Ein Gespenst geht um: Der Kindle Storyteller Award

Ein Gespenst geht um zwischen den hoffnungsvollen Nachwuchsautoren Deutschlands. Ein Gespenst, das im Gegensatz zu vielen seiner Artgenossen zwar keinen Schabernack oder Spuk im Kopf hat, aber dennoch dazu angetan ist, den Schlaf zu rauben und die Befallenen in den Wahnsinn zu treiben. Es hat einen Namen. Einen komplizierten Namen. Und es ist überall und nirgends zu Hause. Vielleicht auch schon bei dir?

Das Gespenst, von dem ich rede, heißt „Kindle Storyteller Award“. Und es ist, wie man sich anhand des Namens wahrscheinlich schon denken kann, ein von Amazon ausgelobter Preis für eBook-Autoren.

Der Award geht dieses Jahr in seine zweite Runde und lockt auch dieses Mal mit einem ordentlichen Hauptgewinn – selbst, wenn der ein wenig kleiner ausfällt als noch vor einem Jahr.

Der Gewinner dieses Preises erhält, bitte gut festhalten:

  • Ein Preisgeld von 10.000 Euro
  • Ein Marketing-Paket von Amazon im Wert von 20.000 Euro
  • Eine Verlagsveröffentlichung von HarperCollins
  • Produktion des Romans als Audible-Lesung

Und dabei sind die Hürden, die man für die Teilnahme zu überwinden hat, verhältnismäßig leicht. Es gibt nämlich kein Thema, an das man gebunden ist. Es gibt keine Formalia, an die man sich halten muss. Es gibt nicht einmal eine Ausschlussliste für Genres, die gar nicht gerne gesehen sind.

Man muss wirklich nicht mehr tun, als ein Buch zu schreiben, es innerhalb eines bestimmten Zeitraumes bei Amazon veröffentlichen, sich für die Dauer des Wettbewerbs exklusiv an Amazon mit diesem Werk binden – und dann darauf warten, dass die Jury des Wettbewerbs, in der unter anderem der Schauspieler Christian Ulmen und Deutschlands Selfpublishing-Millionärin Poppy J. Anderson sitzen, das eigene Werk auszeichnen und jemand am Telefon die frohe Nachricht überbringt. Dann noch nach Frankfurt zur Buchmesse fahren, Shake-hands absolvieren und so einfach ist die Sache.

Ist die Sache wirklich so einfach? Ja und nein! Auf der einen Seite sind die Voraussetzungen für eine Teilnahme wirklich schon lächerlich gering. Es ist also damit zu rechnen, dass sprichwörtlich tausende von Romanen für den Wettbewerb eingereicht werden. Wie das alles gesichtet werden soll, ist mir ein ehrliches Rätsel, das ich zum Glück nicht lösen muss.

Aber auf der anderen Seite wäre es, zumindest für mich, deutlich leichter, wenn ich wüsste, dass es spezielle Kriterien gibt, die einzuhalten sind. Weil ich dann reelle Gründe hätte, wieso ich mein Glück nicht einfach versuche …

Klingt seltsam, nicht wahr? Aber in der Tat setzt mich dieser Award auf gewisse Weise mächtig unter Druck. Und das kommt so:

Ich weiß, dass ich in diesem Jahr auf jeden Fall einen Roman veröffentlichen möchte. Dies wird mit großer Wahrscheinlichkeit via Amazon passieren. Im Moment hänge ich noch in der Überarbeitung dieses Romans. Und ich habe gerade festgestellt, dass es mir nicht gut tut, das zu forcieren.

Nun ist das Jahr noch sechs Monate lang. Eine Menge Zeit. Zeit genug, sich auch einmal Pausen zu gönnen von der Überarbeitung. Die Teilnahmefrist für den Storyteller Award endet allerdings Mitte September. Das sind dann auf einmal nur noch drei Monate. Glatt die Hälfte weniger! Und das fühlt sich, zumindest im Augenblick, wie eine kaum zu bewältigende Leistung an.

Ich muss nochmal durch den Text durch, ich wollte noch Testleser drauf loslassen, ich brauche ein Cover, eigentlich ein Lektorat, und, und, und … ein Sauerstoffzelt wegen Beklemmungen in der Brust!

Das alles in nicht einmal mehr drei Monaten. Auf der einen Seite ein Ziel, das sich lohnt, es anzuvisieren. Auch wenn ich nicht den Preis gewinne (was, bei Licht betrachtet, eher illusorisch wäre). Weil eine Deadline auch den Vorteil hat, dass man nicht mehr so vor sich hin mäandert und vielleicht mal in die Puschen kommt. Auf der anderen Seite … na ja.

Die Ankündigungen für den Award laufen schon länger und bis jetzt habe ich sie ignorieren können. Aus irgendeinem Grund will es mir seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr so richtig gelingen. Er steckt mir in den Knochen.

Es geht ein Gespenst um zwischen den Nachwuchsautoren Deutschlands. Und ich fürchte, ich habe doch ein ganz klein wenig Angst vor ihm.

5 Gedanken zu “Ein Gespenst geht um: Der Kindle Storyteller Award

  1. Was ich nicht verstehe bei diesem Wettbewerb: Die Jury entscheidet ja erst später, die Vorauswahl treffen Amazon-Kunden: Beliebtheit und Kauf. Aber wie bitte will ein Kunde all das Zeug lesen?
    Bin echt ratlos, was das angeht.
    Dir wünsche ich viel Spaß & Erfolg & Ruhm & Reichtum. Lass Dich nit hetze!!

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    • Hallo und herzlich Willkommen auf meinem Blog!

      Ich denke mal, das läuft nach dem reinen Mengenprinzip: wer die meisten Klicks und Käufe hat, gewinnt. Dass da am Ende wieder die Geschichte mit der Mainstreamtauglichkeit ins Spiel kommt – geschenkt.

      So ganz habe ich das allerdings auch nicht begriffen. Wenn man bis zum 15.09. einreichen kann, hat man doch signifikante Wettbewerbsnachteile denen gegenüber, die schon drei Monate am Ball sind!?

      Danke für die guten Wünsche. Spaß und Erfolg reichen mir schon. Ruhm und Reichtum wären Zusatzoptionen, gegen die ich mich natürlich nicht wehren würde ;-).

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  2. Hallo Micheal,

    wie du vielleicht noch weißt, stecke ich auch mitten in der Überarbeitung meines Romans. Und natürlich ist auch mir dieser Wettbewerb aufgefallen 🙂
    Doch ich muss sagen, dass er mich nicht anspricht. Ich finde, dass die Teilnahmebedingungen nicht gut durchdacht sind. Autoren, die erst am Ende der Frist ihr Werk einstellen sind benachteiligt. So verstehe ich jedenfalls die Einzelheiten der Bedingungen. Wer früher abgibt, wird früher beworben. Damit steigen die Chancen deutlich die Endauswahl zu erreichen. Das ist für mich keine faire Vorgehensweise.

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    • Ja, das könnte so sein, Ivonne. Ich klammere mich noch ein wenig an das Gefühl, dass am Ende auch die Qualität ein Wörtchen mitzureden hat. Dass Werbung nicht alles ist. Aber es ist wirklich schwer einzuschätzen.

      Ich bin mir da sehr unschlüssig, ob und wie ich auf diesen Wettbewerb hinarbeiten will.

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