Kurz und schmerzlos (22) Party!?

Unser Haus ist eine Hinterlandbebauung. Das bedeutet, dass ein vormals größeres Grundstück in weitere Parzellen aufgeteilt und dann noch einmal gesondert erschlossen worden ist. Für uns bedeutet das, dass wir keine direkte Anknüpfung an eine Straße haben, was in den meisten Nächten wunderbare Ruhe garantiert.

Es gibt sie aber, die Handvoll von Nächten, in denen es nicht unbedingt von Vorteil ist, wenn das eigene Haus von den Gärten der Nachbarhäuser umgeben ist.

Im Haus einer der Nachbarn wird eine Party gefeiert. Eine von der Sorte, auf die man mit 18 gerne gegangen ist, weil die Musik zu laut, der Alkohol zu flüssig und das Licht zu grell war, um an das normale Leben zu denken.

Mit fast 41 Jahren sehe ich das heute ein wenig anders. Ich weiß jetzt schon, dass vernünftiger Schlaf erst spät, beziehungsweise früh, möglich sein wird.

Aber eine lustige Sache ist mir eingefallen, nachdem ich gerade zwangsläufig ein paar Brocken des Gebrülls der Gespräche mithören musste: Wenn ich vor hätte, einen Roman mit Protagonisten im geschilderten Alter zu schreiben, müsste ich mich nur mäuschenstill auf die andere Seite der unsere Einfahrt von ihrem Garten trennenden Hecke stellen. Das wäre Inspiration für eine ganze Romanreihe!

Wobei, im Tageslicht betrachtet, besser nicht. Am Ende ist das noch ansteckend.

In diesem Sinne:

You Gotta Fight – For Your Right – To Paaaaaaarty!

Und dann fangen sie an, eigene Wege zu gehen

Ihr kennt das:

Man glaubt, sie genau zu kennen. Zu wissen, was sie umtreibt, was ihr Antrieb ist. Man denkt, man versteht sie und kann sie in gewisser Weise aus diesem Verständnis nach noch besser auf ihrem Weg begleiten.

Denn dieser Weg wird nicht einfach für sie sein. Aber wenn es einfach wäre, dann wäre es nicht realistisch.

Man muss sich einen Sinn für die Realität bewahren, denn man darf nicht zu sehr eingreifen. Wenn man dies tun würde, dann wären die Konsequenzen furchtbar. Schlimmstenfalls verliert man den kompletten Zugang zu ihnen, was einen auf lange Zeit, vielleicht sogar auf Jahre hinaus, in Nachteil bringt.

Gleichzeitig haben sie alle ihren eigenen Dickschädel. Der eine früher, die andere später. Aber irgendwann gehen sie da, wo man eigentlich den Weg nach links für sie vorgesehen hatte, zielsicher nach rechts. Und wenn sie sich dann, was wir ja nicht hoffen wollen, vollends verrannt haben, dann ist es unsere Sache, sie wieder dort heraus zu manövrieren. Und das am besten so, dass gar nicht auffällt, dass wir beteiligt waren. Weil es ansonsten wieder so aussieht, als hätten wir irgendeine Geheimwissenschaft angewandt. Dabei sind das keine Geheimnisse und wenn doch, dann hat sie uns niemand verraten und uns auch niemand darin eingeweiht, dass wir sie unsererseits nicht verraten dürfen.

Denn wir sind von Haus aus geschwätzig, tauschen uns miteinander aus, erzählen unsere Geschichten, unsere Anekdoten und auch unsere Sorgen. Weil wir alle, der eine wieder früher, die andere wieder später, an genau diesem Punkt stehen.

Irgendwann fangen sie an, eigene Wege zu gehen. Man steht staunend daneben, klappt seinen Mund auf und wieder zu und denkt sich: „Okay, du wirst eine Möglichkeit finden, damit umzugehen.“

Weil man es muss.

Heute trifft sich meine Tochter zum ersten Mal alleine mit einem Jungen, den sie als ihren Freund bezeichnet. Und ich bin absolut ruhig damit, sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen! Weil ich mich gedanklich schon viele Male mit einer solchen Situation auseinandergesetzt habe.

Da soll noch mal jemand behaupten, dass es einem nichts fürs Leben lehrt, Autor zu sein ;-).