Meldung und Meinung: eBook-Marketing – In der Ramschspirale immer weiter abwärts?

Bei Nike Leonhard bin ich auf einen interessanten Artikel gestoßen, der das Problem der Preisgestaltung für eBooks, beziehungsweise auch die Verramschmentalität mancher Akteure aufgreift.

Ich habe mir über das Thema „Verschenkaktionen“ auch schon verschiedentlich Gedanken gemacht. Bei Amazon gibt es mehrere Themenstränge in den Foren, in denen akribisch Romane zusammengesucht und gepostet werden, die von den jeweiligen Autoren für einen gewissen Zeitraum kostenlos verfügbar gemacht wurden. Als Leser nutze ich das natürlich recht gerne, wie ich gestehen muss, weil ich so die Chance habe, mich wie in einer gut befüllten Bibliothek aus tausenden von Romanen zu bedienen.

Nun gehöre ich sicherlich zu der absoluten Minderheit von Menschen, die im Nachgang Romane, die ihnen gut gefallen haben, auch noch einmal käuflich erwerben (was gar nicht so einfach ist, weil für das Amazon-System der Artikel ja bereits einmal „gekauft“ worden ist).

Für mich als Autor jedoch stellt sich ganz klar die Frage, ob der kolportierte Vorteil aus diesen Aktionen, der da lautet Erhöhung der Sichtbarkeit und Streuung der Aufmerksamkeit, bei einem Durchsatz von bis zu 100 Romanen am Tag (!) in dieser Weise gegeben ist.

Bei Rabattaktionen kann ich mir vorstellen, dass sie, gerade für Neulinge am Markt wie mich, etwas bringen können. Dazu muss man dann aber auch schnell Nachschub liefern, damit der einmal angefixte Leser bald nach dem rabattierten Buch ein weiteres kaufen kann, diesmal dann zum Vollpreis. Ansonsten geht der Autorenname wieder im Weißen Rauschen der elektronischen Blätter unter. Ich suche zum Beispiel schon seit Monaten nach dem Autor oder dem Titel eines Romans, mit dem ich wahnsinnig viel Spaß gehabt habe, der mir aber zum Verrecken (pardon) nicht mehr einfällt.

Und wenn mir, als jemand, der einen anderen Blick auf dieses Business hat als Otto-Normal-Leser, das schon ergeht, soll ich mich dann über irgendwas wundern?

Ich tue mich schwer damit, ein Fazit daraus zu ziehen. Im Moment bewegt sich der Markt, gefühlt, mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Und es ist als Autor schwer, den Überblick darüber zu behalten, was gerade Erfolg verspricht und was man besser bleiben lassen sollte.

Kreative Marketingmethoden, wie Nike Leonhard sie einfordert, wachsen leider nicht auf den berühmten Bäumen. Umso wichtiger wird es in den kommenden Jahren werden, dass gerade die Selfpublisher sich stärker als a) professionalisierte Autoren und b) als eigener, durchaus starker Partner des Buchhandels profilieren. Das erschließt dann nämlich vollkommen neue Möglichkeiten, von denen wir heute vielleicht noch gar nicht wissen, wie sie aussehen könnten.

Anfänge sind gemacht, jetzt heißt es: dran bleiben!

Nike Leonhard - Fantasy und Historisches

In der Flatrate-Falle überschreibt die ZEIT-online einen Artikel von Nina George über die zunehmende „Kannibalisierung des Buchmarkts„. 

Es werden mehr Bücher denn je online genutzt – und gleichzeitig wird immer weniger für die Nutzung bezahlt. Meist: gar nicht.

Elektronische Kampfpreise seien alles, was den Verlagen einfiele, um Leser zu gewinnen, lautet der Vorwurf. Nicht nur, dass die Preise für eBooks immer weiter sänken: Das beliebteste Marketingmittel der Verlage seien Verschenk-Aktionen. Rund 8.000 Titel könne man allein bei Thalia völlig legal kostenlos herunterladen. Aufgrund der Buchpreisbindung schätze ich, dass es bei Hugendubel und anderen Mitgliedern der Tolino-Allianz genauso aussieht. Bei Amazon dürften es sogar noch mehr sein.

Umsonst-Aktionen sind das häufigste „Werbemittel“ im Web und so aufdringlich, dass sich der geneigte Leser fragt, warum er überhaupt jemals wieder Geld für Literatur ausgeben sollte.

Wenn das nicht helfe, werde das Preisdumping fortgesetzt, indem man das Buch bei Plattformen eingestellt, wo sich…

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