Nicht nur Duisburg liegt in Trümmern, die Anthologie tut es auch

Ach ja, was soll ich davon halten. Heute ist der 30.09.2016 und heute endete die Einreichfrist für die Duisburg-Anthologie, von der hier häufiger die Rede war. Ich hatte euch letzte Woche erzählt, dass ich meinen Text mit dem schönen Titel „Trümmer“ eingereicht hatte.

Heute nun erreicht mich eine E-Mail der Mayerschen Buchhandlung, aus der hervorgeht, dass man in den letzten Monaten leider sehr wenige Texte erhalten habe und deswegen das Projekt, Achtung jetzt, „vorzeitig abbrechen“ müsse.

Gut, die Buchhandlung hatte bereits im Text der Ausschreibung darauf hingewiesen, dass man sich vorbehalten würde, bei wenig Resonanz die ganze Sache abzublasen. Was mich aber ärgert ist speziell diese Formulierung. Man hätte doch wohl schon vor geraumer Zeit merken können, dass man nicht genug Texte hat! Ich meine, da schaut man doch nicht heute mal ins Postfach und zählt durch.

Ich habe einiges an Zeit, Energie und – ja, auch das – Geld in diesen Text gesteckt. Und das ist gerade einmal zwei Wochen her. Wenn man sich ein wenig früher der Tatsachen bewusst geworden wäre, hätte ich mir das sparen können. Aber die Seite zur Ausschreibung ist generell ja auch immer noch abrufbar …

Aber gut, es bringt nichts, sich zu ärgern. Wenn ich jetzt nur wüsste, was ich mit dem Text machen soll. Einerseits ist es mir fast zu schade darum, ihn einfach so auf die Homepage zu stellen. Andererseits ist er so spezifisch auf Duisburg zugeschnitten, dass ich nicht erwarten kann, dass irgendwann mal wieder eine Ausschreibung vorbeikommt, in die er hineinpasst.

Vertrackte Situation irgendwie. Und eigentlich bin ich einfach nur traurig und davon enttäuscht, wie das alles gelaufen ist. Mit einer Absage hätte ich jedenfalls irgendwie deutlich besser leben können.

Und dann ist da noch ein Aspekt: Duisburg hat immer noch um die 490.000 Einwohner. Da ist kaum jemand dabei, der sich zum Schreiben bemüßigt fühlt? Anzeichen gab es ja früher schon: Schreibkurse in der VHS, die mangels Anmeldungen abgesagt wurden. Die Nichtauffindbarkeit von Schreib- oder Autorengruppen.

Ich fühle mich gerade ziemlich allein auf weiter Flur.

Na ja, Mund abwischen und weitermachen.

Was denn auch sonst?

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35 Gedanken zu “Nicht nur Duisburg liegt in Trümmern, die Anthologie tut es auch

  1. Das ist wirklich ärgerlich! Andererseits ergibt sich vielleicht doch eine andere Ausschreibung, in die der Text passen würde. Vielleicht ohne Bezug zu Duisburg, aber zu Heimat, Heimkehr, Kriegsfolgen …
    Oder sie wächst und wird Teil einer anderen, größeren Geschichte.

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    • Es ist für mich halt ein ganz neues Gefühl, eine Geschichte sozusagen „auf Maß“ geschrieben zu haben, die dann einfach so im luftleeren Raum verpufft. Viele andere haben ja Erfahrung damit, ihre Kurzgeschichten auf Halde zu schreiben und dann nach geeigneten Ausschreibungen Ausschau zu halten. Vielleicht sollte ich mir da auch einfach ein dickeres Fell zulegen.

      Ob es Teil einer größeren Geschichte werden kann … erst einmal schwer vorstellbar. Aber nicht auszuschließen.

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      • Ja, lege Dir ein dickeres Fell zu.
        Und vergiss das weit verbreitete Blabla, dass man natürlich _nur_ extra geschriebene Beiträge zu Ausschreibungen schicken kann.
        Leg Dir nach und nach ein Lager an Ideen, halb fertigen und grundsätzlich fertigen Geschichten an. Dann schaust Du bei kommenden Ausschreibungen, ob einer Deiner Texte prinzipiell passen könnte, und überarbeitest ihn entsprechend. Dann wieder ab damit – ggf. auch zu mehreren Ausschreibungen gleichzeitig. Ich sage jetzt mal nicht, wie alt manche meiner Stories waren, als sie dann endlich erschienen. 😉
        Führe aber eine Liste über die Absendungen! Wenn Du bei einer Ausschreibung (sicher) genommen wirst, musst Du bei anderen den Text natürlich zurückziehen.
        Viel Glück!

