Der Sonntagsreport vom 10.07.2016

Seid mir gegrüßt, meine Freunde!

In diesen Minuten geht dann die Fußballeuropameisterschaft auch schon wieder zu Ende. Und ich muss sagen, dass ich so langsam auch genug habe. Nicht, weil Deutschland nicht im Finale steht, das ist mir eigentlich relativ egal. Nein, ich habe langsam genug, weil der Abend durch die Fußballspiele immer so fragmentiert wurde. Jetzt darf man mir gerne sagen, dass mich keiner gezwungen hat, mir die Spiele anzuschauen und ich müsste antworten: Stimmt! Aber das ist nun einmal in mir so drin, dass ich dann zumindest im Hintergrund den Kommentar laufen lasse. Aber, wie gesagt, so langsam reicht es. Das Finale schaue ich gerade auch nur noch aus „Pflichtbewusstsein“ an. Die darauf folgende Trockenstrecke in Sachen Fußball hilft dann hoffentlich, bis zum Start der Bundesligasaison die Überdosis abbauen zu helfen.

Die ersten drei Tage dieser Woche war ich immer noch nicht arbeitsfähig. Genau genommen ging es mir sogar ein wenig schlechter als in der Woche davor. Deswegen sind viele Beiträge auf meinem Blog auch sehr wortkarg für meine Verhältnisse ausgefallen. Was ja, je nach Ansicht, auch nichts Schlechtes gewesen sein muss. Aber generell hatte ich mit deutlichen Motivations- und auch Stimmungsschwankungen zu kämpfen. Oft konnte ich mich einfach nicht überwinden, mich an die Tastatur zu setzen. Also, wer noch auf Antwort auf eine Mail von mir wartet: Kommt alles, ist nicht vergessen, ist zurzeit auf Sparflamme.

Noch eine Woche, dann habe ich Urlaub. Und bis dahin will ich wieder fit sein, um dann einiges besser auf die Reihe zu bekommen.

Mein Schreiben:

In Sachen Schreiben ist mein Erfolgstagebuch für diese Woche erschreckend leer geblieben. Ich habe nämlich schlicht und ergreifend nichts konstruktives auf den Weg gebracht. Gedanklich habe ich ein wenig mit den anstehenden Ideen für neue Projekte herumgespielt, mich mit „Der Beobachter und der Turm“ auseinandergesetzt … und das war es dann auch schon.

Ich denke immer noch über die Sache mit dem Lektorat nach und der letzte Woche angekündigte Artikel kommt auf jeden Fall noch – wenn ich genau weiß, wie ich was schreiben will. Macht euch auf ein gerüttelt Maß an Selbstreflexion gefasst …

Mein Blog

Diese Woche musste ich wirklich darum kämpfen, meinen Schnitt von „jeden Tag ein Beitrag“ nicht kaputt zu machen. Ich weiß, dass das ein Stress ist, den ich mir nicht machen müsste, den ich mir aber dennoch mache. Verdammte Psychologie! Aber so ist das eben auch, wen einige Blogposts, die ich geplant hatte, nicht erscheinen konnten, weil der Kopf so matschig war. Ein doofes Gefühl.

Multimedia

Dass ich diese Woche ein wenig bettlägerig war, hat dem Lesen gut getan. Ich habe zunächst den Roman „E.D.E.N.“ ausgelesen, der auf den letzten vierzig Prozent noch richtig gut wurde, als er sich dazu entschied, jetzt noch eine thrillerähnliche Komponente einzubauen. Auch diese wurde nicht in letzter Konsequenz ausgespielt, weil es dem Autor erkennbar eben nicht nur um Suspense ging, aber es fiel deutlich leichter, der Story zu folgen. Und am Ende hat man das Gefühl, ein rundes Buch gelesen zu haben. Doch, hat mir alles in allem gut gefallen!

Danach habe ich mich eher schwerer Kost gewidmet, die mich aber sehr gefesselt hat. Und zwar habe ich das Buch „Die Belasteten“ von Götz Aly gelesen. Darin beschäftigt sich der Historiker mit der Euthanasie im Deutschen Reich von 1939 bis 1945, also der Tötung von Alten, Kranken, Behinderten und sonstigem „lebensunwerten Lebens“ durch die Nationalsozialisten. Was an dem Buch so fesselnd ist, ist der Umstand, dass Aly sich nicht nur an den Tätern abarbeitet, wie viele andere Historiker das gerne bei diesem Sujet machen, sondern dass er sich darum bemüht hat, den Opfern einen Namen zu geben. Er lässt die Kranken, die „Idioten“ in eigenen Worten lebendig werden – und schildert, wie sie in vielen Fällen dennoch in den Tod gehen mussten. Erschütternd ist auch, dass oft ein größerer Einsatz von Verwandten geholfen hätte, um das Leben von Betroffenen zu retten. Für mich, der ich unter ungünstigen Prognosen vielleicht selbst Betroffener hätte sein können, ein wirklich wichtiges und berührendes Buch.

