Die Titelschutzanzeige: Auf Nummer sicher gehen

Gestern Abend flatterte mir ein Blogbeitrag meiner geschätzten Autorenkollegin (*) Nora Bendzko ins Haus. Nora hat in diesem Jahr ein ganz starkes Debüt mit ihrer Novelle „Wolfssucht“ hingelegt und plant nun, in ähnlichem Stil weitere düstere Märchen zu verfassen. Diese Ankündigung stand schon lange im Raum, wurde aber erst gestern konkretisiert, nachdem sie sich den Reihentitel „Galgenmärchen“ hat sichern lassen.

Wieso sollte man sich einen Titel sichern lassen?

Der Sinn einer sogenannten „Titelschutzanzeige“ ist, dass das Recht auf die Benutzung eines Titels für einen Roman im klassischen Sinne erst dann erreicht werden kann, wenn man diesen Titel auch tatsächlich benutzt. Hieraus ergeben sich gegebenenfalls weitreichende Komplikationen, gerade in der Planung von Veröffentlichungen.

Nehmen wir an, ein Verlag plant die Veröffentlichung eines Romans, der im Ersten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld von Verdun spielt. Es gibt nun eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wie dieser Roman heißen könnte. Naheliegend wäre zum Beispiel einfach der Titel „Verdun“.

Nun ist der Erste Weltkrieg durch die zahlreichen 100jährigen Jahrestage zu diesem Komplex natürlich nicht nur Thema in einem einzigen Verlag. Die Verlage konkurrieren vielmehr um die Lesergunst und sie tun es auch über die Titel. Und ein generischer Titel wie „Verdun“ ist hier natürlich besonders begehrt.

Wenn ein Verlag nun nachweisen kann, dass er der erste war, der diesen Titel für einen Roman hat vorsehen lassen, dann hat er, für einen gewissen Zeitraum, auch das Recht, diesen zur Veröffentlichung zu nutzen.

Und was ist nun eine Titelschutzanzeige?

Eine Titelschutzanzeige ist, wie der Name schon sagt, eine wirkliche Anzeige sowohl in Online- als auch in Printveröffentlichungen, dass ein Verlag oder eine natürliche Person sich einen Titel für einen Roman hat sichern lassen.

Es gibt verschiedene Publikationen, die sich auf die Veröffentlichung solcher Anzeigen spezialisiert haben. Nora hat sich für den Weg über buchmarkt.de entschieden. Buchmarkt.de veröffentlicht die Anzeige auf dem Webportal und in der nächsten Ausgabe der hauseigenen Publikation. Gleichzeitig wird der Titel in eine Datenbank übernommen und kann für den Zeitraum von einem halben Jahr nun von niemand anderem mehr gesichert werden.

Wie funktioniert die Titelschutzanzeige?

Das ist erstaunlich simpel zu erläutern. Da ist manche Onlinebestellung schwerer auszuführen.

Zunächst registriert man sich bei buchmarkt.de als Kunde. Im nächsten Schritt gibt man dann eine Anzeige auf. Diese kostet als Grundgebühr festgelegte zwanzig Euro (zzgl. MWSt.). Nunmehr kann für jeden einzelnen Titel, den man sich schützen lassen will, ein Feld im Onlineformular ausgefüllt werden. Jeder Titel, den man schützen lässt, kostet weitere 2,50 Euro (zzgl. MWSt.).

Vorsicht: Es sollte auch wirklich ein Feld pro Titel verwendet werden! Man sieht zwar auch auf der Website, dass manche Verleger auf die Idee gekommen sind, in einem Feld gleich ein Dutzend Buchtitel einzutragen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich rechtssicher ist.

Wenn man die Bestellung bestätigt wird sofort die Veröffentlichung auf der Website vorgenommen. Man erhält eine Rechnung und kann dann ganz bequem binnen 14 Tagen überweisen.

Und was hast du jetzt gemacht?

Ich habe den von Nora geschriebenen Blog-Eintrag zum Anlass genommen, mir selber Gedanken zum Thema Titelschutz zu machen. Und ich kam zum Entschluss, dass es auch für mich mehr als dringend an der Zeit war, zumindest die Titel schützen zu lassen, bei denen ich kurz- bis mittelfristig eine Veröffentlichung planen könnte. Ich sage deswegen könnte, weil ich weiß, dass ich nicht alle diese Romane im Rahmen der kommenden sechs Monate, denn so lange gilt ja die Anzeige nur, werde veröffentlichen können.

Aber: Solange ich sie jetzt gesichert habe, kann sie mir niemand wegschnappen. Und wenn der Titelschutz dann ausläuft, dann liegt es ja an mir, diesen wieder zu verlängern, oder es bleiben zu lassen. Bei bereits veröffentlichten Romanen – und das sollte zumindest „Der Beobachter und der Turm“ bis dahin sein – stellt sich das Problem ja nicht.

Ich habe mir also großzügig folgende acht Titel gesichert:

TitelschutzKlar könnte man sagen, dass das runde 50 Euro sind, die erst einmal ohne großen Nutzen „den Bach heruntergehen“. Aber irgendwie ist es schon ein positives Gefühl, diese Titelschutzanzeige zu haben, unter der tatsächlich auch, wenn man hier scrollen würde, mein Name steht. Sollte man nicht glauben, ist aber so. Schließlich gehe ich hier im Blog ja sehr offensiv mit den geplanten Namen meiner Romane um.

Ich bedanke mich bei Nora, die mich noch einmal auf diesen schon leicht verdrängten Punkt gestoßen und zum Handeln animiert hat :-)!

 

 

(*) Ich finde es immer ein wenig seltsam, von Autoren-Kollegen zu schreiben. Schließlich habe ich im Gegensatz zu ihr noch nichts veröffentlicht. Trotzdem sehe ich uns als Kollegen an. Ich denke, damit kann auch Nora ganz gut leben ;-).

Linktipp: 60 Wörter, die deinen Text vergiften – mit Gegengift

Ich folge ja so manchem Newsletter und so manchem Blog. Das ist auch noch nach dem kleinen Großreinemachen von letzter Woche der Fall. Und heute zeigt sich auch sofort wieder, wieso es gut ist, das zu tun. Denn der Artikel, den ich auf der Website schreibsuchti.de gefunden habe, ist ein echter Geheimtipp für alle Autoren, Blogger und Schreiber überhaupt.