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      • Kurze Geschichten haben 2 Vorteile: Man ist _etwas_ schneller mit ihnen fertig als mit einem Roman. Und sie haben Chancen, in Anthologien oder Periodika veröffentlicht zu werden, was man bei Romanen nur seltenst sagen kann. 😉

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  2. Sehr schade und sehr ärgerlich! :O
    Du hast ja zwei Texte geschrieben. Vielleicht hast du noch andere Ideen und kannst mit fünf-sechs Texten selbst eine Mini-Anthologie veröffentlichen?
    Vielleicht auch im Rindlerwahn, hier oder irgendwo anders fragen, ob jemand aus deinem Bekanntenkreis auch dort teilnehmen wollte und jetzt mit einer Geschichte auf dem Trockenen sitzt?

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    • Du kannst es ja als Einzige beurteilen 😉 :-).

      Meinst du, eine Mini-Anthologie hätte Sinn? Du hast ja auch so deine Erfahrungen mit so etwas, wie du niemals müde wirst, zu bedauern.

      Stichwort „auf dem Trockenen sitzen“: Wie ich schon schrieb, ich kenne niemanden, den ich im Verdacht hätte, bei einer so spezifisch auf Duisburg zugeschnittenen Ausschreibung mitzumachen. Zumindest hier hätte sich so jemand doch bestimmt schon mal gemeldet.

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      • Kurzgeschichtenanthologien können durchaus Sinn machen, wenn sie entsprechend schön beworben werden und gut aufgemacht sind. Leser suchen öfter mal nach etwas für den kleinen Lesehunger zwischendurch, da füllen Anthologien auf alle Fälle eine Nische.
        Und alles, was lokal verortet ist (Lokalkrimis, entsprechende Sachbücher) lässt sich auch wunderbar bewerben, da man dann mit Ortsbezug bei der Lokalpresse vorstellig werden kann. Autorenkollege Claus Beese macht das auch großartig mit seinen maritimen Schmunzelbüchern, der Protagonist eines seiner Bücher ist sogar Lokalmaskottchen der Gegend geworden (guck: http://www.claus-beese.de/ ).
        Also das ginge schon, zwei Geschichten hast du schon und ich nehme an, dass ohne Zeichenkorsett du auch ein wenig Substanz zufüttern dürftest :).
        Erfahrung mit auf dem Trockenen Sitzen habe ich, ja. Mir kommt hier allerdings entgegen, dass zumindest ohne Betaleser es sich bei Überarbeitungen für mich ohnehin lohnt, eine KG auch mal Jahre liegen zu lassen. Ich hatte bei einer KG, die ich im Jahre 2013 für eine Ausschreibung verfasst habe, ein schriftstellerisches Problem, das ich ums Verrecken nicht gelöst bekam. Habe trotzdem eingereicht, wer nicht wagt und so, aber natürlich wurde sie nicht genommen.
        Das Problem habe ich 2016 dann lösen können und es hat zehn Minuten gedauert, während ich vor drei Jahren monatelang verzweifelte und es nicht hinbekam.
        Daher ist es für mich grundsätzlich nicht schlimm, wenn eine Geschichte auf Halde landet. Es liegt nicht immer an ihrer Qualität – aber wenn doch, dann ist das etwas, das über die Jahre nur besser werden kann :).
        Und ja, vermutlich hätte sich hier jemand gemeldet, wenn Blogleser auch teilgenommen hätten. Oder auch nicht, Autoren sind ja eigentlich oft schüchtern :D. (Außer im Internet. Aber da manchmal auch.)

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      • Ich spiele mit der Idee von der Anthologie mal ein wenig herum, auch wenn ich ein weiteres Projekt im Moment so dringend brauche wie ein zweites … aber lassen wir das ;-).

        Aber es stimmt schon: Der zweiten Geschichte, die es dann ja nicht geworden ist, würden ein paar (viele) Zeichen mehr richtig gut tun. Und führe mich nicht in Versuchung … *seufz*.

        Deine Erfahrungen mit Kurzgeschichten finde ich spannend. Ganz einfach, weil ich da ja so gar keine wirkliche Ahnung habe. Hanna hat damals Wochenaufgaben gestellt und ich habe einfach angefangen, Kurzgeschichten zu schreiben. Und richtig ernsthaft betreibe ich das erst seit kurzer Zeit.

