Gleich zwei Premieren an einem Tag

Puh, bitte seht es mir nach, wenn dieser Beitrag ein klitzekleines bisschen unstrukturiert ausfallen sollte. Im Moment bin ich nämlich einigermaßen geflasht. Und das liegt daran, dass ich gleich zwei Premieren an diesem Tag erfahren habe.

Wir ihr wisst, habe ich mein Manuskript zu „Der Beobachter und der Turm“ einigen Testlesern zur Verfügung gestellt. Hierzu habe ich nun heute die erste Rückmeldung bekommen. Ich möchte an dieser Stelle überhaupt keine inhaltlichen Ausführungen dazu machen, weil ich das dem Leser/der Leserin gegenüber unfair fände. So etwas macht man untereinander aus. Aber ich darf andeuten, dass man nicht der Ansicht war, ich solle mir besser ein anderes Hobby suchen.

Und dann habe ich, wie ihr ebenfalls wisst, mir einen Kostenvoranschlag für ein Lektorat erstellen lassen. Hier nenne ich, ebenfalls aus Fairnessgründen, weder den oder die Lektor/in, noch den Preis, der mir genannt wurde. Ich weiß, dass euch gerade das zuletzt genannte wahnsinnig interessieren würde – ginge mir nämlich umgekehrt genauso. Ich kann dazu allerdings nur sagen, dass es kein Festpreis allein aufgrund von Wörtern oder Seiten ist, sondern dass gezielt auf meinen Text hin kalkuliert wurde. Deswegen würde euch eine pauschale Angabe ohnehin nichts bringen.

Und jetzt sitze ich hier mit zwei E-Mails, wie ich sie in meinem Leben noch nie erhalten habe. In meinem Kopf schwirrt es, als habe sich eine der Fliegen, die unser Haus als kühlen Ort auserkoren haben, in mein Hirn verirrt.

Wie jetzt weiter vorgehen? Was tun mit den Anmerkungen aus der Testlesung? Einen festen Termin mit dem Lektorat ausmachen, unter Hinweis darauf, dass sich der Umfang der Arbeit nach den Eindrücken der Testleser noch einmal verändern kann oder wird?

Nun, darum mache ich mir am wenigsten Sorge, denn ein Kostenvoranschlag ist erst einmal ein unverbindliches Angebot, über das man reden kann. Aber schaffe ich es, wenn bis, sagen wir mal wirklich, Ende August die Reaktionen aller Testleser und Testleserinnen vorliegen, den Text so zu überarbeiten, dass es mit dem Lektorat auch wirklich losgehen kann?

Im Moment bin ich, mal wieder, mit Unsicherheit geschlagen. Und das ist ein Zustand, den ich ätzend finde! In Bezug auf die Anmerkungen aus dem Lesen heraus kommt bei mir noch erschwerend hinzu, dass ich natürlich auch Dinge genannt bekommen habe, die ich schon seit sechzehn Jahren in meinem Kopf mit mir herumgetragen habe. Es sind „alte Szenen“, von denen ich mich mühsam trennen müsste.

Bei anderen Szenen ist der Finger dann schon nachvollziehbarer auf die Wunde gelegt. Sehr vorsichtig und ehrbar mit gutem Willen, aber es bleibt ein Herumpatschen dort, wo es weh tut.

Doch genau dafür sind Testleser und Testleserinnen schließlich da!

Testleser und Testleserinnen sollen mir Schwachpunkte in der Handlung, bei den Figuren, im Spannungsbogen aufzeigen. Und wenn ich von acht Testlesern zehn verschiedene Meinungen bekomme, dann ist es meine Aufgabe, mir daraus einen Plan zu stricken, nach dem ich vorgehen kann. Es wäre grundfalsch, es allen gleichzeitig recht machen zu wollen – es sei denn, alle kämen mit genau den gleichen Anmerkungen. Was ich für relativ unwahrscheinlich halte.

Nun, wie gesagt: Zwei E-Mails, zwei neue Erfahrungen. Zwei Premieren, die ich erst einmal sacken lassen muss.

