Linktipp: Warum gibt es eigentlich noch Autorenlesungen?

Für viele, zumal erfolgreiche, Autoren gehört sie zu ihrer Arbeit wie das Texten, das Überarbeiten und das Plotten von neuen Romanen: Die Autorenlesung. Sie gehen auf Vermittlung ihres Verlags oder auch aus eigenem Antrieb heraus auf mehr oder weniger ausgedehnte Lesereisen durch die Buchhandlungen und Bibliotheken der Republik, machen sich regelmäßig Gedanken über neue, moderne Formen der Lesung oder nutzen gleich Medien wie YouTube, um möglichst umfassend ihr geschriebenes Wort an die Leserschaft zu bringen.

In der „Welt“ ist heute ein Artikel erschienen, der sich der Frage widmet, wieso es eigentlich noch Autorenlesungen gibt. Besonders hervorheben möchte ich, dass hier ein ziemlich umfassender Abriss der Geschichte des (vor-)Lesens vom Urmenschen über die Minnesänger, vom andauernd gerührten Goethe zum unsterblichen Detlev von Liliencron gegeben wird.

Wen interessiert, was das Ganze jetzt noch mit Zahnarzthelferinnen und einem stotternden Kleist zu tun hat, dem empfehle ich eindeutig das (vor?)Lesen des Artikels.

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15 Gedanken zu “Linktipp: Warum gibt es eigentlich noch Autorenlesungen?

  1. „Zuschauer sind meist enttäuscht von ihnen, und die Schriftsteller finden sie lästig“. So beginnt der Artikel und ich frage mich, welche Lesungen der Schreiber des beagten Artikels besucht hat. Ich habe sehr viele Autoren gehört und noch nie eine Lesung erlebt, wo die Zuschauer „enttäuscht“ waren – im Gegenteil. Meist war die Freude groß. Klar ist es spannender, wenn hinterher die/der AutorIn noch Fragen beantwortet und von seinem Schreiben erzählt. Aber selbst wenn nicht: einen Text vom Autor gelesen zu bekommen, lässt mich als Leser immer eine Schicht tiefer eintauchen.
    Auch von der Seite der Autoren betrachet ist die Aussage haltlos. Mag ja sein, dass die Superstars keine Lust drauf haben: Die überwiegende Mehrheit hat ihren Spaß dabei und – nicht zu vergessen – verdient einfach an Lesungen mehr als an Büchern.
    Insgesamt: Der von Dir erwähnte historische Abriss gefiel mir gut, die angebliche Fragwürdigkeit von Lesungen ist nur ne Zeitungsente 🙂
    Liebe Grüße!

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    • Ich sehe das so wie du auch. Wobei dann noch die Frage wäre, wer denn die „Superstars“ sein sollten, die keine Lust drauf haben. Wenn ich mir den deutschen Markt anschaue, kommen mir spontan Namen wie Sebastian Fitzek und Andreas Eschbach in den Sinn, die beide immer Spaß an ihren ausgedehnten Lesereisen haben. Kai Meyer ist auch so ein Fall.

      Allerdings muss ich gestehen, bis jetzt noch nicht wirklich auf vielen Autorenlesungen gewesen zu sein. Ich kann gar nicht so genau sagen, wieso. Wahrscheinlich, weil ich noch alten „Vorurteilen“ aus der Hörspiel- und Hörbuchszene nachhänge: Der Autor kann sein eigenes Buch schlechter vorlesen als ein professioneller Sprecher. Das trifft auf Hörbücher nach meinem Empfinden auch nach wie vor zu, eine Lesung ist ja aber, wie du richtig schreibst, etwas vollkommen anderes.

