Was kommt vor dem Vorspiel?

Wie ihr wisst, ist mein Romanentwurf „Der Beobachter und der Turm“ gegenwärtig in der Phase des Testlesens. Eine der Rückmeldungen, die ich bereits erhalten habe, machte mich darauf aufmerksam, dass es viel zu lange dauere, bis der Teil der Geschichte, auf den sich der Titel nun wirklich bezieht, erkennbar Einfluss auf die Geschichte nimmt. Als Mittel gegen dieses Manko wurde mir vorgeschlagen, vielleicht eine Art Prolog zu schreiben, um spätere Ereignisse vielleicht ein wenig „anzuteasern“.

Ich habe über diese Möglichkeit jetzt etwas über zwei Wochen nachgedacht und komme zu dem Schluss, dass das gar kein so verkehrter Gedanke ist. Generell kommen die Testleser, von denen ich bis jetzt gehört habe, zu dem Schluss, dass der Beginn ein wenig zu langgezogen ausgefallen ist.

Gut, das kann ich noch kürzen und da werde ich sicherlich auch kürzen. Mir ist aber auch ein anderer Aspekt noch wichtig, den ich ursprünglich nicht bedacht hatte: Der Blick ins Buch, wie z.B. Amazon ihn anbietet.

Es ist bei eBooks ja möglich, in den Text reinzulesen um festzustellen, ob er einem zusagt oder nicht. Und da muss ich einfach selbstkritisch eingestehen, dass ich mit dem, was zur Zeit im Manuskript steht, nicht unbedingt die besten Karten hätte, um die Handlung, die ich geschrieben habe und die natürlich sich auch im Klappentext niederschlagen soll, mit der Textprobe in Einklang zu bringen.

Ich habe in einem früheren Blogeintrag geschrieben, dass man dem „Beobachter“ vielleicht anmerkt, dass ich meinen Stephen King gelesen habe. Damit meinte ich nicht, dass ich mich in qualitativer Hinsicht mit ihm messen kann, sondern es ging mir konkret darum, dass es bei King ganz oft der Fall ist, dass das Grauen oder das Fantastische erst langsam in einen scheinbar ganz normalen Alltag eindringt.

So etwas in der Art schwebte mir auch vor. Aber erstens bin ich kein etablierter Autor wie Stephen King, der es sich erlauben kann, in einem 800-Seiten-Roman erst einmal 100 Seiten Vorstadtidylle zu zeichnen. Und zweitens ist mir wohl der Übergang nicht ganz so gut gelungen, wie ich mir das erhofft hatte – jedenfalls, wenn ich von den bisherigen Rückmeldungen ausgehe.

Deswegen finde ich die Idee mit dem Prolog gar nicht so verkehrt. Ich habe auch eine, wie ich finde, gute Idee, die sich hinterher nicht nur mit dem vorhandenen Text verbindet, sondern die auch eine Klammer bildet, um weitere aufgekommene Fragen ein wenig zu erhellen.

Ich habe jetzt mehr ein grundsätzliches, ein strukturelles Problem. Wie ich einmal erzählte, spielt das Thema Sex eine nicht ganz unwesentliche Rolle in dem Roman. Das hatte zur Folge, dass ich die Kapitelüberschriften entsprechend gewählt habe: Vorspiel, Akt 1, Akt …, Nachspiel.

Ich habe im Moment keine Ahnung, wie ich diesen Prolog in eine passende Begrifflichkeit fassen soll. Denn nur „Prolog“ scheint mir nicht das richtige Wort zu sein. Und so dachte ich mir, ich gebe die Frage einmal in die Runde :).

Vielleicht fällt jemandem von euch ein guter Begriff ein, etwas, das in die genannte Systematik passt und nicht zu aufgesetzt wirkt.

In der Zwischenzeit kann ich mein Augenmerk darauf richten, diesen Prolog nun erst einmal auch zu schreiben. Damit die Arbeit am „Beobachter“ weiter geht.

An dieser Stelle möchte ich übrigens noch einmal ein Dankeschön an meine Testleser richten! Euch verdanke ich, dass ich mit entsprechenden neuen Ideen ausgestattet worden bin, eure Anmerkungen sorgen dafür, das Buch besser zu machen.

