Leseprobe zu „Wenn rauskommt, was wir getan haben“

Hier also, wie versprochen, noch die Leseprobe zu meiner zweiten Geschichte, die ich für die Anthologie-Ausschreibung des Schreiblust-Verlags geschrieben habe. Ihr wisst schon, das ist die, mit deren ursprünglichen Titel ich so unzufrieden gewesen bin. Ihren jetzigen hat sie dann in Anlehnung sowohl an das Motto der Ausschreibung, als auch an den Titel ihrer „Schwestergeschichte“ bekommen.

Viel Spaß also auch hier mit einem kleinen Einblick! 🙂

»Wenn das rauskommt, haben wir ziemlich große Probleme!«

Es war das dritte Mal, dass ich das sagte – es interessierte niemanden. Nicht Bea, die mit ihrer Sturmhaube komisch aussah, nicht Sam, der sich unter dem Hoodie seiner Jacke versteckte, und sicher nicht Rudi, der auf jede Maskierung verzichtete. Ich gab mir mit einer Sonnenbrille Mühe, nicht wie ich selbst auszusehen.

Die Brille fühlte sich bei Nacht bescheuert an und ich fühlte mich erst recht bescheuert. Was taten wir hier eigentlich und wie konnte diese Dose mit Sprühlack in meine Hand geraten?

»He, Jojo, komm’ mal her!« Der halblaute Ruf Rudis weckte mich aus meinen Betrachtungen. Ich trabte zu ihm rüber, an die rechte Seite des Gebäudes, in dessen Schatten wir uns aufhielten.

»Du sollst mich nicht immer Jojo nennen!«, wisperte ich ihm zu.

»Ist dir Johannes lieber?«

»Nenn‘ mich Joe!«

»Sag‘ ich doch: Jojo!«

»Was willst du?«

»Was willst du.« Er äffte mich nach. Aber er war der Mann mit den Ideen, da konnte er sich einiges herausnehmen. »Siehst du die Fenster? Eins auf jedes davon! Verstanden?«

»Ja, bin ja nicht taub.«

Ich wollte noch was sagen, aber da war Rudi schon wieder weg. Mir nahm er die Sache zu sehr auf die leichte Schulter. Wir würden nämlich nicht nur Probleme kriegen, wenn man uns erwischte – sie würden uns richtig bei den Eiern packen!

Dicht an das Gebäude gedrängt, um ja niemandem aufzufallen, der sich vielleicht jetzt noch herumtrieb, schlich ich mich zu dem ersten der acht Fenster im Erdgeschoss.

Ich schüttelte die Lackflasche und drückte dann den Sprühkopf nach unten. Ein kurzer Strich nach rechts, ein längerer nach unten und dann wieder einer nach rechts. Neu ansetzen. Diesmal ein kurzer Strich nach oben, ein langer nach rechts und wieder ein kurzer nach oben.

Ich trat einen Schritt zurück und betrachtete mein Werk. Schön war es nicht, aber es war als Hakenkreuz zu erkennen.

Ich machte mich an die Arbeit bei den anderen Fenstern und ab dem vierten ertappte ich mich dabei, wie es mir immer leichter von der Hand ging.

Dann aber hörte ich ein Klirren. Ich zuckte zusammen und als im nächsten Moment ein Hund in einiger Entfernung anschlug, war es um meine Kaltblütigkeit geschehen.

Ich beschloss, die Fenster Fenster sein zu lassen und zu verschwinden.

Als ich um die Häuserecke gelaufen kam, sah ich den Urheber für das Klirren. Es war Sam, der sich gerade wieder bückte, um einen Stein aufzuheben. Diesen schleuderte er hoch, wo er ein neues Loch in eine der Scheiben schlug.

»Sag mal, bist du durchgeknallt?« Ich sprach zu laut, aber die Frage musste raus. »Du hetzt uns noch die Bullen auf den Hals!«

»Ich mache nur, was Rudi mir gesagt hat!« Sam hauchte mir seinen schlechten Atem ins Gesicht. »Wenn du was dagegen hast, der ist bei Bea und dem Benzin.«

Sam war schon wieder dabei, einen Stein auszuwählen. Ich ließ ihn stehen und ging um die nächste Ecke des in meinen Augen viel zu freistehenden Hauses.

Auf dieser Seite war der Eingang. Zum Glück lag dieser nicht in Richtung auf die Straße. Es wäre schwer gewesen, die Absichten von Bea falsch zu deuten, die gerade dabei war, das Türschloss zu knacken. Es war erstaunlich, wie geschickt sie darin war!

Leider gilt auch hier, dass ihr den weiteren Fortgang der Geschichte erst nach erfolgreicher Aufnahme in die Anthologie oder eben nach deren Ablehnung hier im Blog erfahren werdet. Ich weiß, ich bin gemein, aber so ist das nun einmal bei Leseproben – sie sollen auch immer ein wenig auf die Folter spannen ;-).