Halloweenwochen: Clive Barker „Die Bücher des Blutes“

Auf dem Blog Bücher verschlingen läuft im Oktober eine Aktion mit dem Titel „Halloweenwochen“. Im Rahmen dieser Aktion stellen andere Blogger ebenso wie die Blogbetreiberin alle möglichen und unmöglichen Dinge vor, die passend zu diesem gruseligsten aller Monate eines Jahres sind. Und da meine eigene kleine Gruselgeschichte noch nicht ganz fertig ist, vertreibe ich mir und euch die Zeit mit einer kleinen Besprechung zu den „Büchern des Blutes“ von Clive Barker.

clivebarkerblutBlutbücher. Das sind Bücher, welche die Toten schreiben. Sie schreiben sie auf den Körpern der Lebenden. Es hat sie zu allen Zeiten gegeben. Und in ihnen erzählen sie ihre Geschichten, die Geschichten ihrer Leiden und ihrer Qualen. Die Geschichte ihres Wahns und ihrer Angst. Die morbiden Erzählungen ihres Untergangs.

Clive Barker hat mit den sechs Büchern des Blutes Mitte der achtziger Jahre eine Kurzgeschichtensammlung vorgelegt, die in ihrer litrerarischen Breite und in ihrer Konsequenz bis heute ihresgleichen sucht.

Barker schaffte es mit diesen Texten seinerzeit, sich praktisch aus dem Stand einen Platz im Pantheon der großen Horrorschriftsteller zu verschaffen. Oftmals wurde sein Werk seitdem mit dem von Autoren wie Edgar Allan Poe, H.P. Lovecraft und natürlich Stephen King verglichen.

Doch worum geht es nun konkret in den Büchern des Blutes? Es sind Geschichten, die Angst verursachen, Unbehagen, an manchen Stellen auch wirklichen Ekel. Wenn man zum Beispiel morgens, auf dem Weg zur Arbeit, die Geschichte vom Mitternachtsfleischzug liest, in dem ein Schlächter seine Opfer ausnimmt und einen ganzen U-Bahn-Zug in ein Schlachthaus verwandelt, um damit altvordere Wesen gütig zu stimmen, so kann einem das auf nüchternem Magen schon einmal den Appetit aufs Frühstück verderben.

Oder nehmen wir die Eingangserzählung, die praktisch den Rahmen für die Kurzgeschichten bildet. In einem Spukhaus sitzt ein junger Mann in einem verfallenen Dachgeschosszimmer und begeht einen großen Betrug. Er macht sich den Glauben einer Wissenschaftlerin an das Übernatürliche zu nutze, indem er die Wände mit vorgeblichen Botschaften aus dem Geisterreich verziert, dazu tobt und wütet, als ob er wirklich von Dämonen besessen wäre.

Doch die Welt der Geister lässt sich dieses Spiel nicht gefallen. Die schmale Trennlinie zwischen unserer Realität und der jenseitigen bricht auf und die Toten rächen sich auf grausame Weise an dem Jungen, indem sie auf seinem Körper in kleiner und kleinster Schrift, in sein gepeinigtes Fleisch hinein, ihre Geschichten schreiben. Der junge Mann überlebt diese Tortur, um fortan von der Wissenschaftlerin „gelesen“ zu werden. Sie ist es, welche die Geschichten erzählt und aufschreibt.

Barker schafft damit einen Rahmen für seine Kurzgeschichten, die die Gesamtheit auf eine andere Ebene setzen. Mit diesem Einstieg bindet er den Leser in seine Welt ein, bereitet ihn vor auf die Unterschiedlichkeit der folgenden Texte.

Und in der Tat beherrscht er die komplette Bandbreite des Horrors, von eher lustigen Werken wie „Das Geyatter und Jack“ bis hin zu Brachialhorror wie „Rohkopf Rex“. Diese Bandbreite ist es gewesen, die keinen geringeren als Stephen King seinerzeit feststellen ließ: »Ich habe die Zukunft des Horrors gesehen, ihr Name ist Clive Barker.«

Die Kurzgeschichten liegen in zwei Ausgaben aufgeteilt im Nikol-Verlag vor und sind eine absolute Empfehlung für jeden, der auch nur ein wenig Freude am Genre hat. Für Barker waren sie der Start in eine große Karriere, die bald darauf mit dem Film „Hellraiser“ einen ersten großen Höhepunkt finden sollte. Aber auch jenseits dieses Films sind einige von Barkers Stoffen verfilmt worden.

Clive Barker ist ein Autor, der meines Erachtens jenseits von Stephen King oder Dean Koontz nie so wirklich die Aufmerksamkeit als Schriftsteller erhalten hat, die ihm gebührt. Und deswegen ist es vielleicht eine gute Idee, ihn gerade jetzt, im gruseligsten aller Monate eines Jahres, neu zu entdecken.

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15 Gedanken zu “Halloweenwochen: Clive Barker „Die Bücher des Blutes“

  1. Clive Barker lernte ich über die damals großartige Videospiel-Versoftung „Undying“ kennen, wurde neugierig und holte mir daraufhin den ersten Blutgeschichtenband. Bin aber nie durchgekommen, da mich die Storys nie ganz gepackt haben. Vielleicht sollte ich mal ne neue Chance geben, mal schauen. Jedenfalls danke für die Erinnerung!

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