Schließlich ist dieses „besser werden“ keine endliche Größe.

Advertisements

22 Gedanken zu “Was kommt vor dem Vorspiel?

  1. Hängt natürlich wirklich vom Text ab. Auf die körperliche Ebene bezogen würden mir Begriffe wie Kontakt, Blickkontakt, Kennenlernen einfallen, vielleicht auch einfach „Berührung“ oder erste Berührung, Tasten, Annäherung, Streicheln und so weiter.
    Generell mag ich keine Prologe, da man sie fast immer weglassen kann – nicht umsonst schreibt Stephen King so gut wie nie einen. Er reißt uns Leser sofort in die Geschichte (ich betone das immer wieder), weil seine Charaktere schon nach drei Sätzen lebendig werden.
    Ich wünsch‘ jedenfalls viel Erfolg!

    Gefällt 1 Person

    • Dankeschön!

      Du hattest ja schon einmal gesagt, dass du von Prologen nichts hältst, kann das sein? Wobei ich deine Meinung nicht ganz teile – und es letztlich vielleicht auch drauf ankommt, wie man Prolog nun definiert. Ich finde, dass sehr viele Romane einen Prolog haben, diesen aber nicht so nennen. Denn sehr häufig ist es doch so, dass im ersten Kapitel Dinge geschehen, die die eigentliche Handlung dann in Gang setzen, an der auch die Protagonisten teilnehmen.

      Irgendwas in die Richtung „Kontakt“ oder „Tasten“ könnte vielleicht funktionieren. Danke!

      Gefällt 1 Person

  2. Carola vom schreibkasten schreibt:

    Hallo Michael,

    wenn Deine Geschichte einen langsamen Beginn hat, ist es, meiner Meinung nach, in der Tat eine gute Idee, mit einem flotten Prolog anzufangen. So hatte zum Beispiel Robert Jordan sein „Das Rad der Zeit“ angefangen. Denn die Geschichte selbst hatte ca. 100 Seiten, in denen nichts geschah. Nur Charakterzeichnung (wie Du es mit Stephen King beschrieben hast). Das Prolog hat aber die Geschichte gerettet. Ansonsten hätte ich es wohl zur Seite gelegt und nicht mehr weitergelesen.

    Und kleiner Tipp, Wikipedia oder einfach mal zum Thema Sex googeln, vielleicht bekommst Du da interessante Einblicke 🙂

    lg
    Carola

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Carola und danke für deinen Kommentar!

      Na ja, 100 Seiten, in denen gefühlt nichts geschieht, auf die bringe ich es nicht ganz. Aber dennoch hat der Gedanke etwas, zumindest schon mal einen Einblick zu geben in das, was noch kommen wird.

      Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich eine ganze Menge interessante Einblicke bekomme, wenn ich mit dem Stichwort Sex google! 😉 😀

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt mir

  3. Carola vom schreibkasten schreibt:

    Hallo Michael,

    wobei ich gelernt habe, dass ein Prolog niemals ein Kapitel 1 ist. Das bedeutet, dass du mit einem Prolog mehr Informationen bieten solltest, als ohne. Und trotzdem soll die Geschichte auch ohne Prolog verständlich sein. Gerade hört es sich bei deinem Kommentar an, als sollte das jetzt ein Kapitel 1 werden, deswegen die Erwähnung 😉

    Wird Zeit, dass ich mein Prolog und Epilog Beitrag schreibe.

    lg
    carola

    Gefällt 2 Personen

      • Carola vom schreibkasten schreibt:

        Gut, hatte schon befürchtet, dass es wirklich nur ein Kapitel 1 mit der Bezeichnung Prolog wird 🙂

        Solange es mehr Informationen bietet ist es, meiner Meinung nach in Ordnung, wenn man ein Prolog schreibt. Ansonsten nicht 🙂

        Gefällt 1 Person

    • Der Fall liegt bei mir ein wenig anders. Es geht weniger um die Spannung als darum, den Mystery-Anteil früh genug zu betonen. Und da habe ich ein strukturelles Problem, denn wenn ich meinen Protagonisten zu früh zu sehr mit den Dingen konfrontiere, die später auf ihn warten, würde er sich vollkommen anders verhalten und mir würde einiges zusammenbrechen. Der konkrete „Vorwurf“ lautete, das Ganze lese sich wie eine Beziehungskiste. Das ist es, gerade zu Beginn, auch – aber eben nicht schlussendlich.

