Überarbeitung: Von allem ein bisschen ist insgesamt zu viel

Ein anderer Titel für diesen Beitrag hätte auch lauten können: Von allem ein bisschen ist von nichts genug. Oder auch: Alles reinnehmen schadet den Dingen, die wirklich wichtig sind.

Wie ihr wisst, ist bei mir zurzeit die Überarbeitung ein ganz großes Thema. Ich habe mich gerade gestern, soweit es meine blöden Kopfschmerzen zugelassen haben, wieder ein wenig damit beschäftigt. Jedenfalls, bis ich aufgegeben und mich mal wieder vor den Fernseher gesetzt habe. Auch nicht das beste, was man bei Kopfweh machen kann, aber mir war halt danach.

Gesehen habe ich „Batman vs. Superman: Dawn of Justice“ in der Ultimate Edition. Diese beschert dem Zuschauer satte drei Stunden Film. Und trotzdem von allem ein bisschen, insgesamt zu viel, nicht genug von gar nichts und das alles noch zum Schaden von den Dingen, die wirklich wichtig gewesen wären.

Eine Menge Rezensenten haben sich in der Zwischenzeit an der Superheldengeschichte abgearbeitet, da möchte ich mir das gerne ersparen. Aber ein Aspekt, der immer wieder genannt wird, ist der, dass zu viele Versatzstücke in der Geschichte enthalten sind und es Regisseur Zack Snyder nicht gelingt, diese zu einem großen Ganzen zu formen. Diesen Aspekt möchte ich gerne aufgreifen.

„Batman vs. Superman“ ist, natürlich, ein Actionfilm. Und zwar einer von der deftigen Sorte. So, wie insbesondere Batman im Kampf Mann gegen Mann die Knochen seiner Gegner reihenweise bricht, wären andere Filme, die nicht diese Comicästhetik haben, nicht mit einer sehr niedrigen Freigabe von FSK12 durchgewunken worden.

„Batman vs. Superman“ ist ein sehr politischer Film, der Fragen dazu stellt, wie sehr sich eine Gesellschaft auf jemanden, in diesem Fall den Kryptonier, verlassen darf, der selber außerhalb der Gesellschaft steht.

„Batman vs. Superman“ ist ein Liebesfilm. Er thematisiert sehr deutlich die Beziehung zwischen Superman/Clark Kent und der Reporterin Lois Lane. Kann ihre Liebe vor den gewaltigen Belastungen bestehen, die Superman im Rahmen der Handlung auf sich nehmen muss?

„Batman vs. Superman“ ist in gewisser Weise eine Coming-of-Age-Geschichte, auch wenn der gezeigte Batman deutlich in seinen Enddreißigern oder sogar Vierzigern ist. Aber erst jetzt schafft es Bruce Wayne, sich von einigen seiner Dämonen zu lösen und vom Dunklen Rächer zu einem wirklich Gerechten zu werden.

„Batman vs. Superman“ präsentiert uns im letzten Drittel gewaltige Monsteraction, als sich die vermeintlichen Gegner zusammenschließen müssen, um ein gewaltiges Ding zu bekämpfen, das ansonsten wohl gewaltige Schäden in Gotham und Metropolis angerichtet hätte.

Und ganz nebenbei ist „Batman vs. Superman“ auch noch eine Origingeschichte, in der die Anfänge für das gelegt werden, was das „DC Cinematic Universe“ werden soll. Neben der Einführung von Wonder Woman erhaschen wir erste Blicke auf Aquaman, The Flash (ich vermisse die Bezeichnung „Der rote Blitz“ …) und Cyborg.

Ich bin mir beinahe sicher, dass ich noch irgendwas vergessen habe.

Ihr seht, das ist verdammt viel Stoff für 182 Minuten Laufzeit. Und es zwingt Snyder, immer wieder zwischen den verschiedenen Schwerpunkten hin und her zu springen. Manche Sequenzen, wie der Kampf mit dem Monster, kommen praktisch aus dem Nichts und wirken, als sei irgendwem gerade eingefallen, dass das auch noch zu einem Superheldenfilm dazugehört.

Schlagen wir nun wieder den Bogen zu meiner eigenen Arbeit, so habe ich aus dem Film gestern etwas lernen können. Und zwar wurde mir so deutlich wie selten zuvor am schlechten Beispiel gezeigt, zu was es führen kann, wenn man alles in einen Stoff zwängt, was nur irgendwie geht.

