Vorsicht: Manisch-depressiver Autor

Der Titel dieses Beitrags ist bewusst provokant gewählt, weil ich, im Wortsinne, nicht manisch-depressiv bin. Oder sagen wir: Es wurde mir nicht diagnostiziert. Nur einer der beiden Teilbereiche, was aber ja in gewisser Weise auch schon einmal einen Anfang darstellt. Deswegen könnt ihr mir glauben, dass ich weder das Thema auf die leichte Schulter nehme, noch den Menschen, die wirklich unter dieser Erkrankung leiden (!) auf die Füße treten möchte.

Und dennoch fühle ich mich heute so, als sei ich wirklich im manischen Teil einer manisch-depressiven Episode angekommen. Und weil ich euch gestern die andere Seite der Medaille gezeigt habe, dachte ich mir, dass ich euch im Sinne der Offenheit auch diesen Teil einmal zeige.

Was ist nun eine Manie? Für Menschen, die noch nie damit in Berührung gekommen sind, würde ich es ungefähr so beschreiben, dass der Betroffene unter einen enormen Druck gerät, Dinge zu tun, in Tätigkeit zu gelangen, vielleicht auch Dinge, die er vorher nicht getan hat, zu überkompensieren. So wurde es mir zumindest von Menschen erzählt, die dieses Störungsbild aufweisen. Für die Betroffenen ist das zum einen sehr kräftezehrend, weil es im Rahmen der Manie für sie schwer ist, auf ihre natürlichen Schutzmechanismen zurückzugreifen, zum anderen ist es auch psychisch schwer auszuhalten, vor allem, wenn sich depressive (also antriebslose) und manische Phasen in schneller Folge miteinander abwechseln.

Viele der Patienten leiden jahrelang an dieser Krankheit. So habe ich mal jemanden kennengelernt, der sich selber regelmäßig, etwa alle zwei Jahre, selbst in eine Klinik einweist, um seinen Schub unter ärztlicher und therapeutischer Beobachtung zu überstehen.

Wie kann ich das alles wissen und dennoch recht flappsig mit dem Begriff manisch-depressiv umgehen? Weil die Betroffenen, die ich kennenlernen durfte, es ebenso gehalten haben. Sie haben ihre Erkrankung angenommen und haben für sich auch durchaus die manischen Phasen als etwas nicht nur Negatives beurteilt. Zum Beispiel entstanden in diesen Phasen viele kunstvolle Bilder oder dergleichen mehr.

Wie gesagt, ich teile diese Erkrankung nicht, aber wenn nach einem Tag, an dem alles so wirkte, als ob es nur noch grau-in-grau wäre, der nächste Tag sich auf einmal anfühlt, als könne ich wirklich alles erreichen – einfach mal erreichen -, dann glaube ich, einen kleinen Einblick darin zu bekommen, wie diese Menschen sich manchmal fühlen müssen.

Wo gestern eine bleierne Schwere auf mir lag, habe ich heute einfach das Gefühl, mich freischwimmen zu können. Mir ist dabei völlig klar, dass sowohl das eine wie auch das andere Extreme sind, die in dieser Weise nicht zutreffen können. Sie resultieren aus einer nicht der Wirklichkeit entsprechenden Wahrnehmung.

Aber alleine schon, heute Vormittag auf die Kommentare zu meinem letzten Beitrag antworten zu können, hat mir ein Gefühl von Befreiung vermittelt. Gestern war ich nämlich nicht dazu in der Lage. Und gestern hätte ich auch nicht geglaubt, dass ich heute so einen Blogeintrag schreiben würde.

Ich weiß, dass jetzt nicht alles Gold ist, was glänzt und das ist ein Schutz für mich. Ein Schutz dagegen, auf einmal wieder total abzusacken, wenn die „manische“ Phase vorbei geht und ich wieder auf Normalmass zurückgehe.

Aber spinnen wir doch ruhig einmal den Gedanken aus, was ich alles machen könnte, in meiner „manischen“ Stimmung:

  • Ich kann eine Kurzgeschichte für das „Geheimprojekt 24“ schreiben und fristgerecht auf den Weg bringen
  • Ich schaffe es, eine zweite Kurzgeschichte fristgerecht auf diesem Blog zu veröffentlichen, um an einer Challenge teilzunehmen
  • Ich nehme allen meinen Mut zusammen und sammle mir ein paar Lektoratsangebote/ -kostenvoranschläge für „Der Beobachter und der Turm“
  • Ich sorge dafür, zwei weitere Manuskripte, nämlich die von „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ und „Darkride“ halbwegs veröffentlichungsreif zu machen
  • Und nicht als letztes: Ich richte meine Aktivitäten für die zweite Jahreshälfte gezielt in Richtung einer Veröffentlichung aus

Einige dieser Punkte kennt ihr schon, insbesondere der vorletzte kommt für euch vielleicht ein wenig überraschend. Dazu schreibe ich beizeiten auch noch einmal etwas (wenn ich nicht langsam den Überblick über das verliere, was ich noch alles schreiben wollte).

Hier sitze ich jedenfalls hinter meiner Tastatur und all diese Punkte, die gestern genauso in meinem Kopf waren, sind heute keine Planeten, die auf meine kleine Welt zu stürzen drohen, sondern sie sind Himmelslaternen, die ich in den Nachthimmel steigen lasse. Und genau wie bei diesen Laternen weiß ich nicht genau, wo sie hinterher niedergehen werden. Ich hoffe nur, dass sie kein Feuer verursachen werden und wenn, dann höchstens eines der kreativen Sorte :-).

Wie bereits erwähnt: noch zwei Tage und der Rest von heute, dann habe ich Urlaub. Und (seit) heute sehe ich das wieder als eine Chance an, die ich ergreifen kann. Und will. Und werde!?

Nun, lassen wir uns überraschen.

Ich bedanke mich bei allen, die mir mit ihren Kommentaren und Likes beigestanden sind! Und bitte, wenn noch etwas zu sagen ist zum letzten Beitrag, dann tut das dort weiterhin. Denn dieser Teil von mir, der „depressive“, ist nicht aus der Welt, nur weil heute der „manische“ die Oberhand hat. Beizeiten werde ich vielleicht auf den einen wie auf den anderen zurückschauen und mir sagen:

„Es war gut, dass du die geschrieben hast!“

Ich wünsche euch einen guten, ausgewogenen Tag!