„Einfach mal“ auf Senden drücken

Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, wie oft man „einfach mal“ irgendwelche Dinge tut? Vor allem Dinge, bei denen andere Menschen davon ausgehen, dass sie für euch einfach sind? Aber auch Dinge, bei denen ihr eigentlich genau wisst, dass ihr es könnt, dass ihr es schon Dutzende von Malen vorher getan habt – einfach mal so?

Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass das Leben eine endlose Aneinanderreihung von „einfach mal“ ist, die man im Normalfall gar nicht bemerkt, die einem aber, wenn man plötzlich mit einem Problem, einer Sonder- oder einer Ausnahmesituation konfrontiert ist, wesentlich schwerer fallen und die auch wesentlich mehr ins Gewicht fallen.

In meinem Fall ging es darum, einfach mal auf den Button „Senden“ in meinem Mailprogramm zu klicken.

Ich schreibe einiges an E-Mails, sowohl privat, als auch beruflich. Und jede dieser Mails schicke ich dann natürlich auch ab, was ohne den Senden-Knopf nur schwer funktionieren würde. Man sollte also meinen, dass das Senden von E-Mails zu den Dingen gehört, die ich wirklich „einfach mal“ erledige.

Und doch habe ich eine gewisse E-Mail nun wieder bis fast zum letzten Tag vor mir hergeschoben, habe es nicht so recht über mich gebracht, sie abzusenden.

Es geht um die Bewerbung mit meinen beiden Kurzgeschichten für die Ausschreibung des Schreiblust-Verlags. Die Geschichten waren schon vor Tagen fertig, ich bin auch nach wie vor zufrieden mit ihnen und es hätte eigentlich keinen Grund gegeben, aus dem ich bis zum letzten Abgabetag – heute – hätte warten müssen, um sie wirklich auf die Reise zu schicken.

Aber manchmal ist es eben nicht „einfach mal“. Ich glaube, es lag daran, dass ich wusste, dass diese Mail wirklich gelesen werden wird. Dass ich wusste, dass diese beiden Geschichten wirklich gelesen werden und dass jemand sie beurteilen wird, ob sie gut genug sind, in der geplanten Anthologie zu erscheinen, oder ob es irgendwann heißen wird, dass sie leider nicht gepasst haben.

Ja, ich habe mich früher schon bei Literaturagenturen beworben, aber das war irgendwie etwas anderes. Ich denke, es war deswegen anders, weil es (mit einer Ausnahme) Initiativbewerbungen waren, bei denen ich schon beim Abschicken wusste, dass die Chance, dass sie Beachtung finden, sehr gering sind.

Aber jetzt … „einfach mal“ eine meiner Geschichten auf die Menschheit loszulassen ist für mich immer noch schwer. Das habe ich jetzt wieder gelernt. Ich muss dringend an meinem Selbstvertrauen arbeiten, was das anbelangt, ansonsten werde ich mir immer weiter selber im Weg stehen – und darauf habe ich eigentlich so überhaupt keine Lust.

Also: was kann ich tun, um einfache Dinge auch wirklich „einfach mal“ zu tun? Ich werde daran arbeiten, Normalität daraus zu machen. Werde Ausschreibungen im Auge behalten und mich beteiligen. Werde wieder mehr Geschichten auch für diesen Blog schreiben. Werde vor allem an meinen Romanen arbeiten und versuchen, diese unters Volk zu bringen. Nicht so schnell wie möglich, aber so schnell wie es irgendwie geht. Nicht „einfach mal“, aber mit Selbstbewusstsein.

Kinder, ich fürchte, ich habe noch einen steinigen Weg vor mir. Aber irgendwann einmal habe ich irgendwo geschrieben (ich finde die Stelle nicht mehr), dass der Weg zur Hölle gepflastert ist mit „einfach mal“-Sätzen. Und das sehe ich nach wie vor so.

Also, wenn auch ihr Dinge habt, die eigentlich „einfach mal“ erledigt werden könnten, die euch aber in Bezug auf gewisse Dinge schwerfallen, dann lasst euch gesagt sein:

  1. Ihr seid nicht alleine!
  2. Es gibt Wege aus diesem Dilemma heraus!

Lasst uns gemeinsam anfangen, diese Wege zu gehen und den „einfach mal“-Sätzen den Kampf anzusagen!

Die Farben der Überarbeitung: Papyrus-Edition

Nachdem ich gestern davon schrieb, dass ich mich nun langsam aber sicher wieder an die Arbeit mit Papyrus herantaste, dachte ich, dass ich euch das Kernfeature, das mich überhaupt zu diesem Programm gebracht hat, einmal „in Farbe“ präsentiere. Es handelt sich dabei um die Stilanalyse, die man sechs verschiedenen Varianten auf den eigenen Text loslassen kann. Jede dieser Varianten dient dabei einem anderen Zweck, lässt den Text jedoch primär erst einmal in unterschiedlichen bunten Farben erstrahlen.

  1. ohne Stilanalyse
  2. flüssiges Schreiben
  3. selbstkritisches Schreiben
  4. Überarbeiten
  5. intensive Analyse
  6. Endkorrektur
  7. Vollanalyse

Ich denke, ich brauche an dieser Stelle keine langen Worte verlieren, aus welchem Grund das Ergebnis sehr beeindruckend, aber auch niederdrückend, sein kann, sondern zeige euch einfach einmal die Farben der Überarbeitung in der Papyrus-Edition:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Falls bei einigen von euch die Slideshow nicht funktionieren sollte, findet ihr die einzelnen Screenshots hier noch einmal zum durchklicken:

Die Überarbeitung von Texten – und wieso ich MS Word nicht mehr blind vertraue

Wer meinen Blog in den letzten paar Monaten auch nur rudimentär verfolgt hat, der kam gar nicht umhin, festzustellen, dass die Überarbeitung von Texten ein gewaltig großes Thema bei mir ist.