6 Gedanken zu “Gleich zwei Premieren an einem Tag

  1. Stephan schreibt:

    Ich finde es erst einmal super, dass Du bereits eine Rückmeldung von einem Testleser erhalten hast. Ich selbst – das muss ich gestehen – brauche noch einige Zeit. 😉 Einfach zu viel zu tun.

    Auf zwei Dinge möchte ich kurz eingehen:

    1. Ich finde es gar nicht so entscheidend, dass Du aufgrund von Anmerkungen einiger Testleser irgendetwas an der Story oder an den Charakteren änderst. Sicherlich kann das ein Nebeneffekt sein, wenn es wirklich berechtigte Probleme im Story-Verlauf o.ä. gibt. Aber ist es ansonsten nicht so, wie bei jedem Autor auch: Schreiben ist eine Kunst. Und eine Story ist ein Kunstwerk, dass in den Augen eines jeden Betrachters anders wirkt und auch unterschiedliche Emotionen herausarbeiten kann.

    Unter anderem deshalb haben wir doch alle unsere Lieblingsautoren. Die jeweils einen ganz besonderen Schreibstil haben.

    Nicht unbedingt sollte man Änderungen zu voreilig durchführen. Ich würde in dieser Angelegenheit den Blick von oben wählen, sobald eine gewisse Anzahl von Meinungen und Berichten der Testleser vorhanden ist. Ich hoffe, Du verstehst was ich damit überhaupt meine!? 😉 Letztlich ist es wie beim Wein. Er kann in den Augen eines Kenners außergewöhnlich, gut, durchschnittlich oder auch schlecht sein. Letztlich ist wichtig, ob er mir schmeckt oder nicht.

    Eines kann ich schon mal sagen: Der Wein schmeckt mir. 😉

    2. Ich bin beruflich ziemlich viel auf Xing unterwegs und ich hatte für eine meiner Firmen auch schon einmal einen Lektor beschäftigt. Wenn Du mit vielen unterschiedlichen Lektoren in Kontakt kommen möchtest, ist das (bzw. auch die verschiedenen vorhandenen Gruppen) ein guter Ort zur Recherche.

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    • Hallo Stephan!

      Wie schon in der Mail geschrieben, lies einfach so gut und so schnell, wie du kannst. Das ist sozusagen das Vorrecht des „ersten Lesers jemals überhaupt“ ;-).

      Zu 1.:

      Du hast Recht, im Normalfall sollte das Werk auf jeden Leser anders wirken. Deswegen bin ich froh, schon eine recht große Zahl an Testlesern beisammen zu haben. Wenn ich von jedem ein Feedback bekomme, kann ich mir ein Bild machen. Voreilige Schlüsse werde ich keinesfalls ziehen, auch wenn ich die Anmerkungen, die ich aus dieser ersten Meinung erhalten habe, für schlüssig halte (deswegen machen sie wahrscheinlich auch so Aua …).

      Freut mich aber, dass der Wein bis jetzt mundet! 😉

      Zu 2.:

      Danke für den Tipp, ich schau mir das mal an. Wobei ich schon sagen kann, dass das Lektorat, zu dem ich jetzt Kontakt hatte, eine mir sehr angenehme Arbeitsweise hat. Um das festzustellen waren die Probeseiten, die dort bearbeitet wurden, für mich sehr aufschlussreich.

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  2. Lieber Mic,

    ja, das sind zwei aufregende Nachrichten!

    Auch wenn ich verstehen kann, dass Lektoren von ihrer Arbeit leben wollen (und sie das auch können sollen, keine Frage!), bin ich doch jedes Mal etwas schockiert von den Preisen. Für jemanden in der Ausbildung ist das kaum bezahlbar. Und wenn ich im Herbst anfange zu studieren, wird erst recht kein Geld für so was übrig bleiben. Da versuche ich mein Glück lieber bei Verlagen, wenn es so weit ist. 🙂 Oder ich spare bis in alle Ewigkeit…

