mich schon schwer, meine Romane überhaupt jemandem zu zeigen. Die ersten drei, die ich geschrieben habe, also meine Silverstar-Romane, habe ich meiner damaligen besten Freundin zum Lesen gegeben. Die darauf folgenden Romane blieben in der Schublade. Zwischen 2011 und 2013 habe ich meine Romane einer Handvoll Freunde per Mail zugesandt, aber da wusste ich vorher, dass die keiner lesen würde. Also war es egal. Erst seit dem letzten Jahr gebe ich meine Entwürfe an Menschen, bei denen ich weiß, dass sie lesen, was ich geschrieben habe. Und das war ein Meilenstein auf meiner Entwicklung hin zu, Versuch, wirklich jemanden zu finden, der den Kram, den ich schreibe, auch veröffentlicht. Und es „notfalls“ eben auch selbst zu tun, wenn ich so jemanden nicht finde. Aber auch da erzählt dieser Blog eine Geschichte, die davon handelt, wie Michael sich zu Beginn nicht vorstellen konnte, unter die Selfpublisher zu gehen und es nun ernsthaft anpeilt.

Oder hast du Angst, dass es nicht gut genug sein könnte?
Diese Angst habe ich natürlich. Und mir kann eigentlich kein Autor sagen, dass er diese Angst nicht zumindest zeitweilig hat. Wahrscheinlich lässt sie nach, wenn man erst einmal die ersten Verkäufe getätigt, positive Rückmeldungen erhalten oder sogar einen Vertrag abgeschlossen hat. Aber solange diese Bestätigungen von außen fehlen, nagt immer ein kleiner Zweifel an einem. Selbst millionenfach verkaufte Autoren berichten davon. Und zu denen werde ich aller Wahrscheinlichkeit nie gehören ;-).

Bist du so perfektionistisch, dass es in deinen Augen immer nochmal überarbeitet werden muss?
Ich bin nicht perfektionistisch, das ist in diesem Zusammenhang der falsche Begriff. Ich würde eher das Wort „unsicher“ verwenden. Wenn man erst einmal angefangen hat, sich damit auseinander zu setzen, was andere Autoren so an Aufwand betreiben, um ihre Romane vom Erstentwurf zur Veröffentlichung zu bringen, stellt man sich zwangsläufig irgendwann die Frage, ob man nicht noch mehr, noch etwas anderes tun muss. Dazu kommt noch, dass ich das Überarbeiten in seiner vollumfänglichen Form ja jetzt erst für mich entdeckt habe. Vorher war das alles graue Theorie – und vor allem unnötig. Wenn ich einen Erstentwurf geschrieben hatte, dann verschwand der in der Schublade. Da brauchte es keinen zweiten Entwurf oder gar ein Lektorat. Aber bei einer Veröffentlichung wäre das schon nötig, weil ich nicht will, dass das Feedback vollkommen vernichtend ausfällt. Die Gründe dafür stehen ja auch in den Antworten auf diese Fragen. Perfekt wird es sowieso nie werden. Da bin ich Realist. Aber gut soll es werden! Und zwar möglichst objektiv gut.

Oder fehlt dir genug Feedback vorab?
Das ist in der Tat ein Punkt, über den ich schon öfter nachgedacht habe. Ich weiß noch nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Einerseits wäre es manchmal natürlich schön, frühzeitig Feedback zu bekommen. Andererseits sollen evtl. Testleser ja auch nicht mit dem Erstentwurf konfrontiert werden – denn der hat ganz einfach immer noch einige Punkte, die mir selbst beim Lesen schon in den Augen weh tun, wenn ich sie entdecke. Ich wüsste nicht, wie genau ich dieses Feedback organisieren soll. Also wann, von wem, auf welcher Basis, etc. Klar, es gibt Communities im Internet, bei denen es möglich ist, sich gegenseitig schon im Schreibprozess auf die Finger zu schauen. Was mir fehlt, ist wieder einmal der gute alte Faktor Zeit. Aber da möchte ich jetzt nicht wieder in aller Breite drauf eingehen, das artet sonst wieder nur in Gejammer aus ;-). Wie gesagt, ich lerne noch ganz viel über Möglichkeiten, Abläufe, Ideen. Ich bin weit davon entfernt, auch nur semiprofessionell in diesem ganzen Tun zu sein. Ich bin jemand, der gerne schreibt. Der auch einigermaßen passabel schreibt, glaube ich. Aber für Veröffentlichungen braucht es noch ein wenig mehr.

