Kurz und schmerzvoll (8) Ich bewege mich nicht

Heute habe ich ein seltsames Gefühl. Das Gefühl hält schon den ganzen Tag hinweg über an und es ist ein nicht gerade angenehmes Gefühl. Dieses Gefühl sagt mir, dass ich auf der Stelle trete, dass ich an allen Ecken und Enden nicht weiter komme. Und ich weiß, dass das eigentlich großer Blödsinn ist, denn ich komme ja weiter:

  • Ich habe mich aktiv um ein Lektorat bemüht, das auch schon soweit klar ist
  • Ich habe mich um Testleser gekümmert und da schon einige ganz tolle Rückmeldungen bekommen, die zwar Arbeit machen werden, aber den Roman zum positiven verändern
  • Ich arbeite an einem Prolog für den Roman, von dem ich zwar noch nicht weiß, ob ich ihn wirklich einsetzen werde, aber ich bin dran
  • Ich habe Ideen für mindestens eine Kurzgeschichte, die ich für eine Ausschreibung schreiben möchte, sowie für zwei oder drei Romane
  • Für mein Kinderbuch habe ich diese Woche „aus der Zielgruppe“ ganz hervorragende Kritik bekommen
  • Ich habe es nach wie vor geschafft, jeden Tag einen Beitrag auf diesem Blog zu bringen, seit ich wieder aus dem Urlaub zurück bin

Gestern Abend, als ich ins Bett ging, reichte mir das noch locker aus, um mich zufrieden zu fühlen. Woher kommt dann heute das Gefühl von Unzufriedenheit? Auch dafür gibt es gute Gründe:

  • Ich habe immer noch nicht meinen Facebook-Account in den Griff bekommen, der bis jetzt nur zum Wiederkäuen der Blog-Artikel dient
  • Meine Blog-Artikel ufern teilweise für Banalitäten aus, dass es nicht mehr feierlich ist, nur weil ein Teil von mir glaubt, ich müsse immer Textwüsten produzieren
  • Nach wie vor verbringe ich viel zu viel Zeit am PC mit irgendwelchen Mails oder Blogs, was ich sehr gerne tue, mir aber einfach auch Zeit raubt
  • Ich habe noch keine Idee, was ich mit meiner Homepage machen werde, bzw. wie ich mit diesem Blog umgehen werde in diesem Zusammenhang
  • die von mir gewollte Teilnahme in Internetforen, um mal wirklich in einen Austausch mit anderen Autoren zu kommen, liegt mal wieder völlig brach
  • ich habe zwar ein halbes Dutzend an Kursen zum Selfpublishing etc. belegt, aber gesehen habe ich vollständig noch keinen davon – geschweige denn, mich an die Umsetzung gemacht

Für jeden dieser Punkte gibt es, manchmal sogar erstaunlich einfache, Lösungen. Das ist nice to know, but hard to do, wie man in diesem Fall wohl sagen kann.

Die einfachste Stellschraube, so sollte man meinen, stellt der Blog dar. Es muss nicht jeden Tag einen Artikel geben. Es muss vielleicht nicht einmal jede Woche einen Artikel geben – wobei, doch: Den Sonntagsreport würde ich gerne weiterführen. Andere Blogger haben auch feste Tage, an denen sie was veröffentlichen. Oder sie veröffentlichen entsprechend weniger. Und schon hat man Zeit für andere Dinge.

Ich lese zu viele Mails und Blogs? Weg damit! Egal, dass ich schon jede Menge aussortiert habe. Ich kann noch mehr aussortieren! Allerdings habe ich hier ein dumpfes Bauchgrummeln, denn ebenso, wie ich gerne gelesen werde, wollen andere auch gerne gelesen werden. Und es würde mir leid tun, wenn ich mich egoistisch zurückziehe. Ich habe über das Bloggen viele Menschen „kennengelernt“, das schmeiße ich jetzt nicht einfach weg, nur weil mancher Blogeintrag zehn Minuten braucht, um ihn zu lesen und darauf zu antworten.

Ähnliches gilt für die Foren. Wenn ich da mitmache, dann will ich das auch engagiert machen. Im Moment mache ich nichts von beidem. Soll ich deswegen die Sache ganz bleiben lassen? Mich mutwillig zu dem Einzelkämpfer machen, die Autoren über Jahrhunderte hinweg waren?