Axel Maluschka stellt in diesem Artikel, der den schönen Namen „60 Wörter, die deinen Text vergiften“ trägt, 60 Unwörter vor, die einen Text verwässern, langweilig oder sonstwie schlecht machen.

Beinahe muss ich sagen, dass es Ehrensache ist, dass ich einige dieser Wörter mit Vorliebe in meinem Blog benutze, ähem.

Aber für die Überarbeitung meiner Romane ist diese Liste Gold wert! Denn viele Dinge, die Axel in seinem Artikel erwähnt, gelten auch für Romane. Auch dort kann ein falsches Wort einen großen negativen Einfluss ausüben. Und das Schöne ist ja, dass er Möglichkeiten, diese Schwächen zu beheben, direkt als Alternativen mit anbietet.

Deswegen steht für mich fest, dass ich bei der kommenden Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ und auch generell diese Liste durcharbeiten werde. Man muss ja nicht wirklich jedes einzelne Vorkommen eliminieren, schließlich hat ja jeder auch noch seinen eigenen Stil. Aber es ist zum Beispiel eine Möglichkeit, auf die Häufigkeit des Einsatzes zu schauen. So, wie ich es heute ja schon mit Wörtern wie „wahrscheinlich“ oder „zum einen“ mache.

Und weil der Artikel samt seiner ebenfalls lesenswerten Kommentare, in denen weitere Beispiele gesammelt werden, lang genug ist, halte ich mich an dieser Stelle einfach mal kurz. Also: Rübersurfen, durchlesen, abspeichern, benutzen.

Danke, Axel!

Warum habe ich eigentlich JETZT keinen Schreiburlaub!?

Das ist doch wieder so eine Angelegenheit aus der Abteilung „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Da hatte ich doch einen geradezu aberwitzigen und unverschämt langen Sommerurlaub und kaum ist der vorbei, könnte ich eigentlich ganz dringend einen Schreiburlaub gebrauchen.

Ich habe ja gestern schon diffus durchscheinen lassen, dass sich da eventuell in Hinsicht auf ältere Romantexte von mir etwas ergeben könnte. Es geht, soviel kann ich ja sagen, um eine Verlagsbewerbung.

Hierfür muss ich allerdings noch einmal an den bestehenden Text ran, denn die nette Person, mit der ich da im Austausch bin, hat mir anhand von Fallbeispielen den einen oder anderen Hinweis gegeben, wie ich mehr aus meinen Texten herausholen, sie vielleicht auch marktgängiger machen kann.

Ehrlich gesagt empfinde ich das gerade wie einen Segen! Aber jeder Segen macht eben auch Arbeit.

Und so stehe ich nun hier: Die Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ samt anschließendem Lektorat vor der Brust, eine Kurzgeschichte, die ich schreiben wollte, im Nacken und ganz viele neue Impulse in Bezug auf den besagten älteren Romantext.

Und ich habe mal wieder keine Ahnung, wie ich das alles in meinen Alltag integrieren soll (jetzt hätte der gute alte Dr. Freud beinahe „ignorieren“ geschrieben).

Ich sage es ja: Ich brauche JETZT Schreiburlaub. Aber Urlaub habe ich erst wieder Anfang Oktober. Und bis dahin sollte ich einiges bis alles von dem, was ich gerade genannt habe, geschafft haben.

Es sieht so aus, als ob die nächsten Wochen anstrengend werden. Und jetzt fragen wir alle mit Bob dem Baumeister: »Können wir das schaffen?«

Und ich antworte dann wie Kranwagen Heppo: »Äh, ich glaube schon, ja …«

Der Sonntagsreport vom 28.08.2016

Hallo zusammen!

Heute bin ich: platt! Und deswegen werde ich zumindest versuchen, mich einigermaßen kurz zu fassen, damit ich noch ein wenig Entspannung einbauen kann, bevor ich mich ins Bettchen legen muss. Morgen klingelt wieder früh der Wecker und ich habe festgestellt, dass es für mich durchaus gut ist, wenn ich früh auf der Arbeit bin und früh wieder gehen kann. Früh heißt in diesem Fall 6.30 Uhr. Die vergangene Woche habe ich es zum ersten Mal seit gefühlten Äonen geschafft, an jedem Tag so früh zu sein. Diese Serie würde ich gerne noch ausbauen.

Also, was gibt es zu berichten? Die zweite Arbeitswoche war besser als die erste. Das wollte ich nur schreiben, weil ich ja nicht so in die Details gehen konnte – und weil der eine oder die andere sich vielleicht gefragt hat, ob es bei mir jetzt so doof weitergegangen ist.

Heute und gestern war wieder Fahrradfahren angesagt. Ich hatte ja schon kurz darüber geschrieben. Was ich gestern noch nicht wusste war, dass ich heute meine erste kleine Fahrradtour machen würde. Bis jetzt waren wir ja vornehmlich auf einem Schulhof unterwegs, gestern sind wir durch einen Park zurückgefahren. Aber da heute nur noch grandiose (festhalten) zwei (!) Teilnehmer erschienen sind, haben die beiden Kursleiter gesagt, wir könnten ja mal gemütlich um den Töppersee hier in Duisburg herumfahren.

Zuerst war ich ja skeptisch, ob ich das schaffen würde, aber es hat gut funktioniert, alles in allem. Natürlich bin ich einige Male abgestiegen, z.B. wenn mir ein Auto auf enger Straße entgegen kam, aber das hielt sich in Grenzen. Unfälle habe ich jedenfalls keine mehr gebaut auf den ziemlich genau 10 Kilometern, die wir gefahren sind.

Wenn mir das vor zwei Wochen jemand prognostiziert hätte, dann hätte ich demjenigen den Vogel gezeigt! Ich freue mich, diesen Kurs gemacht zu haben. Jetzt brauche ich nur möglichst schnell ein eigenes Rad, um weiterüben zu können.