Aus Autorensicht fand ich noch sehr spannend, dass Aly in seiner Nachbemerkung in einer Offenheit, die ich so noch nie gelesen habe, den Umstand anprangert, dass sich einige seiner Kollegen vollkommen ungerührt an seinen Materialien vergriffen und diese unter eigenem Namen und ohne Quellenangabe veröffentlicht und verwendet haben. Er scheut nicht einmal davor zurück, Namen zu nennen. Das kann man frech nennen, das kann man Nestbeschmutzung nennen, ich finde es mutig und denke, dass man das in Anbetracht eines Buchs, in dem über dreißig Jahre Recherche stecken, auch in dieser Form tun darf!

Im Moment bin ich wieder bei leichterer Kost und lese mich durch ein Spiegel-Dossier, in dem Interviews mit verschiedenen Gamedesignern geführt werden. Das habe ich übrigens auch bei PaperC gekauft, dem Shop, von dem und seinen Gutscheinen ich neulich berichtet hatte.

Musikalisch kam ich gerade gestern, als ich mich durch Google Play klickte, am 2010er Album von Shakira vorbei. Das ist das Album, auf dem „Waka Waka“, der Song zur Fußball-WM in Süfafrika, enthalten ist. Jetzt habe ich ein Album mehr und einen absoluten Ohrwurm. Erinnert ihr euch noch? Hier das Video von der Eröffnungsfeier – ganz großes Entertainment!

In Sachen Hörspielen habe ich, einmal beim „ARD Radio Tatort“ hängen geblieben, noch ein paar Folgen mit verschiedenen Kommissaren gehört. Sehr empfehlen kann ich, neben der Task Force Hamm, auch die Fälle aus Bremen mit Hauptkommissarin Claudia Evernich und ihrem hassgeliebten Staatsanwalt Kurt Gröninger.

Neben meiner „Serie“ (nur noch eine Folge bleibt mir) habe ich diese Woche mit „Die Tribute von Panem: Catching Fire“ und „Fant4stic Four“ zwei Filme gesehen, von denen ich den einen überraschend gut und den anderen überraschend nichtssagend fand. „Catching Fire“ schafft es, dem relativ unspektakulären ersten Teil der Reihe, bei einem zunächst eigentlich ähnlichen Setting, eine ganz neue Dimension hinzuzufügen. Man kann nachvollziehen, wie sich die Rollen weiterentwickeln und wie die Handlung in den letzten beiden Filmen zu ihrem Höhepunkt getrieben werden wird. Dazu gibt es fantastische Bilder, vor allem natürlich Jennifer Lawrence mit ihren ikonischen brennenden Kleidern.

Der Reboot der „Fantastischen Vier“ macht einfach zu viel falsch, um gut zu sein. Bei einer Laufzeit von knapp 100 Minuten nimmt er sich mehr als die Hälfte Zeit, um überhaupt die bekannten Superkräfte der Vier ins Spiel zu bringen. Generell bleiben die Charaktere erschreckend blass. Figuren wie Johnny Storm oder Ben Grimm sind hier nichts anderes als Abziehbilder. Die Chemie zwischen Sue Storm und Reed Richards wird angedeutet, aber nicht ausgespielt. Und die Art, in der Victor van Doom, der obligatorische Superschurke, in den letzten paar Minuten unschädlich gemacht wird (upps, war das ein Spoiler?) ist einfach … langweilig.

Ich hatte lange damit gezögert, mir den Film anzusehen, weil ich die vernichtenden Kritiken gelesen habe. Ganz so schlimm fand ich ihn nicht. Aber eben erschreckend nichtssagend. Und deswegen glaube ich, dass es eine ganze Weile dauern wird, bis wir wieder, dann wahrscheinlich wieder neue, Fantastische Vier zu sehen bekommen werden. Am besten wäre es aber, dass 20th Century Fox und Constantin Film die Lizenz an Marvel zurückgeben. Die wissen, wie man die eigenen Schöpfungen ins rechte Licht setzt!

Famous Last Words

Ich habe schon viel zu viel geredet, die Uhr sagt, es ist 22 Uhr und 23 Minuten, die zweite Halbzeit läuft und ich müsste dann eigentlich auch bald mal ins Bett gehen. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende (Arbeits-)Woche, dass es euch gesundheitlich gut gehen möge und dass ihr vielleicht ein paar schöne Dinge erlebt.

Viele liebe Grüße

Michael