Ich muss irgendwie einen Weg finden, mich durch die Gründe, die mich hemmen, hindurch zu lavieren – ohne dabei Dinge, die mir wichtig sind, aus den Augen zu verlieren. Mal ganz davon abgesehen, dass ich noch mit keinem Wort meine Familie oder mein Privat- und Berufsleben erwähnt habe, die irgendwie zwischendurch ja auch noch stattfinden wollen.

Ja, verdammt, ich glaube, im Moment bin ich ziemlich frustriert, weil es keinen Königsweg gibt. Keine Straße zum Ruhm, kein goldgepflastertes Band zum großen Palast. Es gibt Dinge, die kann ich tun, Dinge, die will ich tun und Dinge, die muss ich tun. Jeden Tag.

Aber das ist für jeden von uns so. Und ich kann nur versuchen, so wie jeder andere, das beste daraus zu machen. Dieser Beitrag hier hat mir ein wenig geholfen, das Gefühl in den Griff zu bekommen, dass sich nichts bewegt. Auch wenn er effektiv schon wieder sehr lang geworden ist ;-).

Und dann werde ich einfach sehen müssen, wie einfach es wirklich ist, die „einfachen Lösungen“ umzusetzen. Ich werde vielleicht gewaltig über meinen Schatten springen und das tun müssen, was uns Menschen mitunter am schwersten fällt: Mich ändern! Um am Ende sagen zu können: »Ja, ich habe mich bewegt.«

Danke fürs Zuhören und, wie immer, aber diesmal besonders, für eure Kommentare, sofern ihr welche auf dem Herzen habt.

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15 Gedanken zu “Kurz und schmerzvoll (8) Ich bewege mich nicht

  1. Stephan schreibt:

    Habe nicht viel Zeit, aber eines muss ich doch sagen: Ich finde nicht, dass Du zu viel über Banalitäten in diesem Blog schreibst. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Du schreibst über Dinge, die Dich bewegen.

    Wenn wir uns gegenseitig Ernst nehmen – und davon sollten wir mal ausgehen 😉 -, dann sind diese „Banalitäten“ gar nicht so banal. Es sind Gedanken, Ideen, Diskussionen usw. Dinge, die einen vielleicht auch erst beim zweiten Hinsehen weiter bringen. Aber gerade das, kann doch einen Blog ausmachen!?

    Man tauscht Gedanken aus. Das ist es. Und ich finde, dass passiert in unserer heutigen schnelllebigen Welt häufig viel zu selten. Deshalb: Mach´ weiter so; verfolge Deine Ziele; Teile Deine Gedanken mit denen, die sich dafür interessieren (und davon gibt es ja hier einige) und lass uns daran teilhaben.

    Und zu dem schlechten Gefühl: Diese Problematik ist mir durchaus bekannt. Und ich denke jeder, der auch nur ansatzweise schon einmal ein Projekt durchgezogen hat kennt es. Solche Tage gehen vorüber; sich selbst fokussieren und dann weiter daran arbeiten. Irgendwann hast Du einen weiteren Meilenstein (oder plötzlich auch mal mehrere auf einmal) erledigt. Wird schon. ;-))

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    • Danke, Stephan, dass du dir die Zeit genommen hast.

      Ich sage ja, rein realistisch betrachtet stellen sich viele Dinge nicht als so düster und fruchtlos dar, wie ich sie empfinde. Schön, dass du mich darin bestärkst.

      Ich werde weiter machen!

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  2. Hallo Michael,
    du schreibst, du würdest dich nicht bewegen, aber aus dem, was du schreibst, habe ich eher das Gefühl, dir fehlt das innere Gleichgewicht. Oder vielleicht auch die Klarheit darüber, was du erreichen willst.
    So schreibst du, du würdest dich gerne intensiver in Foren mit anderen Autoren austauschen – andererseits willst du die Zeit für eMails und Blogbeiträge (in denen du genau das tust) kürzen.
    Du sagst, du müsstest deine Facebookseite in den Griff kriegen und bräuchtest eine Idee, wie du deine Homepage hinkriegen sollst und was in diesem Zusammenhang mit deinem Blog passieren soll. Aber was genau willst du erreichen? Wozu soll z. B. die Facebookseite dienen? Bevor du dir darüber nicht klar bist, wirst du auch keine zufriedenstellende Lösung finden. Warum es also nicht beim Status Quo belassen und sich über das freuen, was funktioniert, bis die zündende Idee kommt? Und wie du selbst schreibst, gibt es ja Dinge, die gut laufen. Eins hast du in deiner Aufzählung allerdings vergessen: Dein Blog. ^^
    Vielleicht brauchst du ein paar Tage Abstinenz, um das zu erkennen. Aber ich würde mich freuen, bald wieder von dir zu lesen.
    Liebe Grüße
    Nike

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    • Hallo Nike,

      na ja, die Sache mit dem fehlenden Gleichgewicht kommt ja noch dazu – innen wie außen (man vergleiche meine Versuche, das Fahrradfahren zu erlernen *g). Denn manchmal bin ich mir absolut sicher über den Weg, den ich gehen will, dann wieder absolut unsicher. Und ich kann leider nicht einmal den Finger darauf legen, warum es einmal so ist und dann wieder ganz anders.

