Meldung und Meinung: Wenn guter Roman teuer ist

Erinnert ihr euch noch daran, wie vor einiger Zeit schon einmal die Sprache auf die Buchpreise kam? Damals hatte der Bastei-Lübbe-Vorstand Klaus Kluge die These in den Raum gestellt, dass Leser auch bereit dazu wären, deutlich höhere Preise für Bücher zu bezahlen.

Nun, in der Zwischenzeit liegt eine konkrete Zahl auf dem Tisch, was dieser höhere Preis sein wird. Für „Kingsbridge 3“, den kommenden Roman von Ken Follett, ruft Bastei-Lübbe 36 Euro auf.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei 36 Euro muss ich erst einmal durchschnaufen. Der letzte Follett kostete knappe 30 Euro und war auch damit schon nicht günstig. Damit steigen die Kosten für das Lesevergnügen um runde zwanzig Prozent an. Inwiefern hier vielleicht auch Materialkosten eine Rolle spielen, kann aktuell noch nicht beurteilt werden. Es ist aber nur schwer vorstellbar, dass dieser Roman deutlich umfangreicher werden wird als „Kinder der Freiheit“, der mit über 1.200 Seiten schon einen enormen Umfang aufwies und letztlich den hohen Preis wohl auch rechtfertigte.

Es ist eine Binse, zu sagen, dass alles teurer wird. Gegen eine inflationsbedingte Preissteigerung hätte sicherlich auch niemand etwas einzuwenden. Alleine, es bleibt der bittere Nachgeschmack der ursprünglichen Aussagen von Klaus Kluge. Bis jetzt ist meines Erachtens der Beweis nicht erbracht, dass von den höheren Preisen Beteiligte wie zum Beispiel Buchhändler profitieren können. In diesem Zusammenhang sei auch auf die Umfrage verwiesen, die das Börsenblatt unter Buchhändlern durchgeführt hat (im Artikel verlinkt).

Bemerkenswert finde ich, dass eine der hauptverantwortlichen Gruppen für kommende Bestseller wie diesen, nämlich die der Übersetzerinnen und Übersetzer, gerade in diesen Tagen wieder einmal auf ihre aus Eigensicht katastrophale Einkommenssituation hinweist. Nach den Buchhändlern und den Autoren wäre auch das eine Zielgruppe, die man bei den Nutznießern der gestiegenen Preise erwarten könnte – oder hätte erwarten können.

Letztendlich kann zu diesem Zeitpunkt noch keine wirkliche Prognose abgegeben werden, ob sich die ganze Angelegenheit zum Bumerang für Herrn Kluge und Bastei erweisen wird, oder ob die Planungen und Aussagen aufgehen.

Das letzte Wort wird hier der Kunde haben, der zu diesem neuen Preis kauft – oder es eben bleiben lässt und vermehrt auf andere Möglichkeiten wie Ausleihen von Freunden oder Familienmitgliedern, bzw. aus einer Bücherei ausweicht. Interessant dürfte, meines Erachtens, auch werden, wie schnell und zu welchem Preis eine Taschenbuchausgabe nachgeschoben wird.

Mein persönliches Fazit: Eigentlich müsste es mich nicht kümmern, da ich kein Leser von Mister Folletts Romanen bin. An meiner grundsätzlichen und bereits im Artikel von Mai zum Ausdruck gebrachten Meinung hat sich allerdings nichts geändert. Ich befürchte, hier wird ein Kulturgut so verteuert, dass es sich Leser, die nicht unbedingt bedingungslose Fans eines Autors sind, zweimal überlegen dürften, ob sie bereit und in der Lage sind, so viel Geld auf den Tisch einer Buchhandlung zu legen.

Im Sinne der Autoren müsste ich hoffen, dass der Plan aufgeht. Aus Sicht des Lesers bleiben leichte Magenschmerzen.