NaNo Tag 9: Auf der Suche nach dem verlorenen Tag

Am Sonntag habe ich kein einziges Wort am NaNo-Text „Der Goldene Tod“ geschrieben. Das hat mich zwar nicht gerade in Rückstand gebracht, aber dennoch meine Sicht auf die Veranstaltung einmal auf Links gekrempelt.

Wie ihr euch erinnern werdet, habe ich im Vorfeld des NaNo immer betont, dass ich versuchen möchte, den Schreibmonat als etwas zu sehen, das Spaß machen soll, keine Pflicht ist, sondern Freude. Vergnüglich.

Diese Leichtigkeit des Seins ist mir nach dem „verlorenen Tag“ ein wenig abhanden gekommen. Ich habe mich insbesondere gestern, aber auch schon vorgestern, dabei ertappt, wie meine Gedanken beinahe ständig um diese 1.667 Wörter kreisten. Wobei es zu diesem Zeitpunkt für mich schon nur noch 1.500 Wörter oder so im Mittel waren, die ich brauchte.

Mein Magen signalisierte mir sehr deutlich, dass ihm ein weiterer Zeitverlust nicht behagen würde. Ach, was schreib ich vom Zeitverlust: Es geht wirklich um die Suche nach dem verlorenen Tag, nach den verlorenen Wörtern.

Was ich auch gemerkt habe, war, dass die Wörter, die ich tatsächlich schrieb, irgendwie falsch zu sein schienen. Mein innerer Kritiker hat sich auf Maximalleistung gestellt und jeden Buchstaben unter die Lupe genommen. Die meisten haben ihm nicht wirklich gefallen.

Ich kenne dieses Verhalten von mir. Es stellt sich dann ein, wenn ich mich selbst unter Druck setze. Genau das, was ich im NaNo nicht machen wollte.

Wo kommt der Druck denn nun her? Ich denke, es ist das Gefühl, etwas schaffen zu wollen oder zu müssen. Und da liegt der NaNo nun einmal direkt vor meinen Füßen, bereit, aufgesammelt zu werden – oder über ihn zu stolpern.

Mir ist gegenwärtig vollkommen unverständlich und unvorstellbar, wie ich es letztes Jahr geschafft habe, den NaNo mit einer derartigen Entspannung zu schreiben, wie sie mir erinnerlich ist. Oder täuscht mich da mein Gedächtnis? In diesem Jahr scheint mir für alles die Zeit zu fehlen. Und das, wo vielleicht noch zwei andere Projekte in den Startlöchern stehen, zu denen ich aber noch nichts schreiben kann oder will.

Gestern habe ich mein Tagessoll erreicht. Aber solange ich nur das Soll erreiche und mir nicht wieder einen adäquaten Vorsprung herausarbeite, würde mich jeder neue „verlorene Tag“ wieder zurückwerfen und mir neue Probleme bescheren, die sich nicht ohne Weiteres lösen lassen.

Was kann ich also tun?

Möglichkeit eins ist, so komisch es klingt, noch härter daran zu arbeiten, es leichter zu nehmen. Zu versuchen, mir die Einstellung zu erarbeiten, die ich doch so gerne an den Tag gelegt hätte.

Möglichkeit zwei könnte ansonsten nur sein, den NaNo 2016 abzubrechen und in aller Ruhe an der Geschichte weiterzuschreiben, wenn ich gerade Zeit, Lust und sonst alles habe, was hilfreich sein könnte.

Ich denke, dass ich nur mit Methode eins glücklich werden kann. Ansonsten würde ich mir immer vorhalten, zu früh aufgegeben zu haben und schlimmstenfalls vielleicht sogar die Arbeit an „Der Goldene Tod“ völlig abbrechen. Dabei mag ich den Roman, ich mag die Idee dahinter und ich mag den Stil, den er bis jetzt hat. Nach gut 16.000 Wörtern, die ich geschrieben habe, kann ich mir über den zumindest eine Meinung bilden, denke ich.

Also werde ich weiter machen und aufpassen, dass mir keine Tage mehr verloren gehen. Drückt mir die Daumen.

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7 Gedanken zu “NaNo Tag 9: Auf der Suche nach dem verlorenen Tag

  1. Daumen sind gedrückt!
    Ich nutze eine Tabelle, die mir ausrechnet, wie viel ich am Tag schreiben muss, um das Ziel genau rechtzeitig zu erreichen. Immer dann, wenn ich einen Tag hinterherhänge, schaue ich auf die Tabelle und stelle fast immer fest: Der Wert ist nur um 10-20 Wörter am Tag höher, als der normale Tageswert.
    Das ist bei mir unter Umständen nur ein Satz.
    Kann ich einen bis zwei Sätze am Tag mehr schreiben? Locker. Ohne die Mehrbelastung zu bemerken.
    Es ist unter Umständen nur ein Satz am Tag, Michael. Du schaffst das. Nur ein Satz. Oder auch zwei. Das geht schnell und du wirst wundern, wie schnell die Leichtigkeit zurückkehrt!

    Gefällt 1 Person

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