Das Schreiben der Anderen: „Hot and Dirty“ von Margaux Navara

hadIm Roman „Hot & Dirty“ von Margaux Navara erleben wir die erotischen Abenteuer der 23jährigen Studentin Christine, die eigentlich nichts anderes wollte, als sich ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Doch das ausgesuchte Modell kostet mehr, als sie sich von ihrer Arbeit als Kellnerin leisten kann. Deswegen geht sie auf das Angebot des sie körperlich sehr ansprechenden Automechanikers Darko ein, sich einen Rabatt auf den Kaufpreis über gewisse körperliche Gefälligkeiten zu erarbeiten …

Die Geschichte des Romans beginnt mit einem Szenario, das man schon häufiger gehört oder gelesen hat. Eine junge Frau verkauft ihren Körper, um sich damit wirtschaftliche Vorzüge zu verschaffen. Was ich sehr positiv fand an dem Roman war, dass Christine von der ersten sexuellen Begegnung mit Darko an Gefallen an dem findet, was sie tut und daher gar nicht erst die Gefahr aufkommt, von einer eventuellen Moralkeule erschlagen zu werden. Das machte es leichter, sich auf die Geschichte einzulassen und den verschiedenen erotischen Eskapaden zu folgen, die einem in dieser BDSM Romance angeboten werden. Und Eskapaden sind es wahrlich, die sich hier abspielen! Darko lässt von Beginn an keinen Zweifel daran aufkommen, dass er Christine dominieren will und diese lässt sich bereitwillig auf das Spielchen ein, auch wenn sie bislang noch so gut wie keine Erfahrungen im Kink oder gar im BDSM gesammelt hat. Diese Art des Sex erregt sie jedoch so sehr, dass sie zunehmend süchtig danach wird. Schritt für Schritt geht sie unter der Kontrolle Darkos einen Weg, der sie an immer neue Grenzen führt, die behutsam erweitert und auch überschritten werden.

Ja, es handelt sich hier um einen BDSM-Roman. Das bedeutet, dass es in jedem der Kapitel, die Titel angelehnt an das Umfeld einer Autowerkstatt tragen, mehr oder weniger heftig zu detailliert geschilderten Sexszenen kommt. Diese sind, ein weiteres großes Plus des Romans, allerdings zu keinem Zeitpunkt so, dass man ins Fremdschämen verfallen möchte. Machen wir uns nichts vor: Gerade im Erotik-Bereich gibt es auf Amazon viele lieblos hingeworfene Geschichtchen, die etwas versprechen, das sie nicht halten – nämlich gute Unterhaltung mit prickelndem Sex! Margaux Navara schafft hier den Spagat zwischen einer durchweg ansprechenden Sprache und einer trotzdem heißen Atmosphäre. Die Dinge werden klar benannt und es kommt dennoch zu keinem Zeitpunkt ein Gefühl der Peinlichkeit auf. Ein Punkt, an dem viele andere Autoren von Erotikromanen gerne einmal scheitern.

Generell die Sprache des Romans. Man merkt, dass Navara etwas liegt an dem, was sie verfasst. Hier steht nicht der schnelle Euro im Vordergrund, sondern eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihrem Thema. Fast möchte ich davon sprechen, dass sie Werbung für ihren Liebesstil betreiben möchte, für die Experimentierfreudigkeit, welche diese sexuelle Spielart mit auszeichnet. Wenn man der Geschichte eines vorwerfen möchte, ist es paradoxer Weise vielleicht genau das. Nämlich, dass zu viele Facetten des BDSM in einen sehr kurzen Handlungszeitraum gepresst werden. Christines und Darkos Spiele steigern sich, für mein Gefühl, sehr schnell und auf einer stark nach oben weisenden Kurve. Dafür, dass Christine zu Beginn als in dieser Spielart unerfahrene Frau geschildert wird, sind mir ihr beinahe bedingungsloses Vertrauen in Darko und ihr Eingehen auf alles, was er von ihr verlangt und mit ihr tut, etwas zu überhastet. Davon abgesehen handelt sie aber, von dieser Prämisse ausgehend, als Person glaubhaft.

Diese Glaubwürdigkeit wird über den gesamten Roman hinweg beibehalten. Nicht unwichtig für eine Geschichte, die zu weiten Teilen ein Zweipersonenstück ist. Zwar tauchen hie und da noch andere Akteure auf, etwa Christines beste Freundin Andrea, aber diese haben kaum Auswirkungen auf die Handlung. Abgesehen davon, dass auch bei „Hot & Dirty“ nicht alles so ist, wie es zunächst zu sein scheint.

Ein Wort noch zum erotischen Potenzial des Romans. Geschichten über Sex kann man auch anhand dessen beurteilen, wie gut sie es schaffen, anzuregen, das Gedankenkarussell in Gang zu bringen und vielleicht auch schlicht und ergreifend zu erregen. Ich kann nur für mich sagen, dass „Hot & Dirty“ all dies bei mir geschafft hat. Nicht durchgängig, aber dafür an einigen Stellen sehr stark. Das individuelle Erleben wird hierbei aber, wie generell im sexuellen Bereich, bei jedem Leser anders sein. Auch deswegen ist es gut, dass ein breites Repertoire an aufregenden Szenen geschildert wird.

