Leseprobe zu „Wenn rauskommt, was im See drin ist“

Ich hatte es ja schon einmal angekündigt, dass ich euch, in momentaner Ermangelung einer exklusiv für diesen Blog geschriebenen Kurzgeschichte, mit einer kleinen Leseprobe aus den Geschichten versorgen möchte, die ich für den Wettbewerb des Schreiblust-Verlags geschrieben habe.

Ich wünsche euch also, ohne lange Worte zu verlieren, viel Spaß mit einem kleinen Einblick in die Geschichte „Wenn rauskommt, was im See drin ist“! 🙂

»Wenn das rauskommt, haben wir ziemlich große Probleme!«

Ich hasste das Zittern meiner Stimme. Cool und lässig wollte ich sein! Lang genug hatte es gedauert, Jenny zu einem Date zu überreden. Und jetzt flatterten mir die Nerven.

»Ist doch nichts dabei!« Jenny lehnte sich auf der Bank unseres Ruderbootes weit zurück. Sie trug unter ihrem Top keinen BH!

Vielleicht war echt nichts dabei. Gut, der See war für Besucher gesperrt. Aber das Warnschild hätte nicht mal meine Oma abgehalten.

Und außerdem wollte Jenny eine Bootspartie machen. Sie hatte mir eine Belohnung dafür versprochen! Alleine ihr Anblick, wie das Mondlicht auf ihrem Haar und den Augen reflektierte, war schon eine. Aber da war ich unbescheiden: Ich wollte mehr!

»Ist das nicht schön?« Sie sah sich um. »Wie weit sind wir vom Ufer weg?«

»Vielleicht hundert Meter.«

»Weißt du eigentlich, wieso der See gesperrt ist?«

Ja, wusste ich, aber ich wollte es Jenny nicht erzählen.

»Kai?«

 »Du versprichst mir aber, dass du nicht lachst, ja?«

»Meinen Ritter auslachen?« Ich bemerkte den spöttelnden Unterton. »Natürlich nicht!«

Gerne hätte ich einen Rückzieher gemacht, aber das ging jetzt nicht mehr. Sonst würde sie mich wohl nicht ranlassen.

Wie zur Bestätigung setzte Jenny sich auf. Der Spott war jetzt deutlich. »Also, erzählst du jetzt die Geschichte, oder soll ich jemand anderes fragen?«

»Ich erzähl sie ja schon! Mach mal halblang!«

»Ich soll halblang machen? Seit wir auf dem Wasser sind, benimmst du dich wie ein Kind!«

Ich holte die Ruder ein und legte sie neben meine Bank. Stille umgab uns.

»Kai!«

»Ja! Ich erzähle ja schon.«

»Wird auch Zeit!«

Ich kannte die Geschichte auch nur aus Erzählungen. Schließlich war der See schon gesperrt, seit … ziemlich lange.

»Also, früher, weißt du, da war der See ein Naherholungsgebiet.«

»So mit Würstchenbude, Spielplatz und so?«

Ich nickte. »So ungefähr.«

»Klingt nach Kinderkram!«

»Kann sein.« Ich wollte diese Unterhaltung nicht! Ich wollte nur endlich zum Stich kommen! »Aber damals war das eben beliebt.«

»Und dann?«

»Dann verschwanden zwei Kinder im See.«

»Uh, wie gruselig!« Jenny lachte und auch wenn ich es nicht komisch fand, stimmte ich ein. »Sind bestimmt zu weit rausgeschwommen und untergegangen, stimmt’s?«

»Nein, denn dann hätte man sie gefunden. Sie sind einfach verschwunden!«

Jenny sah mich aufmerksam an. »Kai, versuchst du, mir Angst zu machen?«

»Wieso sollte ich?«

»Weil du glaubst, dass ich dich dann an mich ranlasse?«

Das hoffte ich zwar, aber eher hätte ich meine Zunge verschluckt, als es zuzugeben.

»Also, was war mit den Kindern?«

»Polizei und Feuerwehr haben alles abgesucht, mit Tauchern und so. Aber gefunden hat man nichts.«

»Irgendwas müssen sie doch gefunden haben.« Jenny beugte sich interessiert auf ihrer Bank vor und gönnte mir einen Blick in ihren Ausschnitt. »Woher wussten sie sonst, dass die Kinder tot sind?«

»Wussten sie nicht! Erst nach einiger Zeit wurden die Kinder für tot erklärt. Die Familien sind dann weggezogen.«

Jenny grinste. »Da hast du dir eine tolle Geschichte einfallen lassen! Aber ich glaube dir nicht, dass wegen zwei Kindern das ganze Strandbad geschlossen wurde!«

»Wurde es nicht. Aber nachdem drei weitere Kinder und zwei Teenager verschwunden sind, hat man wohl kein weiteres Risiko eingehen wollen.«

Jennys Gesicht verlor für einen Moment seine Sicherheit. »Jetzt verarschst du mich aber!«

»Wieso?«

»Du willst mir wirklich erzählen, dass hier fünf Kids und zwei Teenies einfach verschwunden sind?«

Ich nickte. »Ja!«

Einen Moment herrschte ein erwartungsvolles Schweigen zwischen uns. Dann sagte Jenny mit seltsamem Gesichtsausdruck: »Cool!«

»Verstehst du jetzt, wieso ich nicht will, dass rauskommt, dass wir hier waren? Mein Alter tötet mich!«

Jenny stand in dem schwankenden Boot auf und begann, die Knöpfe ihrer Jeansshorts zu öffnen.

Wie es weitergeht, erfahrt ihr entweder, wenn die Geschichte es in die Anthologie geschafft hat, oder wenn ich sie im Anschluss an eine eventuelle Absage hier in voller Länge einstelle.

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10 Gedanken zu “Leseprobe zu „Wenn rauskommt, was im See drin ist“

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