Muss man in eine Geschichte verliebt sein?

Hmm… ist das nicht so wie in der Liebe? Festhalten und weitersuchen?
Bist du nicht richtig verliebt in eine der beiden Geschichten?

Dies ist ein Kommentar, den ich vor etwas über einer Woche von kitty auf diesen Beitrag hin bekommen habe.

In ihm und den zugehörigen Kommentaren berichtete ich von der Arbeit zu meinem Beitrag für die Duisburg-Anthologie der Mayerschen Buchhandlung. Und auch wenn die Frage an sich erst einmal einfach anmutet, ist die Antwort gar nicht so leicht zu geben. Schon gar nicht in Bezug auf Kurzgeschichten, bei denen ich mir immer noch nicht so sicher bin, ob ich sie „richtig“ schreibe.

Wie es sich nun einmal mit weit gefassten Ausschreibungen verhält, man muss vor lauter Möglichkeiten erst einmal einen Weg finden, einen Aspekt des Themas „Begegnungen“ zu finden, zu dem man sich das Schreiben einer Geschichte vorstellen könnte. Nachdem für mich recht schnell feststand, dass ich nichts zum, mir immer noch zu nahe liegenden, Thema „Flüchtlinge“ schreiben möchte, ließ ich meine Gedanken ein wenig schweifen und fand schließlich eine Idee, die sich für mich richtig anfühlte.

Auch als der geschriebene Text dann vorlag, war ich davon überzeugt, einen Beitrag geschrieben zu haben, der zumindest Chancen auf eine Veröffentlichung haben würde. Aber dann geschah es, dass ich mir eine zweite Geschichte aufdrängte. Auch diese schrieb ich und war sehr mit ihr zufrieden.

Und jetzt stand ich da und sagte, dass ich mir gute Gedanken machen müsse, welche der beiden Geschichten ich nun einreichen will, da nur eine Einsendung erlaubt ist. Daraufhin kam nun der oben zitierte Kommentar.

Wie ist es denn mit der Liebe? Ich denke, es gibt verschiedene Arten, zu lieben. Es gibt die bedingungslose Liebe auf den ersten Blick, die uns mit der Kraft eines Vorschlaghammers erwischt, die uns ein flaues Gefühl im Magen verschafft und gegen die wir uns nicht einmal dann wehren können, wenn wir es mit aller Macht wollen. Denn wir haben in diesem Fall keine Macht mehr. Nicht mehr über unsere Gefühle, nicht über unseren Körper und nicht über unsere Gedanken. Es ist die Liebe, wie sie in vielen Liedern besungen und in vielen Büchern beschrieben wird. Die bedingungslose Liebe ist wie ein Sturm, der uns umreißt, mit sich nimmt und erst Wochen, Monate oder Jahre später wieder an einem ganz anderen Ort absetzt, an den wir ohne ihn niemals gekommen wären.

Das ist die eine Art der Liebe, die man erleben kann.

Aber es gibt noch eine andere Form der Liebe, die ich vielleicht als die etwas weniger prosaische, dafür aber realitätsbezogenere Liebe beschreiben würde. In diesem Fall sind wir zwar auch verliebt, aber wir behalten noch einen mehr oder weniger großen Rest an Kontrolle bei uns. Zumindest ein Bein bleibt auf dem Boden und stellt den einigermaßen sicheren Stand her, den man braucht, um sein Leben Schritt für Schritt an die durch die Liebe neuen Gegebenheiten anzupassen.

Natürlich träumen wir alle von der großen und bedingungslosen Liebe. Es ist das, was wir alle wenigstens einmal in unserem Leben erleben wollen. Diesen Rausch. Diese Sucht. Und auch das Verlangen, das dieser Liebe innewohnt. Deswegen mag es manchmal so wirken, als ob wir auch in der Liebe weitersuchen würden. Sonst würde es keine plötzlichen Trennungen mit anschließender Neuorientierung mehr geben.

Übrigens rede ich immer noch von Geschichten, falls ihr etwas anderes gedacht haben solltet ;-).

Meine Liebe zu den beiden Kurzgeschichten, die ich geschrieben habe, ist von rationaler Natur. Die zur ersten ein wenig mehr, als die zur zweiten. Diese hatte durchaus die Anlagen dazu, dass ich mich Hals über Kopf in sie hätte verlieben können. Wenn es da nicht schon die erste Geschichte gegeben hätte. Das ist der Moment, in dem man bei Facebook seinen Beziehungsstatus auf „es ist kompliziert“ verändert.

Beide Geschichten passen zur Ausschreibung. Beide haben einen ähnlichen Grundtenor. Und beide gefallen mir. Bei beiden kann ich allerdings nicht einschätzen, ob sie das sind, was die Jury lesen will. Dummerweise wage ich es bei Geschichte zwei eher zu bezweifeln als bei Geschichte eins. Dafür ist Geschichte zwei besser geschrieben.

Wenn man liebt, dann fragt man nicht danach, was der Rest der Welt von seiner Liebe hält. So sollte es sein. Aber bei Geschichten ist es leider so, dass sie in dem Moment zu Allgemeingut werden, in denen man sie zur Veröffentlichung vorstellt. Die Liebe wird begutachtet, seziert, beurteilt. Vielleicht auch verurteilt. Es ist immer noch etwas anderes, hinter verschlossener Tür zu hauchen, dass man einander liebt, als es mitten auf dem Marktplatz herauszubrüllen.

Ich bin der arme Kerl, der sich in zwei schöne Schwestern verliebt hat, von denen nur eine die richtige sein kann – oder auch keine, weil der gestrenge Vater mich vom Hof jagt.

Aber immerhin hat sich in der Zwischenzeit eine Tendenz herausgebildet und einen Vorteil hat es, dass sich die Analogie in diesem Fall auf Geschichten und nicht auf Frauen richtet: Es wird keine Eifersuchtsszenen geben.

Ich wünsche euch ein Wochenende mit viel Liebe – sowohl für eure Geschichten, wie auch für eure Herzensmenschen.

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3 Gedanken zu “Muss man in eine Geschichte verliebt sein?

  1. Da hast du dir aber wirklich viele gute Gedanken dazu gemacht. Ich denke, auch eine eigentümlich wirkende Liebe wird von aussen gern bewertet und belächelt oder für nicht gut befunden etc. Also kann einen das als Liebende auch verletzen. Solche Gefühle kennt eine Geschichte nicht. So hast du da dann doch einen kleinen Bonus. *gg*
    Wenn sich eine Tendenz herausgearbeitet hat, dann überprüfe sie und schick so schnell wie möglich ab, dann bist du den Klotz des Nachdenkens los. Das erleichtert bestimmt allgemein. Nur so meine Gedanken. 🙂
    Ich bin schon sehr gespannt.
    liebe Grüsse und schönes Wochenende
    kitty

    Gefällt 1 Person

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