Der Beobachter, der Turm und der Rasenmäher

Wie ihr wisst, habe ich mich in der vergangenen Woche sehr intensiv mit meinem Manuskript beschäftigt. Ich habe ja sehr hilfreiche Hinweise und Vorschläge von meinen Testlesern erhalten. Und ein Hinweis, der immer wieder geäußert wurde, war, dass ich doch an der einen oder anderen Stelle bitte noch ein wenig oder ein wenig mehr kürzen solle.

Dazu muss ich sagen, dass ich nie ein besonders guter Kürzer war. Ich war mehr der Typ des vor sich hin schwadronierenden Autors, der seinen Personen gerne ausschweifende Gedankengänge mit auf den Weg gibt und jede Szene bis in die letzte Ecke ausleuchtet.

Aber ich habe in diesem Jahr viel dazu gelernt.

Am meisten hat mir die Arbeit an den verschiedenen Anthologiegeschichten gebracht, die ich geschrieben habe. Wenn die Voraussetzung für die Teilnahme lautete, dass der Text nur zehntausend Zeichen haben darf, ich aber fünfzehntausend geschrieben hatte, dann musste ich mich von einem Drittel meines Textes trennen.

Und dann ging es mir wie in dem Schlager besungen: »Beim ersten Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr und heut‘ weiß ich daran stirbt man nicht mehr.«

Also habe ich den imaginären Rasenmäher wieder hervorgeholt, der mir neulich ja schon so gute Dienste geleistet hatte, und bin damit auf meinen „Beobachter“ losgegangen. Das Ergebnis, das nun vorliegt, überrascht mich selbst ein wenig.

Das Manuskript, das seinerzeit an die Testleser herausging, umfasste 132.484 Wörter. In Normseiten umgerechnet waren das, laut Papyrus, ca. 541.

Nachdem ich gestern Abend den Rasenmäher wieder in den Schuppen zurückgerollt hatte und mir mein Werk so besah, schaute ich nur noch auf 103.398 Wörter oder umgerechnet 432 Normseiten.

Innerhalb einer Woche und eines einzigen Bearbeitungsvorgangs habe ich meinen Text also um 109 Normseiten bzw. 29.086 Wörter entschlackt.

Und ja, ich meine wirklich entschlackt, denn es ist kein einziges Wort weggefallen, von dem ich glaube, dass es wirklich wichtig für die Handlung gewesen ist. Im Gegenteil, an der einen oder anderen Stelle hätte ich gerne noch weiter gekürzt, möchte das jetzt aber erst noch einmal genauer mit den Anmerkungen der Testleser abgleichen.

Meine Überarbeitung ist noch nicht zu Ende. Leider immer noch nicht zu Ende, kann ich wohl sagen. Aber ich habe einen großen Brocken geschafft und festgestellt – das ist das Wichtigste! – dass mir „Der Beobachter und der Turm“ als Roman immer noch Spaß macht.

Jetzt geht es ans Feintuning, bevor der Roman dann endlich, endlich ins Lektorat wandern kann. Aber ich bin nicht so größenwahnsinnig, da einen konkreten Termin für zu nennen. Im Moment überarbeite ich mir sprichwörtlich die Seele aus dem Leib und ich weiß, dass ich das nicht ewig durchhalten kann. Da muss ich realistisch sein.

Ich halte euch weiter auf dem Laufenden.

26 Gedanken zu “Der Beobachter, der Turm und der Rasenmäher

  1. Gratulation. Kürzen und Überarbeiten ist – tatsächlich wie das Rasenmähen – eine richtige, aber auch wunderschöne Arbeit. Ich habe für mich – weil Rasenmäher laut sind und stinken 🙂 – immer das Bild der Sense im Kopf. Wie auf einer Alm im Gebirge stehe ich auf meiner Wiese und schnippele das Unkraut weg (sorry, Unkraut, nichts gegen dich!). Man muss nur aufpassen, dass man nicht zuviel und zulange überarbeitet – sonst ist irgendwann alles platt gemäht. Bei Romanen mache ich drei Durchgänge, nach nem Lektorat den vierten und mit den Druckfahnen dann einen fünften. Das reicht aber dann auch …
    Wünsche jedenfalls weiter viel Durchhaltekraft und Erfolg!

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    • Richtig, wenn man zu viel wegnimmt, dann sieht das, was übrig bleibt, nur noch struppig aus. Deswegen habe ich auch stark abgewogen, was ich denn nun wirklich will: Maximal eingehaltene Schnittkante oder den einen oder anderen keck hervorstechenden Grashalm. Ich habe mich für den Grashalm entschieden.

      Ansonsten lerne ich anhand dieses Manuskripts ja erst, wie ich möglichst effizient überarbeiten kann. Wenn ich mich an ein anderes setze, dann wird das, so hoffe ich, schon etwas stringenter laufen.

      Danke dir jedenfalls für die guten Wünsche!

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    • Nun, der „Beobachter“ hat 13 Kapitel, von denen natürlich nicht alle gleich lang und nicht gleich stark zu überarbeiten waren. Aber ich denke, ich lüge nicht, wenn ich pro Kapitel im Durchschnitt eine reine Bearbeitungszeit von 2 Stunden veranschlage. Dazu kommt dann noch die Zeit, die ich darauf verwandt habe, schon mal Szenen, von denen ich wusste, dass sie haken, teils umzuschreiben. Alleine am Prolog habe ich auf diese Weise bestimmt noch einmal zwei bis drei Stunden gesessen.

      Alles zusammengenommen ist es wirklich schwer zu schätzen, weil immer wieder Kleinkram dazu kommt. Teils doppeltes und dreifaches Lesen einzelner Passagen, damit man nicht den Eindruck bekommt, dass da mit der groben Kelle was rausgerissen wurde.

      Ich sag ja: Ich hab viel gelernt dabei. Aber streng genommen brauche ich nach diesem Urlaub eigentlich dringend Urlaub …

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  2. Hanna Mandrello schreibt:

    Ich gratuliere dir! Da gehen aber noch ein paar Seiten ;-). Füll frisches Benzin in den Mäher und ab geht’s! 🙂 Geht doch nichts über einen gepflegten Golfrasen.

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  3. Wow, das ist ne Leistung! 👍 Und Obacht bei den Blümchen! Man kann schon mal ein Gänseblümchen stehen lassen, aber das sind Herdenpflanzen! Also viel Erfolg weiterhin beim Mähen! (ich hätt da übrigens auch noch ein Stück Rasen, falls…)

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  4. Wow, das ist ja super toll! 109 Normseiten, das ist sooo viel! Und dann auch wirklich nur das weg, wovon du glaubst, dass es weg sollte. Hach ~ Ich freu mich schon so darauf, dieses Werk irgendwann in den Händen halten zu können 🙂

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