Ich merke gerade, dass ich doch wieder ins Erzählen komme, aber ich denke mal, euch interessiert weder der neue Drucker, der diese Woche bei uns Einzug gehalten hat, noch der eine oder andere Schwank aus meiner nicht mehr vorhandenen Jugend. Machen wir also so weiter, wie wir es immer an dieser Stelle tun :-).

Mein Schreiben:

In dieser Woche habe ich erst einen kleinen Durchhänger gehabt, was das Schreiben anging. Allerdings habe ich in dieser Zeit viele E-Mails geschrieben, die mir wichtig gewesen sind und die auch langsam mal anstanden. Gegen Ende der Woche habe ich dann allerdings noch einmal in die Vollen gegriffen.

Zum einen habe ich den Prolog für „Der Beobachter und der Turm“ fertig gestellt. Ich weiß noch nicht, ob ich diesen nun wirklich verwenden werde. Das wird, nicht zuletzt, auch von den Reaktionen abhängen, die ich vielleicht noch von meinen Testlesern bekomme. Es stehen noch ein paar aus, wobei mir da schon signalisiert wurde, dass es bis zum 01.09. eng werden könnte. Schauen wir also mal.

Wenn ich den Prolog nicht für den Roman verwenden sollte, dann wäre er ggf. ein nettes kleines Gimmick, das man Lesern des Romans zur Verfügung stellen könnte, wenn sie sich für einen Newsletter anmelden – nur so als Beispiel. Aber das steht ja noch in den Sternen.

Und ansonsten war, auch das schrieb ich, diesmal bei Twitter, diese Woche irgendwie Lektorats-Woche. Ich habe noch einmal den Lektor angeschrieben, der mit mir zusammen aus dem „Beobachter“ das Beste herausholen soll. Er sieht die terminliche Frage relativ entspannt. Mir macht das, ehrlich gesagt, ein wenig Stress. Ich lasse Leute ungerne warten. Und ja, ich erkenne das Paradoxon in dem, was ich gerade schreibe.

Und dann gibt es ja noch das Geheimprojekt, zu dem ich euch nichts verraten darf, wo ich aber in dieser Woche auch das Lektorat durchlaufen habe mit meiner Geschichte. Mehr dazu gibt es, wenn ich mehr dazu verraten darf.

Last but not least bin ich gerade in einem Mailverkehr, der vielleicht, vielleicht auch nicht, Chancen für andere meiner Manuskripte bietet. Hier bleibe ich bewusst vage, weil es im Moment wirklich nur ein netter Mailverkehr ist und ich auch nichts und niemanden zu irgendwas drängen will, falls diese Person hier mitliest. Auf jeden Fall lerne ich gerade eine ganze Menge – denn auch dieser Mailverkehr hat am Rande wieder was mit dem Thema Lektorat zu tun.

Für die kommende Woche habe ich mir vorgenommen, noch die Anthologiegeschichte zu schreiben, bevor es dann, spätestens ab dem Wochenende, langsam aber verdammt sicher um den Beobachter gehen soll, muss und wird.

Mein Blog

Hier fasse ich mich aber jetzt kurz, ansonsten wird das nämlich wieder nichts, in diesem Artikel *g. Das für mich Wichtigste in dieser Woche war die Auseinandersetzung mit meinem Blog- und Schreibverhalten und da insbesondere dem, was ich gefühlt alles nicht geschafft bekomme. Ich denke, dass ich mich da zwar nicht herausgeschrieben habe, aber ich habe zumindest schon einmal einen Anfang gemacht. Immer noch liegen tausende von Mails und Blogbenachrichtigungen in meinem Posteingang. Aber das nur, weil ich noch nicht die Zeit zum Sortieren gefunden habe und nicht mehr, weil ich nicht bereit dazu wäre, auszusortieren. Das ist ein gewichtiger Unterschied und in diesem Sinne werde ich weitermachen. Schritt für Schritt, eins nach dem anderen.

Multimedia

Die Erzählung „Lea und Siegfried: Die Geschichte einer Liebe, die nicht sein durfte und doch denkbar war„, von der ich letzte Woche kurz erzählte, hat mich bis zum Schluss nicht wirklich überzeugen können. Mir wurde zu viel hin und her gesprungen in der Zeit, dann wurden Gedichte eingestreut, die ich nicht ansprechend fand. Es hat einfach nicht gepasst zwischen uns. Kann ja mal vorkommen.

Wo ich aber schon einmal in der Zeit des Nationalsozialismus war, bin ich auch, sozusagen, da geblieben und habe das Buch „Göring – Eine Karriere“ gelesen, das auf eine der Dutzenden Fernsehdokumentationen von Guido Knopp zurückgeht. Ich stellte recht schnell fest, dass ich es schon einmal gelesen hatte, aber die Doku kannte ich noch nicht. Die hole ich jetzt über YouTube nach.

Und dann, momentan, zu etwas ganz anderem, nämlich „Götzen-Träume„, eine Anthologie, die sich an das Werk von H.P. Lovecraft und insbesondere seinen Cthulhu-Mythos anlehnt. Die Beiträge sind sehr unterschiedlich in Form und Qualität. Ich habe zu spät bemerkt, dass es sich um ein „Groschenheft“ handelt. Eigentlich habe ich da ja keine Berührungsängste, aber Lovecraft hätte stellenweise schon was Besseres verdient.

Und dann bin ich nach zwei Wochen mit  „Die Deutschen: Vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert“ fertig geworden. Es wurde irgendwann auch mal Zeit. So gut das Hörbuch war, einmal muss man dann doch wieder was anderes hören. Ich habe mich nur noch nicht entschieden, was es sein soll.

Famous Last Words

Kurz fassen. Ja, nee, ist klar. Merkt ihr selber, oder?

Ich wünsche euch einen schönen Start in die Woche!

Euer Michael

Kurz und schmerzlos (23) Immer die Radfahrer

Hallo ihr Lieben!

Es ist schon wieder recht spät, deswegen möchte ich euch bei diesem Wetter gar nicht lange aufhalten. Wobei ich hoffe, dass es bei euch noch sonnig ist. Ich hatte gerade das zweifelhafte Vergnügen, bei strömendem Regen von meinem Radkurs nach Hause zu laufen.

