Fakt und Fiktion (14) Kürzlich gekürzt auf kurz

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


In dieser Woche habe ich eine Kurzgeschichte geschrieben und auch direkt hier veröffentlicht. Wie es in letzter Zeit bei dieser Sorte Projekt meistens der Fall ist, musste ich auch hier eine gewisse Beschränkung einhalten, was die Wort- oder Zeichenzahl anbelangte. Im Fall von „Der Kinobesuch der alten Dame“ waren es maximal 1.700 Wörter, die ich schreiben durfte. Keine Frage, dass ich diese Hürde im ersten Anlauf mal wieder um über 600 Wörter gerissen habe.

Hier lest ihr, was daraufhin in meinem Kopf passiert ist.

*

Tippgeräusche, abwechselnd im Stakkato und im langsamen Fluss.

Der Autor (murmelnd): …betraten wir den Kinosaal, der, obwohl der größte, sicherlich mehrfach in das kleinste Multiplexkino hineingepasst hätte.

Papyrus (spricht im Kopf des Autors): Achtung! Sie haben soeben mehr als 1.700 Worte geschrieben. Bitte beenden Sie Ihre Arbeit, speichern Sie ab und senden sie das Projekt ein.

Autor: … hineingepasst hätte …

Papyrus: Warnung! Sie sind dabei, deutlich mehr als 1.700 Wörter zu schreiben! Dies ist ein Verstoß gegen die Teilnahmebedingungen, der sicherlich mit dem Ausschluss Ihrer Geschichte gestraft werden wird.

Autor: Jetzt stell‘ dich nicht so an! Es sind doch erst knappe vierzig Wörter mehr!

Papyrus: Verzeihen Sie bitte, aber Ihre „knappen vierzig Wörter“ kenne ich! Am Ende werden da dann doch wieder vierhundert draus!

Autor: Ich pass schon auf. Kannst du mir glauben! Ich habe gar keine Zeit, mich wieder lang und breit mit der Überarbeitung aufzuhalten.

Papyrus: Was Sie ja noch nie von irgendwas abgehalten hätte.

Die Inspiration: Entschuldigung!? Könnten wir dann bitte an der Stelle weitermachen, wo …

Papyrus: Du sei still! Schließlich bist du Schuld an der ganzen Misere!

Autor: Also, als Misere würde ich das jetzt ja noch nicht bezeichnen.

Inspiration: Das muss ich mir nicht bieten lassen! Ohne mich wärt ihr beide gar nicht hier!

Papyrus: Oho, da muckt jemand auf!

Inspiration: Schreibknecht!

Papyrus: Phantast!

Inspiration: Ich achte einfach nicht mehr auf dich. Also, Autor, die beiden betraten das Kino, und …

Autor: Weißt du, so ganz Unrecht hat Papyrus vielleicht nicht. Alles, was wir jetzt schreiben, müssen wir sowieso irgendwie wieder wegkürzen.

Papyrus: Ein Wunder! Einsicht!

Autor & Inspiration: Schnauze!

Inspiration: Einigen wir uns darauf, dass ganz am Ende 1.700 Wörter da stehen müssen. Aber jetzt gerade ist die Geschichte doch noch nicht am Ende! Und wenn wir sie jetzt nur wegen der Wortzahl abbrechen, dann taugt sie hinten und vorne nichts.

Papyrus: Vielleicht sollte man sich das nächste Mal doch vorher fünf Minuten lang hinsetzen und darüber nachdenken, was man jetzt eigentlich genau schreiben will, hm?

Autor: Wenn du jetzt nicht gleich still bist, dann schreibe ich ab sofort doch wieder in Word weiter! Dann kannst du sehen, wo du bleibst!

Papyrus: …

Inspiration: Also, was meinst du zu meinem Vorschlag?

Autor: Du musst das wissen. Ist das nicht irgendwie belastend, sich erst einiges an Inhalt auszudenken und bei einigen Sätzen schon vorher zu wissen, dass sie es nicht in die endgültige Fassung schaffen werden?

Schlechtes Gewissen: Ist das nicht irgendwie belastend, sich erst die ganzen Süßigkeiten reinzuschaufeln und dabei schon vorher zu wissen, dass die Waage alles andere als freundlich darauf reagieren wird?

Autor: Wo kam das denn jetzt auf einmal her?

Papyrus: Ich hab nichts gemacht!

Autor: Papyrus!?

Papyrus: Dumm, di dumm …

Inspiration: Ich glaube, ich gehe dann mal Pause machen. Wenn ihr fertig damit seid, herumzublödeln, dann könnt ihr mir ja Bescheid sagen.

*

Ja, manche Tage sind so. Zum Glück nicht alle Tage, denn ansonsten würdet ihr wahrscheinlich niemals etwas zu lesen bekommen auf diesen Seiten. Wie ihr wisst, hat sich am Ende die Inspiration durchgesetzt und dafür gesorgt, dass meine Geschichte geschrieben, danach gekürzt und schließlich veröffentlicht wurde.

Nur die Sache mit dem schlechten Gewissen, die muss ich noch unter genauerer Beobachtung halten …