Der Sonntagsreport vom 18.09.2016

Schönen guten Abend!

So langsam wird das unsere bevorzugte Stunde am Sonntagabend, könnte man meinen. Ich müsste mir vielleicht einen festen Zeitpunkt ausgucken, zu dem ich den Sonntagsreport immer terminiere. Dann könntet ihr mich immer nach dem Tatort lesen – wie wäre es denn damit? So zum herunterkommen nach der Hatz auf die Verbrecher. Die einzigen Verbrechen, die ich manchmal begehe, sind die an der deutschen Sprache. Und dafür ist meines Wissens noch niemand verhaftet worden.

Ich habe in dieser Woche eine sehr interessante Erfahrung gemacht. Am Freitag war ich mit Freunden verabredet, die ich nur recht sporadisch sehe. Mit einer von ihnen schreibe ich mir allerdings regelmäßig und sie gehörte auch zu denen, die sich „Der Beobachter und der Turm“ mal genauer angeschaut haben. Nun, zum einen lieferte sie mir ein Feedback, das sich in weiten Teilen mit dem deckte, was ich schon von anderen gehört hatte (da bestätigt sich also ein Trend), zum anderen aber konnten wir uns auch richtig darüber unterhalten.

Ja, unterhalten im Sinne von: Ich spreche mit jemand anderem frei von der Leber weg über meinen Roman. Bis jetzt artete das immer ganz gerne in eine Stotterorgie aus, weil ich einfach zu aufgeregt war. Diesmal aber war es überhaupt kein Problem, selbst vor „unbeteiligten Dritten“ (also Menschen, die den Roman nicht kannten) darüber zu sprechen. Das gab mir noch während des Gesprächs einen unglaublichen Schub.

Als ich dann allerdings erzählte, dass ich an „Der Morgen danach“ noch einmal Änderungen vorgenommen habe, wurde ich sehr skeptisch beäugt und bekam deutlich gesagt, dass der Roman gut war, wie er gewesen ist. Das war dann das erste Mal, dass ich pro Überarbeitung ein Plädoyer gehalten habe. Wahnsinn, oder?

Auf dem Weg nach Hause wurde mir dann bewusst, dass diese Freundin bis jetzt die meisten meiner Bücher gelesen hat. Und das durchaus kritisch. Es war ein tolles Gefühl, das kann ich euch flüstern!

Das alles hätte ich theoretisch auch zum Schreiben packen können, aber mir war danach, es in die Vorrede zu stellen. Denn zum Themenkomplex „Schreiben“ gibt es auch so noch genug zu erzählen :-).

Mein Schreiben:

Wie ich sicherlich gelesen habt, bin ich heute Nacht über meinen Schatten gesprungen und habe eine erneute Bewerbung um freundliche Aufnahme für meinen Roman „Der Morgen danach“ losgeschickt. Die Woche über habe ich mich sowohl mit meinem Exposé wie auch mit einer neuen Kurzvita herumgeschlagen, was mir gar nicht so leicht gefallen ist. Wenn ich nicht ein wenig Unterstützung dabei gehabt hätte, wäre ich wohl daran verzweifelt.

Ich habe keine Ahnung, ob etwas dabei herauskommt. Denn wie in einem der letzten Sonntagsreporte angedeutet, ich weiß jetzt, oder glaube zu wissen, wieso es das Manuskript bis jetzt so schwer gehabt hat. Ein paar Änderungen habe ich vorgenommen, ob das reicht, werden wir sehen.

In meinem Anschreiben an den Verlag habe ich daher etwas absolut Aberwitziges getan: Ich habe geschrieben, dass ich noch weitere Manuskripte habe, die in das Portfolio passen könnten. Also, nur für den Fall, dass meine Art zu schreiben vielleicht gefällt, aber …

Ich habe wirklich lange gebraucht, bis ich das absenden konnte. Aber andererseits hatte ich das Gefühl, das richtige zu tun, die richtige Ansprache gefunden zu haben. Vielleicht ist es auch einfach an der Zeit, ein wenig offensiver mit dem umzugehen, was ich habe und was ich kann.

Dasselbe gilt auch für die Kurzgeschichte zur Duisburg-Anthologie. Da ist in der letzten Woche die endgültige Entscheidung gefallen, welchen meiner beiden Entwürfe ich einreichen werde. Die Geschichte habe ich beim Phönix Lektorat korrigieren lassen und werde sie in der kommenden Woche auf den Weg bringen. Dann erzähle ich euch auch ein wenig mehr darüber und werde zeitnah, versprochen ist versprochen, die Geschichte veröffentlichen, die es nun nicht geworden ist.

