Kurz und schmerzlos (24) Das Handwerkszeug eines Schriftstellers

Ich glaube, ich habe irgendwann schon einmal geschrieben, dass ich lange Zeit eine ganz seltsame Sicht auf mein Hobby hatte. Das Schreiben war etwas, das so nebenbei erfolgte, dass in dem Sinne eigentlich gar kein richtiges Hobby war, weil ich damit ja nichts anderes machte, als Textwüsten zu produzieren, von denen niemand etwas hatte und die ich nicht einmal selber noch las, nachdem ich sie produziert hatte. Ja, ich habe tatsächlich komplette Romanentwürfe, die ich nach der Erstfassung nie wieder gelesen habe!

Und was das Schreiben so auf gar keinen Fall machen durfte war: Geld kosten!

In meiner Vorstellungskraft gab es das nicht, dass ein Hobby, das niemandem etwas nutzt und von dem man im Prinzip auch nichts hat als jede Menge vertane Zeit, Geld kosten darf, das über die Kosten für Strom hinausgeht. Wenn ich ungeheuer verwegen war, dann habe ich mir einen Ausdruck angefertigt, der mich danach allerdings auch meistens nicht mehr sonderlich interessierte.

Zum Glück sehe ich das inzwischen alles anders! Ich weiß, dass das Hobby ein vollwertiges Hobby ist, das sich nicht hinter anderen Dingen zu verstecken braucht. Und ebenso, wie ein Maler Geld für Farbe ausgibt, oder ein Tänzer Geld für Schuhe, kann und darf auch ich Geld ausgeben.

Dennoch gab es einen Artikel, bei dem ich lange gezögert habe. Und das ist streng genommen am unverständlichsten von allem. Denn was braucht der Autor mehr als alles andere, wenn er seine Texte in den Computer bekommen will? Richtig, eine gescheite Tastatur!

Nun denn, so sah meine Tastatur bis heute Mittag aus:

tastatur_altWie ihr seht, sehr ihr auf ganz vielen Tasten nichts mehr, weil sie schlicht und ergreifend so abgegrabbelt sind, dass man bestenfalls noch erahnen kann, welcher Buchstabe sich an welcher Stelle verbirgt. Für Blindschreiber wie mich nur ein kleines Problem, aber ein deutliches Zeichen dafür, dass die Tastatur ihre besten Zeiten hinter sich hat. Und die waren noch nie besonders gut, wie man dem „Markennamen“ entnehmen kann. Wenn die Tastatur zehn Euro gekostet hat, dann war sie teuer. Ein Highlight ist aus meiner Sicht die linke Shift.Taste, wo ein richtiges Loch entstanden ist.

Und trotzdem hat diese Tastatur mindestens vier Romane entstehen lassen und alle meine Blogeinträge wurden auf ihr geschrieben. Man kann also sagen, dass sie sich mehr als dutzendfach amortisiert hat.

Dennoch war es Zeit für eine neue und nachdem ich mal freundlich bei Twitter in die Runde gefragt habe, war klar, dass ich eine mechanische Tastatur haben musste. Und so sieht das neue Schätzchen aus:

tastatur_neuEin „Cherry MX-Board 3.0“ mit blauen Mikroschaltern, die besonders gut zum Schreiben geeignet sein sollen, wenn ich den Aussagen meiner werten Mitautoren glauben kann.

Was ich absolut zu schätzen weiß ist, welches Geräusch diese Tastatur beim Tastenanschlag macht. Es klingt fast so wie bei den alten Schreibmaschinen. Ich liebe dieses Geräusch! Jeder Anschlag ist wie Musik in meinen Ohren und ich schreibe nach kürzester Eingewöhnung auch schon in genau demselben Tempo, wie ich es heute früh noch auf meinem Plastikbomber tat. Angeblich schreibt man nach einiger Übung sogar schneller, weil man genau am Geräusch erkennen kann, ob der Buchstabe nun wirklich getippt wurde, oder nicht.

Es ist wirklich seltsam, dass ich für das wichtigste Werkzeug überhaupt bis jetzt so gut wie kein Geld ausgegeben habe. Ich glaube, man kann sagen, dass diese Tastatur so teuer war wie alle meine Tastaturen der letzten zwanzig Jahre zusammengenommen.