Überarbeitung ist wichtig, an ihr geht kein Weg vorbei, wenn man ein Ergebnis produzieren will, das nicht nur gut genug für die heimische Schublade ist, sondern das auch andere Menschen interessieren könnte – ihnen im optimalen Fall sogar irgendwann einmal den einen oder anderen Euro aus der Tasche lockt.

Ich habe das, zugegeben, erst lernen und verinnerlichen müssen, aber als ich dann so weit war, machte ich mich, wie es meine Art ist, auf die Suche nach Hilfsmitteln, die mir die Überarbeitung erleichtern. Und das fing für mich mit der Suche nach der richtigen Software an.

(Hinweis: wen meine ganze, lange Odyssee nicht interessiert, den bitte ich, direkt unter der Überschrift ‚Word verliert an Glaubwürdigkeit‘ weiterzulesen. Vielen Dank :-))

Die richtige Software finden

Der naheliegendste Gedanke ist natürlich, das Programm einzusetzen, mit dem man sowieso die ganze Zeit über geschrieben hat. In meinem Fall war das bis zum September 2015 Microsoft Word 2007. Mit diesem Programm kannte ich mich aus, kam auch gut damit zurecht. Aber was mich immer schon ein wenig störte war, dass die Rechtschreib- und Grammatikprüfung auf mich nicht den Eindruck machte, dass sie wirklich nach den Regeln der Neuen Deutschen Rechtschreibung funktionierte. Entsprechende schlechte Erfahrungen hatte ich unter anderem in meinem Brotberuf gemacht.

Als dann noch das Ende des Supports für das Officepaket von 2007 so langsam auf dem Kalender sichtbar wurde, stand für mich fest, dass ich etwas anderes probieren wollte.

OpenOffice

Wie es die Meisten in meiner Situation wohl auch tun würden, warf ich zuerst einen Blick auf kostenfreie Möglichkeiten, allen voran das mir schon bekannte OpenOffice. Doch leider ist einer der Hauptnegativpunkte bei diesem Office immer noch vorhanden: Es ist schlicht nicht möglich aufwändigere Excel- und Powerpoint-Dateien verlustfrei, also ohne Änderungen, zu importieren. Und von denen habe ich zwar nicht viele, aber einige wichtige.

TextmakerKompatibilität war also das Stichwort. Und mit dem landete ich schnell bei SoftMaker Office. Dieses Programm ist, unter diesem Aspekt betrachtet, wirklich eine Offenbarung! Selbst kompliziertere Excel-Berechnungen werden 1:1 aus den vorhandenen .xls-Dateien übernommen. Und auch in der Textverarbeitung gab es keinen Punkt, der mich negativ gestimmt hätte, zumal das Programm auch den Duden-Korrektor mit an Bord hat, der für hohe Qualität in der Textkorrektur bürgt.

PapyrusNebenbei liebäugelte ich schon lange mit dem Programm PapyrusAutor, das ich mir schließlich zwar anschaffte, dann aber für die tägliche Textarbeit nicht einsetzen konnte, weil ich, aus verschiedenen Gründen, Teile meiner Texte auch auf der Arbeit (natürlich nur in der Pause) schreiben wollte. Und dort konnte ich Papyrus nicht installieren. Ich fand die Idee aber gut, es vor allem zur Stilanalyse in der Hinterhand zu haben. Die Rechtschreibprüfung konnte ich ja getrost dem SoftMaker-Produkt überlassen.

Nun ist es aber doch so, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Und auch, wenn die Ribbon-Oberfläche von Microsoft sich im Jahr 2006 vollkommen komisch und in Teilen beinahe unbedienbar anfühlte, so hatte man sich doch im Laufe der Jahre zwangsläufig an sie gewöhnt. Und so war es schließlich meine Frau, die mir nett aber deutlich zu verstehen gab, dass sie mit der vergleichsweise traditionellen Oberfläche von SoftMaker Office nicht klar kam und ich vielleicht doch noch mal über Microsofts Office nachdenken solle.

Und so tat ich etwas, was ich mir vorher eigentlich aufgrund des seltsamen Lizenzmodells nicht vorstellen konnte: ich schloss ein Abo für Office 365 ab (wegen eines Features, das eigentlich mit dem Paket gar nichts zu tun hat und hier auch nicht hingehört). Bei meiner Frau auf dem Notebook zogen wieder Word, Excel und Powerpoint ein und sie war damit glücklich und zufrieden.

Und ich? Na ja – ich gebe ja zu, ich bin ein Spielkind, was Software angeht. Es reizte mich einfach, das nun schon einmal vorhandene Paket mit seinen vielen Lizenzen auch bei mir zu installieren. Und wie es dann so ist, ist es einmal da, dann benutzt man es auch.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung machte einen besseren Eindruck als bei der rund zehn Jahre älteren Version. Und ansonsten hatte ich ja Papyrus noch in der Hinterhand. Aber für die „einfachen“ Dinge in der Überarbeitung würde Word schon reichen.

Der Modus Operandi: Meine blaue Liste

Blaue_ÜberarbeitungDen genauen Ablauf meiner Arbeiten in Bezug auf die Überarbeitung erspare ich euch jetzt an dieser Stelle einfach. Ich habe in vielen, vielen Beiträgen davon erzählt. Das Wesentliche, was ich an dieser Stelle aber noch einmal erwähnen muss, ist meine sogenannte „blaue Liste“, auf der ich viele Dinge zusammengefasst habe, von denen ich weiß, dass ich sie entweder falsch mache, sie zu häufig einsetze, oder dass sie mir einfach durchgerutscht sein könnten.