Auf den Weg habe ich mich auch bei „Der Beobachter und der Turm“ gemacht, indem ich – ein wenig später als ich wollte – alle Anmerkungen meiner Testleser in einem neuen Dokument gesammelt habe. Sozusagen in einer neuen „blauen Liste“. Ich habe jetzt zweieinhalb Seiten mit Dingen, die ich neu betrachten, abändern und verbessern will. Gut, dass der Lektor gesagt hat, dass ich den Starttermin bestimme. Das könnte noch ein Weilchen dauern.

Aber Moment, einen habe ich noch: Da ich die Überarbeitung ja in Papyrus mache und die anderen Projekte jetzt entweder so gut wie fertig oder in der Warteschleife sind, habe ich mir überlegt, vielleicht doch noch beim Literaturwettbewerb von cluewriting.de mitzumachen. Dieser sieht vor, eine kleine Geschichte zum Thema „Schmerzlos“ zu schreiben. Ich habe da eine ebenso kleine Idee. Und in meinen Mittagspausen ein klein wenig Zeit.

Wenn das also noch etwas wird bis zum 30.09., dann ist das gut. Wenn nicht, dann ist es auch kein Beinbruch.

Mein Blog

Mein Blog ist in dieser Woche erfreulich gut gelaufen für meine Verhältnisse. Die Aufrufe der letzten paar Tage liegen alle über sechzig am Tag. Da macht das Verfassen neuer Texte richtig Spaß :-).

Wieder einmal habe ich dabei die Erfahrung machen können, dass die meisten Leser dann kommen, wenn es so aussieht, als ob es dem Autor – also mir – nicht gut geht. Einsame Spitze ist in dieser Hinsicht, was die Statistik angeht, der Artikel „Manchmal kommen die Zweifel„.

Ich könnte jetzt spekulieren, woran das liegt, was sowohl wohlwollende als auch weniger wohlwollende Gründe zu Tage führen könnte. Will ich aber gar nicht. Wisst ihr, wovon ich ausgehe? Ich gehe davon aus, dass ich sehr sensible Leser haben, die mitbekommen, wenn es mir nicht so gut geht und die mir dann einfach in irgendeiner Weise beistehen wollen, wenn sie es denn können.

Genau, so sieht das nämlich aus! Und deswegen sage ich einfach mal Danke dafür, dass ich mich in dieser Hinsicht auf euch verlassen kann!

Multimedia

Einige von euch wollten ja wissen, wie mir der erste Band von „Die Tribute von Panem“ gefallen hat. Ich bin da ein wenig zwiegespalten. Der erste Teil, als es um die Distrikte und das Ankommen von Katniss und Peeta im Kapitol geht, war mir nicht eindrücklich genug geschrieben. Da hätte ich mir mehr gewünscht, mehr an Hintergrund zur Situation, vielleicht auch mehr Eindruck vom Kapitol als solches.

Ich denke, dass es ein bewusstes Stilmittel sein sollte, so wenig wie möglich zu verraten, damit zum einen jeder Leser sich sein eigenes Bild machen kann, aber in meinem Fall war es einfach zu wenig. Das Kapitol und seine Bewohner blieben für mich nicht greifbar, die Rolle von Präsident Snow absolut nicht greifbar. Jedenfalls bis zum Schluss, wo es aber sehr gehetzt auf den letzten paar Seiten zur Sprache kommt.

Ich hätte gerne mehr darüber gewusst, wie dieses Kapitol funktioniert, ob es sich dabei um eine Art dauerhaften Vergnügungspark mit Parties und Halli-Galli handelt, das sich an den Früchten der versklavten Distrikte labt. Mag sein, dass das in den Folgebänden noch aufgegriffen wird, die ich mir auf jeden Fall noch besorgen und auch lesen werde.

Denn der Teil, der in der Arena spielt, ist sehr gut und phasenweise ein echter Pageturner. Mir gefällt, wie gut Katniss hier charakterisiert wird. Sie bleibt als Figur glaubhaft – sowohl in ihrer Verzweiflung wie auch auf ihrem Rachefeldzug. Die Grundidee, dass 24 Tribute auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen mag nicht ganz neu sein (ich denke da an den Roman „Todesmarsch“ von Stephen King), ist aber gut umgesetzt. Und mit den Mutanten gegen Ende gibt es auch noch eine gehörige Portion Grusel.

