NaNo Tag 4: Kleine Motivationsprobleme stellen sich ein

In den vergangenen drei Tagen war ich im Prinzip ständig mit den Gedanken bei meinem Romanmanuskript. Ja, auch während der Arbeitszeit, wobei mich das ja nicht am Arbeiten hindert. Jedenfalls nicht spürbar, was ich für die Hauptsache halte.

Heute allerdings habe ich das erste Mal einen kleinen Hänger. Ich denke an die Geschichte und habe das Gefühl, dass sie mich selbst nicht wirklich reizt. Das ist jetzt kein besonderes Alarmsignal, denn man kann ja nicht erwarten, dass man von einer Woge der Euphorie durch den gesamten NaNo getragen wird.

Außerdem habe ich in den letzten drei Tagen schon über 9.000 Wörter geschrieben, so dass mir selbst ein Tag, an dem ich kein einziges Wort hinzufüge, nicht wirklich weh täte.

Woran liegt es nun aber, dass ich mich so fühle?

Ich denke, ich kenne den Grund und würde es als ein strukturelles Problem, entstanden aus der ursprünglichen Kurzgeschichte, die der Roman ja mal werden sollte, ansehen.

„Der Goldene Tod“ umfasst bis jetzt die Anreise des Geisterjägers Samuel Liebenthal auf die Burg des Grafen von Oberstforst. Daneben habe ich aber, um meinen Protagonisten als Person genauer zu etablieren, die eine oder andere Rückansicht auf seine Anfänge im Geschäft eingebaut.

Rückblenden sind in Romanen immer etwas problematisch, aber da es sich in diesem Fall ja nicht um einen Suspense-Roman handeln wird, jedenfalls nicht in Bezug auf seine Hauptperson, ist es meines Erachtens nicht notwendig, erst langsam und allmählich die Dinge zu benennen, die Samuel in seiner Rolle ausmachen. Im Gegenteil finde ich es spannender, schnell zu zeigen, wie er in die Situation gekommen ist, in der er nun steckt.

Für mich als Discovery Autor hat das nur den Nachteil, dass ich das ja schon alles weiß. Es fordert mich nicht großartig, es aufzuschreiben. Und daran merke ich wieder einmal, dass es für mich nicht der richtige Weg wäre, alles minutiös vorzuplotten. Ich würde meines eigenen Texts überdrüssig werden.

Also warten wir mal ab, ob und wann und in welcher Form mich die Muse heute noch küssen wird. Die erste Begegnung zwischen Samuel und dem Grafen steht an. Und ich habe gestern einen Mann in einem Restaurant gesehen, der mir eine nette Schablone für den Grafen abzugeben schien. Leider konnte ich kein Foto von ihm machen ;-).

Ich halte euch auf dem Laufenden und wünsche jetzt erst einmal einen angenehmen Freitag!

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19 Gedanken zu “NaNo Tag 4: Kleine Motivationsprobleme stellen sich ein

  1. Du hast ja so Recht. Detaillierte Pläne sind ermüdend, wenn man ihnen folgen muss. Deshalb habe ich mir bei der „Planung“ meiner NaNo-Geschichte auch nur den äußersten Rahmen gesteckt. Mit mehr käme ich (im Moment) nicht zurecht. Ich muss beim Schreiben entdecken können, wie sich um mich herum eine Welt manifestiert. Protagonist bezieht Hütte im Wald – das kann soooo viele Entdeckungen aufwerfen. Wie ist die Hütte, wie kommt er an die Hütte, wie fühlt er sich, was tut er dort… All das muss für mich vorher ein schwarzes Loch sein und sich organisch ergeben. Wie Stephen King so schön sagt – er ist selbst der erste Leser seiner Geschichte.

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    • Ich habe im Moment den Anfang, das (voraussichtliche) Ende und einige Szenen dazwischen im Kopf. Das langt mir eigentlich. Bei konsequenterer Planung muss ich mich, im Gegensatz zu dem, was Andere berichten, regelmäßig selbst in den Hintern treten, um weiter zu schreiben.

      Aber ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, zumindest irgendwann noch mal eine vernünftige Outline oder so hinzubekommen. Wenn auch nicht für dieses Projekt.