Diese Liste war mein Modus Operandi, mit ihr rückte ich Schritt für Schritt, und ja auch im Blog in Teilen dokumentiert, den ausgemachten Problemen zu Leibe. Es handelte sich durchweg um Dinge, von denen ich annahm, dass es kein Problem sein würde, sie mit Word zu machen, weil es wirklich „Basics“ waren, wie etwa das Auffinden von Doppelpunkten oder doppelten Leerstellen.

Mir war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass ich all das auch mit Papyrus hätte erledigen können, aber immer noch zählte für mich der Vorteil der örtlichen Ungebundenheit – zumal ich, dank entsprechender Lizenz, ja sogar von unterwegs auf meinem Smartphone mit Word arbeiten konnte.

Der Plan sah immer vor, nach den abgeschlossenen Arbeiten in Word, zu Papyrus zu wechseln, um dort „nur noch“ die Stilanalyse durchzuführen. Trotzdem machte ich in Word noch einmal, als allerletztes, die Rechtschreib- und Grammatikprüfung. In der besten Meinung, damit schon einmal gut vorgearbeitet zu haben. Und tatsächlich fand Word auch einige Dinge, hauptsächlich im Bereich der Groß-/Kleinschreibung von Wörtern.

Word verliert an Glaubwürdigkeit

Zunächst einmal begrüße ich an dieser Stelle alle Leser, die den Zwischenteil übersprungen haben, aufs Herzlichste! 🙂

Wir befinden uns gerade an dem Punkt, an dem in meiner Überarbeitung PapyrusAutor auf mein zuvor mit Microsoft Word 2016 gepflegtes Dokument losgelassen wurde. Das ist erst vor einigen Tagen der Fall gewesen. Da stand ich also nun mit meinem Dokument und erhoffte mir, dass ich nun möglichst schnell zu den Punkten kommen konnte, für die ich mir Papyrus ja explizit gekauft hatte.

Aber, weil gerade im Hintergrund irgendein Fußballländerspiel lief und ich nicht meine volle Konzentration am Text hatte, dachte ich mir, ich könne ja spaßeshalber mit der Rechtschreibprüfung anfangen. Die dürfte ja nicht viel finden.

Dazu sage ich nur:

Oh! Mein! Gott!Ich hatte ja keine Ahnung davon, wie viele Fehler man im Bereich der Groß- und Kleinschreibung machen kann! Word hatte mich, hauptsächlich nach dem Einsatz eines Doppelpunkts, so gut wie alle weitergehenden Satzanfänge in klein weiterschreiben lassen. Papyrus belehrte mich nun eines Besseren, nämlich, dass gemäß des Dudens Sätze, die auch vollständig für sich stehen könnten, nach dem Doppelpunkt groß begonnen werden. Und da der Dudenkorrektor integriert ist, bekam ich auch gleich die passende Regel zum Nachlesen dazu.

Hier fühlte ich mich zum ersten Mal von MS Word, sagen wir mal, nicht ganz gut beraten. Und in dem Stil ging es (leider) weiter. Da fanden sich Fehler im Satzbau, die ich teilweise (nicht alle, ich will ehrlich sein) wegen der Grammatikprüfung von Word eingebaut hatte. Aber auch bei den Fehlern, die nach wie vor ursächlich meine eigenen waren, hätte ich erwartet, darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Dass Word bis heute nicht in der Lage ist, im Bereich der Kommasetzung umfassend korrigierend einzugreifend, sei den Machern insofern verziehen, dass die deutschen Regeln zur Zeichensetzung nicht ganz einfach sind und es sich bei Word immerhin um ein international eingesetztes Programm handelt, das sich vielleicht auch gar nicht so sehr auf den jeweiligen Markt anpassen lässt – zumal es ja externe Lösungen gibt, die man einbinden kann.

Aber was ich Word unter gar keinen Umständen verzeihen kann, auch gar nicht verzeihen will, ist die Tatsache, dass Papyrus auf einmal noch eine Handvoll Textstellen fand, bei denen sich zwei Leerzeichen statt einem in den Text verirrt hatten! Und das waren definitiv keine Stellen, bei denen ich mir das Ei durch nachträgliche Überarbeitung vielleicht selbst ins Nest gelegt habe!

Wenn einem so etwas vor die Augen kommt, dann stellt man sich doch zwangsläufig die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Prüfalgorithmen, die da zum Einsatz kommen. Wenn selbst etwas so einfaches wie das Aufstöbern von zwei aufeinander folgenden Leerzeichen nicht klappt, dann ist ganz schön was falsch im Staate Washington, wo Microsoft seinen Firmensitz hat.

Und nun, was lerne ich daraus?

FragezeichenIch habe meine Lektion gelernt, auch wenn sie für mich leichte Unannehmlichkeiten in Bezug auf meine Flexibilität mit sich bringt. Und diese Lektion lautet, dass ich einige der Schritte, die ich anhand meiner blauen Liste in Word durchgeführt habe, zukünftig in die Hände von Papyrus legen werde. Dort gehören sie entweder sowieso zur eingebauten Stilanalyse dazu, oder sie haben sich als besser gepflegt und aufgestellt herausgestellt.

Im Endeffekt spare ich mir auf diese Weise sogar ein wenig Zeit, weil ich nicht Arbeitsschritte doppelt machen muss, weil ich einem der eingesetzten Programme nicht mehr zu 100% vertrauen kann.