      Beste Grüße zurück! 🙂

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      • Ich meinte damit eher die „großen“ Literaten. Günter Grass hatte zuletzt überhaupt keinen Bock mehr, trank Rotwein auf seinen Lesungen, die Massenveranstaltungen waren, klappte zum Schluss sein Buch zu und ging. Auch Walser hatte nie Lust, sowei ich das mitbekam.
        Was das vorlesen angeht: Natürlich lesen Schreiberlinge nicht so gut vor wie ausgebildete Schaupsieler. Aber in gewisser Weise – was das Innenleben des Textes angeht – lesen sie sogar besser 🙂

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      • Hm, ich habe es nicht so mit den Literaten. Gerade die benannten Beispiele waren für mich immer die personifizierte Unterscheidung zwischen U-Literatur und E-Literatur, an der die deutsche Buchlandschaft immer noch krankt.

        Bei den Schreiberlingen habe ich vielleicht bis jetzt nur die negativen Beispiele erlebt (*hust* Wolfgang Hohlbein *hust).

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  2. Gerade weils bei uns noch an der E/U-Grenze (kleiner Kalauer, sorry) krankt, lese ich alles. Grass und Fitzek, Goethe und King. Eine Unterscheidung mach auch ich nur in gute und schlechte Texte (anderes Thema). Für die Beherrschung der Sprache lerne ich außerdem mehr bei Thomas Mann und Co als bei den meisten Thriller-Autoren (Ausnahmen wie Nesbö oder Eschbach oder mein King existieren natürlich 🙂 ).

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    • Nicht falsch verstehen, ich habe auch meinen Grundstock an Literaten gelesen (auch wenn ich mit Goethe und Schiller nie warm geworden bin). Es ist nur nicht die Art Schreiben, der ich hinterhereifern möchte. Und ich finde auch nicht unbedingt, dass die Sprache Thomas Manns zu einem Thriller passt. Auch wenn er sicherlich das geschliffenere Deutsch verwendet hat.

      Man muss da abwägen zwischen Inhalt, Form und Sprache. Was Inhalt und Form angeht, kann man manchmal sogar im vielgeschmähten Heftchensektor einiges lernen, das sich gut in Thrillern u.ä. verarbeiten lässt.

      Schon das Neue von „deinem“ King gelesen? 🙂

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      • Na klar 🙂
        Ich meine übrigens nicht, dass man einen Krimi im Stil von Mann schreiben sollte. Sondern einfach, dass ich durchs Lesen von Klassikern wesentlich mehr für meinen eigenen Stil, für meine Sprachkraft gelernt habe als bei der sog. U.
        Und gegen Schundheftle habe ich überhaupt nichts, im Gegenteil 🙂

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  3. mea schreibt:

    Aus der Sicht eines noch jungen Verlages möchte ich mal hinzufügen: Lesungen sind fast das einzig effektive Mittel, um bekannter zu werden! Es ist schwer in lokalen Buchhandlungen an ‚prominente‘ Plätze in der ersten Buchreihe zu kommen. Es ist schwer im OnlineBuchmarkt entdeckt zu werden.
    Lesungen, gut gemachte Lesungen, mit Nähe zum Publikum, Programm und Informationen rund um dieden Autor_in, ihr/sein Schreiben, die Geschichte, den Verlag sind absolut das beste Werbemittel. Selbst wenn derdie Autor_in stottert oder sich verhaspelt. Alles ein Zeichen von Herzblut.
    Ich gehe sehr gern zu Lesungen. Noch lieber als zu Poetry Slams. Sehr gern, wenn sie in einem Café oder an einem außergewöhnlichen Ort stattfinden.
    Ich bekomme da einen ganz anderen Zugang zum Buch. Da schließe ich mich total simonsegur an. Meist gefallen mir die Bücher, wenn ich vorher auf einer Lesung war, gleich noch mal so gut.
    Gehst Du denn gern zu Lesungen, Michael?
    Oder würdest Du mit Deinen Kurzgeschichten und später Deinen Büchern gern Lesungen abhalten?

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    • Danke für deine Sicht aus einer anderen Perspektive, Mea!