Soweit zur Beantwortung der von kitty gestellten Fragen. Falls jemand von euch noch weitere Fragen hat, so bin ich gerne bereit, sie zu beantworten. Dieser Blog lebt ganz entscheidend auch von der Interaktion zwischen euch und mir. Und dafür sage ich noch einmal Danke!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

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7 Gedanken zu “Fragen, Fragen … und tiefe Einblicke in die Psyche eines Autors

  1. Die Fragen und Antworten sind sehr fein…

    Die Angst vor Ablehnung…ich glaube das haben die meisten…mehr als oft genug hat schon irgendwer irgendwas in den Sand gesetzt, wovon man dachte, es sei gut…wie soll man da keine Angst haben? Ich persönlich sage mir da schon lange „ich möchte damit kein Geld verdienen, und ich möchte es nur in meinem Schrank stehen haben. Wenn es auch in anderen Schränken steht- wunderfein! 🙂“ Die Erwartungen an das „nach dem schreiben, nach dem veröffentlichen“ also so tief wie nur möglich Schrauben. Das nimmt mir schon die Angst.

    Aber die Angst das Baby freizugeben…die begleitet mich noch.

    Scheinbar hat da also so jeder irgendwie seine Ängste. Und trotzdem haben sehr viele dennoch den Mut gefunden. Der wird also nicht schwer zu finden sein- eigentlich.

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Geld verdienen möchte ich auch nicht unbedingt (in diesem Moment rollen die ambitionierten Autoren schon die Augen und machen wegwerfende Handbewegungen …). Aber mir kommt es schon ein Stück weit auf das Feedback an. Jetzt, nachdem ich einmal gedanklich Blut geleckt habe. So tief runter wie du komme ich wahrscheinlich nicht mehr mit meinen Erwartungen.

      Sag doch ruhig Bescheid, wenn, wann und wo du den Mut gefunden hast! 🙂

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  2. Um ein Baby gedruckt in den Schrank stellen zu können, dafür braucht man es nicht zu veröffentlichen, das geht auch anders.

    Ich weiß schon, was gemeint ist. Ja, es kostet Überwindung, auch wenn man es selber drucken lässt und vertreibt – die Angst, dass es nicht gut genug ist, ist riesig. Ich kenne das aus eigenem Empfinden…

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Ich kenne natürlich die Möglichkeiten, einfach „irgendwas“ zu drucken und ins Regal zu stellen. Aber das ist ja nicht mein Ziel.

      Wobei es schon irgendwie schlimm ist, dass das Ziel irgendwie immer größer geworden zu sein scheint …

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  3. Lieber mic,

    ich finde deine Antworten auf die Fragen sehr gut. Erhellen sie doch nochmal etwas deine Gedankenwelt.

    Mit perfektionistisch meinte ich auch eher, dass du nicht zufrieden bist mit dem Endergebnis und immer nochmal nacharbeiten möchtest und nochmal und nochmal und… also so halt. 🙂

    Aber ich finde es schon gut, was du geschrieben hast. Ich kann das nachvollziehen.

    liebe Grüsse
    kitty

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Schön, dann hat sich der kleine Trip in meine Gedankenwelt ja gelohnt! Die Fragen waren aber auch sehr gut und haben mich zum Reflektieren eingeladen. Der Beitrag schrieb sich anschließend wie von selbst.

      Gefällt 1 Person

      • *schmunzel* So müsste es immer sein, oder? Beim Buchschreiben auch. 🙂

        Ich freu mich, dass meine Fragen dich zum Reflektieren eingeladen haben, das hilft mir persönlich auch immer sehr.

        Wenn du dabei Antworten gefunden hast, die dir weiterhelfen -umso besser. 🙂

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