Jetzt bin ich gespannt darauf, wie sie sich auf der Langstrecke „Roman“ macht. Mit der Kurzstrecke „Blogeintrag“ bin ich jedenfalls sehr zufrieden!

Wie sieht es bei euch aus, habt ihr auch falsche Skrupel, in sinnvolles Handwerkzeug für eure Leidenschaft zu investieren?

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29 Gedanken zu “Kurz und schmerzlos (24) Das Handwerkszeug eines Schriftstellers

  1. Sie ist da! Juhu.
    Jedes Hobby kostet irgendwie Geld, warum sollte das schreiben da anders sein. Ob du nun 20 Jahre versuchst einen Pullover zu Stricken und dein Geld für Wolle aus dem Fenster schmeißt, oder du dir eine luxustastatur für deinen Roman kaufst, dürfte da nicht so den Unterschied machen… ich hätte übrigens noch wolle abzugeben 😉

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  2. Sonja schreibt:

    Bei Tastaturen bin ich sehr pingelig. Ich habe noch keine gekauft, ohne sie zu testen. Insofern habe ich bisher auch Geld ausgegeben, sofern die Tastatur es wert war. Gut, das lag auch daran, dass ich sie eine zeitlang auch beruflich genutzt habe. Allerdings habe ich auch schon mal eine wirklich gute Tastatur gehabt, die vermutlich das billigste Modell war. Leider ging sie kaputt und dieselbe fand ich nicht mehr (*heul*). Insofern hast du meinen Zuspruch sicher, was diese Ausgabe angeht. 😉👍

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    • Tastaturen waren für mich immer so eine Art „Wegwerfprodukt“. Ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass ich ja noch in einer Ärä computertechnisch sozialisiert wurde, in der die Tastatur der eigentliche Computer war. Bei den PCs hingegen war das ja „nur“ das doofe Eingabegerät.

      Aber ich kann schon jetzt sagen, dass mir die neue Tastatur wirklich Spaß macht. Und mit einem Preis von roundabout 65 Euro ist sie nun ja auch wirklich noch keine teure Ausgabe.

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  3. Die Tastatur von meinem alten Lappy sah ungefähr genauso aus wie deine alte PC-Tastatur :D. Und dabei hatte ich den „nur“ 6 Jahre lang in Betrieb, bevor nichts mehr ging.
    Mit meiner Laptoptastatur bin ich so weit zufrieden (wüsste auch gar nicht, wie ich da eine neue einbauen könnte) und ich stelle fest, dass ich so an diese flachen Tasten gewöhnt bin, dass ich mit einer größeren (ergonomischeren) Tastatur gar nicht umgehen kann… Macht der Gewohnheit…
    Dafür habe ich mir eine recht teure Tastatur für mein Smartphone schenken lassen (bzw. darf ich das Geschenk im November auspacken), damit ich auch von unterwegs aus schnell tippen kann. Freue mich schon darauf.

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    • Mit den klassischen Laptoptastaturen komme ich gar nicht klar. Die sind mir zu schwammig vom Anschlag und ich weiß auch nie, wo ich mit dem Rest von meinen Händen hin soll, der gerade nicht im Einsatz ist.

      Für unsere Tablets haben meine Frau und ich uns eine Bluetooth-Tastatur gekauft, die ich aber wirklich nur im absoluten Notfall einsetze.

      Wie du schon sagst: Macht der Gewohnheit.

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      • Macht der Gewohnheit ist so ein Ding. Wenn man seit sieben Jahren nur mit sowas schreibt, dann passt das schon (was die Resthände tun, die nicht tippen, darauf muss ich mal achten, ich glaube, die schweben dann einfach blöd herum… ^^).
        Wobei ich das Schreibmaschinengeräusch liebe, das man bei Patchwork anmachen darf. Da kann die Tastatur noch so flüsterleise sein, ich höre, dass ich tippe :D.

        Gibt ja auch bei Bluetooth-Tastaturen verschiedene :). Meine lässt sich zusammenklappen und ist vom Gefühl her nicht so viel flacher als die vom Laptop.
        Aber wenn man große Tastaturen bevorzugt, ist so ein „Pfannkuchen“ eher unbequem… 😀

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      • Meine Resthände können nicht schweben. Die sind zu groß und klobig :-D.

