Meine Mitschreiber von gestern: Where are they now?

Ich habe ja schon früher in diesem Blog erwähnt, dass ich trotz meiner Probleme, zu meinem Schreiben zu stehen, während meiner Jugend irgendwie immer einen Menschen an meiner Seite hatte, der ebenfalls geschrieben hat. Diese Tatsache ist als solche nicht wirklich bemerkenswert, denn ich glaube, das gerade viele Jugendliche den Traum vom Schreiben haben und wenig Skrupel, es einfach auszuleben. Später verlor sich das, genauso wie sich die Schreibpartner von früher verloren.

Und jetzt stelle ich mir die Frage, was sie wohl heute so treiben – ob sie immer noch schreiben, oder ob sie diesen Traum aufgegeben haben. Von einem meiner Freunde, mit denen ich mich neulich auf Facebook austauschte, weiß ich, dass bei ihm nichts daraus geworden ist. Zu den beiden anderen habe ich den Kontakt verloren.

Bleiben wir für einen Moment bei S., wie ich ihn nennen möchte. Er war für mich der beste Freund meiner Kindheit und live dabei, als ich mit dem Schreiben der ersten Geschichte rund um das Raumschiff Silverstar begann. Ich habe diese Begebenheit in einem Nachwort zu diesem Roman wie folgt beschrieben:

Jetzt sah ich den Zeitpunkt für gekommen und noch ehe S. überhaupt gegangen war, begann ich mit der Arbeit am ersten Kapitel eines Buches, das ich Expedition zur Erde nannte und in dem jene Figuren, die ich mir ausgedacht hatte, vorkamen. Der einzige Gedanke, den ich zu diesem Zeitpunkt als Leitfaden hatte war dieser : Die fünf hatten das langweilige Leben auf ihrer Heimatwelt Tantoo satt und wollten nach Arcturian fliegen, um zum Militär zu gehen.

Bei ihm handelt es sich auch um jenen Freund, mit dem ich mich immer abgewechselt habe, als es darum ging, später am PC unsere jeweiligen Geschichten zu schreiben. Darüber habe ich mal einen eigenen Blogeintrag verfasst, den ich an dieser Stelle gerne noch einmal verlinken möchte.

Wie gesagt, dieser Freund schreibt nicht mehr, jedenfalls nicht literarisch. Aber bei ihm war das Schreiben, wenn ich es so sagen darf, nie ganz weit vorne im Fokus. Er hat gut geschrieben, er hat gern geschrieben. Aber es war für ihn nie ein Ziel, das irgendwann mal auf einer anderen Ebene als der des Zeitvertreibs zu betreiben, Oder wenn es so war, dann hat er es mir nie erzählt.

Ganz anders sah die Sache da schon bei meinem zweiten guten Schreibfreund, T. mit Namen, aus. Der träumte davon, mit seinen Büchern reich und berühmt zu werden – und ich habe ihn damals dafür beneidet, wie viel Konsequenz er an den Tag gelegt hat, um sich zu verbessern. Leider hat er denselben Fehler gemacht wie ich und einfach zu wenig originell geschrieben. Er verstand es, mit Sprache und Ausdruck umzugehen, aber es fehlte ein wenig die eigene Stimme, die eigene Geschichte.

Der Roman, den er zum Film „Die Goonies“ geschrieben hatte, war besser als der eigentliche Roman zum Film. Aber für eine Veröffentlichung war das natürlich nicht geeignet.

Aber so war T. eben: wenn er etwas machte, dann konnte er sich ganz akribisch in Details verlieren. Ich erinnere mich an eine fiktive Welt, die wir für unser damaliges Pen & Paper-Rollenspiel erfanden. Da ging es sehr auch detailverliebt zur Sache!

Der Kontakt mit T. ist komplett abgebrochen und auch wenn es mir fern liegt, irgendwelche Schuldzuweisungen abzugeben, muss ich mir doch immer wieder sagen, dass er es war, der einfach die Haustür nicht mehr geöffnet hat! Aber das ist neunzehn Jahre her und damit verjährt.

Seltsam ist es nur, weil T. derjenige war, der von uns beiden ganz locker mit dem Schreiben umging. Ansonsten wäre unsere Schreibfreundschaft wohl auch nicht zustande gekommen.

In meinem Roman „Lichter“, der einige autobiographische Züge trägt, habe ich die entsprechende Szene beschrieben:

T. grinste auf eine Art, die ich in den nächsten Jahren noch allzu häufig sehen sollte. „Na ja, für den Augenblick reicht ’s mir schon, wenn du mir sagst, was du da schreibst!“
Wie oft hatte ich geleugnet? Keine Ahnung. Wie oft gelogen? Ebenfalls keinen Schimmer. Warum ich es dieses Mal nicht tat, konnte ich auch nicht sagen. Vielleicht hatte ich einfach keine Lust mehr auf Unwahrheiten.
„Ich schreibe an einem Buch“, sagte ich und wartete auf Hohn und Spott.
T. sah mich mit großen Augen an und setzte sich dann neben mich an den Tisch. Mit Verwunderung in der Stimme und gleichzeitig stark gefaßt, als wäre es das normalste von der Welt sagte er: „So ein Zufall, das tue ich auch!“

Die geringste „gemeinsame“ Zeit, was das Schreiben angeht, verbrachte ich mit N. Sie war ebenfalls über das Rollenspiel in mein Leben gekommen und hatte überhaupt keine Probleme damit, auch darüber zu sprechen, dass sie kurze Geschichten und Gedichte schrieb. Vielleicht ist das bei Frauen noch einmal etwas anderes als bei Männern, aber das kann ich nur mutmaßen.