    Zu den Testlesern kann ich auch etwas beisteuern. 😀 Ich habe letztens einen Text für eine Ausschreibung fertiggemacht und dann zum ersten Mal an andere Leute gegeben. Mein Freund war der erste, weil ich ihm vertraue und er auch ziemlich streng ist bei so was. Er hatte wenig zu bemängeln. Testleserin 1 hat mir den Text sehr schnell zurückgegeben und auch nur wenig angemerkt. Da war ich ganz schön erleichtert. Dafür schreibt Testleserin 2 mir ständig Nachrichten, in denen sie sagt, wie unwohl sie sich fühlt, weil sie so viel anzumerken hat. Das macht mich natürlich nervös, weil ich mich frage, was da auf mich zukommen wird, wenn sie fertig ist. ^-^“
    Von daher kann ich dein Unbehagen diesbezüglich gut verstehen. 🙂 Ich muntere mich die ganze Zeit mit ähnlichen Gedanken wie deinen auf: Dass ich entscheide, was ich ändere, und dass das alles nur gut gemeinte Rat- und Vorschläge sind. Ich muss das nicht ändern, wenn ich es nicht will. Und das baut mich auf. 😉 Gut, bei einem etwa 50-seitigen Text ist sowieso nicht allzu viel drin, was man streichen könnte. So gesehen ist es für dich viel schwerer, lieb gewonnene Szenen rauszuschmeißen. Aber weißt du, was dann immer noch möglich wäre? Bonusszenen! Grundsätzlich musst du die Szene nicht löschen, wenn sie nicht mehr im Roman erscheinen soll. Du kannst auch einen Ordner oder ein Dokument mit überflüssigen Szenen aufmachen und sie dort speichern. Dann sind sie nicht verloren. 😉 Und wenn du anfängst mit dem Marketing, kannst du diese Szenen als Bonus nutzen (sofern sie noch zur Story passen) und deinen Lesern so zusätzliche Informationen vermitteln. Das wäre doch was, oder? 🙂

    Liebe Grüße
    Lisa 🙂

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    • Liebe Lisa,

      so schockierend finde ich die Preise letztendlich nicht. Man muss, denke ich, allerdings differenzieren, was nun genau gemacht wird. Einige Lektorate, die wirklich ganz sklavisch am Text hängen, ohne auch nur einen darüber hinausgehenden Zusammenhang zu suchen, kommen mir auch zu teuer vor. Dann muss man schauen, wie es mit einem Korrektorat aussieht. Ist das mit im Preis enthalten oder kommt es noch oben drauf, wenn man Wert darauf legt?

      Ein guter Lektor, eine gute Lektorin, ist für mich, ganz so, wie es früher ja auch in den Verlagen war, ebenso Testleser wie Duden-Auswendigkönner, dabei aber mindestens auch ein wenig Psychologe, um den Autor nicht in die Verzweiflung zu treiben. Und wenn ich mir manche Texte anschaue, die bei Amazon so angeboten werden … dann kann ich schon verstehen, dass man sich den Job gut bezahlen lässt!

      Es ist eine Dienstleistung im kreativen Sektor und jede Aufgabe unterscheidet sich von der davor. Das hat eben seinen Preis.

      Aber ich gebe dir natürlich Recht, in meiner Ausbildung hätte ich das auch nie zahlen können und auch heute zahle ich solche Beträge nicht aus der Portokasse. Doch ich muss mich einfach fragen, was ich möchte: Ein möglichst gutes Werk, den Erstling noch dazu, hinter dem ich auch voll und ganz stehen kann? Oder reicht es mir, eine halbherzige, an einigen Stellen knirschende Fassung zu veröffentlichen.

      Und leider sehe ich für meinen „Beobachter“ keine Chancen bei einem Verlag. Zumal ich, ganz ehrlich, langsam auch ungeduldig werde und unbedingt etwas veröffentlichen will!

      Aber ich kann dich wirklich gut verstehen, ganz ehrlich! 🙂

      Bei den Testlesern ist es so eine Sache. In dem Feedback, das ich heute bekommen habe, sind einige Punkte angesprochen, bei denen ich selber, wenn ich ehrlich zu mir bin, schon ein wenig gezweifelt habe. Ja, schlecht, ich weiß. Aber manchmal glaubt man ja, oder möchte glauben, dass man selbst Probleme sieht, wo eigentlich keine sind.

      Die Idee mit den Bonusszenen finde ich sehr gut! So eine Art „Directors Cut“ mit zusätzlichen Szenen. Ich weiß nicht, ob das für mein Projekt Sinn macht, aber die Idee ist klasse!

