Buchhandlung „Bücherinsel“ in Duisburg-Rheinhausen schließt

Gestern lese ich nichtsahnend in einem der Newsletter, die ich bekomme (ja, ich weiß, ich wollte mal eine Liste machen …), in diesem Fall dem vom Börsenblatt, als ich auf eine Meldung stoße, die sich sofort wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt:

Betroffenheit über Schließung der Bücherinsel

Beim Namen der Buchhandlung klingelt es sofort und der Aufruf des Artikels bestätigt das, was ich sofort gewusst habe. Wir sprechen hier von der Buchhandlung in Duisburg-Rheinhausen, meinem Stadtteil, meinem Zuhause.

Seit 35 Jahren hat diese Buchhandlung bestanden und war einer der kulturellen Pole in diesem Stadtteil. Man muss sich vor allem auch bewusst machen, was in diesen 35 Jahren in Rheinhausen alles passiert ist: Schließung des Stahlwerks mit Massenarbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Die volle Härte des Strukturwandels mit allen Gewinnern und Verlierern, die es dabei gegeben hat. Selbst die kommunale Neuordnung, in deren Rahmen Rheinhausen nach Duisburg eingemeindet worden ist, war bei Eröffnung der Bücherinsel erst sechs Jahre vergangen und wenn man bedenkt, dass viele Rheinhauser sich heute noch nicht als Duisburger begreifen kann man sich vorstellen, wie das damals gewesen sein muss.

Die Buchhändlerin Linda Broszeit hat das alles mitgemacht und begleitet. Dabei war die Bücherinsel, wie schon gesagt, immer mehr als eine reine Buchhandlung. Es gab hier Events, es gab Lesungen, es gab Aktivitäten. Für viele Rheinhauser war die Bücherinsel mehr als nur der Ort, wo man ein Buch gekauft hat.

Natürlich war dies in den letzten Jahren, wie in allen Buchhandlungen generell, rückläufig, nach allem, was man so mitbekommen hat. Das Internet hat hier seinen Teil dazu beigetragen. Dennoch hat sich die Bücherinsel als klassische Bestellbuchhandlung damit halten können.

Ich muss zugeben, dass ich selber nicht häufig dort gewesen bin. Das hat aber ähnliche Gründe wie die, aus denen ich generell nur noch selten in Buchhandlungen gehe: Viele Titel bekomme ich eben nur als Bestellung, und die kann ich mir mit weniger Aufwand nach Hause liefern lassen. Manchmal sogar schon am selben Tag.

Vielleicht bin ich also mit dafür verantwortlich, dass Frau Broszeit keinen Nachfolger für ihre Insel gefunden hat. Allerdings muss man zu meiner Entlastung sagen, dass die gesamte Rheinhauser „Innenstadt“ in den letzten Jahren rapide den Bach runtergeht und sich inzwischen ein Leerstand an den nächsten reiht. Die Stadtteilzentren leiden halt am stärksten unter der Zentralisierung des Einzelhandels und den Verschiebungen, die sich dort in den letzten Jahren ergeben haben.

Einmal werde ich die Bücherinsel auf jeden Fall noch besuchen: Meine Tochter hat noch Gutscheine, die von der Buchhandlung jedes Jahr für die jahrgangsbesten Schüler/innen an den Schulen hier im Stadtbezirk vergeben wurden. Und wenn sie diese dann einlösen geht, werde ich es mir dieses Mal nicht nehmen lassen, noch einmal vorbeizuschauen, zu stöbern und mit ein wenig Wehmut auch Abschied zu nehmen.

Ich wünsche Frau Broszeit auf jeden Fall viel Glück bei ihren neuen Aufgaben, denen sie sich stellen möchte und bedanke mich für das Engagement in diesem Stadtteil in den vergangenen 35 Jahren.

Hier noch ihr Statement im Wortlaut.

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4 Gedanken zu “Buchhandlung „Bücherinsel“ in Duisburg-Rheinhausen schließt

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