Die blaue Liste (5) Bindestriche und Gedankenstriche

Guten Tag zusammen,

heute geht mein kleiner Blog auf den Strich. Habt ihr Lust, mitzukommen?

So, nachdem wir diesen offensichtlichen Kalauer erfolgreich hinter uns gebracht haben, wenden wir uns den ernsthafteren Dingen des Lebens zu. Heute soll es in meiner losen Reihe um meine „blaue Liste“ zur Überarbeitung von Geschichten um Bindestriche und Gedankenstriche gehen.

Bindestrich und Gedankenstrich – Was soll das eigentlich?

Bindestriche kennen wir alle als Begriff. Sie sind auf jeder Tastatur leicht zu erzeugen und gingen uns auch in der Schule gut von der Hand, wenn wir sie im Deutschunterricht brauchten. Aber schon damals dürften die meisten von uns ihn und seinen für das Schreiben wesentlich wichtigeren Bruder, den Gedankenstrich, synonym benutzt haben. Und das ist leider ein Fehler, auf den einen jeder Lektor hinweisen dürfte – selbst wenn es vom Leser unbemerkt bleibt.

Die Ursache dafür, dass wir die beiden Striche so synonym verwenden, liegt schon in der Zeit begründet, in der man sich Gedanken darum machte, welche Zeichen man auf einer Tastatur unterbringen möchte. Man entschied sich damals dafür, den Bindestrich zu verwenden, um alle anderen Möglichkeiten damit abzubilden. Damit ersparte man sich mehrere weitere Tasten, sorgte gleichzeitig aber dafür, dass das Wissen um deren Bedeutung beinahe ausstarb. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass mir nicht bewusst war, wie viele Bedeutungen so ein kleiner Strich haben kann, bevor ich ein wenig für diesen Artikel recherchiert habe.

Bleiben wir aber bei den beiden Hauptverwendungszwecken, das soll für unsere Belange reichen.

Und wofür benutzt man die Striche jetzt?

Einen Bindestrich setzt man, grob gesagt, eher technisch und wie folgt ein:

  • als manuelle Trennung am Zeilenende (was ein Autor nie tun würde, der seine Tassen im Schrank alle beisammen hat),
  • in Web-Adressen,
  • bei Zusammenführung mehrerer Wortteile wie z.B. vor- und hinterher,
  • in zusammengesetzten Wörtern wie Computer-Monitor, 40-jährig oder BMX-Rad.

Der Gedankenstrich erfüllt dementgegen eher wichtige Zwecke für die Wirkung des Textes als solches:

  • er kommt in Einschüben zum Einsatz (Josef hob das Kind – das vielleicht, vielleicht aber auch nicht von ihm gezeugt worden war – aus seiner Krippe und sah es ernst an),
  • als Ersatz für das Wort „bis“ (1920–1930),
  • als „echtes“ Minuszeichen,
  • bei „Nachsätzen“ am Satzende (Dann legte Josef das Kind wieder hin – obwohl er sich immer noch nicht sicher war, was er von der Sache halten sollte)
  • als „Ersatz“ für Doppelpunkte, Kommas oder Klammern, mit denen man Nebensätze hätte einschieben können.

Aha. Und wo ist jetzt das Problem?

Das Problem besteht darin, dass leider nicht jedes Programm auf jeder Plattform gleich mit diesen Strichen umgeht. Und da wir es mittlerweile gewohnt sind, auf den unterschiedlichsten Systemen an einem Projekt zu arbeiten, manchmal durchaus auch gleichzeitig, vermischen sich diese unterschiedlichen Herangehensweisen.

Als ich an „Der Beobachter und der Turm“ geschrieben habe, war es besonders extrem. Ich hatte damals gerade frisch den Microsoft-Produkten abgeschworen und war auf das Produkt Textmaker umgestiegen. Textmaker behandelt, jedenfalls in der Grundeinstellung, jeden getippten Bindestrich in jedem Fall als Bindestrich. Nebenbei schrieb ich ein wenig, wenn ich unterwegs war, auf meinem Kindle Fire in einem Texteditor. Der machte es ähnlich wie Textmaker.

Wenn ich in der Mittagspause auf der Arbeit schrieb, hatte ich MS Word zur Verfügung, das versucht, Gedankenstriche als solche zu erkennen, dies aber manchmal auch „vergisst“, wenn man zum Beispiel den Fehler gemacht hat, ein Leerzeichen, einen Bindestrich und dann eben nicht wieder ein Leerzeichen einzugeben, sondern irgendwo zu editieren.

Am Ende hatte ich eine Datei, in der die Gedanken- und Bindestriche kreuz und quer und immer unterschiedlich aussahen (eine ähnliche Geschichte könnte ich euch zu den Anführungszeichen erzählen).

Gibt es eine einfache Lösung?

Leider gibt es die nicht, wenn ihr erst einmal vor einem Text sitzt, der so wie meiner aussieht. Ihr könnt über die Suchfunktion eurer Textverarbeitung alle Bindestriche abgrasen und darauf prüfen, ob sie nicht eigentlich ein Gedankenstrich sein müssten. Das kann sich übrigens doppelt lohnen: oft findet man auf diese Weise eingeschobene Sätze, die für den Roman gar nicht nötig wären und den Text unnötig verlangsamen. So ging es mir jedenfalls.

Präventiv könnt ihr tätig werden, indem ihr euch (in Windows-Programmen) gar nicht auf die Umwandlung verlasst, sondern manuell einen Gedankenstrich einfügt. Dafür haltet ihr die ALT-Taste gedrückt und gebt auf dem Ziffernblock die Zahl 150 ein. Auch andere Betriebssysteme kennen einen manuellen Workaround. Eine Übersicht liefert die Wikipedia.

