Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse

In Frankfurt ist gestern die diesjährige Buchmesse zu Ende gegangen und wie ihr wisst, habe ich nicht daran teilgenommen. Ich habe in vergangenen Beiträgen an dieser Stelle schon einen kleinen Einblick darauf gegeben, wieso ich nicht dort gewesen bin. Also weiß ich nicht, inwiefern es euch interessiert, das noch einmal zu lesen. Es kann sein, dass ich mich wiederhole und Wiederholungen sind meistens langweilig. In diesem Fall danke ich euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch schon jetzt viel Spaß mit dem Beitrag von morgen.

Ihr seid noch da? Das ist lieb von euch! Dann will ich die Gelegenheit nutzen, über meine Gefühle der Buchmesse gegenüber zu schreiben.

Ich bin ein Mensch, der ziemliche Probleme mit Großveranstaltungen hat. Zu manchen Messen bin ich zwar schon gegangen, aber das war dann meistens mehr in Begleitung meiner Frau und weniger, weil ich ein großes Eigeninteresse gehabt habe. Der Grund dafür ist einfach, dass mir die Menschenmassen Angst machen. Ich werde furchtbar nervös, wenn ich mich in einer Halle mit jeder Menge anderen Menschen dränge.

Früher hatte ich da noch keine Probleme mit. Ich erinnere mich an so manche Cebit in den 90ern, als die Veranstaltung noch cool und spaßig war. Das hat mir gar nichts ausgemacht.

Aber auf einer Buchmesse würde ich mich, fürchte ich, doch ziemlich verloren fühlen.

Das hat einfach damit zu tun, dass mich das Thema Bücher, Verlage, Selfpublishing, etc. in Bezug auf meine Beteiligung daran immer noch ungemein nervös macht. Ich tue zwar angelegentlich so, als ob ich anfange, diese Dinge in den Griff zu bekommen, aber das ist nicht ganz die ungeschminkte Wahrheit. Deswegen kann ich mir nur schwer vorstellen, das zu tun, wofür solche Messen halt da sind:

  • Besuch von Fachvorträgen, wo jeder weiß, dass du ein Autor bist
  • Gespräche mit Verlagsmitarbeitern, falls es sich ergibt
  • Treffen mit anderen Menschen, die man sonst nur aus dem Internet kennt
  • Womöglich auch noch aktives Herzeigen von einem (dann hoffentlich endlich mal veröffentlichten) Buch

Ich habe die Berichterstattung vieler Bloggerinnen und Blogger von der Frankfurter Buchmesse ebenso wenig intensiv begleitet, wie ich mich auf Twitter herumgetrieben habe. Den Grund dafür hatte ich schon einmal genannt: Ebenso, wie mir die Vorstellung, mittendrin statt nur dabei zu sein Angst bereitet, löst sie doch eine gewisse Form von Sehnsucht aus. Sehnsucht der Sorte, die nicht mal eben weggeht. Das ist eigentlich ja durchaus ein gutes Zeichen und Signal meines Körpers an mich, der mir mitteilen will, dass ich für die Dinge, die da in Frankfurt und im Frühjahr in Leipzig passieren, brenne. Dass ich da keine Liebhaberei habe, sondern ein wirkliches Interesse – und das bei Weitem nicht nur unter dem Aspekt einer möglichen „Karriere“ als Schriftsteller.

Was mir fehlen würde, wäre eine Art Guide. Jemand, der mich ans Patschhändchen nimmt und sagt: Mache dir keine Sorgen, ich passe auf dich auf. Denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das in diesem Setting für mich selber erreichen könnte. Zumal ich jetzt nicht der Mensch bin, der freudestrahlend auf andere zugeht, sich vorstellt und dann ganz zwanglos losplaudert.

Aber so sehr ich mich auch bemüht habe, ich konnte die Buchmesse selbstverständlich nicht ignorieren. Und jetzt, wo die ganzen Nachlesen und Fazits kommen, wird es noch einmal doppelt so schwer. Die letzten Tage waren schon nicht einfach, wo ich mich gefragt habe, ob ich nicht einfach einen Knall habe, dass ich nicht zur Messe gefahren bin.

Und diese Frage ist es auch, die mich jetzt bereits über das kommende Jahr nachdenken lässt. Soll ich es einfach wagen? Was habe ich zu verlieren? Eigentlich nichts, denn die Messe wäre für mich auch abseits jeglicher anderer Dinge als Besucher schon superspannend. Also stünden auch Ausgaben für Anreise und Hotel nicht auf der Verlustseite. Meine Frau hat mir auch schon gesagt, ich solle mir für nächstes Jahr doch einfach einen Aufenthalt organisieren.

Die Leipziger Buchmesse findet vom 23. bis 26. März statt. Und Frankfurt ist, welch Wunder, in etwa einem Jahr wieder, genauer gesagt vom 11. bis 15. Oktober. Dann kommt die Frage danach, welche Messe man besucht, was man eigentlich will, usw. usf.