        Ich kann ja mal einen Aufruf an schüchterne Autoren starten. Wenn ich meine eigene Schüchternheit überwunden habe :-D.

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      • Ich kenne das. Vernunft: Du hast keine Zeit. Schreibleidenschaft: Lust auf ein SP-Projekt? Und auf noch eins? Und noch eins? Ich: Schreibleidenschaft hat gewonnen, ich gehe mir mal eine Zeitmaschine und Kaffee kaufen :D.

        Kürzen ist ja nicht immer gut. Ich sage immer, wenn man mich fragt, dass eine Geschichte genau SO lang sein muss, wie sie braucht. Zu lang ist also unter Umständen nicht weniger falsch als zu kurz :).
        Für mich waren Kurzgeschichten, nachdem ich sie als selbstständige Form außerhalb des Klassenzimmers für mich entdeckt habe, immer das Medium für Schlaglichter und Episoden. Und auch für Experimente, weil man bei einer Kurzgeschichte auch mal sprachlich Dinge machen kann, die man einen ganzen Roman lang gar nicht aushalten würde. Durchgängige Du-Form, eine Geschichte ausschließlich im Futur oder auch mal eine ohne ein einziges Adjektiv… da gibt es sehr viele Möglichkeiten, die man ausprobieren kann. Mit denen man unter Umständen auch ohne primäre Veröffentlichungsabsicht spielen kann – und falls sie dann irgendwo passen, kann man nichts verlieren.

        Und wenn du einen Aufruf startest, dann teile ich den, vielleicht habe ich unter meinen Followern etc. ja Duisburger, die schreiben!

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      • Vernünftig? Wer ist das schon … (na, woher kommt das Zitat?)

        Jetzt erschüttere doch nicht direkt wieder mein Weltbild und sage, dass Kürzen nicht immer gut ist! Ich habe mich gerade gedanklich dran gewöhnt ;-).

        Das Experimentieren habe ich inzwischen weitgehend aufgegeben. Also jedenfalls das Experimentieren um des Experiments Willen.

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      • Hach, die Tabaluga-Lieder ❤
        Ich habe gerade gar nichts erschüttert. Dass ich die bin, deren Rohfassungen 92 Normseiten lang sind und die dann überarbeitet, um das Buch auf "buchige" Länge zu bringen, weißt du längst ^^.
        Einfach so experimentiere ich auch nicht, es ist eher so: Geschichtenidee kommt. Ich denke mir, dass das nur in einer total schrägen Form funktionieren kann, die man sonst nie verwendet. Und dann… teste ich diese These einfach aus :D.
        Das kann sehr befreiend sein. Ich war mal ewig blockiert, weil eine Geschichte ums Verrecken nicht in der geläufigen Form (dritte Person, Vergangenheitsform) vorankommen wollte. Habe sie dann aus der Ich-Perspektive im Präsens probiert – und das hat funktioniert.
        Je mehr man kennt und je mehr man ausprobiert hat, desto mehr Möglichkeiten hat man am Ende einfach.

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      • Das mit den Möglichkeiten ist natürlich richtig, wobei ich halt eben sehr romanfixiert denke. Und da sind schräge Sachen zwar möglich, gefallen mir selbst als Leser aber nicht. Präsens und Ich-Perspektive zum Beispiel finde ich extrem anstrengend zu lesen.

        Aber jetzt weiß ich, was uns unterscheidet: Dir kommen Geschichtenideen, mir nur ausgewalzte Romanideen. Beides klingt erst einmal ähnlich, wirkt sich aber doch anders aus. Beides ist gut auf seine Weise. Und beides kann manchmal nerven, wenn man kürzen oder auf buchige Länge bringen muss …

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      • Ja gut, ich bin auch als Leserin sehr experimentierfreudig.
        Und mein nächster Roman hat eine Rahmenhandlung, einen Binnenhandlung mit einer Ich-Präsens-Perspektivträgerin und Kapitel aus Sicht eines nonbinären Menschen unter Nutzung des Pronomens „xier“. Also ich mache schräges Zeug auch bei Romanen, aber ich teste es an Kurzgeschichten :D.
        Wobei ich nicht sagen würde, dass ich in Geschichten denke. Eher in Universen, in denen ich aber sowohl große als auch ganz kleine Geschichten gut ansiedeln kann. Muss man sich wie eine Pflanzenzelle mit vielen verschiedenen unterschiedlich großen Organellen drin vorstellen :).
        Und natürlich ist alles gut, was am Ende zu einem Ergebnis führt! Und wenn das Ergebnis „lediglich“ Zufriedenheit über sich selbst und die eigene Leistung ist.