      Ich bin mir schmerzlich bewusst, dass einige der Punkte sich (zumindest in Teilen) widersprechen. Aber genau das ist ja ein Ausdruck dieser Ambivalenz. BTW meinte ich mit den Blogs und Mails ausdrücklich NICHT die, in denen es um das Thema Schreiben geht. Das hätte ich vielleicht genauer definieren sollen.

      Die meisten deiner anderen Fragen kann ich in der Tat leider nicht einwandfrei beantworten. Und ja, der Status Quo wird wohl zwangsläufig noch ein wenig bleiben. Ich mache mir halt jetzt nur schon Gedanken, weil ich halt glaube, dass spätestens zur Veröffentlichung (die ja nun auch noch keinen Termin hat) die Fragen beantwortet sein sollten.

      Ich danke dir für deine kritischen und aufbauenden Worte.

      Liebe Grüße
      Michael

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  3. Hallo Michael,

    ich kenne dieses Gefühl. Mir geht es ähnlich. Ich habe seit ein paar Tagen einen Twitter-Account und bin damit schon überfordert. Für eine Facebook-Seite fehlt mir bislang der Mut 🙂
    Ich versuche mich zu beruhigen und erinnere mich daran, dass die anderen Autoren auch nicht alles von jetzt auf gleich gemacht haben. Wir stecken in einem Prozess, auch wenn dieser langsamer wächst als gewünscht.
    Bleib am Ball und versuch die Zeit zu genießen. Irgendwann werden wir zurückblicken und sagen: „Weißt du noch, wie wir anfingen?“ ***haha***

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    • Hallo Ivonne,

      na ja, die Zeit genießen … das ist für mich generell immer ein wenig schwierig, hat aber andere Gründe. Sicherlich hast du Recht, dass andere Autoren auch nicht alles an einem Tag geschafft haben. Aber manchmal muss vielleicht auch dieser Frust sein, muss man sich selber aufrütteln, um nicht in Stillstand zu verharren.

      Ich habe jedenfalls seit gestern eine Kurzgeschichte überarbeitet und ans Lektorat zurückgeschickt und den Prolog des „Beobachters“ fertiggeschrieben. Ich kann also sagen: Es wirkt!

      Alle Punkte meiner Liste lassen sich nicht so leicht abhaken. Aber jetzt stehen sie erst einmal wieder da und ich kann mich vorsichtig daran machen, mich ihnen zu nähern.

      Übrigens: Twitter beißt nicht. Du musst dich nur von dem, Gedanken frei machen, alles lesen zu wollen, was in die Timeline gespült wird. Wenn irgendwelche Fragen sind, dann kannst du mich gerne kontaktieren. Netzwerken und so :).

      Liebe Grüße
      Michael

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  4. Was du schreibst, kenne ich auch und ich muss sagen: Datt is allet normaal. Kannze nix gegen tun.
    Aber du schreibst ja, weil dir Waschmaschinenverkaufen zu einfach ist, oder? 😉

    Ruhig Blut. Schlimmer wird es nicht. Eher besser. Und bitte bleib dir selbst treu! Auch wenn du in deinem Blog gern ausuferst – ja mei. So bist du eben. Und an deinen Followern ist ja zu sehen, dass es Leute gibt, die mitlesen.

    Ich freue mich schon auf dein Buch 🙂 Gibt’s dazu schon Infos?

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    • Und ich fing gerade an zu glauben, dass es „normal“ gar nicht gibt – da kommst du mit sowas an!

      Ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird. Aber da gibt es ja noch so einige Fallstricke, die im Rahmen einer tatsächlichen Veröffentlichung auf mich zukommen. Gar nicht dran denken … Danke für deinen Zuspruch!

      Wenn du mit Infos zum Buch meinst, wann es erscheint, welches Cover es hat und so was alles, dann gibt es das noch nicht. Wenn du allgemeine Infos meinst, dann findest du unter dem Stichwort „Der Beobachter und der Turm“ mehr als genug dazu hier im Blog :-).

      Gefällt 1 Person

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