      Ich muss gestehen, nicht so gerne zu Lesungen zu gehen. Das hat aber nichts mit den Autoren zu tun, sondern oftmals ist das Setting eben sehr dröge und nicht so, wie du es beschrieben hast. Aber vielleicht muss ich da auch einfach experimentierfreudiger werden :-).

      Ob ich gerne Lesungen abhalten möchte ist noch einmal ein ganz anderes Thema. Dazu muss ich sagen, dass ich persönlich ein Problem mit dem Sprechen vor anderen Menschen habe. Das geht schon in den krankhaften Bereich (leider). Aber gleichzeitig ist mir schon öfter gesagt worden, dass ich absolut in der Lage bin, mich vor ein Publikum zu stellen (oder zu setzen) und frei zu sprechen. Des Weiteren wird mir eine angenehme und akzentuierte Lesestimme nachgesagt.

      Also kurz gefasst: Ich bin mir bewusst, dass es dazugehört und würde/werde es machen. Wenn ich irgendwann bei einem Verlag bin, dann in Koordination mit dem, ansonsten vielleicht erst einmal internetaffin über YouTube, Hangout oder was es alles so gibt.

      Ich würde vorher wahrscheinlich was gegens Hyperventilieren einnehmen müssen und hinterher vor lauter abfallender Nervosität losheulen, aber ich würde es tun.

      Ich bin Autor – ich tue fast alles für meine Schreibe :-)!

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      • Lesungen abzuhalten ist wie alles andere auch: eine Frage der Übung. Zum Glück muss man ja erstmal gerade nicht frei sprechen, sondern kann einfach seinen Text lesen. Bei mir hat sich die Auftrittsangst im Laufe der Zeit in ein herrliches Bühnengefühl geändert – und so lange hat das gar nicht gedauert (ungefähr 20 Lesungen oder so …). Also: Freu Dich drauf 🙂

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      • Ja, nee, 20 Lesungen oder so … ;-).

        Mit dem freien Sprechen meinte ich vor allem die Interaktion mit dem Publikum. Also dass man gerade nicht den Grass macht und einfach runterrattert.

        Aber drauf freuen – meine beste Freundin ist Sängerin, die schwärmt auch immer von diesem Bühnengefühl. Vielleicht ist da ja wirklich was Wahres dran.

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      • mea schreibt:

        Nur kurz ein unschlagbarer Tipp: Rescue Tropfen! Helfen mir auch! 😉 Und ich finde es leichter vor Publikum zu sitzen als zu stehen. Auch ist es gut, wenn Du eine_n Vertraute_n dabei hast.

        Was ist denn ein Hangout?

        Ich suche nach einer Möglichkeit online „LiveLesungen“ zu halten. Am besten noch mit Zuhörern, die auch live Fragen oder Kommentieren können. Kennst Du Dich da aus?

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  4. mea schreibt:

    ich würde gern ‚Gefällt mir‘ klicken, aber das geht irgendwie nicht, ohne eine WordPress-Seite. Schade. Vielleicht muss ich mir da mal eine machen.
    Also… denkt Euch mal unter Eure Beiträge ein Sternchen von mir.

    Das was bei Wikipedia steht, raffe ich nicht. 😀 Ich bin ein echter Technik-Idiot. Aber ich werde es mir einfach mal anschauen. Probieren geht über Studieren. Und so live über das Internet lesen finde ich toll.

    Weißt Du, wo ich mal bei so einer Veranstaltung dabei sein könnte? Kennst Du jemanden, derdie öfter mal online liest?

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    • Okay, das bekomme ich jetzt auch nicht mal eben in drei Minuten erklärt. Gib mir ein wenig Zeit, dann versuche ich mal, Wikipedia für dich zu übersetzen ;-).

      Leider kann ich dir jetzt niemanden sagen, der das regelmäßig macht. Annika Bühnemann gehört zu denen, die es schon öfter gemacht haben. Vielleicht stehst du ja mit ihr in Kontakt und kannst mal fragen!?

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