      Gefällt 1 Person

  4. Lieber Michael,

    auch ich bin kein Anhänger des Prologs. Dann lieber ein oder zwei Sätze, die eine Anspielung bringen auf das, was folgt.

    Viel lieber solltest du kritisch fragen, ob eine so lange Einleitung wirklich wichtig ist. Kannst du die Charaktere nicht durch eine kurze Handlung einführen, ohne sie ausgiebig zu beschreiben?

    Bindet ein Mensch einer Katze gerade eine brennende Fackel an den Schwanz, ist er als bösartig klassifiziert, ohne dass er mehr tun muss. Die blonde Schönheit im Bikini, die dann die Katze rettet, sie pflegt und heilt, ist mitfühlend, eine Gestalt in schwarz mit Binde über den Augen, die dem Bösen dann die Villa am Strand von Malibu als Rache über dem Kopf anzündet und ihn in letzter Sekunde rauslässt, ist der „Rächer“ – das alles ist natürlich völlig überspitzt, aber es soll zeigen, dass du mit nur 1-2 Seiten Charaktere, das Setting (Zeit, Ort) und eine Anspielung auf die spätere Handlung – hier wäre es ein Roman über den Konflikt zwischen Rache/Gerechtigkeit – drinstehen hast.
    Natürlich nicht so plakativ schreiben, aber es macht hoffentlich deutlich, was ich meine.

    Was die andere Frage angeht (Was kommt vor dem Vorspiel?): Nun, ein Date zum Beispiel, die sexuelle Spannung bei einem langen Blick, das Kribbeln der ersten Berührung, das Pochen des Herzens bei der Vorstellung, das Feuchtwerden bei dem Gedanken an das, was folgen könnte …

    Gehört das aber nicht alles schon in die Geschichte, d.h. in den ersten Teil, das erste Kapitel, den ersten Satz? Eine Liebesgeschichte darf doch von Anfang an prickeln (wenn sie nicht von anderen heftigen Gefühlen wie instinktiver Abneigung geprägt ist). Also, mehr Action schon am Anfang, lass das andere weg, kürze, komprimiere!

    Gefällt 2 Personen

  5. Ein Prolog ist idealerweise ein Vorgriff auf etwas, das später im Buch stattfindet oder zeigt eine Begebenheit, die mit dem Geschehen in Zusammenhang steht, was dann auch etwas in der Vergangenheit oder ein Nebenschauplatz sein kann. Ich denke, er ist den „modernen“ Lesegewohnheiten geschuldet. Alles muss den Leser ganz schnell packen, möglichst mit dem ersten Satz und der ersten Seite.

    Daher kommt es, dass ich manchmal Bücher anlese und denke „Wow“. Wenn dann aber nichts kommt, AutorIn das ganze Pulver auf den ersten Seiten verschossen hat, ärgere ich mich.

    Es muss also auch nach dem Prolog spannend weitergehen. Manchmal hilft da das Straffen und „auf den Punkt“ schreiben – alles Überflüssige weglassen, nicht zu viele Infos und bei dem von dir gewählten Genre durchaus Brüche und dunkles Geheimnis durchblitzen zu lassen.

    Viel Erfolg!

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Cornelia und danke für deinen Kommentar.

      Genau so, wie du den Prolog beschreibst, möchte ich den Prolog aufziehen. Über die Gewohnheiten des Lesers habe ich mir auch Gedanken gemacht. Ich denke, dass nicht zuletzt auch das Fernsehen mit der neuen Trendsportart „Serie gucken“ seinen Teil dazu beigetragen hat. Es gibt ja kaum eine Serie – wenn überhaupt – die nicht erst einmal die folgenden 45 Minuten anteasert und dann den Vorspann einblendet.

      Alles Weitere versuche ich genau so zu machen. Ich kann nur hoffen, dass es nicht beim Versuch bleibt.

      Danke dir!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s