Der Grund dafür, dass wir nur wenig, dafür aber intensiv über unsere Texte im miteinander im Austausch sein konnten, liegt darin, dass N. nach dem Schulabschluss nach Rostock zum Studieren gegangen ist. Wir haben den Kontakt noch eine Weile halten können, aber dann brach auch dieser ab. Bei ihr kann ich mir gut vorstellen, dass sie auch weiterhin aktiv geblieben ist. Sie war irgendwie der Typ dafür.

Ich hoffe, sie wird es mir nicht übel nehmen, wenn ich einen ihrer Texte namens „Traurige Tage“ hier veröffentliche, zumal ich ihren Namen nicht nenne. Ich habe ihn damals dem dritten Teil meines Romans „Lichter“ vorangestellt.

Nich so sehr die Tränen,
nicht so sehr die Tatsachen,
nicht so sehr das Unveränderliche;
triste Tage, traurige Stimmung und depressives Gefühl
– gefangen in den eigenen Gedanken.

Manchmal frage ich mich wirklich, was aus diesen Personen schreiberisch geworden ist. Wie gesagt, ein Drittel der Frage konnte ich klären. Ob es mir bei den beiden anderen gelingen wird?

Die Vergangenheit ist vorbei und nicht mehr zurückholbar. Was bleibt, sind die Erinnerungen. Ich werde versuchen, sie auch in Zukunft am Leben zu erhalten.

 

Advertisements

8 Gedanken zu “Meine Mitschreiber von gestern: Where are they now?

    • Mir geht es nicht einmal so sehr um das Aufleben lassen. Da bin ich Realist und hgabe akzeptiert, dass das schwierig würde. Aber hier, bei den drei (zwei) Genannten, würde mich einfach interessieren, ob sie dem Schreiben treu geblieben sind, oder ob es sich irgendwann von alleine erledigt hatte.

      Kann dir bei deiner Adresssuche nicht z.B. das Einwohnermeldeamt helfen?

      Gefällt mir

  1. Es ist kurios. Mit der einen Freundin, nennen wir sie Roxana, mit der ich was zusammen schrieb, habe ich keinen Kontakt mehr.
    Eine andere Freundin will immer noch, dass ich an unseren Geschichten weiterschreibe. Allein, mir bedeutet das alles nichts mehr. Ich habe mich weiterentwickelt und für das, was wir in die Welt entließen, keine Zeit (und es war furchtbar schlecht, ich will nicht).
    Sie hat sich nie weiterentwickelt, auch wenn sie noch manchmal schreibt. Ich schon. Die Kluft ist zu groß geworden.
    Die Menschen, die ich in Autorenforen kennenlernte und die teilweise meine Vorbilder waren – die schreiben nicht mehr.
    Andere schreiben anders. Andere Genres, keine Romane.
    Schräg.

    Gefällt 1 Person

    • Spannend, dass du das für dich noch so nachvollziehen kannst! Ich habe mich ja mit meiner Schreiberei so ungefähr 1998 vollkommen zurückgezogen und erst ab ca. 2011 wieder angefangen, überhaupt das Thema anderen gegenüber zu erwähnen. Dass ich mich wieder mit anderen Autoren austausche, datiert vom letzten Jahr.

      Aber wenn ich mir vorstelle, dass da draußen wirklich noch, zum Beispiel, mein ehemaliger Freund T. herumläuft und maximal abgekupferte Science-Fiction schreibt (was ich im Beitrag gar nicht erwähnt habe, fällt mir gerade auf), dann fröstelt es mich doch ein wenig.

      Nicht, weil ich mich für so gut halte. Sondern weil ich denke, dass man sich als Autor entwickeln muss – egal, auf welchem Grad der „Professionalität“ man es betreibt.

      Gefällt 1 Person

      • Man könnte meinen, dass es im Internetzeitalter leicht ist, Leute nicht aus den Augen zu verlieren, oder?
        Aber dem ist nicht so. Gerade in Foren, in denen die Leute mit Nick unterwegs sind, ist es dann fast unmöglich, herauszufinden, was die Person heißt und was ihr geworden ist. Mein erstes Schreibforum hat sich ja aufgelöst und ich habe keine Ahnung, ob 80% der Leute von damals noch schreiben.

        Das mit deinem ehemaligen Freund ist ja durchaus möglich. Vielleicht begegnest du dem Namen irgendwann in dem Zusammenhang.

        Naja, ich kenne z.B. Leute, die schreiben ausschließlich zu therapeutischen Zwecken oder um die eigenen Fantasien rauszulassen, die aber überhaupt keine Ambitionen haben, zu veröffentlichen oder Erfolge zu erzielen.

        Das trennt sich aber schnell.

        Gefällt 1 Person

      • In der Tat verliert man sich, meiner Meinung nach, im Internetzeitalter sogar schneller und nachhaltiger aus den Augen, weil viele der Freundschaften, die man online so pflegt, im Grunde nichts anderes als virtuell sind. Erst dann, wenn man dem eine persönliche Note hinzufügt, ändert sich das vielleicht. Und damit meine ich nicht, dass man vielleicht mal miteinander telefoniert hat. Am Ende bleibt ein Nickname ein Nickname. Und damit etwas durchaus unpersönliches.

        Gefällt 1 Person

      • Ja, leider.
        Ich habe einige sehr gute Realfreunde im Internet gewonnen, das muss man dazu sagen. Aber Viele habe ich auch einfach unwiderruflich aus den Augen verloren. Und auch wenn das in vielen Fällen gut so ist…
        Manchmal zwickt doch die Neugier, was sie so machen :D.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s