Dabei müssen das nicht einmal ganze Szenen sein, was natürlich möglich ist. Es reicht schon, wenn man einem Helden zum Beispiel auf Teufel komm raus irgendein Kindheitstrauma, wie etwa einen verschwundenen Vater, mitgibt. Und dazu noch einen Konflikt mit dem Vorgesetzten. Eine Scheidung. Depressionen.

Bei jedem Element, das man einer Geschichte und einem Charakter mit auf den Weg gibt, sollte man sehr genau prüfen, ob dies die Handlung und/oder die Person wirklich weiter bringt, ob es die Geschichte bereichert und ob es nicht vielleicht überflüssig ist.

Der Leser erwartet nicht ganz zu Unrecht, dass alles, was irgendwo im Text angesprochen wird, seine Bewandtnis hat. Wenn das nicht der Fall ist, dann fühlt er sich an der Nase herumgeführt. Ganz so schlimm war es bei „Batman vs. Superman“ nicht, aber der Film hat eben auch nicht alle Versprechen einlösen können. Wie auch, bei dem gewaltigen Pensum, das ihm aufgeladen wurde?

Bei Romanen ist es nicht anders. Wenn ich eine Hauptfigur drogensüchtig mache, dann muss das für irgendwas „gut“ sein. Dann muss die Figur einen Konflikt daraufhin durchleben. Ist es nur Backdrop, liegt der Verdacht nahe, dass man als Autor in den Koffer mit den Klischees gegriffen hat, um irgendwas an dem beschriebenen Charakter anders zu machen.

Allgemein gesprochen sollte der Autor seinen Roman mit wachen Augen daraufhin untersuchen, ob es nicht Plotpunkte, Charakteristiken, Szenen oder schlimmstenfalls sogar ganze Personen gibt, die für die Handlung nicht nur nicht förderlich sind, sondern sie schlimmstenfalls sogar schädigen.

Wenn Zack Snyder das bei „Batman vs. Superman“ getan hätte, dann wäre der Film vielleicht eine Stunde kürzer ausgefallen, aber es hätte ihm sicher gut getan.

Übrigens, in diesem Zusammenhang, ich weiß, dass ich mir mit der Ultimate Edition eine gegenüber der Kinofassung verlängerte Version angesehen habe. Aber nach allem, was ich so gelesen habe, war die in Bezug auf die von mir gemachten Aussagen sogar noch konfuser …

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12 Gedanken zu “Überarbeitung: Von allem ein bisschen ist insgesamt zu viel

  1. Da legst du den Finger auf eins der Dinge, die ich im Kino diffus zwar irgendwie wahrnehmen, aber nicht in Worte fassen konnte.
    Für mich hatte der Film einige Momente, die ich sehr schön fand. Nämlich die wenigen Szenen, in denen Superman als ein durchaus menschlicher Held mit Humor gezeigt wurde, der auch mal albern sein konnte. (Etwas, was in „Man of Steel“ anfing und zu Beginn von Batman vs. Superman teilweise auch aufgegriffen wurde)
    Jetzt wo du es sagst, ist „Man hat zu viel gewollt und ein bisschen von allem reingewurschtelt“ die Zusammenfassung von allem, was ich an dem Film auszusetzen hatte. Und ja, die Kinofassung kommentierte ich, als es vorbei war mit „Was war denn DAS gerade?“ – also ja, es war sehr konfus…

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  2. Ich kenne nur die Kinoversion und zu der kann ich nur sagen: Die Spezialeffekte waren gut.
    Im Übrigen gebe ich dir recht: Der Film reißt vieles kurz an, geht aber nirgends auch nur ansatzweise in die Tiefe. Ich habe ihn als eine Aneinanderreihung von Explosionen und Gewalt erlebt, in deren Mitte dann plötzlich Mama (aka Wonder Woman) auftauchte, die Jungs zu Einigkeit aufrief, worauf es noch mehr Kloppe gab.
    Was ich vermisst habe, war eine durchgehende Story. Ein Schwerpunkt. Hirn. Letzteres fehlte besonders bei den Protagonisten deren einziges Mittel zur Problemlösung brutale Gewalt zu sein schien. Davon, dass Bruce Wayne angeblich auch seinen Verstand geschult und geschärft haben soll, war in diesem Fall nichts zu bemerken. Auch dass am Anfang eine moralische Botschaft implementiert sein soll, habe ich nur durch die Filmkritiken mitbekommen – im Film selber habe ich davon nichts bemerkt. Auch, dass (vor allem wie) Bat- wie Superman durch den Antagonisten manipuliert wurden, ging fast unter.