Es mag sein, dass ich Microsoft Word ein wenig Unrecht tue, weil ich seine Standard-Rechtschreibprüfung gegen den Dudenkorrektor vergleiche. Das will ich gerne zugeben. Aber für die Sache mit den Leerzeichen braucht man keine auf eine Sprache spezialisierte Erkennungssoftware. Das ist im Deutschen so falsch wie im Englischen, im Französischen oder im Isländischen.

Und ihr so?

Zum Ende des wieder einmal recht lang gewordenen Artikels würde mich interessieren, ob ihr selber auch schon Erfahrungen gemacht habt, die euch an der Rechtschreib- und Grammatikprüfung von MS Office haben zweifeln lassen. Oder habt ihr vollkommen andere Eindrücke? Habe ich vielleicht irgendwas falsch gemacht?

Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Reblog: Ein spannender Titel für deinen Roman beflügelt deine Motivation

Marcus Johanus ist ein Telepath und kann Gedanken lesen! Ich weiß zwar nicht, was ihn dazu ermuntert, gerade in meinen Gedanken zu lesen, aber ich würde ihn doch bitten, das bleiben zu lassen, bevor sich irgendwelche Peinlichkeiten für mich ergeben. Danke, Marcus!

Was mich zu dieser etwas seltsamen Einleitung bringt? Nun, Marcus hat auf seinem Blog einen Artikel gebracht, der sich genau mit dem Thema beschäftigt, das auch mich gerade wieder einmal umtreibt: den richtigen Titel für eine Geschichte finden.

Wie ich ja bereits gestern erwähnte, bin ich mit dem Titel, den ich für meine zweite Anthologie-Kurzgeschichte ausgewählt habe, alles andere als glücklich. „Nur die besten Absichten“ ist nicht griffig genug, stimmt nicht auf die Geschichte ein und macht sie, schlimmstenfalls, sogar kaputt, weil der Titel zu viel verraten könnte.

Es ist bereits das zweite Mal für mich, dass ich an einem Titel festklebe, der mir so gar nicht gefällt. Das andere Beispiel ist mein Manuskript „Der Redner„, wo der Titel zwar nicht ganz unpassend, aber herzergreifend langweilig ist.

Dabei gehen mir Titel für Geschichten im Normalfall recht locker von der Hand und stehen meistens auch schon fest, bevor ich eine einzige Zeile an dem jeweiligen Projekt geschrieben habe.

Die hervorragende Darstellung von Marcus, nach welchen Kriterien man einen Titel aussuchen kann und wie man damit die Spannung sowohl für sich selbst als auch für den potenziellen Leser erzeugt, hat mich einmal nachprüfen lassen, wie es bei meinen anderen Romanen darum bestellt ist.

Ich denke, dass ich im Durchschnitt ganz gut damit fahre. Romantitel wie „Der Beobachter und der Turm“ und „Die Welt der stillen Schiffe“ kennzeichnen wichtige und auch geheimnisvolle Orte. Titel wie „Darkride“ und „Der Rezensent“ stimmen schon auf ihr Genre ein.

Ob diese Titel am Ende des Tages bei einer Verlagsveröffentlichung Bestand haben würden, das weiß ich nicht. Und darüber muss ich mir, leider, im Moment auch keine Gedanken machen. Aber die Kernthese von Marcus‘ Artikel kann ich nur unterstützen, nämlich dass ein guter Titel schon eine Eintrittskarte sein kann. Sei es zu einem Vertrag, dem Interesse des Lesers oder auch „nur“ in die eigene Motivation.

Und was bedeutet das jetzt für mich und mein Kurzgeschichten-Problem? Nun, die Geschichte ist fertig, der Titel ist das Einzige, was schlecht ist. Ich sollte also meine Energie darauf verwenden, hier noch einmal aus der Story heraus etwas Besseres abzuleiten.

Und genau das werde ich jetzt auch tun!

Der Sonntagsreport vom 26.06.2016

Guten Tag zusammen!

Und schon ist wieder eine Woche rum, der nächste Sonntag steht auf dem Kalender und damit wird es Zeit für einen kurzen Überblick über meine Aktivitäten diese Woche. Im Hintergrund läuft das Fußballspiel Frankreich gegen Irland, das nach den vielen Langweilern der vergangenen Tage endlich einmal so etwas wie Spaß am Spiel erzeugen kann. Nachher gibt es noch das deutsche Achtelfinale. Ob wir danach die ersten Deppenparaden Autokorsos erleben werden? Nun, wir werden es sehen. Aber vorher gehen wir noch mit dem Report von heute in medias res.

Mein Schreiben:

In dieser Woche habe ich die zweite Kurzgeschichte für die Anthologie geschrieben und auch erfolgreich auf die erforderliche Zeichenzahl gekürzt. Der Arbeitstitel lautet übrigens „Nur die besten Absichten“ und gefällt mir überhaupt nicht ;-). Noch habe ich vier Tage Zeit, mir einen besseren einfallen zu lassen. Vor allem einen, der den entscheidenden Twist der Geschichte nicht zumindest schon einmal ankratzt. Ja, auch diese Geschichte hat, wie auch Kurzgeschichte Numero Uno, einen Twist – ganz so, wie man es bei Kurzgeschichten gerne hätte. Ich freue mich sehr darüber, dass ich es geschafft habe, mich wieder auf das Format einzustellen. Davor hatte ich ja über ein halbes Jahr keine Kurzgeschichte mehr geschrieben.

Des Weiteren habe ich endlich den „Mut“ gefasst, mit dem vierten Entwurf von „Der Beobachter und der Turm“ anzufangen, den ich in Papyrus Autor erstelle. Den ersten Durchlauf mit der Rechtschreibprüfung des integrierten Duden Korrektors hat es schon gegeben und wie ich bereits gestern bei Twitter erwähnte, lässt dieser Microsoft Word selbst in der aktuellen Version ziemlich alt aussehen. Da werde ich in den nächsten Tagen noch einen Beitrag zu schreiben.