Ein letztes Wort

Ich bin ein Fan des Gedankenstrichs. Wer schon einmal die Gelegenheit hatte, einen Text von mir zu lesen, wird das bestätigen können. Umso besser fände ich es, wenn sich die Hersteller von Textverarbeitungsprogrammen hier einig werden könnten, was den Umgang mit Binde- und Gedankenstrichen angeht. Ich rede ungerne dem Platzhirsch das Wort, aber Microsoft Word macht das schon ganz ordentlich. Wieso also die anderen nicht auch?

Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort habe.

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9 Gedanken zu “Die blaue Liste (5) Bindestriche und Gedankenstriche

  1. Also wenn ich dir, wie angekündigt, deinen Artikel mal auseinanderpflücken darf (das spiegelt aber natürlich nur meinen eigenen Geschmack wider):

    – 4,5 Zeilen Einleitung, die nichts anderes sagen als die Überschrift.
    – Es folgen nochmal zwei Absätze Einleitung zum Thema Binde-/Gedankenstrich – wobei viele Informationen in dem Zusammenhang gar nicht wirklich interessant sind (für mich jedenfalls, mich interessiert nur die Verwendung, nicht die Herkunft, das wäre in meinen Augen eher eine andere Kategorie –> vielleicht ja auch keine schlechte neue Rubrik? ;)) Bereits hier wird mir schon zu viel geschrieben und man läuft große Gefahr, mich zu verlieren, denn ich verliere das Interesse weiterzulesen.
    – Die Verwendungsauflistung ist hingegen richtig klasse, genauso wie die Zwischenüberschriften!
    – Den Absatz mit „Wenn ich in der Mittagspause…“ hätte ich anders und kürzer verbaut, denn auf die Problematik bist du bereits eingegangen. Ein kleines Beispiel, ja, ok, aber so kurz ist es nicht mehr. Es ist für mich mühsam, weil ich eigentlich keine neuen Informationen kriege, sondern du im Grunde nur sagst, was du schon gesagt hast – diesmal halt als Beispiel (finde ich prinzipiell ok, nur eben kürzer).

    Alles, was keine neuen Informationen beinhaltet, ist für mich überflüssig. Ich bin da aktuell sehr rigoros und effizient unterwegs, liegt vermutlich an den Texteraufgaben, die ich aktuell habe (und vielleicht auch an dem Buch „Deutsch für junge Profis“). Letztlich ist das aber, wie gesagt, nur meine persönliche Meinung. Ich mag gar nicht ausschließen, dass es viele gibt, die es genau richtig finden, wie es ist.

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      • Ich glaube, dir geht es darum, den Leser vollumfänglich zu informieren – und das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Normale Beschreibung, check. Praktisches Beispiel, check. Und wenn man es nochmal anders verdeutlichen kann, würdest du das wahrscheinlich auch tun, um sicherzustellen, auch den letzten Leser abzuholen. 😉 Ich denke, man muss bei dem Zweck differenzieren. Mir fehlt zurzeit leider die Zeit, deswegen stresst es mich, wenn ich Informationen mehrfach bekomme, die ich nur einmal bräuchte. Aber einen Erzähltext kann es ja sehr anschaulich machen! Und man darf natürlich nicht vergessen, Wiederholungen sind auch ein Stilmittel.

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      • Du hast gar nicht so Unrecht. Mich treibt oft, bei solchen Texten jedenfalls, die Sorge um, mich nicht klar und verständlich genug ausgedrückt zu haben. Dass es jemanden, der es schon beim ersten Mal verstanden hat, nerven kann, sehe ich ein.

        Bei Erzähltexten habe ich keine vergleichbaren Schwierigkeiten. Da habe ich mir wahrscheinlich im Lauf der Jahre ein „Selbstbewusstsein“ herangeschrieben, das mir für Sachtexte wie diesen fehlt.

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      • Und möchte nochmal betonen: Ich will dir nicht auf die Füße treten! Das ist nur meine persönliche Meinung und die ist von meinem aktuellen Stresslevel definitiv nicht unbeeinflusst! Wie du weißt, finde ich, dass du ein sehr guter Schreiber bist!

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      • Und ich möchte noch einmal betonen, dass ich es als sehr wertvolles Feedback nehme, das du mir gibst! Gerade weil ich weiß, dass du mir wohlgesonnen bist und dennoch kein Blatt vor den Mund nimmst! 🙂

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  2. Hey Mic,

    ich stehe auch total auf Gedankenstriche! 😀 Leider vergesse ich regelmäßig den Unterschied zwischen Gedanken- und Bindestrichen. Aber wenn ich mich nicht irre, kriegt Open Office das ganz gut hin – sofern man an die Leerzeichen denkt. 😉 Trotzdem sollte ich vielleicht auch nochmal darauf achten. Besonders wenn es tatsächlich dazu beitragen könnte, unnötige Nebensätze aufzuspüren!

    Liebe Grüße
    Lisa

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    • Hallo Lisa,

      bei OpenOffice fehlt mir die Erfahrung, weil ich mit dem Programm nie so richtig warm geworden bin (vor allem, weil es gerne, zumindest früher, Excel- und Powerpoint-Dateien zerschossen hat). Deswegen kann ich da leider nichts zu sagen.

      Aber es kann auf keinen Fall schaden, mal einen Blick auf die Nebensätze zu werfen. Ich baue da auch immer gerne viel zu viele von ein.

      Liebe Grüße
      Michael

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