      Danke dir und liebe Grüße 🙂

      Michael

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      • Lieber Mic,

        wahrscheinlich liegt mein Schock schlichtweg daran, dass ich alles über 200€ als sehr teuer empfinde. Das ändert sich bestimmt, wenn man eine gewisse Zeit im Berufsleben unterwegs ist. Schließlich muss man als „Erwachsener“ ständig teurere Sachen wie Waschmaschine & Co. kaufen. Die teuerste Anschaffung, die ich bisher hatte, war wohl mein Laptop für etwa 350€. Und Lektorate sind in der Regel preislich etwas darüber… 😉

        Ja, die Frage, ob der Lektor „gut“ bzw. „sein Geld wert ist“, kommt noch dazu. Man kann sich als Anfänger nicht sicher sein. Mit mehr Erfahrung könnte man das bestimmt besser einschätzen. 🙂
        Natürlich will auch ich die bestmöglichste Version meines Textes veröffentlichen. 😀 Aber das ist nun mal nicht immer möglich. Ich kann es schon verstehen, wenn manche Selfpublisher auf ein professionelles Lektorat verzichten. Man weiß ja nie, ob man überhaupt so viel mit der Geschichte verdienen wird. Außerdem müsste man das auslegen und das ist auch nicht immer möglich… Was aber nicht bedeutet, dass ich als Selfpublisherin ohne Lektorat einsteigen möchte! Die Preise behindern mich nur ein wenig dabei. 😉

        Schade, dass dein „Beobachter“ zu keinem Verlag passt. Ich denke immer noch, dass das einiges erleichtern würde. 😀 Aber ich kann auch verstehen, dass du ungeduldig bist. Nach all den Jahren des Schubladenschreibens ist es nur natürlich, irgendwann an die Öffentlichkeit treten zu wollen.

        Oh ja, das mit den kritischen Stellen kenne ich. Insgeheim hoffe ich dann immer, dass es anderen nicht auffällt… ^-^ Ist natürlich Schwachsinn, wenn ich jemanden darum bitte, den Text genau zu lesen. Die Stelle muss höchstwahrscheinlich ausgebessert werden, damit der gesamte Roman ein gutes Niveau behält. Aber ganz ehrlich: Lust hat man darauf nicht unbedingt. Aber du schaffst das! Schließlich weißt du ja, wofür du das machst. 🙂

        Ich mag die Idee auch. 😉 Damit muntere ich mich immer auf, wenn ich Szenen rausschmeißen muss. Bonusmaterial gefällt den meisten Lesern und wenn ich nicht extra welches erstellen muss, sondern schon was vorrätig habe, kann das nicht schaden. Theoretisch.

        Gern geschehen! 🙂 Ich finde es schön, wenn man sich gegenseitig helfen kann.

        Gute Nacht
        Lisa

        Gefällt 1 Person

      • Hallo Lisa,

        okay, für 200 Euro spitzt ein Lektor wahrscheinlich noch nicht einmal seinen Bleistift an – jedenfalls nicht, wenn es sich um einen kompletten Roman handelt, den er bearbeiten soll. Und ja, sicherlich verändert sich die Sicht auf das Geld mit den eigenen Möglichkeiten. Mir sind beim Aufräumen kürzlich alte Gehaltsabrechnungen von mir in die Finger geraten. Ich habe gestaunt, dass ich mal mit „so wenig“ ausgekommen bin.

        Der Gedanke, ob ich in der Lage sein werde, mein investiertes Geld wieder „einzuspielen“ ist auch für mich natürlich nicht ganz unbelastend. Aber ich versuche, an der Stelle, so gut es geht, dem „Profi“ das Denken zu überlassen. Und der sagt mir, dass ein gut bearbeiteter erster Roman vor allem auch eine Investition für meine schriftstellerische Zukunft darstellt. Wenn der erste Roman schludrig ist (was er auch ohne Lektorat hoffentlich nicht wäre), dann kauft niemand einen zweiten. Und so weiter. Ob der Plan aufgeht, ob das alles Hand und Fuß hat – das kann mir niemand garantieren. Seufz.

        Liebe Grüße
        Michael

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