Dementsprechend werde ich auch die Kurzgeschichten noch einmal durchchecken, bevor ich sie bis Donnerstag auf die Reise bringen muss.

Mein Blog

Das Wichtigste in dieser Woche war, dass ich den 400. Beitrag einstellen konnte. Schon ein Meilenstein, wie ich finde. Wenn man mal davon ausgehen würde, dass jeder Beitrag hier im Schnitt 500 Wörter umfasst hat, dann wären im Blog inzwischen an die 200.000 Wörter geschrieben worden. Ein eigener Roman für sich. Ich finde die Zahl schon recht eindrucksvoll – und irgendwie auch erschreckend. Was hätte ich nicht alles schreiben können …

Nein, Blödsinn. Der Blog erfüllt nach wie vor seine Funktion für mich, nämlich die Motivation, den Ansporn und die Freude hochzuhalten, um meinen Traum zu ermöglichen.

Ich hatte euch in diesem Zusammenhang gefragt, ob es Wünsche ans Blog gibt. Diese könnt ihr gerne nach wie vor äußern! Ebenso, wie ich mich bei jedem anderen Beitrag über Kommentare freue – aber das wisst ihr ja!

Multimedia

Ich habe in dieser Woche endlich den Erstling von Sebastian Fitzek, „Die Therapie„, gelesen. Bei Fitzek habe ich einiges nachzuholen, obwohl er ja im Thrillergenre inzwischen sozusagen die Referenz in Deutschland ist. Der Roman hat mir ganz gut gefallen, ich hätte es allerdings besser gefunden, wenn er nicht einige seiner Twists lang und breit antelegrafiert hätte. Ich möchte niemandem, der den Roman noch lesen möchte, die Spannung ganz verderben, deswegen schreibe ich hier nicht, was ich genau meine.

Seit gestern lese ich ein e-Book, das ich mir im Rahmen einer Gratisaktion herunterladen konnte (die Stand jetzt auch noch gültig ist!). Das Buch heißt „E.D.E.N.“ und sprach mich wegen seiner Kernfrage an, die lautet: Gibt es Gott oder ist er eine Erfindung des Gehirns?

Ich befinde mich noch in den ersten zehn Prozent und die Figuren werden noch in Stellung gebracht. Aber der Schreibstil gefällt mir schon mal recht gut und eben diese Personen sind interessant genug, um ihnen weiter zu folgen. Auch wenn ich bis jetzt nicht sagen würde, dass da wirklich eine Identifikationsfigur dabei ist. Jedenfalls keine ausnehmend positive. Muss es die geben? Nicht zwingend. Aber es hätte den Einstieg wohl erleichtert. Nun, mal sehen, wie es weitergeht.

Musikalisch habe ich diese Woche als Highlight mal wieder das Album „Brandnew Oldies 2“ von Carsten Bohn gehört. Wenn ihr den Namen kennt, dann seid ihr wahrscheinlich ebenso große Hörspielfans wie ich und ich muss euch gar nichts weiter erklären. Allen anderen sei kurz gesagt, dass es sich hierbei um Musik handelt, die ursprünglich für Hörspiele des Europa-Labels geschrieben wurde, dann wegen eines Rechtsstreits aus diesen entfernt werden musste und später vom Komponisten Bohn in neuen Arrangements veröffentlicht wurde. Die Musikrichtung geht in den Bereich Jazz/Fusion und ich kann ein Reinhören nur empfehlen!

Ansonsten schaue ich nach wie vor die Fernsehserie „Jericho“ und bin bei Episode 12 angekommen. Nach etwas holprigem Start bin ich inzwischen vollkommen angefixt – und verfluche die Tatsache, dass es nur 29 Folgen gibt!

Famous Last Words

So, damit der Beitrag nicht wieder so ausufert, halte ich mich hier mal kurz. Gleich spielt Deutschland, allen Fans wünsche ich ein gutes Spiel! Und generell einen guten Start in die kommende Woche!

Liebe Grüße

Michael

Kill your Darlings

Es gibt da diesen schönen Spruch zur Überarbeitung von Geschichten, dass ein Autor bereit sein muss, seine Lieblingsstellen zu streichen. Auf englisch nennt sich das ganze plakativ: Kill your Darlings.

Ich habe in dieser Woche zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass es wirklich schwierig sein kann, das zu tun. Und bin seitdem nur noch stärker ein Anhänger der Prämisse, dass man eine Geschichte erst einmal eine Weile ruhen lassen sollte, bevor man sich an die Überarbeitung macht.

Was ist geschehen? Nun, ich habe diese Woche, am Dienstag, um genau zu sein, die zweite Geschichte geschrieben, die ich bei der Ausschreibung für Kurzgeschichten unter zehntausend Anschlägen einreichen möchte. Die Abgabefrist hierfür endet am 30.06., ist also nicht mehr weit entfernt.

Ich wusste also, dass ich mir hier bei der Überarbeitung nicht mehr so viel Zeit lassen konnte, wie ich sie noch bei der ersten Geschichte hatte. Die habe ich über eine Woche liegen lassen, was für eine Story mit gerade einmal acht Normseiten Umfang ausreichend war. Dieses Mal waren es aber nur zwei Tage, die ich mir gab.