Aber vorher muss ich, glaube ich, Mut schöpfen. Wie macht man das, Mut schöpfen?

Oder ich springe einfach ins kalte Wasser. Auf die Gefahr, vor lauter Kälte einen Herzschlag zu erleiden.

Ich weiß es noch nicht. Ehrlich nicht. Aber ich weiß, dass nach der Buchmesse vor der Buchmesse ist. Und dass für mich genau jetzt die Überlegungen anfangen müssen, ob ich 2017 mit dabei sein möchte.

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35 Gedanken zu “Nach der Buchmesse ist vor der Buchmesse

  1. Hallo Michael,
    ich kann deine Bedenken gut nachvollziehen, weil ich im 1st life auch niemand bin, der gut auf andere zugehen kann. Und in einem hast du vollkommen recht: Die FBM ist riesig und unüberschaubar.
    Trotzdem fand ich es dieses Jahr extrem leicht, Kontakte zu knüpfen, weil es Menschen gab, die ich schon kannte – wenn auch „nur“ aus dem Internet. Und deshalb von mir das Angebot: Wenn du magst, können wir uns nächstes Jahr gerne verabreden. Ich werde so oder so dort sein.
    Liebe Grüße
    Nike

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  2. Als typischer introvertierter Autor überwand ich mich, fuhr hin, hatte jemanden, der mich am Patschehändchen nahm und überall vorstellte, lernte nette Leute kennen und hab’s nicht bereut. War interessant, anstrengend, informativ und inspirierend. Weniger die Messe sondern die Gespräche mit Leuten, die im gleichen Boot sitzen.
    Die wichtigste Erkenntnis: Auch die Profis kochen nur mit Wasser, jeder hat mal klein angefangen und die Menschen sind live noch viel netter als auf Twitter.
    Falls wir beide nächstes Jahr dort sind, kannst du dich an meinem Patschehändchen festhalten, ich halt mich an meinem Guide fest, und wir bilden eine Kette der Sozialphobiker 😛

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  3. Nachdem mich die Leipziger Buchmesse vor fünf Jahren nachhaltig traumatisiert und erschlagen hat, war ich dieses Jahr das zweite Mal in Folge auf dem BuCon. Das ist fast ein bisschen wie ein Familientreffen, es gab – im Vergleich zur FBM – „nur“ 700 Besucher über den Tag verteilt und man hat viel Zeit zum Quasseln und auch mal, um sich vom Trubel auszuruhen und ein paar Minuten Ruhe zu tanken.

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    • Traumatisiert – ja, da wäre ich auch ein Kandidat für.

      Der BuCon ist aber doch generell mehr auf das Phantastische fokussiert, oder habe ich da ein falsches Bild? Da wäre ich dann ja nur so halb gut aufgehoben.

      700 Besucher sind im Vergleich natürlich so gut wie gar nix.

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      • Mehr auf das Phantastische stimmt schon. Wobei da die Bandbreite ja extrem hoch ist.
        Science Fiction (mit und ohne Weltraum), alles, was irgendwie in die Ecke Mystery, Steampunk, Fantasy (alle Spielarten) gehört, ist also nicht SO eng, wie es scheint.
        Aber ja, ich fühle mich dort natürlich perfekt aufgehoben, weiß aber natürlich nicht, was du an realistischen Großprojekten hast.

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      • Na ja, was heißt Großprojekte. Aber gerade im Moment liegt ja ein realistischer Thriller von mir bei einem Verlag zur Begutachtung, während mein SP-Projekt durchaus auf den Con passen würde.

        Vielleicht muss ich auch erst einmal die Erfahrung des großen Trubels machen, um den kleinen schätzen zu lernen.

        Aber ist ja beides noch Zukunftsmusik. Wobei ich mich, falls es (auch?) Leipzig sein soll, ja fast schon um ein Hotelzimmer bemühen muss …

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      • Für den Thriller drücke ich die Daumen!

        Ich war ja bisher nur als Besucherin da und es war auch dieses Jahr wieder schön, lehrreich und gemütlich.
        Und durchaus möglich, dass du erst das große Gedränge kennenlernen musst, um das Gruppenkuscheln im BuCon zu schätzen :D.

        Und jaaa, ich kenne Autoren, die haben tatsächlich schon für Leipzig reserviert.

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      • Gruppenkuscheln ist ja fast noch beängstigender als Menschenmassen 🤔.

        Wenn Leipzig eine Option wäre, müsste man das auch frühzeitig tun. Selbst die „Absteigen“ rufen jetzt schon recht exquisite Preise für die Übernachtung auf.

