Und dann fangen sie an, eigene Wege zu gehen

Ihr kennt das:

Man glaubt, sie genau zu kennen. Zu wissen, was sie umtreibt, was ihr Antrieb ist. Man denkt, man versteht sie und kann sie in gewisser Weise aus diesem Verständnis nach noch besser auf ihrem Weg begleiten.

Denn dieser Weg wird nicht einfach für sie sein. Aber wenn es einfach wäre, dann wäre es nicht realistisch.

Man muss sich einen Sinn für die Realität bewahren, denn man darf nicht zu sehr eingreifen. Wenn man dies tun würde, dann wären die Konsequenzen furchtbar. Schlimmstenfalls verliert man den kompletten Zugang zu ihnen, was einen auf lange Zeit, vielleicht sogar auf Jahre hinaus, in Nachteil bringt.

Gleichzeitig haben sie alle ihren eigenen Dickschädel. Der eine früher, die andere später. Aber irgendwann gehen sie da, wo man eigentlich den Weg nach links für sie vorgesehen hatte, zielsicher nach rechts. Und wenn sie sich dann, was wir ja nicht hoffen wollen, vollends verrannt haben, dann ist es unsere Sache, sie wieder dort heraus zu manövrieren. Und das am besten so, dass gar nicht auffällt, dass wir beteiligt waren. Weil es ansonsten wieder so aussieht, als hätten wir irgendeine Geheimwissenschaft angewandt. Dabei sind das keine Geheimnisse und wenn doch, dann hat sie uns niemand verraten und uns auch niemand darin eingeweiht, dass wir sie unsererseits nicht verraten dürfen.

Denn wir sind von Haus aus geschwätzig, tauschen uns miteinander aus, erzählen unsere Geschichten, unsere Anekdoten und auch unsere Sorgen. Weil wir alle, der eine wieder früher, die andere wieder später, an genau diesem Punkt stehen.

Irgendwann fangen sie an, eigene Wege zu gehen. Man steht staunend daneben, klappt seinen Mund auf und wieder zu und denkt sich: „Okay, du wirst eine Möglichkeit finden, damit umzugehen.“

Weil man es muss.

Heute trifft sich meine Tochter zum ersten Mal alleine mit einem Jungen, den sie als ihren Freund bezeichnet. Und ich bin absolut ruhig damit, sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen! Weil ich mich gedanklich schon viele Male mit einer solchen Situation auseinandergesetzt habe.

Da soll noch mal jemand behaupten, dass es einem nichts fürs Leben lehrt, Autor zu sein ;-).

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7 Gedanken zu “Und dann fangen sie an, eigene Wege zu gehen

    • Mach mal, bin gespannt, ob du mir die Ruhe nehmen kannst!

      Ich bin da Realist: Irgendwann werden sie eben erwachsen. Man kann nur versuchen, sie auf alle Eventualitäten vorzubereiten, so gut es eben geht. Fehler und schlechte Erfahrungen gehören zum erwachsen werden dazu.

      Danke!

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  1. Wenn du den Freund schon mal gesehen hast, dann kann ich deine Ruhe nachvollziehen (auch wenn ein Restdenken wohl bleibt – zumindest bei mir).
    Ich versuche mich, genau wie du, öfters mit solchen Themen auseinander zu setzen und denke bei deinen Schilderungen wieder an meinen Lieblingsspruch (Wenn sie klein sind, gib Kindern Wurzeln. Wenn sie gross sind, gib ihnen Flügel) Loslassen fällt schwer, aber wenn man es schafft, dann gibt man seinem Nachwuchs ganz viel. Ich hoffe, dein Kind hat richtig viel Spass. 🙂

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