Ja, genau: Radkurs! Ich bin tatsächlich wieder hingegangen, nachdem ich ja letzte Woche so einen Abflug gemacht habe. Den beiden Kursleitern ist im Nachgang noch ganz schwummrig geworden, haben sie erzählt, und sie waren sich auch nicht sicher, ob ich wiederkommen würde. Umso mehr haben sie sich gefreut.

Hat es denn was gebracht? Lasst es mich so sagen: Ich werde nach diesen vier Kurstagen (morgen steht noch einer aus) nicht in den Straßenverkehr gehen. Das ist mir und da fühle ich mich zu unsicher. Aber Feld, Wald und Wiese, das könnte was werden. Wir sind heute eine andere Strecke zurückgefahren, nicht an der Straße entlang, und ich habe gut mit den anderen Anfängern mithalten können.

Ja, so ein ganz klein wenig bin ich schon stolz auf mich.

Es ist letztlich, wie es beim Schreiben auch manchmal ist. Man denkt, dass man etwas nie im Leben hinbekommt, zum Beispiel die Schilderung einer Liebesszene oder eines Schwertkampfes. Und dann versucht man es. Beim ersten Mal wird es nichts. Beim zweiten Mal wird es ungelenk und beim dritten Mal klappt es dann auf einmal. Man muss dran bleiben. Und sich vor Augen halten, dass man nie in der Liga von „Romeo und Julia“ oder „Die drei Musketiere“ spielen wird. Jedenfalls die meisten von uns. Trotzdem dran bleiben. Besser werden. Nicht aufgeben.

In diesem Sinne: Genießt euren Abend, wir lesen uns morgen wieder hier an dieser Stelle.

Liebe Grüße
Michael

Feeds und Blogs sortiert: Ein kleiner Schritt nach vorne

Aufbauend auf dem gestrigen Artikel möchte ich heute einfach mal mitteilen, dass ich einen kleinen Schritt nach vorne unternommen habe. Und zwar bin ich wirklich noch einmal rigoros sowohl durch die Mailverteiler, in denen ich war, wie auch durch die abonnierten Webseiten und Blogs durchgegangen und habe aussortiert.

Dazu muss ich sagen, dass ich ein sehr treuer Leser bin, wenn man mich einmal als Leser gewonnen hat. Und es gab eine Zeit, in der gehörte nicht viel dazu, mich als Leser für sein Internetprojekt zu gewinnen. Ja, ich kann mich sogar noch an Zeiten erinnern, in denen saß ich gelangweilt vor dem Bildschirm und wusste nicht, was ich denn jetzt sinnvolles tun könnte oder auf welcher Website ich mal wieder vorbeischauen könnte.

Irgendwann ist das ganze dann aber zu einem Perpetuum Mobile geworden, das für mich nicht mehr aufzuhalten war. Bei mir funktionierte die Vernetzung der Blogosphäre in Reinkultur: Ich kam auf einen Blog, abonnierte, las Kommentatoren, ging auf deren Blog, abonnierte wieder, und so weiter.

Auf diese Weise kann man sich nicht nur jegliches Zeitmanagement kaputt machen, man kann sich auch jegliche Freude an dem Thema zerstören. Denn man gerät zwangsläufig irgendwann unter Druck. Man gerät in Rückstand. In einigen Blogs gibt/gab es Beiträge, die ich seit Mai in meinem Posteingang liegen hatte, weil ich nie wirklich durchsortiert habe. Zehntausende von Nachrichten lagen zurückgestellt in meinem RSS-Feedreader.

Diesem Wildwuchs habe ich gestern bereits ein Ende gemacht und ich werde ihm weiter ein Ende machen. Es gibt ein kleines technisches Problem, dass die heruntergeladenen Mails, die aus Blogs generiert werden, bei mir mit falschen Absendern angezeigt werden, es also so erscheint, als seien 1.000 Nachrichten von ein und demselben Blogger geschickt worden. Das bedeutet, ich werde in meinem Posteingang wirklich so gut wie jede Nachricht anfassen müssen. Das dauert seine Zeit.

Im Feedreader ging es deutlich schneller, die Blogs auszusortieren, von denen ich überhaupt keine Nachrichten mehr erhalten möchte. Bei einigen ging es leichter, bei anderen blutete mir das Herz. Wie gesagt, ich bin eine treue Seele.

Falls der eine oder die andere sich jetzt denkt, dass er oder sie aufs Abstellgleis geraten sein könnten, so kann ich euch beruhigen. Nicht Gegenstand dieser Aufräumaktion waren selbstverständlich die Blogs und Accounts der Menschen, mit denen ich mich schon lange und teilweise ja sehr intensiv hier oder auf deren Blogs austausche. Auch sind alle Blogs, die sich in irgendeiner Form mit dem Thema Schreiben befassen, in der Liste geblieben.

Wenn man so will, dann habe ich meinen Fokus neu ausgerichtet. Oder will es zumindest versuchen. Wenn ich sage, dass ich ein Zeitproblem habe wegen vieler Nachrichten, dann muss ich die Nachrichten reduzieren. So, wie ich auch Werbebriefe ungeöffnet wegwerfe.

Ferner werde ich vielleicht auch nicht mehr jeden Artikel jedes Autoren lesen, sondern schauen, ob das Thema mir gefällt. Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass das durchaus legitim ist. So, wie nicht jeder von euch jeden meiner Artikel liest oder lesen muss, muss ich auch nicht jeden von euch lesen. Wenn jemand über seine Gartenzwerge schreibt und ich hasse die Dinger, dann ist das okay! Deswegen lese ich dann trotzdem gerne wieder den nächsten Beitrag, weil der mich thematisch wieder mehr anspricht.

Ich glaube, ich muss anfangen, mich aus der Übersättigung mit Medien zu befreien. Eine Sache, die mir traditionell schwer fällt. Und ein Blog ist letztlich nichts anderes als ein Medium. Nur, dass viele Blogs leichter zu abonnieren sind, als etwa eine Zeitung oder Zeitschrift. Und bei denen bin ich vor langer Zeit auch auf den Trichter gekommen, dass man nicht jedes Blatt kaufen oder jeden Artikel lesen muss. Deswegen habe ich zum Beispiel keine Tageszeitung mehr. Das gibt mir mehr Zeit, Bücher zu lesen.