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  4. Ich würde dir auch zuallererst die Leipziger Messe empfehlen, da ist viel weniger los, du würdest also nicht von Menschenmassen erschlagen. Mit dem Buchen eines Zimmers hast du Recht, das muss ich auch noch tun, wenn nur endlich alle anderen Termine feststünden …
    Grundsätzlich kann ich dir nur anbieten, sofern ich dort sein werde und du dich für ein paar Minuten aus deiner Sozialphobikerkette lösten könntest, zumindest zwischendurch ein Patschhändchen anzubieten (das wäre dann mehr für die SP-Ecke). Aber meine Planung steht noch nicht ganz.

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    • Danke, Margaux, für das freundliche Angebot!

      Ich habe mich jetzt gedanklich mit dem Thema noch einmal auseinandergesetzt und glaube, ich werde mir Leipzig mal anschauen. Wie sind denn deine Erfahrungen so in Bezug auf die Zeit, die man einplanen sollte? Ich bin mir noch nicht so sicher, ob ich mit einer Übernachtung hinkomme, oder ob ich wegen der längeren Anfahrt zwei brauche. Zwei Übernachtungen würden mir auf jeden Fall einen kompletten Messetag (zum Beispiel den Samstag) ermöglichen.

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      • Sorry, da ist mir deine Frage doch glatt durchgegangen. Ich war ein wenig beschäftigt …
        Grundsätzlich genügt ein Tag, allerdings kommt es drauf an, was man tun will. Möchtest du nur einen Überblick gewinnen, einfach mal alles anschauen? Dafür reicht ein Tag.
        Oder planst du konkrete Treffen (mit anderen Autoren, Bloggern, evtl. Verlegern)? Dann schaffst du das unmöglich an einem Tag, weil du ja schlecht zu jedem einzelnen sagen kannst, dass du nach 10 Minuten weiter musst, um den anderen nicht zu vergrämen.
        Und denk daran, dass auch bei einer Messe wie Leipzig so viel auf dich einströmt, dass du dich nach einigen Stunden kaputt fühlst.

        Es gibt auch immer Programm, d.h. es werden Vorträge gehalten (z.B. zu SP), es gibt Lesungen und man läuft ein paar Meter zwischen den Hallen hin und her (und sucht …), dann muss man auch mal kurz sitzen und was essen.

        Wenn es dir nicht zu teuer wird, könntest du z.B. bis zum Mittag anreisen, dann den Nachmittag auf der Messe verbringen, dir am Abend Leipzig anschauen, am zweiten Tag morgens hingehen und danach nach Hause fahren (mal so als Vorschlag).

        Und dann kann es sein, dass man eine Autorin an ihrem Stand trifft, die ganz dringend mal muss und schon lange auf jemanden wartet, dem sie den Stand für fünf Minuten anvertrauen kann …

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      • Wie, du warst beschäftigt!? 😉

        Danke für die ausführlichen Tipps! Ich hatte mir das schon so ungefähr gedacht, auch wenn ich heute natürlich noch keine Idee habe, was ich mir an Vorträgen, Lesungen usw. anschauen will. Aber ich möchte mir diese Option selbstverständlich offen halten! Und vielleicht ergeben sich ja auch Treffen, was ich heute auch noch nicht weiß.

        Bis jetzt ist das ganze ja ein Gedankenspiel, noch nicht mehr. Aber eines, das sich quasi täglich konkretisiert.

        Deswegen schwanke ich aktuell mehr zwischen einer Übernachtung und zwei Übernachtungen. Zwei Übernachtungen hätten halt den Vorteil, dass ich (wahrscheinlich) den Samstag komplett mitnehmen könnte. Zumal die Anreise aus Duisburg mit der Deutschen Bahn etwas suboptimal ist.

        Ist natürlich alles auch eine Kostenfrage, ganz klar. Aber wenn meine Frau das ernst gemeint hat, dass ich auch den Wagen nehmen kann, dann bin ich ja nicht auf Leipzig als Übernachtungsort festgelegt. Wenn man sich die Hotelpreise ansieht, so sinken die im Schnitt alle 10 Kilometer Entfernung.

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  5. In Leipzig kommt es immer auf den Tag drauf an, aber insgesamt finde ich, dass das Gelände groß genug ist, um das Ganze nicht in zu großes Gedränge zu verwandeln. Nur die S-Bahn dorthin ist immer rappelvoll 😉 Man kann ja auch mit dem Auto anreisen…
    Mein Patschehändchenangebot steht wie gesagt, wenn du rechtzeitig Bescheid sagst. Bin ja immer bissi 😉
    Aber dann haste deine ganz private Pressetussi dabei, wenn das nicht einen Touch von VIP gibt 😉

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    • Oh ja, vom nervösen Messenoob zum VIP nur ein Patschehändchen später. Würde zu mir passen ;-).

      Ich hatte Margaux schon in den Kommentaren gefragt, aber vielleicht kannst du mir da auch was zu sagen: Wie viel Zeit sollte man sich für die Messe einplanen? Ich habe absolut keine Ahnung, ob ein Tag reicht, wenn man nicht nur flüchtig drüberhuschen will. Wäre ja nicht ganz unwichtig für die Hotelplanung.

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