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  2. In einem an deren Forum gibt es eine tägliche Challenge, für die man sich eintragen kann und die dir Situationen vorgibt, die du in deinen Roman einbauen sollst. Nur wenn du alle dreißig Challenges hast, gibt es einen Preis.
    Würde es dir helfen, dir jeden Tag irgendeinen Prompt vorzunehmen und den dann UNBEDINGT einzubauen? Dadurch hast du für dich auch immer etwas Unvorhergesehenes 🙂

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    • Das Prinzip verstehe ich offen gestanden nicht. Wie kommt denn dabei noch ein Roman heraus, der auch wirklich „meiner“ ist? Es geht ja nicht darum, dass ich irgendwas schreiben will, sondern schon meine Geschichte.

      Als Spielidee finde ich das lustig. Aber eher weniger um einen Roman zu schreiben.

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      • Naja, es sind sehr allgemeine Prompts. Der von heute (oder von gestern?) beispielsweise ist „etwas dauert länger, als erwartet“.
        Irgendeine Situation, in der sich etwas hinzieht, wird sich schon ergeben. Auch ohne, dass du dadurch deinen Plot umwerfen musst.
        Und wenn es z.B. der Diener des Grafen ist, der deinen Protagonist länger auf seinen Herrn warten lässt.

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      • Das hat trotzdem was von Monopoly-Ereigniskarten. Muss nicht schlecht sein, aber für mich wäre es halt nichts. Wobei es ja ursprünglich genau darum geht, dass gar kein Plot vorhanden ist, den ich umstoßen könnte ;-).

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      • Mir macht das wirklich Spaß. Ich kriege die Prompts meist am Abend vorher und tagsüber kann ich mir dann überlegen, was ich den Tag über schreiben wollte und ob ich das irgendwie einbauen kann.
        Und ich bin so verpflichtet, auf alle Fälle täglich zu schreiben, sonst schaffe ich alle dreißig nicht :D.
        Naja, aber wenn du schon mal unfreiwillig einen Plot hast und dich das demotiviert…
        Es muss nicht zwingend DIESE Lösung sein, aber irgendwas, das dich dazu zwingt, was einzubauen, womit du nicht gerechnet hast. Damit du wieder mehr Spaß hast.
        Weißt du, was ich meine?

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      • Ich weiß absolut, was du meinst :-).

        Und spätestens, wenn ich durch diese Phase im Buch bin, wo ich die grundlegenden Konstellationen etabliere und die Figuren sozusagen in Stellung gebracht habe, wird es auch wieder einiges zu entdecken geben. Die Erfahrung zeigt, dass es dann voran geht.

        Wenn es dir natürlich hilft, die dreißig Tage voll zu kriegen, umso besser! Mir reicht dafür mein schlechtes Gewissen 😭😅.

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      • *g*
        Ich habe ja gerade selbst so eine Stelle, die ich „nur“ schreiben müsste, weil der Ablauf als solcher weitestgehend steht. Mir wurde erst, als ich dir schrieb, bewusst, dass es genau das ist, was auch mich gerade blockiert.
        Bei mir ist es allerdings nicht mein Plot, sondern eben, dass römische Hochzeiten bei Patriziern nun mal nach Schema F ablaufen.
        Und da helfen mir die ganzen Challenges sehr, inmitten dieses vorgefertigten Ablaufs noch was Eigenes einzubringen, das mir den Spaß nicht vermiest.
        Und: Du schaffst das schon!

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      • Dankeschön für deinen Glauben an mich! 🙂

        Und tatsächlich habe ich den gordischen Knoten dann auch durchschlagen können und habe mein Tagessoll erreicht.

        Das mit dem Schema F kann ich mir vorstellen. Die Kunst ist dann, das so zu schreiben, dass es für den Leser spannend wird, der das mit dem Schema nicht kennt. Für mich zum Beispiel ;-).

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      • Nein, ich ärgere mich mit mangelhaften Internetquellen herum und beäuge meine Amazonwunschliste mit Sachbüchern und weine beim Anblick der Preise ein bisschen… Aber nützt nichts. Ich muss das Zeug besitzen und Post-Its drin anbringen können. Leihen reicht nicht.

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  3. Lieber Michael, eine Bitte habe ich an dich und alle Schreiberlinge: Fotografiert bitte keine Privatpersonen, auch wenn ihr es könntet.

    Bilder von irgendwelchen, euch fremden Menschen, haben auf eurem Mobile nichts zu suchen. Ich finde, das ist eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte.

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    • Liebe Stella,

      da gebe ich dir vollkommen recht und ich würde es auch nicht tun. Dennoch ist der gute Herr jetzt in meiner Geschichte gelandet – ohne es jemals erfahren zu werden und ohne sichtbare Spuren dafür zu hinterlassen.

      Mich inspirieren Menschen, die ich sehe. Mal zu Geschichten, mal zu Figuren.

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