Es mag sein, dass der Inhalt dieses Artikels euch profan vorkommt. Für mich ist es eher „zu einfach, um wahr zu sein“. Jetzt muss ich nur noch durchhalten, was ich mir vorgenommen habe. Aber das ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.

Kurz und schmerzvoll (8) Ich bewege mich nicht

Heute habe ich ein seltsames Gefühl. Das Gefühl hält schon den ganzen Tag hinweg über an und es ist ein nicht gerade angenehmes Gefühl. Dieses Gefühl sagt mir, dass ich auf der Stelle trete, dass ich an allen Ecken und Enden nicht weiter komme. Und ich weiß, dass das eigentlich großer Blödsinn ist, denn ich komme ja weiter:

  • Ich habe mich aktiv um ein Lektorat bemüht, das auch schon soweit klar ist
  • Ich habe mich um Testleser gekümmert und da schon einige ganz tolle Rückmeldungen bekommen, die zwar Arbeit machen werden, aber den Roman zum positiven verändern
  • Ich arbeite an einem Prolog für den Roman, von dem ich zwar noch nicht weiß, ob ich ihn wirklich einsetzen werde, aber ich bin dran
  • Ich habe Ideen für mindestens eine Kurzgeschichte, die ich für eine Ausschreibung schreiben möchte, sowie für zwei oder drei Romane
  • Für mein Kinderbuch habe ich diese Woche „aus der Zielgruppe“ ganz hervorragende Kritik bekommen
  • Ich habe es nach wie vor geschafft, jeden Tag einen Beitrag auf diesem Blog zu bringen, seit ich wieder aus dem Urlaub zurück bin

Gestern Abend, als ich ins Bett ging, reichte mir das noch locker aus, um mich zufrieden zu fühlen. Woher kommt dann heute das Gefühl von Unzufriedenheit? Auch dafür gibt es gute Gründe:

  • Ich habe immer noch nicht meinen Facebook-Account in den Griff bekommen, der bis jetzt nur zum Wiederkäuen der Blog-Artikel dient
  • Meine Blog-Artikel ufern teilweise für Banalitäten aus, dass es nicht mehr feierlich ist, nur weil ein Teil von mir glaubt, ich müsse immer Textwüsten produzieren
  • Nach wie vor verbringe ich viel zu viel Zeit am PC mit irgendwelchen Mails oder Blogs, was ich sehr gerne tue, mir aber einfach auch Zeit raubt
  • Ich habe noch keine Idee, was ich mit meiner Homepage machen werde, bzw. wie ich mit diesem Blog umgehen werde in diesem Zusammenhang
  • die von mir gewollte Teilnahme in Internetforen, um mal wirklich in einen Austausch mit anderen Autoren zu kommen, liegt mal wieder völlig brach
  • ich habe zwar ein halbes Dutzend an Kursen zum Selfpublishing etc. belegt, aber gesehen habe ich vollständig noch keinen davon – geschweige denn, mich an die Umsetzung gemacht

Für jeden dieser Punkte gibt es, manchmal sogar erstaunlich einfache, Lösungen. Das ist nice to know, but hard to do, wie man in diesem Fall wohl sagen kann.

Die einfachste Stellschraube, so sollte man meinen, stellt der Blog dar. Es muss nicht jeden Tag einen Artikel geben. Es muss vielleicht nicht einmal jede Woche einen Artikel geben – wobei, doch: Den Sonntagsreport würde ich gerne weiterführen. Andere Blogger haben auch feste Tage, an denen sie was veröffentlichen. Oder sie veröffentlichen entsprechend weniger. Und schon hat man Zeit für andere Dinge.

Ich lese zu viele Mails und Blogs? Weg damit! Egal, dass ich schon jede Menge aussortiert habe. Ich kann noch mehr aussortieren! Allerdings habe ich hier ein dumpfes Bauchgrummeln, denn ebenso, wie ich gerne gelesen werde, wollen andere auch gerne gelesen werden. Und es würde mir leid tun, wenn ich mich egoistisch zurückziehe. Ich habe über das Bloggen viele Menschen „kennengelernt“, das schmeiße ich jetzt nicht einfach weg, nur weil mancher Blogeintrag zehn Minuten braucht, um ihn zu lesen und darauf zu antworten.

Ähnliches gilt für die Foren. Wenn ich da mitmache, dann will ich das auch engagiert machen. Im Moment mache ich nichts von beidem. Soll ich deswegen die Sache ganz bleiben lassen? Mich mutwillig zu dem Einzelkämpfer machen, die Autoren über Jahrhunderte hinweg waren?

Ich muss irgendwie einen Weg finden, mich durch die Gründe, die mich hemmen, hindurch zu lavieren – ohne dabei Dinge, die mir wichtig sind, aus den Augen zu verlieren. Mal ganz davon abgesehen, dass ich noch mit keinem Wort meine Familie oder mein Privat- und Berufsleben erwähnt habe, die irgendwie zwischendurch ja auch noch stattfinden wollen.

Ja, verdammt, ich glaube, im Moment bin ich ziemlich frustriert, weil es keinen Königsweg gibt. Keine Straße zum Ruhm, kein goldgepflastertes Band zum großen Palast. Es gibt Dinge, die kann ich tun, Dinge, die will ich tun und Dinge, die muss ich tun. Jeden Tag.

Aber das ist für jeden von uns so. Und ich kann nur versuchen, so wie jeder andere, das beste daraus zu machen. Dieser Beitrag hier hat mir ein wenig geholfen, das Gefühl in den Griff zu bekommen, dass sich nichts bewegt. Auch wenn er effektiv schon wieder sehr lang geworden ist ;-).

Und dann werde ich einfach sehen müssen, wie einfach es wirklich ist, die „einfachen Lösungen“ umzusetzen. Ich werde vielleicht gewaltig über meinen Schatten springen und das tun müssen, was uns Menschen mitunter am schwersten fällt: Mich ändern! Um am Ende sagen zu können: »Ja, ich habe mich bewegt.«

Danke fürs Zuhören und, wie immer, aber diesmal besonders, für eure Kommentare, sofern ihr welche auf dem Herzen habt.

