Der Reiz der Bücherregale

Vorweg muss ich eines klarstellen: Ich liebe Bücher!

Nach diesem, für alle meine Leser sicherlich kaum an Spannung zu überbietenden Geständnis, muss ich aber noch ein zweites, diesmal wahrscheinlich wirklich erschütterndes hinterher schicken: ich wollte eigentlich keine mehr in meinem Wohnzimmer haben!

Dazu muss man wissen, dass ich, erklärter Multimedia-Junkie, der eine Bibliothek, Audiothek und Videothek sein eigen nennt, eigentlich schon seit immer mit Platzproblemen zu kämpfen hatte. Egal, in welcher der fünf Wohnungen, in denen ich vor dem Einzug in unser kleines Eigenheim gelebt habe, immer waren irgendwelche Kompromisse zu schließen, musste improvisiert werden.

Alle CDs geordnet nach Interpreten in einem Regal? Geht nicht, weil kein Platz. Alle DVDs nach irgendwas geordnet? Ist schwer, wenn man sie in Doppelreihen und teilweise sogar hinter dem Sofa verstecken muss. Und bei den Büchern – nun, auch die sahen nicht besser aus in ihren schwarzen Billy-Regalen, die sich kreuz und quer über den Essbereich unseres Wohnzimmers verteilten.

Ich weiß, dass es für viele Menschen undenkbar ist, ein Wohnzimmer zu haben, in dem keine Bücher sind. Aber ich habe es zu schätzen gelernt, dies alles, also meine Musik, meine Hörspiele, meine Filme und meine Bücher direkt in meinem persönlichen Umfeld zu haben. Also dort, wo ich die meiste Zeit in meiner Wohnung verbringe. Und das ist nicht das Wohnzimmer, das ist mein Arbeitszimmer!

Ich brauche also streng genommen keine Bücherregale mehr im Wohnzimmer und deswegen haben meine Frau und ich bei der Planung unseres neuen Eigenheims auch darauf verzichtet, welche an die Wand zu bringen. Auf der einen Seite des Zimmers steht die Schrankwand (man muss ja nicht alle guten deutschen Traditionen gleichzeitig brechen), auf der anderen Seite die Couch und an einer Seite ein Highboard. Die andere Seite ist Glasfront, auf der unsere Kinder und der Kater immer ihre Spuren hinterlassen.

Ihr seht: gar kein Platz für Bücherregale!

Aber …

Jetzt muss ich dazu sagen, dass meine Frau, die ich wirklich sehr liebe, aber in solchen Momenten durchaus ein ganz klein wenig anmeckern könnte, einen ausgewachsenen Fetisch dafür hat, Zimmer nach geraumer Zeit umzuräumen und/oder zu -dekorieren. Spätestens alle paar Jahre packt es sie und dann muss in einem der Zimmer irgendwas total anders gemacht werden. Meistens gehe ich jeder Konfrontation aus dem Weg und lasse sie machen – bzw. helfe bei den schwereren Teilen. Aber für sinnvoll erachte ich die meisten dieser Änderungen nicht zwingend.

Nun ist also das Wohnzimmer in ihr Augenmerk gerutscht. Meine Frau ist zu der – zutreffenden – Erkenntnis gelangt, dass auf der Couch an der Wand irgendwie nie jemand sitzt, weil ich zum Fernsehen meinen eigens auf die Lautsprecher der Surround-Anlage eingestellten Sessel benutze und auch die Kinder sich lieber in die Sessel fläzen. Meine Frau selbst schaut, wenn überhaupt, in ihrem Arbeitszimmer. Wenn überhaupt, dann hält sie sich zum Lesen oben auf, weil da natürlich mehr Sonnenlicht ist, als im Keller bei der Nähmaschine.

Und um jetzt das Sonnenlicht noch mehr auszunutzen und um vielleicht generell die Couch aus ihrem Schattendasein zu befreien, könne man ja die Couch quasi in den Raum hereinholen, sie also mittig ins Zimmer stellen. Die Schrankwand käme an die Wand, wo die Couch jetzt steht und das Highboard, wo dann ein Sessel hinkommen würde, wandert an die alte Stelle der Schrankwand. Falls euch das jetzt zu kompliziert war, meldet euch ruhig, dann versuche ich mich noch an einer Zeichnung ;-).

Ich reagierte auf diese Idee so, wie ich grundsätzlich erst einmal auf jede Umräumaktion reagiere: mit einem gepflegten „muss das sein!?“.

Und dann packte meine Frau das Argument aus, das mich ins Wanken gebracht hat. Sie sagte, dass man ja neben das Highboard durchaus noch zwei, passend weiße, Regale stellen könnte, um dort der Vielzahl der Bücher Herr zu werden, die sich bei mir im Keller, wortwörtlich, stapeln.

Ich habe in letzter Zeit einiges an Büchern gekauft, habe einmal auch einen regelrechten reBuy-Flash bekommen (die verkaufen da Bücher für 39 Cent!) und mein Arbeitszimmer fängt an, aus alles Nähten zu platzen. Welch Verlockung ist angesichts dessen die Möglichkeit, zumindest repräsentative Exemplare wie meine vollständige Stephen-King-Sammlung oder ausgewählte Hardcover auszulagern! Auch wenn ich nie wieder Bücher im Wohnzimmer haben wollte!

Und jetzt habe ich ständig diesen inneren Kampf zwischen meinem Unwillen zur Veränderung und dem Reiz der Bücherregale. Da würden sich irgendwann auch meine eigenen Romane sicherlich mal gut drin machen … *hust, hust*.

