Meldung und Meinung: Schreibprogramme im Vergleich

Es ist ja schon eine Crux mit dem Schreiben am Computer: Eigentlich sollte man meinen, dass es nichts einfacheres gibt, weil die Dinger doch inzwischen ziemlich erfolgreich die Schreibmaschine getötet haben und mittlerweile die ersten Generationen von Kindern aufwachsen, die sich nicht einmal vorstellen können, was das denn genau gewesen sein soll.

Andererseits hatten Schreibmaschinen einen entscheidenden Vorteil. Es war letztlich egal, ob da nun Adler, Olympia oder IBM draufstand. Sie alle tippten mehr oder weniger sauber Buchstaben auf Papier, eine Klingel ertönte und dann musste man irgendwann die Seite rausnehmen, um auf einer neuen weiterschreiben zu können.

Die leeren Seiten liegen heute im Drucker und werden erst dann befüllt, wenn man die gleichfalls leere Seite auf dem Bildschirm gefüllt hat. Und da kommt dann das ins Spiel, was Computer und Schreibmaschine über die Maßen unterscheidet. Als Autor habe ich eine geradezu unübersichtliche Möglichkeit, wie ich meine Texte in die Maschine tippen will.

Dabei gibt es heute ja sogar noch Vorteile, von denen die frühen Computerschreiber, zu denen wohl auch ich mich rechnen darf, nur träumen konnten. Nicht nur, dass man sich keine Gedanken mehr über das Medium machen muss, auf dem man seine Geschichten sichert (Musikcassette sage ich da nur!), man kann dank eines Quasi-Standards mit Microsoft Word auch fast jedes Programm dazu benutzen, Dateien munter zwischen den Programmen auszutauschen.

Das bedeutet, dass sich die Macher von Schreibsoftware heute schon einiges einfallen lassen müssen, um sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten und Kundschaft anzulocken.

Damit komme ich nach langer Einleitung zu dem Bericht, den Matthias Matting diese Woche auf seiner Seite veröffentlicht hat. Darin stellt er einen kurzen Vergleich zwischen den verschiedenen Programmen an, die sich gezielt an Autoren wenden und mit Funktionen punkten wollen, welche durch die normalen Officeprogramme wie eben Word, OpenOffice oder auch Textmaker nicht bieten.

Die großen Namen lauten in diesem Segment Papyrus Autor, Scrivener oder Patchwork. Aber auch neben diesen gibt es weitere Alternativen, die dem einen oder anderen vielleicht noch nicht bekannt waren.

Ich persönlich habe mich mit den meisten der genannten Produkte mal mehr, mal weniger ausführlich auseinandergesetzt. Nun muss ich dazu sagen, dass ich im Gegensatz zu vielen Autoren (bisher) nicht so viel Wert auf die Funktionen zum Plotten eines Romans gelegt habe und damit einiges an Wert des jeweiligen Programms für mich vielleicht gar nicht ersichtlich wird.

Ich habe mich seinerzeit für Papyrus entschieden, weil hier der DudenKorrektor und eine mächtige Stilanalyse integriert sind, die mich zwar in Bezug auf meine Romane etwas in die Verzweiflung treiben, aber für Kurzgeschichten durchaus sehr hilfreich sind. Scrivener, das ich mir zum gleichen Zeitpunkt angesehen habe, hat mich von der Art der Textverarbeitung her nicht überzeugt. Außerdem fehlten ihm exakt diese Dinge, die ich bei Papyrus fand.

Patchwork war mir vor fast einem Jahr, als ich meine Wahl traf, man möge mich dafür belächeln, noch gar nicht bekannt. Als ich es nun testete, sagte mir die Integration der Rechtschreibkorrektur des Dudens nicht zu. Schade, denn eigentlich bietet die Software einige sehr gute Ansätze zur Planung. Letztendlich hat es mich aber nicht zu einem Umstieg bewegen können.

Das Fazit, dass Matting zieht, kann ich nur eins zu eins wiederholen: Testet die Software und schaut, was sich für euch am besten anfühlt. Falls ihr denn überhaupt Gebrauch von spezieller Software machen wollt.

Denn eines muss ich zugeben … die meisten Texte schreibe ich immer noch in Microsoft Word und importiere sie später zur Bearbeitung nach Papyrus. Nennt es die Macht der Gewohnheit ;-).

Habt ihr schon einmal Schreibsoftware getestet? Was wäre das Killerfeature, das euch dazu bringen könnte, so ein Programm zu kaufen?