    Und ja, ich gebe dir auch bei deiner weiteren Analyse recht: Wenn man zu viel in ein (Buch)Projekt reinsteckt, bekommt man am Ende nur Halbheiten raus. Besser ist es sich auf ein Hauptthema zu konzentrieren und alles andere in den Nebenhandlungen kurz anzureißen.
    Es ist ja nicht so, dass einem dadurch etwas verloren ginge. Im Gegenteil: Auf diese Weise gewinnt man Stoff für mehrere Geschichten, die das Zeug haben, den Leser mitzureißen, statt alles in einer Story zu verwursten, die dann nur mittelmäßig wird.

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    • Danke für deinen umfangreichen Kommentar, Nike!

      Dann scheint die Ultimate Edition in der Tat noch einiges an „Tiefe“ hinzuzufügen, denn im Mittelteil der Geschichte verliert man beinahe das Gefühl, einen Superheldenfilm zu sehen, so „normal“ wirkt er.

      Die moralische Botschaft am Anfang … worin soll die liegen? Dass dieser Superheldenfilm als einer von wenigen nicht ausblendet, dass es auch mal Opfer geben kann, wenn es rund geht? Gerade die sich hieraus ergebenden Storyplots empfand ich als unausgegoren. Denn die Frage ist ja nicht, ob Superman den Krieg auf die Erde gebracht hat, oder warum er nicht allen Menschen hilft, sondern die Frage müsste mehr lauten, was sich denn ändern würde, wenn Superman gar nicht helfen würde.

      Und die Geschichte, dass Batman neuerdings seine Gegner brandmarkt … nun ja …

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      • Die moralische Frage war, ob man um der höheren Sache willen Unschuldige opfern darf. Diesen Vorwurf soll Batman Superman gemacht haben. So wurde das jedenfalls in den Kritiken beschrieben. Ich selber wäre nicht darauf gekommen, dass die irgendwo im Raum steht.

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      • Ja, diese ganze Motivation von Batman, sich in dieser Vehemenz gegen Superman zu stellen, ist mehr oder weniger diffus und konfus. Noch unausgegorener finde ich nur die Vendetta, die Superman auf einmal gegen Batman anzettelt, so von wegen Richter, Jury und Henker in einer Person. Ist ja nicht so, als ob Bruce Wayne nicht schon seit, Filmzitat, 20 Jahren seinen „Job“ machen würde. Man fragt sich da schon ein wenig, unter welchem Stein Supie eigentlich gelebt hat ;-).

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      • Wenn ich die Story richtig verstanden habe, soll diese Vendetta darauf beruhen, dass Lex Luthor im Hintergrund seine Fäden zieht. Das tut er allerdings so unauffällig, dass der Zuschauer es erst mitbekommt, als Luthor Supermans Zieh-Mami entführt.
        Fast möchte man sagen: „Whow, endlich mal ein Antagonist, der nicht den ganzen Film über herausbrüllt: „Ich bin das personifizierte Böse und werde euch alle vernichten!“, sondern subtiler vorgeht. Nur wenn das so subtil ist dass der Zuschauer nicht mitbekommt, wann er was tut, taugt das auch nicht. 😉

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      • Hm, jain. Sicher, Luthor spielt später im Film die beiden gegeneinander aus. Aber zumindest von Seiten Bruce Wayne geht die Antipathie ja schon los, als Superman zu Beginn das Bürohochhaus zerlegt. Du weißt, der unglaublich unauffällige Verweis auf seine eigene Kindheit, als er das kleine Mädchen fragt, wo denn seine Mama sei und dies auf die rauchenden Trümmer zeigt.

        Zumal als Problem ja noch hinzukommt, dass diese ganze Subtilität eigentlich verschenkt ist. Ich WEISS, dass Lex Luthor böse ist. Deswegen muss er nicht gleich den Comicschurken rauskehren, aber ich werde ihm doch nie trauen.

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