Reblog: Lesezeit ist Lebenszeit – über Seiten-Schinderitis

Ich frage mich, seit ich den Kommentar von Christoph Schröder beim Boersenblatt gelesen habe, woher der gute Mann mich kennt, woher er meine Romane kennt und wieso ich auf einmal so ein schlechtes Gewissen habe ;-).

In seinem sehr lesenswerten Artikel geht er darauf ein, dass sich in letzter Zeit die Autoren, selbst die Newcomer, mit immer längeren Werken zu übertreffen zu versuchen scheinen. Ich muss ja gestehen, dass ich den Buchmarkt weitaus weniger genau verfolge, aber wer weiß, wofür es gut ist, wenn der arme Herr Schröder sogar schreiend in seinem Stuhl sitzt, wenn er die Verlagsvorschauen studiert.

Aber wo kommt jetzt mein eigenes schlechtes Gewissen her? Nun ja, natürlich von meinen Romanen. Denn ich gebe zu, ich bin auch manchmal anfällig für das Phänomen, das Schröder als Seiten-Schinderitis beschreibt. Natürlich mache ich das nicht bewusst, das wäre jetzt zu viel der Schande. Aber ich habe bei meinen Überarbeitungen gemerkt, dass es doch den einen oder anderen Part gibt, den man ohne nennenswerte Verluste entfernen kann.

Und selbst dann bringt es der dritte Entwurf von „Der Beobachter und der Turm“ noch auf 545 Normseiten. Über Mammutwerke wie „Der Redner“ (827 Seiten), „Das Haus am See“ (823 Seiten) oder „Lichter“ (liegt nicht in Normseiten vor, sind aber 420 volle A4-Seiten) breite ich an dieser Stelle besser den Mantel des Schweigens.

Meistens sind es Männer, die sich nicht zusammenreißen können

Bei mir hat es nichts damit zu tun, dass ich mich nicht zusammenreißen könnte. Ich habe einfach viel zu viele Ideen und Worte, die aufs Papier wollen. Ja, das sagen sicherlich alle maßlosen Schreiberlinge. Aber irgendwie muss ich doch mein schlechtes Gewissen beruhigen.

Nein, Hand aufs Herz, ich weiß, dass ich in diesem Zusammenhang Lern- und Nachholbedarf habe. Aber genau das tue ich mit jedem neuen Entwurf, mit jeder Phase der Überarbeitung: ich lerne! Und das ist auf Dauer die beste Beruhigung von allen.

Und falls ich irgendwann in einer dieser Verlagsvorschauen auftauche und mein Roman auch „viel zu lang“ sein sollte – dann kann ich mit dem Aufschrei von Herrn Schröder, glaube ich, ganz gut leben.

Ich würde ihm auch eine Mail schicken, in der ich mich bei ihm entschuldige ;-).

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10 Gedanken zu “Reblog: Lesezeit ist Lebenszeit – über Seiten-Schinderitis

  1. Huch, da war der Beitrag ja schon wieder zu Ende. 😉 Wenn mein Empfinden stimmt, sind deine Beiträge mit der Zeit auch immer länger geworden.

    Komm, ich lass mal die Hobbypsychologin raushängen: Hast du Angst, dich nicht komplett mitteilen zu können? :p

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  2. Du bist ja süß, dass du dich sogar entschuldigen würdest! 😊

    Die Textlänge von diesem Beitrag gefällt mir sehr gut. Längere Texte lese ich meist nicht, wenn ich unterwegs bin. Das hole ich dann aber irgendwann nach. 🙂

    Kiira

    Gefällt 1 Person

    • Danke, Kiira, für deinen Eindruck! Schön zu wissen, dass du längere Texte irgendwann nachholst. Sonst wärst du wahrscheinlich schon nicht mehr hier ;-).

      Liebe Grüße
      Michael

      PS: Süß hat mich auch schon lange niemand mehr genannt.

      Gefällt 1 Person

      • Bitte 🙂
        Und auf jeden Fall! Ich mag deinen Schreibstil/Erzählstil sehr gerne, aber für meine kurzen ÖPNV Fahrten sind manche Texte doch zu lang. 😉

        LG Kiira

        P.S.: Oh, ich hoffe, dass du darüber nicht gekränkt bist.

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      • Nein, keine Sorge, Kiira, ich bin nicht gekränkt :-).

        Das mit der Textlänge sehe ich ein, auch wenn es mir schwer fällt, da ein Maß zu finden, das sich auch für mich „richtig“ anfühlt. Ich denke drüber nach.

        LG
        Michael

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