Bastei, Bilanz und Balla-Balla

Ich denke jetzt schon die ganze Zeit darüber nach, ob ich etwas zum Thema der jetzt bekannt gewordenen abweichenden Bilanzierung diverser Sachverhalte bei Bastei Lübbe schreiben soll, oder nicht.

Einerseits ist es ein Thema, das nach außen hin erst einmal reißerisch klingt: Ein nicht gerade kleiner Verlag, mithin ein gutsituiertes Wirtschaftsunternehmen, börsennotiert, ist dazu gezwungen, die Bilanzen der vergangenen zwei Jahren teils drastisch zu korrigieren. Ursache dafür ist eine Neubewertung der KPMG im Rahmen eines Prüfauftrages. Was könnte man daraus nicht für eine Räuberpistole machen.

Andererseits aber bin ich selber Buchhalter und weiß, dass solche Dinge passieren können. Sie dürfen nicht passieren und in dem genannten Umfang ist mir auch nicht klar, wie sie passieren konnten, aber Fehler macht jeder einmal.

Meiner Meinung nach ist der Vorgang weniger ein Schlag ins Gesicht für Bastei-Lübbe und seine Aktionäre, als für die KPMG (in gewaltigem Maße), denn die haben die gleichen Sachverhalte zwei Mal unterschiedlich bewertet – was überhaupt erst zu dem Problem führt.

Ich jedenfalls würde ich mir jetzt schleunigst andere Wirtschaftsprüfer suchen, wenn ich bei Bastei etwas zu sagen hätte. So, wie das gelaufen ist, geht es gar nicht. Gut, Fehler passieren auch dort und auch Wirtschaftsprüfer sind nur Menschen. Aber wir sprechen hier von Vorgängen in Millionenhöhe. Da muss einfach Bilanzsicherheit herrschen. Einen kleineren Verlag als Bastei hätte ein solcher Fehler in höchste Bedrängung bringen können.

Da nur die Bilanzen der vergangenen beiden Geschäftsjahre betroffen sind, sind die Auswirkungen auf die Gegenwart extrem gering. Sofern man sich bei der Planung der Ergebnisse nicht grundlegend verkalkuliert hat, was ich im Bereich der Konzernbeteiligungen, wo das Malheur passiert ist, nicht unterstelle, dann sollte die diesjährige Bilanz wie prognostiziert erstellt werden können. Nach den Informationen, die zwischenzeitlich veröffentlicht wurden, wäre dieses Jahr sogar mit einem besseren Geschäftsergebnis zu rechnen, da die Erlöse aus dem Verkauf einer nunmehr vollkonsolidierten Beteiligung in voller Höhe in den Ertrag von Bastei wandern würden. Es bliebe einzig und alleine der Imageschaden.

Ich glaube, das ist auch der Grund, aus dem ich mich entschieden habe, diesen Beitrag nun doch zu schreiben. Bastei-Lübbe hat in diesem Jahr wirklich schon genügend an Schwierigkeiten zu überwinden gehabt. Da war der große Hype um den „Boykott“ des Buchhandels, weil Bastei via Amazon einen Roman von Dan Brown verschenkt hatte. Und gerade eben erst ist mit Verlagsmitbegründerin Ursula Lübbe die alte Dame des Konzerns verstorben, was für den laufenden Betrieb sicherlich keine Auswirkungen mehr hat, aber dennoch rein emotional einen Verlust darstellt.

In dieser Sache hier kann man dem Verlag aber meines Erachtens keine Vorwürfe machen. Wenn man einen Wirtschaftsprüfer im Haus hat, dann ist dieser der Experte und hat klassisch das letzte Wort, dem man vertrauen muss (oder sollte).

Für die Autoren und Leser des Verlags macht es so oder so keinen Unterschied, weswegen die „unter Beschuss geratene Bilanz“ zumindest für diese am Ende eine Fußnote bleiben dürfte.

Meldung und Meinung: Eine automatisierte Wikipedia und die Gefahren für Autoren

Ja, ich weiß, Wikipedia benutzt man nicht zur Quellenrecherche für Romane. Das ist Pfui, Bah, ekelig, unanständig und so, als würde man einer alten Frau den Dackel klauen. Aber wer noch nie mal eben nachgeschaut hat, wie hoch jetzt eigentlich genau der schiefe Turm von Pisa ist, oder wie schnell ein ICE auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln fahren kann, der werfe den ersten Stein!

Wikipedia ist nur so gut, wie seine Mitarbeiter es machen. Und die Mitarbeit an diesem gewaltigen Onlinelexikon war immer schon das Werk einer Schwarmintelligenz von Freiwilligen, die ihr Wissen, ihre Arbeitskraft und nicht selten auch ihr Nervenkostüm in den Dienst der Sache stellten – möglichst viel Wissen möglichst niederschwellig an möglichst viele Menschen zu vermitteln.

Die Sache mit den Nerven ist dabei nicht zu unterschätzen. Um das zu erkennen muss man sich nur einmal eine der zahlreichen Löschdiskussionen anschauen, die vor allem in der deutschsprachigen Wikipedia geführt werden. Die Administratoren und ihre Zuarbeiter achten peinlich genau darauf, ob neue Artikel die teils geschriebenen und teils immer noch ungeschriebenen „Relevanzkriterien“ einhalten, die für das Lexikon gelten sollen.

Und die Regeln sind streng. Mitunter kommt es vor, dass jemand einen Artikel geschrieben hat und dieser ihm binnen Minuten, quasi direkt aus den Händen heraus, weggelöscht wird.

An dieser Stelle möchte ich nicht darauf eingehen, ob ich dieses Vorgehen für richtig halte oder nicht – es ist nur wichtig um zu verstehen, woher die Probleme gerade der deutschen Wikipedia stammen. Denn die Freiwilligen, sie werden weniger.

Mit dem Mitarbeiterschwund kämpft Wikimedia als Träger der Wikipedia schon länger. Jetzt hat man sich allerdings etwas einfallen lassen, bei dem ich mehr als nur eine Augenbraue hebe.