Ups, jetzt habe ich beinahe eine vollwertige Rezension geschrieben. Man merkt, dass ich heute Sabbelwasser getrunken habe, kann das sein? *lach*

Im Moment lese ich ja den neuen King, „Mind Control„. Von dem erzähle ich euch dann im nächsten Sonntagsreport, denke ich.

Machen wir es jetzt ein wenig kürzer. Gesehen habe ich gestern Abend, endlich, den Film „Inglorious Basterds„. Eine wirklich gigantische Leistung von Christoph Waltz, die zurecht hoch prämiert wurde. Dagegen fallen alle anderen Schauspieler zwangsläufig ab, wobei ich die Leistung der Darstellerin der Shosanna auch herausheben möchte.

Die Handlung des Films ist natürlich im Wesentlichen eine große Portion Käse. Aber da es Tarantino ja darum ging, eine Groteske auf den Zweiten Weltkrieg zu drehen, ist ihm dies hervorragend gelungen.

Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist allerdings die: Ist es wirklich so schwer, einen Schauspieler aufzutreiben, der einen überzeugenden Hermann Göring gibt? Einfach nur fett zu sein und einfältig aus der Wäsche zu schauen kann es doch nicht sein, oder? Da muss man wohl froh sein, dass noch keiner auf die Idee gekommen ist, Ottfried Fischer mit dieser Rolle zu betrauen …

Auf Twitter hatte ich ja schon erwähnt, dass meine Frau und ich im Dezember aufs Konzert von VNV Nation in Oberhausen gehen. Ich müsste das Dutzend bald voll haben. Seitdem ich die Karten habe, läuft die Musik auch wieder rauf und runter, wie das eben oft so ist. Gerade läuft im Hintergrund das Lied „Illusion“, das einen wirklich tollen (inoffiziellen) Videoclip hat, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

Famous Last Words

Zwei Wochen noch, dann habe ich noch einmal Urlaub. Da freue ich mich schon drauf. Bis dahin lesen wir uns aber noch an dieser Stelle. Und an ganz vielen anderen Stellen im Blog. Und wenn ihr wollt auch auf eurem Blog. Und hier und da und überhaupt.

Haltet die Ohren steif und lasst euch von der Woche nicht unterkriegen!

Euer Michael

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14 Gedanken zu “Der Sonntagsreport vom 18.09.2016

  1. Ich drücke der Duisburg-Geschichte auf alle Fälle extraheftig die Daumen!
    Und dass ich dir viel Erfolg mit dem Verlagsanschreiben wünsche, habe ich schon im Blogpost dazu geschrieben.

    Interessant, was du zum Thema „zu wenig Kapitol“ sagst. Ich habe nämlich in DEM Fall den Film gesehen, bevor ich das Buch gelesen habe und war so überzeugt, dass ich die Reihe unbedingt lesen musste (und dann regelrecht inhaliert habe). Und vermutlich hatte ich daher unbewusst genug visuellen Input zu diesem Thema.

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    • Ich habe hier auch zuerst den Film gesehen. Sonst wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Buch zu lesen. Visuellen Input hatte ich also auch, aber ich hätte mir mehr inhaltlichen Input gewünscht. Und da bleibt das Buch ziemlich blass.

      Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich auch noch nicht alle Filme der Reihe gesehen habe, sondern nur die ersten beiden. Deswegen fehlen mir die wirklich revolutionären Gedanken wahrscheinlich noch :-).

      Und vielen Dank für die guten Wünsche und das Daumen drücken. Das kann ich gebrauchen und weiß ich zu schätzen!

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  2. Frieda auf Erden schreibt:

    soviel mir bekannt ist, ist der Schauspieler Ottfried Fischer ziemlich krank, ich meine er hat Parkinson. Vielleicht guckt er deshalb so, ganz bestimmt sogar, ich will hier keine Partei für ihr ergreifen es ist mir nur aufgefallen daß Sie das erwählen dass er immer so komisch guckt.
    Parkinson. Eine Form davon, die einen versteifen, die anderen zittern am ganzen körper. Zu dem Artikel an sich möchte ich mich nicht äussern.