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    • Wenn das so wäre, JanJan, dann hätten sie wenigstens warten können, bis Mitternacht vorbei ist und die Mail am Dienstag schicken. So wirkt das auf mich wie „ach, da war noch was. Schnell mal vor Feierabend noch erledigen“.

      Ich denke über die weitere Verwendung nach. Auf jeden Fall werde ich sie, vorläufig, nicht im Blog veröffentlichen. Im Gegensatz zu der anderen Geschichte, die hatte ich euch ja versprochen.

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  3. Wie die Vor-Kommentatoren schon sagten: ärgerlich. Kann mich auch deren Rat nur anschließen. In meinen Wettbewerb-aktivsten-Zeiten hatte ich mehr als ein Dutzend Geschichten auf Halde, unter denen ich dann meistens doch eine fand, die – mehr oder weniger leicht variiert – neu verschickt wurden. Und irgendwann klappt’s dann schon. Ganz sicher!

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    • Danke für die aufbauenden Worte. Wie gerade zu Evanesca gesagt, die ganze Kurzgeschichtensache ist für mich immer noch recht neu. Dabei kenne ich das Gefühl „auf Halde“ eigentlich sehr gut von meinen Romanen. Fühlt sich trotzdem anders an.

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  4. Lieber Michael,
    Das tut mir wirklich schrecklich leid zu hören. 😦 Vielleicht haben die so lange mit ihrer Meldung gewartet, in der Hoffnung, es würden ganz viele Sendungen passend zur Deadline eingereicht werden, und wollten niemanden frühzeitig und umsonst enttäuschen.

    Hm. Vielleicht wartest du noch bis Nikolaus und wenn bis da kein vergleichbarer Aufruf kommt, ist das dein Geschenk an uns? 🙂

    Lass dich drücken,
    Kiira

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    • Das ist nicht nur eine renommierte, sondern auch die mit Abstand größte Buchhandlung der Stadt. Aber wahrscheinlich wird es genau an der mangelnden Information gelegen haben. Ich weiß gar nicht, ob es da mehr als diese Wettbewerbswebsite gegeben hat. Ich selbst wurde ja auch nur durch eine Meldung auf einer Newsseite darauf aufmerksam.

      Aber wie gesagt: Duisburg scheint relative Diaspora zu sein, was Autoren angeht.

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      • Erfahrungsgemäß gibt es Schreiberlinge überall, ganz sicher auch in der Region um Duisburg herum. 😉
        Kann natürlich auch sein, dass bei euch die Rivalitäten so groß sind, dass z.B. ein Essener oder Düsseldorfer nie was über Essen schreiben würde … 😀

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      • Ich gehe auch davon aus, dass es sie gibt. Aber sie haben sich bis jetzt gut versteckt. Und ich traue mich nicht wirklich, initiativ tätig zu werden.

        Die Rivalitäten sind aber in der Tat nicht zu unterschätzen hier. Darum scheitert ja auch seit Jahrzehnten der Gedanke einer echten „Metropole Ruhr“.

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      • Ein weit verbreitetes Phänomen heute: Man will auf den „Regional“-Zug aufspringen, aber nichts (oder wenig) dafür tun. Werben z.B. Oder waren vielleicht die Bedingungen allzu mies? (Naja, deutsche AutorInnen lassen sich eine Menge bieten, meiner Erfahrung nach.)
        Egal. – Wäre die Antho was geworden, Du aber nicht aufgenommen worden, hättest Du Dich auch (noch mehr?) geärgert. – Und Aufnahmen in Anthos ist schlicht Lottospielen.

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      • Ich denke, dass ich mich bei Nichtaufnahme wahrscheinlich nicht so geärgert hätte. Dann wäre es, wie du schon sagst, einfach Lotto gewesen. Aber ich habe mich auch so inzwischen schon wieder abgeregt.

        Die Bedingungen waren wirklich nicht der Rede wert. Und ich habe auch nur teilgenommen, weil es eben um „meine“ Stadt ging und weil ich eine gute Idee hatte.

        Na ja, die Arbeit war auf jeden Fall nicht umsonst, weil ich durch sie ja auch wieder Erfahrungen gesammelt habe.

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