Wie die Zeitschrift Technology Review in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet (hier eine Kurzzusammenfassung auf heise.de) soll eine mögliche Lösung gegen den Artikelschwund eine „automatische Fortschreibung“ des Lexikons sein. Das alles wird mit vielen spezifischen Worten und recht schwer verständlich erklärt.

Im Kern geht es wohl darum, dass Artikel, die in einer der über 300 verschiedenen Wikipedias geschrieben wurden, über eine Art „Universalsprache“ automatisiert durch Bots in andere Wikipedias übernommen werden sollen. Ein Lexikon, das sich praktisch aus sich selbst heraus weiterschreibt.

Ich habe hiermit große Probleme und sehe akute Gefahren – nicht zuletzt auch für Autoren.

Wenn man sich ein wenig in den ausländischen Versionen der Wikipedia umschaut, insbesondere in der englischsprachigen, dann wird man feststellen, dass dort teilweise sehr rudimentäre Artikel bestehen, die – soweit ich es in meinen „Fachgebieten“ feststellen kann – auch gerne mal sachliche Mängel beinhalten. Nicht zuletzt deswegen hatten sich die Macher der deutschen Wikipedia ja auf die strenge Regelauslegung festgelegt.

Vor meinem inneren Auge sehe ich jetzt kleine Roboter, die auf eine Flut von Artikeln losgelassen werden, um diese mehr schlecht als recht (und damit meine ich jetzt primär auch die sprachlichen Qualitäten) kreuz und quer durch alle Wikipedias zu übersetzen und zu übertragen.

Sicher, es wird irgendeine Form von Qualitätskontrolle geben – so hoffe ich jedenfalls. Aber wie viel kann die effektiv abfangen? Und wird es die sogenannte Schwarmintelligenz nicht nur noch mehr verbittern, wenn zum Kampf gegen Einträge für Zwei-Mann-Hinterhof-Firmen nun auch noch der Kampf gegen den automatisierten Roboter kommt?

Wer kümmert sich denn dann noch um den Wahrheitsgehalt der gemachten Angaben – der Maschine ist es egal. Und damit geht verloren, was Wikipedia nun einmal ist: Ein hervorragendes, schnelles Nachschlagewerk für die erste (!) Recherche. Jeder, egal ob Autor oder nicht, sollte sich von dort ausgehend weiter informieren. Aber auch dafür bieten die Quellenangaben sehr gute Hinweise.

Also: Halten wir die Augen offen, damit wir nicht morgen der irrigen Meinung sind, dass der schiefe Turm von Pisa sagenhafte dreihundert Meter hoch ist und der ICE nach Köln sechs Stunden braucht.

Ich werde Wikipedia bis dahin weiterhin nutzen. Vorsichtig, reflektiert, aber gerne.

Und ihr so?

Fakt und Fiktion (15) Der Sturz

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


Irgendjemand hätte mich warnen sollen. Davon bin ich inzwischen überzeugt. Ob es einer der Kursleiter hätte tun sollen oder doch – das glaube ich eher – ich selbst, das spielt im Nachhinein betrachtet keine Rolle mehr. Die Sache ist passiert, ich bin noch bei Gesundheit und außer einem leichten Sachschaden sind auch keine Auswirkungen entstanden. Okay, ein wenig angeknackster Stolz, aber das gehört dazu.

Und trotzdem: Als die Kursleiter fragten, wer es sich schon zutraut, den runden Kilometer zwischen dem Schulhof, auf dem wir geübt hatten, und dem Treffpunkt auf dem Rad zurückzulegen, da hätte ich vielleicht besser geschwiegen. Es wäre keine Schande gewesen, andere „Schüler“ sind auch gelaufen.

Ich aber sagte: »Ich probiere es, absteigen kann ich ja immer noch.«

Bin ich dann ja auch – wenn auch nicht so, wie ich es mir gedacht hatte.

Vor meinem geistigen Auge kann ich mich selber sehen, wie ich am Straßenrand stehe, den Hintern auf ein eigentlich für mich ein wenig zu niedrig eingestelltes Fahrrad gebettet. Die Lenkerstange und die Sattelstange sind nicht lang genug, meint der Kursleiter. Und dass ich mich schon mal darauf einstellen kann, dass ein Fahrrad, mit dem ich gut zurecht komme, einen Preis kosten wird, mit dem ich erst einmal zurecht kommen muss.

Fahrrad – wieso eigentlich ein Fahrrad? Und das jetzt, mit 41 Jahren? Weil ich es als Kind nie gelernt habe, wie man mit so einem Ding fährt. Damals hieß es seitens diverser Quacksalber Ärzte, dass Asthmatiker nicht radfahren sollten. Danke nochmal dafür. Und jetzt, wo ich Familie habe, finden meine Kinder schon, dass ich es sollte. Und was tut man nicht alles für seine Kinder!?

Nein, halt, ich tue es auch für mich. Schließlich habe ich es vor fünf Jahren schon einmal versucht, es zu lernen, und bin daran gescheitert. Scheitern ist eine Sache, die ich zwar immer gut antizipieren, aber nur schlecht aushalten kann. Deswegen wage ich diesen einen, den letzten Versuch.

Ich stehe also am Straßenrand, atme noch einmal tief durch und warte darauf, dass der Verkehr ruhig genug ist, dass ich unfallfrei auf die andere Straßenseite und den mit einer Linie abgetrennten Radstreifen fahren kann. Noch vor vierundzwanzig Stunden habe ich keinerlei Erfahrung mit Pedalen gehabt. Und jetzt stehe ich davor, in den Straßenverkehr zu gehen.

Alles mache ich so, wie man es mir beigebracht hat: Gerade Körperhaltung, Bremsen angezogen, rechtes Pedal auf „zehn nach zwölf“-Stellung. Umsehen, Bremse lösen, ein kräftiger Tritt auf das rechte Pedal, linken Fuß nachziehen – ich fahre!