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    • Ich gebe zu, dass das in dem Zusammenhang, in dem ich das da gesetzt habe, despektierlicher herüberkommt, als es von mir gemeint war. Ich mag Herrn Fischer und einige der von ihm dargestellten Rollen. So war ich ein großer Freund seiner „Pfarrer Braun“-Filme.

      Ich meinte auch genau diesen dort zur Schau gestellten, leicht einfältigen, behäbigen Gesichtsausdruck, das zu einem Markenzeichen für diesen Schauspieler geworden ist (z.B. ja auch im „Bullen von Tölz“ oder schon ganz früh in seinen Kabarettprogrammen). Ich wollte damit keinen Bezug zur Krankheit herstellen und mich schon gar nicht negativ über an Parkinson Erkrankte äußern.

      Herr Fischer geht mit seiner Erkrankung übrigens, typisch für einen Komiker, auf ganz spezielle Art um. Legendär sein Ausspruch: „Keine Angst, ich mach jetzt keine Schüttelreime.“

      Tatsache bleibt aber, dass er für die genannte Rolle eine eklatante Fehlbesetzung wäre.

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      • Frieda auf Erden schreibt:

        stimmt, eine Fehlbesetzung wäre er ganz bestimmt. Im übrigen hab ich Fischer nie gemocht, in keinem seiner Filme, aber das ist ja alles geschmackssache. Auch als Kabarettist mochte ich ihn nicht, es gibt weitusbessere, aber das soll ja hier nicht thema sein. mir ist schon klar, daß sie sich nicht negativ über Parkinsonkranke aeussern. Dafür müssen sie sich nicht rechtfertigen. das wär ja noch schöner, jeder darf schreiben was er will in seinem eigenen blog.

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  3. Hallo Michael,
    ich glaube eine Erklärung für die Beliebtheit der Posts zu haben, die es aussehen lassen als ginge es dem Autor schlecht. Du wirst ja viele Schreiber unter deinen Lesern haben und naja… die zweifeln eben auch manchmal und können sich gut mit dir identifizieren, wenn es dir schlecht geht. Eine böse Absicht bzw. morbide Neugierde würde ich hier nicht unterstellen wollen.
    Dein Lob für Christoph Waltz kann ich nur unterschreiben und auch die mangelnde Beschreibung des Kapitols im erste Teil der Tribute von Panem kann ich bestätigen. Ich habe vor Jahren mal alle drei Bücher im englischen Original gekauft, aber nach dem Lesen von Band 1 ist mir die Lust vergangen, denn so richtig gut fand ich das erste Buch nicht. An einigen Stellen zu zäh und an anderen zu oberflächlich, war mein Eindruck.
    Viele Grüße
    Erin

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    • Hallo Erin,

      ich glaube auch nicht, dass wir es hier mit böser Absicht zu tun haben. Neugierde vielleicht noch, es muss ja nicht gleich die morbide Form sein.

      Um ehrlich zu sein, mir würde es vielleicht genauso gehen. Denn im Allgemeinen liest man im Netz so selten was über diese Probleme. Oder kommt es mir nur so vor? Ich weiß noch, wie ich ganz oft gedacht habe, dass ich der Einzige bin, der hin und wieder diese Probleme hat.

      Und ich könnte schon wieder so ein Posting bringen. Wir können ja eine feste Rubrik daraus machen: „Das schlechte Gefühl der Woche“.

      Noch kurz zu Christoph Waltz: Hast du ihn in „Der Gott des Gemetzels“ von Roman Polanski gesehen? Ein urkomisches Kammerstück für vier Personen, in dem er absolut brilliert! Der restliche Cast sind Kate Winslet, Jodie Foster und John C. Reilly.

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      • Diese Rubrik habe ich schon 😉 Beim Schreiben meines Wochenrückblicks ist mir nämlich aufgefallen, dass mich immer ein Thema/Problem besonders beschäftigt. Ich suche dann nach einer Lösung für das Problem und schreibe es als Tipp in meinen Rückblick. Vielleicht hilft es jemandem. Mir zumindest hilft es, dann erstmal mit dem Problem abzuschließen.
        Der Gott des Gemetzels kommt sofort auf meine mentale Watchlist. Vielen Dank.

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      • Bei mir sind es meistens Momentaufnahmen, die dann auch direkt raus müssen. Für meinen Wochenüberblick/Sonntagsreport möchte ich in diese Themen eigentlich gar nicht mehr so stark einsteigen. Der Gedanke kam mir halt so beiläufig.

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