Das Ergebnis war, dass ich mich unheimlich schwer damit tat, Dinge zu finden, die ich aus dem Text werfen konnte. Dabei musste ich nicht einmal die Hälfte dessen kürzen, was ich für die erste Kurzgeschichte gekürzt habe. Aber es gestaltete sich sehr zäh. Pro Durchgang schaffte ich gerade einmal zwischen dreihundert und fünfhundert Zeichen.

Und mir fielen viele dieser Lieblingsstellen auf, die ich um nichts auf der Welt anfassen wollte. Der Grund dafür war, dass ich mich in die Formulierungen verliebt hatte und es nicht einsah, sie zu ändern oder gar ganz zu löschen.

Aber ich musste sehen, dass ich die Handlung, die ja nun mal immer das Hauptaugenmerk verdient, nicht zu sehr komprimierte. Und deswegen gelang es mir nicht, alle meine Lieblingsstellen zu retten.

Was ich damit sagen will ist, dass es sich manchmal lohnt, nicht bis zum letzten Moment zu warten, bis man eine Geschichte in Angriff nimmt. Man raubt sich damit die Möglichkeiten, Abstand zum Text zu gewinnen und wohlüberlegt und vor allem kaltblütig an die Überarbeitung zu gehen.

Ich habe es geschafft, unter Ausschaltung einiger „Darlings“, den Text unter die Zehntausender-Marke zu drücken. Aber es tut weh, einige dieser Lieblinge blutend auf dem Boden des Schneideraums liegen zu sehen.

Übrigens tut es mir leid, dass ich immer ein wenig geheimnisvoll von erster Geschichte und zweiter Geschichte spreche. Aber da ich sie ja bei einer Ausschreibung einreichen möchte, kann ich sie euch leider hier nicht in der gewohnten Form präsentieren. Ich denke allerdings darüber nach, euch nächste Woche jeweils eine Leseprobe zukommen zu lassen, wenn ihr das gerne möchtet :-).

Einstweilen hoffe ich, dass es euren Darlings, vor allem denen aus Fleisch und Blut, gut geht und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Der Brexit – Utopie und Wirklichkeit

Keine Frage, heute werden sie alle aus ihren Löchern kommen: die Befürworter, die Gegner, die Skeptiker, die Euphorischen, die Schwarzmaler, die Berufsoptimisten … sprichwörtlich Mann und Maus werden heute etwas zu dem Thema zu sagen haben, das nicht zuletzt auch die Titelzeilen der Weltpresse bestimmt.

Das britische Referendum zum Verbleib Großbritanniens in der EU ist, nach allen vorliegenden Ergebnissen, mit einer deutlichen Mehrheit für das Verlassen des Staatenbundes ausgegangen. Er ist da, der viel beschworene Brexit.

Dies hier ist kein politisches Blog. Ich habe keinerlei Ambitionen, nun auf einer geo- oder nationalpolitisches Ebene ein Statement dazu abzugeben, ob diese Entscheidung gut oder schlecht ist. Zumal es, meiner Meinung nach, weder in diesem Moment schon absehbar ist, noch sich so undifferenziert darstellen lässt. Es wird sicherlich Dinge geben, die für die EU besser laufen werden ohne die Briten und Dinge, die schwierig werden. Und genauso wird es auch für die Anhänger des Brexit irgendwann Punkte geben, bei denen sie sich fragen, ob die EU wirklich so schlimm war.

Wie dem auch sei, Großbritannien hat gewählt – und steht nun auch vor inneren Zerreißproben. Die Schotten haben sich ebenso wie die Nordiren für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Schon munkelt man von weiteren Referenden, um diese Länder aus dem United Kingdom herauszulösen. Nicht nur die EU, auch die Insel geht interessanten politischen Zeiten entgegen.

Ich sagte es schon: irgendwann werden wir genaueres wissen. Und dieses „irgendwann“ ist es, das mich heute fasziniert. Ich bin Autor, ich kann nicht anders, als zumindest kleine Ideen eines „irgendwann“ in meinem Kopf zu entwickeln. Selbst wenn ich nicht vorhabe, ihn irgendwann zu schreiben, formt sich in meinem Kopf der Beginn eines Prologs:

Im Nachhinein vermochte niemand mehr zu sagen, wann es angefangen hatte, zu eskalieren. Doch in einem war man sich sicher: der Beginn des Ganzen datierte auf den vierundzwanzigsten Juni 2016. An jenem Tag hatte der Austritt Großbritanniens die Europäische Union erschüttert und damit eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, an deren Ende das stand, was man heute umgangssprachlich als den „Big Bang“ bezeichnet.

Doch dies ist die Utopie. Wie die Wirklichkeit aussehen wird, werden wir erst in Monaten, vielleicht sogar in Jahren wissen. Aber eines möchte ich dennoch sagen, auch wenn es sich hier um ein unpolitisches Blog handelt. Wir alle sollten jetzt die Kirche im Dorf lassen und nicht damit anfangen, Schreckensszenarien für die Wirtschaft oder die Stabilität des Euro oder der EU als Ganzes zu entwerfen. Dass Großbritannien seinen Brexit vollzieht ist sicherlich eine Zäsur. Aber es ist nicht das Ende! Weder für die eine Seite, noch für die andere.

Spannend wird es werden. Wie in einer guten Geschichte. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich es kaum erwarten kann, die Seite umzublättern um zu erfahren, wie es weitergeht!

Kurz und schmerzlos (21) Alles fährt Achterbahn

Wie gerne wäre ich jetzt in der First Row eines der schnellen Achterbahnzüge, die erst hoch hinauf gezogen oder geschossen werden, um dann umso schneller wieder hinab zu fallen. Es ist heiß in Deutschland, zumindest an diesem einen Tag. Weiter nach vorne zu schauen lohnt sich ohnehin kaum.