Ein wenig Schwierigkeiten bereitet mir das Thema Gleichgewicht. Damit habe ich manchmal schon im Laufen Probleme. Eine Folge der Medikamente, die ich nehmen muss. Auch das ist nicht wirklich eine gute Voraussetzung für das Fahrradfahren, hat mich aber auf dem Schulhof nicht so sehr behindert. Jetzt, auf dem schmalen Streifen, der für „uns“ Radfahrer vorgesehen ist, sieht das schon ein bisschen anders aus.

Ich merke, wie ich ein wenig schlingere. Das ist nicht weiter schlimm, sage ich mir, solange ich innerhalb des begrenzten Bereichs bleibe. Aber was ich mir sage und was mein Körper daraus macht, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Mein Körper ist der Ansicht, dass dies der perfekte Moment ist, den Adrenalinausstoß noch einmal so richtig hochzufahren.

Wenig förderlich ist, dass ich zum ersten Mal die Erfahrung mache, dass ein Auto hinter mir ist. Und der Fahrer überholt und überholt mich nicht, fährt aber, wie ich bei einem schnellen Blick nach hinten feststelle, fast an meinem Hinterrad. Gerne würde ich meine Hand vom Lenker nehmen und ihn vorbeiwinken, aber das traue ich mich noch nicht. Irgendwann wird es ihm von alleine zu dumm und er zieht an mir vorbei. Ich merke, wie ich ins Schwitzen gerate.

Zu diesem Zeitpunkt kann ich die anderen Radfahrer aus meiner Gruppe schon nicht mehr sehen. Ich bin zu langsam für sie, aber zu schnell für die andere Gruppe, die sich zum Laufen entschlossen hatte. Ich bin alleine auf weiter Flur. Ein komisches, ein irritierendes Gefühl, das Angst macht.

Und Angst ist ein denkbar schlechter Begleiter auf den ersten Kilometern, die man mit einem Fahrrad zurücklegt.

Spätestens hier hätte ich absteigen sollen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst gewesen wäre, dann hätte ich es gewusst. Aber ich wollte nicht ehrlich sein, ich wollte etwas erzwingen. Wann ist das letzte Mal etwas gut gegangen, das erzwungen werden musste? Gestern war jedenfalls kein solcher Tag.

Das Drama nimmt seinen Anfang mit einem sanften Gefälle. Ich werde schneller und merke, dass ich die Kontrolle über die Pedale verliere. Das heißt, dass meine Füße zwar fest darauf bleiben, aber ich quasi „Luft“ trete. Das verstärkt meine Unsicherheit und ich merke, wie ich zu wackeln anfange. Rechts ist ein weißer Kastenwagen geparkt, den ich auf keinen Fall anrempeln will. Also leichte Gewichtsverlagerung nach links.

Das Fahrrad und/oder mein Körper haben das Wort „leicht“ überhört und ich mache einen Schlenker nach links, der mich gefährlich nah an den Rand des Fahrradstreifens führt. Gleichzeitig höre ich, wie sich von hinten ein Wagen nähert.

In diesem Moment ist alles weg, was ich über das kontrollierte Bremsen und Anhalten gelernt habe. Ich reiße den Lenker nach rechts, was überhaupt nichts bringt, außer, dass das Fahrrad noch unkontrollierter einfach nach links, auf die Fahrbahn, ausbricht.

Mit einem lauten Aufschrei versuche ich erst jetzt, viel zu spät, zu bremsen, betätige, glaube ich, sowohl die Vorder- als auch die Hinterradbremse. Das Rad strauchelt und zusammen stürzen wir auf den harten Asphalt. Rad und ich liegen jeweils zur Hälfte auf dem Radstreifen und auf der Fahrbahn. Meine Brille hat es beim Aufprall mittig auf die Straße geschleudert.

In heller Panik versuche ich danach zu greifen, sehe schon das näherkommende Auto – es ist anthrazit, das kann ich aus meiner Perspektive als einziges erkennen – und erwische gerade noch die Brille.

Der Fahrer des Wagens ist allerdings schon lange in den Gegenverkehr ausgewichen, der in diesem Moment zum Glück nicht stattfindet. Anhalten tut er nicht. Auch die gerade vorbeigehende Frau fragt mich nicht, wie es mir geht.

Mir geht es bescheiden. Zwar scheint nichts verletzt zu sein und später stelle ich auch fest, dass ich außer ein paar Schrammen, blauen Flecken und aufgescheuerten Hautpartien keine körperlichen Schäden davongetragen habe, aber in meinem Kopf gähnt ein Abgrund. Und in diesen scheine ich zu fallen und zu fallen. Der Abgrund sagt: »Das kommt davon« und »Das hätte es gewesen sein können«.

Den Rest des Weges rolle ich das Rad. Es bleibt mir auch nichts übrig, denn das Vorderrad hat etwas abbekommen. Egal, sagt mir der Kursleiter hinterher, der ziemlich besorgt ist. Vielleicht stellt er sich die gleiche Frage wie ich auch, nämlich die, ob er mich hätte vor mir selbst schützen müssen. Auf jeden Fall fände er es gut, wenn ich nächstes Wochenende, zum zweiten Teil des Kurses, wiederkommen würde.

Als ich nach Hause fahre, kommt der Schock. Ich sitze im Wagen und merke, wie die ersten Tränen kommen. Später, zu Hause, kommen noch einige mehr dazu. Aber ich nehme auch die Freude und den Stolz meiner Frau entgegen, die sich ganz begeistert zeigt, dass ich nicht nur auf dem Rad gefahren, sondern auch so mutig gewesen bin, in den Straßenverkehr zu gehen.

So kann man es allerdings auch sehen. Vielleicht sollte man es so sehen.

Ich werde jedenfalls nächstes Wochenende wieder hingehen, das habe ich mir geschworen. Selbst wenn ich niemals ein guter Radler im Stadtverkehr werden sollte, so kann doch immer noch ein passabler Ausflugs-, Feld-, Wald- und Wiesenfahrer aus mir werden.

In meinen Träumen der Nacht sitze ich wieder auf dem Fahrrad. Und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Bis zum Aufstehen, wo mir alle meine Knochen weh tun werden, ist der Sturz weit weg. Und ich hoffe, dass er es in fünf Tagen auch wieder sein wird, wenn es heißt: »Aufsitzen und losradeln!«