Ich bin mit meiner Frau jetzt so verblieben, dass wir auf meinen nächsten Urlaub warten, um dann zunächst mal die Umbauarbeiten an der Schrankwand und der Couch auszuprobieren. Und dann, aber auch erst dann, wenn ich das Gefühl habe, da irgendwie mit leben zu können, gehen wir Bücherregale kaufen.

Aber reizen tun mich die Dinger ja schon, seufz.

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28 Gedanken zu “Der Reiz der Bücherregale

  1. Bücher im Wohnzimmer gehen gar nicht! Da gehören DVDs, Gesellschaftsspiele und Comics rein! Die Bücher gehören ins Arbeitszimmer oder besser in die Bibliothek, wenn man dafür noch Platz hat! Am besten mit Lesesessel und Kamin… Zugegeben, die Bibliothek ist ein Träumchen von mir, das ich noch nicht realisieren konnte 😉
    Aber ins Wohnzimmer gehören Bücher nicht! 😀

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  2. Stephan schreibt:

    Ich musste ja so schmunzeln. 😉 Wieso kommt mir das bekannt vor!? Vor einigen Jahren habe ich aber bereits radikal etwas durchgezogen, was ich seither auch nicht bereut habe: Alles nur noch auf Rechnern.

    Ich weiss, in Sachen Büchern ist das so eine Sache. Schon beinahe eine Angelegenheit des „Glaubens“. 😉 Denn wer das gute alte Buch in den Händen halten möchte, wird mich in diesem Punkt belächeln.

    Aber es gibt bei uns überhaupt kein Buch, keine DVD und keine CD mehr. Ich habe alles eingelesen und verwalte alles auf mehrfach gesicherten NAS. Tja, das hat wenig von Romanik. Im Ganzen habe ich derzeit 15 TB Speicher belegt. Tendenz stetig steigend. 😉

    Aber nichts mehr in der Wohnung. Nichts mehr im Keller. Und was noch viel wichtiger ist: Mit den Originalen haben wir auch noch andere Menschen glücklich gemacht, weil ich die DVDs, CDs und Bücher an das Rote Kreuz gegeben habe. So kommen vielleicht auch noch andere Menschen zu einem kulturellen Vergnügen, die sich das sonst vielleicht nur schwer erlauben können.

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    • Hallo Stephan und willkommen im Blog!

      Darf ich fragen, was du mit den vorhandenen Büchern gemacht hast, die du vielleicht noch einmal lesen wolltest? Neu als E-Book gekauft? Bei mir würde es alleine daran schon scheitern, weil ich sehr viele Schätze habe, die ich gar nicht elektronisch bekommen würde. Und ja, ich bin bekennender Doppelt- und Dreifachleser :-).

      Meine CDs und Kassetten (!) habe ich auch digitalisiert. Aber spätestens bei meiner Filmsammlung müsste ich passen. Laut DVD-Profiler habe ich gegenwärtig rund 3.700 DVDs und Blu-rays in meinem Besitz und auch hier: ich schaue die gerne auch doppelt und dreifach.

      Ich bin halt ein Jäger und Sammler.

      Will sagen: ich finde den Gedanken gut, wie du das machst, für mich persönlich hätte er allerdings leichte Schwächen :-).

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      • Stephan schreibt:

        🙂 Okay, die Dimension ist vielleicht ein wenig kleiner bei mir. Ich habe nur 1000 Filme auf dem Rechner + 80 Serien in mehreren Staffeln. Ja, ich habe alle DVDs eingelesen. War viel Arbeit. 🙂

        Das mit den Büchern ist für mich einfacher. Ich lese fast alle Bücher nur ein einziges Mal. Für mehr fehlt mir einfach auch die Zeit (und vielleicht auch die Innere Ruhe). Und diese Bücher gibt es alle elektronisch. Und ja, ich habe dann die Bücher einfach noch einmal elektronisch gekauft. Da ich keine alten Schätze hüten muss, habe ich es an dieser Stelle einfacher.

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      • 1000 Filme sind ja nun auch schon nicht gerade wenig. Ich nehme an, da hast du aber „nur“ die reinen Filme kopiert (welches Format, wenn ich fragen darf?) und nicht noch das Bonusmaterial, oder? Das schaue ich zwar auch verhältnismäßig selten, aber ich könnte es dennoch nicht verwinden, drauf zu verzichten. Seltsam, ich weiß.

        Mit den Büchern ist es dann in der Tat einfacher. Ich habe auch schon oft versucht, mich von viel mehr Büchern zu trennen – aber das ist soooo schwierig! 😉

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      • Stephan schreibt:

        Tatsächlich habe ich nur die reinen Filme eingelesen. Aber da ich seit Jahren nur noch direkt als Datei kaufe, habe ich bei den neueren Dingen auch die Extras. Ich muss aber auch gestehen, dass mich die so gar nicht interessieren.

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  3. Bücher (und Blu-rays/DVDs und CDs) und Platzprobleme. Ja, das kenne ich nur zu gut. In der alten Wohnung hatten wir auch unzählige Regale. Im neuen Haus dagegen sollte das Wohnzimmer auch ordentlicher sein. Dennoch mussten zwei Bücher- und ein Film-Regal einfach sein. Ohne geht nicht. Da sieht alles so unwohnlich aus. Die meisten Filme und Bücher sind dennoch im Keller gelandet… ich fühle also mit dir! 😉

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