Aber ich bin nicht an Bord einer Achterbahn und doch fühlt es sich so an, als ob ich es sei. Meine Stimmung geht mal hoch, mal runter, immer schneller und immer radikaler. Hin und wieder setzt mein Hirn zu einem Looping an, verfängt sich in Spiralen, die immer waghalsiger werden. Eine Heartline-Roll rund um mein kreatives Leistungszentrum.

Eigentlich will ich Dinge voran bringen. Aber uneigentlich denke ich mir im nächsten Moment, dass das alles doch nur vergebliche Liebesmühe ist. Dass zumindest an einem Tag wie heute nichts verwertbares dabei herauskommen wird.

Mir ist nach Jammern, dabei habe ich keinen Grund dafür. Im nächsten Moment wieder freue ich mich, dass ich Ideen habe, die ich umsetzen kann. Und kneife dann in Gedanken vor Projekten, die ich nicht werde umsetzen können.

Ich fühle mich als Einzelkämpfer auf dieser Achterbahnfahrt, obwohl der ganze Zug gefüllt ist mit anderen Menschen, die rufen und schreien. Die Sorte Schreie, bei denen man sich nie ganz sicher ist, ob es sich nun um Schreie der Angst oder des Vergnügens handelt.

Ich habe meine Hände erhoben, als ob ich mich ergeben will – ergebe mich auch meinen Gedanken und Gefühlen, die, an die Schiene der Achterbahn gebunden, ihre Kapriolen schlagen.

Ist es einfach nur zu heiß, um etwas sinnvolles zustande zu bringen? Nein, eigentlich nicht. Ein optimaler Tag für eine Fahrt auf der Bahn. Jeder Tag ist optimal für eine Fahrt auf der Bahn.

Nur noch wenige Sekunden und dann werde ich in die Schlussbremse einfahren. Ein letzter Ruck, der Zug kommt zum Stehen. Die Bügel öffnen sich. Menschen steigen aus, Menschen steigen ein. Ich bleibe sitzen. Ich werde hier sitzenbleiben, bis es den Zug aus seiner Bahn schleudert oder bis ich den Mut gefunden habe, auszusteigen und auf meinen dann sicherlich wackligen Knien zu stehen.

Ich spüre keine Angst. Ich spüre die Hitze nicht mehr. Ich spüre nur das wohlige Kribbeln, als der Zug die Station verlässt, in die Höhe steigt und am höchsten Punkt für einen Moment zu schweben scheint, bis das Gewicht der nachfolgenden Wagen ihn in die Tiefe katapultiert.

Ich spüre, ich bin am Leben. Mit allem, was dazu gehört. Der nächste Looping löst den Knoten. Ich schreibe, überarbeite, bin kreativ.

Alles fährt Achterbahn – und in diesem einen Augenblick ergibt alles einen Sinn.

Die blaue Liste (5) Bindestriche und Gedankenstriche

Guten Tag zusammen,

heute geht mein kleiner Blog auf den Strich. Habt ihr Lust, mitzukommen?

So, nachdem wir diesen offensichtlichen Kalauer erfolgreich hinter uns gebracht haben, wenden wir uns den ernsthafteren Dingen des Lebens zu. Heute soll es in meiner losen Reihe um meine „blaue Liste“ zur Überarbeitung von Geschichten um Bindestriche und Gedankenstriche gehen.

Bindestrich und Gedankenstrich – Was soll das eigentlich?

Bindestriche kennen wir alle als Begriff. Sie sind auf jeder Tastatur leicht zu erzeugen und gingen uns auch in der Schule gut von der Hand, wenn wir sie im Deutschunterricht brauchten. Aber schon damals dürften die meisten von uns ihn und seinen für das Schreiben wesentlich wichtigeren Bruder, den Gedankenstrich, synonym benutzt haben. Und das ist leider ein Fehler, auf den einen jeder Lektor hinweisen dürfte – selbst wenn es vom Leser unbemerkt bleibt.

Die Ursache dafür, dass wir die beiden Striche so synonym verwenden, liegt schon in der Zeit begründet, in der man sich Gedanken darum machte, welche Zeichen man auf einer Tastatur unterbringen möchte. Man entschied sich damals dafür, den Bindestrich zu verwenden, um alle anderen Möglichkeiten damit abzubilden. Damit ersparte man sich mehrere weitere Tasten, sorgte gleichzeitig aber dafür, dass das Wissen um deren Bedeutung beinahe ausstarb. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass mir nicht bewusst war, wie viele Bedeutungen so ein kleiner Strich haben kann, bevor ich ein wenig für diesen Artikel recherchiert habe.

Bleiben wir aber bei den beiden Hauptverwendungszwecken, das soll für unsere Belange reichen.

Und wofür benutzt man die Striche jetzt?

Einen Bindestrich setzt man, grob gesagt, eher technisch und wie folgt ein:

  • als manuelle Trennung am Zeilenende (was ein Autor nie tun würde, der seine Tassen im Schrank alle beisammen hat),
  • in Web-Adressen,
  • bei Zusammenführung mehrerer Wortteile wie z.B. vor- und hinterher,
  • in zusammengesetzten Wörtern wie Computer-Monitor, 40-jährig oder BMX-Rad.

Der Gedankenstrich erfüllt dementgegen eher wichtige Zwecke für die Wirkung des Textes als solches:

  • er kommt in Einschüben zum Einsatz (Josef hob das Kind – das vielleicht, vielleicht aber auch nicht von ihm gezeugt worden war – aus seiner Krippe und sah es ernst an),
  • als Ersatz für das Wort „bis“ (1920–1930),
  • als „echtes“ Minuszeichen,
  • bei „Nachsätzen“ am Satzende (Dann legte Josef das Kind wieder hin – obwohl er sich immer noch nicht sicher war, was er von der Sache halten sollte)
  • als „Ersatz“ für Doppelpunkte, Kommas oder Klammern, mit denen man Nebensätze hätte einschieben können.