        Da passt jetzt das Gefühl der neuen Tastatur ganz gut zu. Alleine schon das Gewicht: Ich kann noch so sehr auf sie einhacken, sie bewegt sich nicht einen Millimeter von der Stelle.

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      • Ich stelle ja fest, dass ich zum Schreiben zu 80% die gleichen zwei-drei Finger verwende und die Resthände kommen dann zum Einsatz, wenn ich eine Sondertaste erreichen muss. Rätsel gelöst!

        Unverrückbare Tastaturen sind aber praktisch – gibt nix Schlimmeres, als Tasten, die beim Schreiben davonhüpfen :O

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      • Mein Schreibsystem beruht auch auf einem minimalistischen Verfahren. Im Wesentlichen schreibe ich mit den Zeigefingern, der rechte Daumen bedient die Leertaste und der linke kleine Finger die Shift-Taste. Manchmal schleicht sich noch ein weiterer Finger dazu, aber das war es im Groben.

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      • Und trotzdem sind wir mit unserer Technik vermutlich schneller, als die ganzen Leutchen, die einen Schreibkurs im Zehn-Finger-Schreiben gemacht haben.
        Und das ist nicht hochmütig, sondern teilweise aus Erfahrung gesprochen. Ich kenne WIRKLICH Leute, die Kurse gemacht haben und trotzdem lahmer sind – weil wir Autoren da eben mehr Übung haben 😀

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      • Das ist wirklich so. Deswegen darf ich auf der Arbeit auch immer die Dinge erledigen, die mit viel Tipperei in kurzer Zeit verbunden sind. Dann werde ich vorübergehend zur bestbezahlten Tippse der ganzen Verwaltung *g*.

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  4. Ich bin immer noch am Suche nach der optimalen Tastatur, denn meine halten irgendwie zwischen einem Jahr und ein paar Monaten, bis der größte Teil nicht mehr lesbar beschriftet ist.

    Was bei 10 Fingerblindschreiben kein großes Problem darstellt, solange ich nicht eine bestimmte Taste suche beim Verbessern des Textes.

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    • Das ist in der Tat auch der Punkt, bei dem ich ein wenig Bedenken habe. Die Tasten als solches sollen 50 Millionen Anschläge „überleben“. Die Beschriftung? Mal sehen.

      Aber das Tastensuchen war auch der Grund, warum ich jetzt eine neue Tastatur brauchte. Die Reihe vom N zum Doppelpunkt machte keinen Spaß mehr.

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  5. Wenn ich das gewusst hätte, dass du diese Tastatur willst … Bei mir liegt die Cherry schon seit einem Jahr herum und ich benutze sie nicht. Mir ist die Taststur zu laut und erinnert mich stark vom Anschlag an die ersten Tastaturen, die ich an den alten PCs hatte. So richtig klobig zum Reinhacken. Mag ja sein, dass sie ein Leben lang hält, aber ich stehe mehr auf moderne Technik. Solar-Bluetooth von Logitech z.B. 🙂
    Du hättest meine haben können. *seufz

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    • Ich weiß nicht, ob du den Kommentarstrang mit Evanesca gelesen hast. Da geht es darum, dass wir beide unsere ganz eigene Tipptechnik haben. Diese Technik hat bei mir dafür gesorgt, dass ich mit den Ergotastaturen gar nicht zurande komme. Ich treffe kaum eine Taste richtig und bin nur am Korrigieren. Und aus meiner Sicht kann es nicht ergonomisch sein, wenn ich für einen Text doppelt so lange tippen muss, wie ich es im Normalfall tun würde.

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      • Das ist reine Gewöhnungssache. Ich hab auch die ersten Wochen ständig korrigiert, aber danach war ich schneller und was viel wichtiger ist, ich hab keine Schmerzen mehr in den Handgelenken wenn ich mal nen ganzen Tag nur am Tippen bin.

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      • Von Schmerzen bin ich bis jetzt zum Glück verschont geblieben :-). Vielleicht würde ich es ansonsten anders sehen, aber bei mir fängt es schon damit an, dass mich die Handauflagen stören, die die meisten dieser Tastaturen besitzen. Es ist einfach ein (für mich) sehr unbequemes Schreiben. Und ja, ich gebe zu, ich bin bei so etwas extrem ungeduldig :-).

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