14.09. – Ein Jahr „Der Beobachter und der Turm“

Beinahe hätte ich es vergessen, dass ich hierüber noch schreiben wollte. Dabei habe ich heute vor einem Jahr eine Reise angetreten, von der ich noch nicht endgültig sagen kann, wohin sie mich führen wird.

Heute vor einem Jahr habe ich angefangen, an meinem Roman „Der Beobachter und der Turm“ zu schreiben.

Nun, wie aufmerksame Leser dieses Blogs wissen ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn geschrieben habe ich physisch bereits in den Jahren 1999 und 2000 daran und psychisch seitdem immer wieder in den Folgejahren. „Der Beobachter und der Turm“ entwickelte sich zu meinem absoluten Schattenroman. Dem Manuskript, an das ich gedanklich immer wieder anschloss und zu dem ich nie die Bindung verloren habe.

Dabei war die Ursache des Ganzen nichts weiter als ein kleines Experiment. Ich hatte irgendwann Lust, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Oder vielmehr ein Fragment. Und zwar zur Musik von Mike Oldfields 20-Minuten-Stück „Crises“. Aus diesem stammt die Zeile „The Watcher and the Tower waiting hour by hour“.

Worauf aber warteten Beobachter und Turm?

Für mein Fragment war es mir egal. Für die Übertragung in einen Roman brauchte ich länger und bessere Motive. All dies ist in meinen bisherigen Beiträgen zu diesem Thema nachzulesen und ich möchte niemanden mit der dritten oder vierten Zusammenfassung langweilen.

Heute, ein Jahr nachdem ich mit dem jetzt vorliegenden Manuskript begonnen habe, stehe ich davor, es ernsthaft auf eine Veröffentlichung zu trimmen. Wenn nicht noch ganz außergewöhnliche Dinge passieren, wird es mein erster veröffentlichter Roman. Ein Schattenroman, aus dem ein Schlüsselroman werden könnte – in allen möglichen Arten und Weisen.

Zur Feier des Tages präsentiere ich euch den Ursprungstext des Fragments, so wie er ungefähr vor zwanzig Jahren geschrieben worden ist. Ich werde kein Zeichen verändern, keine Rechtschreibung kontrollieren und bitte euch, daher über alle Stilblüten und textlichen Schwächen hinwegzusehen.

Der einzige Satz, den ich euch noch mit auf den Weg gebe ist der, dass die „Handlung“ dieses Fragments mit der des Romans nichts mehr gemein hat.

Hier also ist sie, die Keimzelle für „Der Beobachter und der Turm“:

Der Beobachter und der Turm

Ruhig und majestätisch geht die See, kein Windhauch regt sich und bewegt die Wellen… und doch sind sie nicht still, oh nein!

Sie bewegen sich mit einer Inbrunst, und…

Der Beobachter und der Turm warten Stunde auf Stunde

Über der Szenerie steht der Mond, der auf die nunmehr verlassene Promenade scheint. Nein, verlassen trifft nicht ganz zu.

Eine einsame Gestalt nähert sich dem Rand der Promenade, wo ein kleiner Mauervorsprung das Land von dem  Meer trennt. Die Gestalt stellt ein Bein auf diese Mauer und beugt sich vor. Der nicht vorhandene Wind zerzaust sein Haar.

Er ist nicht allein!

Der Beobachter und der Turm warten Stunde auf Stunde

Es ist nicht das erste Mal, daß der volle Mond ihn hierher gebracht hat. Es ist bei weitem nicht das erste Mal. Beinahe unzählig erscheinen ihm die Gelegenheiten, zu denen er sich in seinem Bett umherwälzte, unfähig, auch nur ein Auge zu zu tun. Dann hört er die Schreie der Möwen vom Wasser, wie sie weit ins Landesinnere fliehen vor einem herannahenden Sturm, der niemals eintrifft.

Dann, wenn der Turm erscheint in seiner Schönheit, seiner Endgültigkeit, all seiner Grausamkeit!

Der Beobachter und der Turm warten Stunde auf Stunde

Der Beobachter wartet. Er wartet wie so oft auf den richtigen Moment.

Und dann, als eine nahegelegene Glocke zu schlagen beginnt, obwohl weder die volle Stunde, noch eine andere übliche Zeit geläutet hat, beginnt das Wasser plötzlich zu brodeln.

Gischt schlägt an der Promenade hoch, die völlig menschenleer ist, bis auf den Beobachter. Er ist der einzige, der es je zu Gesicht bekommen hat. Das fühlt er ganz deutlich, wenn er sich auch nicht erklären kann, was das Ganze zu bedeuten hat.

Der Beobachter und der Turm warten Stunde auf Stunde

Dann wächst ein großer Schatten aus dem Meer und legt sich auf die Promenade. Der Turm erscheint.

Er ist groß und lang, seine genaue Form verschwimmt im Nebel, den kein Nebelhorn kündet.

Er ist einfach da, schwarz, mächtig und drohend. Er ist da und wartet. Und der Beobachter wartet auch. Er wartet darauf, daß jemand zu ihm kommt und mit ihm spricht. Er wartet auf ein Zeichen. Er wartet darauf, daß die Möwen zurückkommen und ihm Kunde davon bringen, wie es im Landesinneren ist.

Er wartet darauf, daß er endlich Antwort erhält auf seine Fragen, die sich längst im Turm materialisiert haben. Er wartet auf den Tag, an dem der Turm zerbricht und er wartet darauf, daß die Stunde schlägt.

Bis in die frühen Morgenstunden wartet der Beobachter in seiner Position und er achtet auf jedes Geräusch, jeden Pulsschlag, jeden Atemzug.

Bei Tagesanbruch, so weiß er, wird der Turm verschwunden sein. So plötzlich, wie er auftauchte.

Der Beobachter und der Turm warten Stunde auf Stunde

Doch der Beobachter wird wiederkommen, um seine Antworten zu finden.

Denn im obersten Fenster des Turms brennt ein Licht…

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