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9 Gedanken zu “Meldung und Meinung: Schreibprogramme im Vergleich

  1. Ich bin zu Patchwork gekommen, weil es unter anderem das recht einzigartige Tool der Timeline hat. Ich kann damit einen eigenen Kalender anlegen und dann munter Sachen auf der Timeline umsortieren (und muss dann nicht von meinem Fantasykalender dauernd auf den „normalen“ Kalender umrechnen, was mir z.B. beim yWriter gefehlt hat).
    Ich kann Figurendatenbanken anlegen (was für mich sehr praktisch ist, da ich hunderte von Figuren habe, von denen einige in mehreren Romanen vorkommen sollen) und falls ich die Stilanalyse mal verwenden möchte, z.B. zum Überarbeiten, passt das auch 🙂

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  2. mea schreibt:

    Ich habe mir damals auch Papyrus gegönnt. Ich habe versucht meinen Roman darin zu schreiben, bin aber schnell an meine Grenzen gestoßen. Ich machte es wie Du. Ich schrieb es in Word und habe es dann in Papyrus zur Überarbeitung kopiert.
    Jetzt schreibe habe ich meinen PC mit einem Macbook getauscht. Papyrus empfinde ich darauf als wenig elegant. Das Schriftbild und die Menüführung schlägt mir auf die Augen. Zu unscharf, zu wackelig. Es läuft nicht rund. Hier schreibe ich kleinere Beiträge in pages. Habe mittlerweile auch Word für Mac. UND… und das ist mein absolutes Lieblingsprogramm… ich habe mir „iAWriter“ installiert, gleich auf alle meinen Geräte. Das Programm liebe ich sehr, denn es sehr schlicht. Ich habe das totale Schreibmaschinen Gefühl. Das liebe ich sehr sehr sehr und empfehle es gern.
    Gleichzeitig kann ich trotzdem eine Stilanalyse machen, kann es aber auch ganz bequem ausschalten, um einfach drauflos schreiben zu können. Ich liebe es sehr.

    Generell denke ich, es ist undefinierbare Geschmacksache welches Programm man bevorzugt und hängt sehr davon ab, in welcher Stimmung, Verfassung und mit welcher Auffassungsgabe man es getestet hat. Und ja… die Gewohnheit tut sicher auch einiges 🙂

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    • Ich kann mir eigentlich sogar ganz gut vorstellen, direkt in Papyrus zu schreiben. Man merkt halt, dass das Programm seinerzeit auf den 16-Bittern (ich vergesse immer, welcher das war, glaube aber, es war der Atari ST) als vollwertige Textverarbeitung gestartet ist.

      Für mich ist es halt unpraktisch, da ich dadurch an meinen heimatlichen Rechner gebunden bin, während ich Word auch im Büro habe, um dort während der Mittagspause zu schreiben. Und tägliches hin und herkopieren macht einfach keinen Sinn, keinen Spaß und birgt Fehlerpotential.

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  3. Ich schreibe eigentlich nur noch in Papyrus, seit ich es mir gekauft habe und auch wenn ich nicht alle Funktionen nutze (mit dem Zeitstrahl bin ich irgendwie überfordert 😅) bin ich ein absoluter Fan von diesem Programm. Besonders praktisch finde ich die Notizregister, denn als ich noch im Word schrieb, hatte ich immer hunderte von Post-its umher fliegen, die ich jetzt alle schön in verschiedene Registerkarten sortieren kann.
    Ich habe zwar noch andere Schreibprogramme ausprobiert, aber letztendlich bin ich doch bei Papyrus hängen geblieben – vom Duden-Korrektor über die Stilanalyse bis hin zu der Personendatenbank kam ich hier am besten zurecht. Aber es stimmt, bei so etwas wie einem Schreibprogramm kommt es wirklich auf die persönlichen Vorlieben an.

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    • Hallo Marion und herzlich Willkommen bei mir auf dem Blog :-)!

      Ich komme mit Papyrus auch immer besser zurecht und finde es ein richtig starkes Programm. Leider bin ich durch meine Situation auf der Arbeit (wo ich keine eigenen Programme benutzen kann) immer noch halb auf Word angewiesen.

      Aber ich habe mir vorgenommen, diesen NaNo in der Hauptsache mit Papyrus zu bestreiten. Es hat ganz einfach unheimlich viele Vorteile.

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