Meldung und Meinung: Harry Potter Stories erscheinen „nicht als richtiges Buch“

Die Meldung ist auch schon wieder ein paar Tage alt, aber man kommt ja hier zu nichts ;-).

Wie lesen.net berichtet, laufen die Fans des bekanntesten Zauberlehrlings seit Micky Maus Sturm. Hintergrund ist, dass die Saga um Harry Potter zwar in diesem Jahr fortgesetzt wird, allerdings nicht in der Art und Weise, wie sie es sich das so vorgestellt haben. Und damit meine ich nicht einmal die kanonsprengende Frage, ob Hermine Granger nun eigentlich eine Weiße oder eine Schwarze ist.

Nein, es geht um die eBooks, in denen Joanne K. Rowling neue Geschichten aus Hogwarts erzählt. Erschienen sind derer vorläufig drei. Aber selbst die Tatsache, dass einige dieser Geschichten bereits kostenlos auf der einschlägigen Website pottermore.com zu lesen waren ist es nicht, die die Fans in Rage versetzt.

Es geht schlicht und ergreifend darum, dass diese Geschichten nicht als richtiges Buch erscheinen.

Und da kann ich dann nur denken: In your face, 2016!

Nun aber mal wirklich ehrlich. Wir schreiben das Jahr 2016 und eReader sind ebenso in der Gesellschaft angekommen wie Smartphones und Tablets, auf denen man ohne großen Zusatzaufwand auch elektronische Bücher lesen kann. Man muss nur einmal an einem x-beliebigen Arbeitstag mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B fahren und man wird sie sehen, wie sie in ihre Geräte starren. Ich gehöre ja auch zu ihnen.

Es ist aus meiner Sicht erschütternd, wie wenig hier das eBook als eigener Träger von Kulturgut anerkannt wird. Ich fühle mich glatt zurückversetzt in die späten Neunziger, wo man sich bezüglich Websites ähnliche Gedanken gemacht hat. »Steht nur im Internet? Kann nichts taugen, sonst hätte man es ja ausgedruckt!«

Ich habe ja Verständnis dafür, wenn sich nicht jeder sofort einen Kindle oder einen Tolino kaufen möchte. Aber, wie gesagt, das braucht es doch nicht! Es gibt Apps für jedes Gerät auf dem Markt, um diese Bücher lesen zu können.

Außerdem denke ich auch in wirtschaftlichen Größen. Eins dieser drei Bücher kostet 2,99 Euro. Ein gängiger Preis für ein eBook. Ausgedruckt müssten die Preise wohl rasant ansteigen, weil ich nicht denke, dass sich ein Band von 60-80 Seiten in dieser Preisklasse (und in der Qualität, die dann auch wieder von vielen Fans erwartet würde) realisieren ließe. Und denkt eigentlich irgendjemand an die Bäume?

Ich hoffe, ihr seht mir nach, dass ich einen leicht ironischen Unterton für diesen Artikel anschlage, aber ich empfinde die Tatsache, dass die meisten Beschwerden über diese Veröffentlichungsweise auf Facebook (!) eingereicht werden, schlicht und ergreifend als Gipfel der Ironie. Denn mit Sicherheit sind sie in einer hohen Prozentzahl an Geräten getippt, auf denen man auch die Potter-Büchlein hervorragend lesen könnte.

Aber halten wir, ganz ironiefrei, fest: Der deutsche eBook-Markt hat nach wie vor ein breit angelegtes Wahrnehmungsproblem. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele tapfere Selfpublisher ihr eigenes eBook veröffentlichen und dann von Freunden und Familie zu hören kriegen, dass man geglaubt habe, das Ziel sei es, ein „richtiges Buch“ zu schreiben.

Ich meine, wenn das sogar schon Joanne K. Rowling widerfährt …

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14 Gedanken zu “Meldung und Meinung: Harry Potter Stories erscheinen „nicht als richtiges Buch“

  1. Echt? Dass es die nur als eBooks gibt ist das größte Problem? Ernsthaft?
    Ich weigere mich immer noch, sie zu kaufen, weil ich mich ärgere, dass hier kostenlose Inhalte auf einmal monetarisiert werden. Aber ich ärgere mich nicht darüber, dass es sie nur als eBooks gibt 😀
    Andererseits kenne ich aber auch Leute, die nach wie vor keine eBooks lesen. Generell nicht. Nicht aus einem Retrokulturpessimismus heraus, sondern einfach, weil ihnen Lesen am Bildschirm keinen Spaß macht oder nach einer Weile in den Augen wehtut.

    Gefällt 2 Personen

    • Der Verdacht liegt für mich einfach nahe, dass es die gleichen Leute sind, die sich hier aufregen, die sich ihre Musik auf Spotify anhören (Stream), ihre Serien auf Netflix ansehen (Stream) und Videospiele aus dem Internet laden (Stream).

      Und ja, richtig, nicht jeder verfügt über Smartphone & Co. Aber der Anteil an der Bevölkerung, der sich mit der Leserschaft für Harry Potter deckt, ist wahrscheinlich nicht besonders groß.

      Gefällt 1 Person

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