Aha. Und wo ist jetzt das Problem?

Das Problem besteht darin, dass leider nicht jedes Programm auf jeder Plattform gleich mit diesen Strichen umgeht. Und da wir es mittlerweile gewohnt sind, auf den unterschiedlichsten Systemen an einem Projekt zu arbeiten, manchmal durchaus auch gleichzeitig, vermischen sich diese unterschiedlichen Herangehensweisen.

Als ich an „Der Beobachter und der Turm“ geschrieben habe, war es besonders extrem. Ich hatte damals gerade frisch den Microsoft-Produkten abgeschworen und war auf das Produkt Textmaker umgestiegen. Textmaker behandelt, jedenfalls in der Grundeinstellung, jeden getippten Bindestrich in jedem Fall als Bindestrich. Nebenbei schrieb ich ein wenig, wenn ich unterwegs war, auf meinem Kindle Fire in einem Texteditor. Der machte es ähnlich wie Textmaker.

Wenn ich in der Mittagspause auf der Arbeit schrieb, hatte ich MS Word zur Verfügung, das versucht, Gedankenstriche als solche zu erkennen, dies aber manchmal auch „vergisst“, wenn man zum Beispiel den Fehler gemacht hat, ein Leerzeichen, einen Bindestrich und dann eben nicht wieder ein Leerzeichen einzugeben, sondern irgendwo zu editieren.

Am Ende hatte ich eine Datei, in der die Gedanken- und Bindestriche kreuz und quer und immer unterschiedlich aussahen (eine ähnliche Geschichte könnte ich euch zu den Anführungszeichen erzählen).

Gibt es eine einfache Lösung?

Leider gibt es die nicht, wenn ihr erst einmal vor einem Text sitzt, der so wie meiner aussieht. Ihr könnt über die Suchfunktion eurer Textverarbeitung alle Bindestriche abgrasen und darauf prüfen, ob sie nicht eigentlich ein Gedankenstrich sein müssten. Das kann sich übrigens doppelt lohnen: oft findet man auf diese Weise eingeschobene Sätze, die für den Roman gar nicht nötig wären und den Text unnötig verlangsamen. So ging es mir jedenfalls.

Präventiv könnt ihr tätig werden, indem ihr euch (in Windows-Programmen) gar nicht auf die Umwandlung verlasst, sondern manuell einen Gedankenstrich einfügt. Dafür haltet ihr die ALT-Taste gedrückt und gebt auf dem Ziffernblock die Zahl 150 ein. Auch andere Betriebssysteme kennen einen manuellen Workaround. Eine Übersicht liefert die Wikipedia.

Ein letztes Wort

Ich bin ein Fan des Gedankenstrichs. Wer schon einmal die Gelegenheit hatte, einen Text von mir zu lesen, wird das bestätigen können. Umso besser fände ich es, wenn sich die Hersteller von Textverarbeitungsprogrammen hier einig werden könnten, was den Umgang mit Binde- und Gedankenstrichen angeht. Ich rede ungerne dem Platzhirsch das Wort, aber Microsoft Word macht das schon ganz ordentlich. Wieso also die anderen nicht auch?

Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort habe.

Beitrag 400: Wünsche ans Blog?

Heute erreicht mein kleines Blog einen weiteren Meilenstein. Dies ist der 400. Beitrag, der hier seit April 2015 erschienen ist. Wir sind zusammen eine ganze Strecke Weges gegangen, mein Blog und ich – und nicht wenige von euch gehen auch schon einen langen Weg und eine lange Zeit mit mir.

Zum einen möchte ich an dieser Stelle gerne Danke sagen. Danke für eure Kommentare, für jedes Gefällt mir, für die Diskussionen, die Ermutigungen, die positiven Kritiken. Viele von euch diskutieren auch auf ihren eigenen Blogs mit mir und auch das ist für mir eine sehr positive Erfahrung gewesen. Ich habe es im Internet auch schon einmal anders erlebt und bin deswegen doppelt froh darüber.

Zum anderen möchte ich euch heute gerne ermutigen, auch nach den Beiträgen der letzten Tage, wo es unter anderem um die Länge meiner Texte ging, oder wo ich euch sagte, dass ich darüber nachdenke, die Beitragsfrequenz zu verändern, mir einfach ein ungeschminktes Feedback zu geben.

Was gefällt euch gut am Blog?
Was könnte ich besser machen?
Was würdet ihr euch wünschen?
Was sollte ich euch unbedingt einmal erzählen?
Was könnt ihr nicht mehr sehen?
Was nervt euch?

Es würde mich freuen, wenn ich ganz, ganz viele Rückmeldungen bekomme. Ich sage nicht, dass ich alles umsetzen kann, will oder werde. Denn dies ist mein Blog, meine Veranstaltung, mein Traum. Aber ich kann euch versprechen, dass ich mich mit allem auseinandersetze, was an Feedback reinkommt.

Falls ihr euch nicht öffentlich in den Kommentaren äußern wollt, dann könnt ihr mir über die Kontaktseite auch gerne eine direkte Nachricht schicken. Oder ihr sendet eine Mail an die im Impressum angegebene Adresse.

Wie dem auch sei, ich hoffe, wir sehen uns auch weiterhin hier, auf meiner bescheidenen kleinen Internetpräsenz, auf der ich meinen kleinen, bescheidenen Traum vom eigenen Buch träume.

Bis bald und auf ein gutes Gespräch!

Michael