Kill your Darlings

Es gibt da diesen schönen Spruch zur Überarbeitung von Geschichten, dass ein Autor bereit sein muss, seine Lieblingsstellen zu streichen. Auf englisch nennt sich das ganze plakativ: Kill your Darlings.

Ich habe in dieser Woche zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass es wirklich schwierig sein kann, das zu tun. Und bin seitdem nur noch stärker ein Anhänger der Prämisse, dass man eine Geschichte erst einmal eine Weile ruhen lassen sollte, bevor man sich an die Überarbeitung macht.

Was ist geschehen? Nun, ich habe diese Woche, am Dienstag, um genau zu sein, die zweite Geschichte geschrieben, die ich bei der Ausschreibung für Kurzgeschichten unter zehntausend Anschlägen einreichen möchte. Die Abgabefrist hierfür endet am 30.06., ist also nicht mehr weit entfernt.

Ich wusste also, dass ich mir hier bei der Überarbeitung nicht mehr so viel Zeit lassen konnte, wie ich sie noch bei der ersten Geschichte hatte. Die habe ich über eine Woche liegen lassen, was für eine Story mit gerade einmal acht Normseiten Umfang ausreichend war. Dieses Mal waren es aber nur zwei Tage, die ich mir gab.

Das Ergebnis war, dass ich mich unheimlich schwer damit tat, Dinge zu finden, die ich aus dem Text werfen konnte. Dabei musste ich nicht einmal die Hälfte dessen kürzen, was ich für die erste Kurzgeschichte gekürzt habe. Aber es gestaltete sich sehr zäh. Pro Durchgang schaffte ich gerade einmal zwischen dreihundert und fünfhundert Zeichen.

Und mir fielen viele dieser Lieblingsstellen auf, die ich um nichts auf der Welt anfassen wollte. Der Grund dafür war, dass ich mich in die Formulierungen verliebt hatte und es nicht einsah, sie zu ändern oder gar ganz zu löschen.

Aber ich musste sehen, dass ich die Handlung, die ja nun mal immer das Hauptaugenmerk verdient, nicht zu sehr komprimierte. Und deswegen gelang es mir nicht, alle meine Lieblingsstellen zu retten.

Was ich damit sagen will ist, dass es sich manchmal lohnt, nicht bis zum letzten Moment zu warten, bis man eine Geschichte in Angriff nimmt. Man raubt sich damit die Möglichkeiten, Abstand zum Text zu gewinnen und wohlüberlegt und vor allem kaltblütig an die Überarbeitung zu gehen.

Ich habe es geschafft, unter Ausschaltung einiger „Darlings“, den Text unter die Zehntausender-Marke zu drücken. Aber es tut weh, einige dieser Lieblinge blutend auf dem Boden des Schneideraums liegen zu sehen.

Übrigens tut es mir leid, dass ich immer ein wenig geheimnisvoll von erster Geschichte und zweiter Geschichte spreche. Aber da ich sie ja bei einer Ausschreibung einreichen möchte, kann ich sie euch leider hier nicht in der gewohnten Form präsentieren. Ich denke allerdings darüber nach, euch nächste Woche jeweils eine Leseprobe zukommen zu lassen, wenn ihr das gerne möchtet :-).

Einstweilen hoffe ich, dass es euren Darlings, vor allem denen aus Fleisch und Blut, gut geht und wünsche euch ein schönes Wochenende!

Advertisements

3 Gedanken zu “Kill your Darlings

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s