Mit der Bewertung des Romans habe ich mich trotz aller angeführten positiven Punkte dennoch sehr schwer getan. Dies liegt, denke ich, daran, dass ich erotische Romane nicht so häufig lese und deswegen innerhalb des Genres nicht umfassend vergleichen kann. Ich hätte mir gewünscht, wenn die Autorin sich an der einen oder anderen Stelle mehr Zeit für ihre Hauptperson gelassen hätte, auch einmal tiefer in ihre Gedankenwelt, in ihr Privatleben oder ihre Lebensumstände eingetaucht wäre. Andererseits hält der Roman genau das, was der Titel verspricht: Es gibt BDSM und es gibt eine spezielle Form der Romantik, die sich langsam, aber sicher, in die Handlung einfädelt.

Am Ende lande ich bei sehr guten 4.5 Punkten, die ich großzügig nach oben hin aufrunde, weil ich der Autorin Mut machen möchte, diesen Weg weiterzugehen und Erotik, Sex und Niveau in der Weise zu kombinieren, wie sie es bei „Hot & Dirty“ getan hat. Der, vor allem auch im Vergleich zu ihren Konkurrenten, günstige Preis ist ein weiteres Kriterium.

Fazit: Es hat mir Spaß gemacht, diesen Roman zu lesen und zusammen mit Christine auf Entdeckungsreise zu gehen. Und wenn mir wieder einmal der Sinn nach anregender Lektüre im ansprechenden Sprachgewand steht, weiß ich jetzt, bei welcher Autorin ich fündig werden könnte.


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

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2 Gedanken zu “Das Schreiben der Anderen: „Hot and Dirty“ von Margaux Navara

  1. NNIN schreibt:

    Hallo, schönen guten Abend!
    Ich habe auf der Site der Autorin ein paar „Häppchen“ gelesen.
    Eine Frage liegt mir bei solchen Texten immer auf der Zunge: Sind das „erotische“ Texte?
    Ich denke, Erotik ist ein Vorgehen, im Kopf des Lesers/der Leserin bestimmte Regungen *hüstel* auszulösen. Erotik ist demnach (fast nur) Andeutung und (fast nie) explizites Hinschreiben. Wer über einen FKK-Strand geht, wird merken, wie „erotisch“ nackte Leiber sind. Die Umhüllung – sozusagen das Versprechen auf mehr – ergibt erst den Kick.
    Die Texte, die ich auf der Site der Autorin las, sind m.M.n. entsprechend keine Erotik, sondern wortgewordener Sex. (Marquis de Sade lässt grüßen – der übrigens ein sauschlechter Schriftsteller gewesen ist mit Werken, die eigentlich wegen fehlender Erotik frei ab 12 gestellt werden müssten, ehrlich.)
    Langer Rede kurzer Sinn. Deine Rezension ist sehr wohlwollend und ganz richtig darin, dass man der deutschen LIteratur mal etwas mehr von „Dem-unter-der-Gürtellinie“ einflößen möchte. Aber erotische Literatur ist was anderes.

    P.S. Ich bin mal neugierig, wann in dieser Rubrik der erste richtige Verriss kommt. 😉

    NNIN

    Gefällt 1 Person

    • Schönen guten Abend, NNIN!

      Zuerst einmal zu deinem PS. Darauf bin ich auch neugierig, wobei ich es auch nicht schlimm finden würde, wenn es noch eine ganze Weile bis zum ersten richtigen Verriss dauert. Denn wer lobt nicht lieber, als dass er tadelt? Die nächste Besprechung wird auf jeden Fall noch einmal mehr Lob enthalten, so viel kann ich schon ankündigen, weil sie schon geschrieben ist ;-).

      Grundsätzlich bleibe ich aber bei meiner Aussage, dass ich in „Das Schreiben der Anderen“ nicht lobhudeln werde, sondern meine Meinung darlege, wie auch immer sie ausfällt.

      Kommen wir zum Thema Erotik. Ich denke, dass die Frage jeder ein Stück weit für sich selber beantworten muss, was denn nun Erotik ist. Für mich ist Erotik dann gegeben, wenn es mich in meinem Kopf erregt. Das unterscheide ich scharf von körperlicher Erregung. Wenn ich über den FKK-Strand gehe (wobei dahingestellt sei, wer da so rumliegt), dann stellt sich bei mir im Kopf keine Erotik ein, selbst wenn mein Körper reagieren mag.

      Der Optimalfall ist natürlich, dass beides erregt wird: Körper und Kopf. Und spätestens da sind wir dann wieder sehr individuell und jeder verschieden. Gerade bei einem Roman wie dem von Margaux Navara wird es Menschen geben, die vor den geschilderten Inhalten zurückschrecken. Bei mir ist eben das Gegenteil der Fall.

      Lange Rede, noch kürzerer Sinn: Ich denke nicht, dass man so kategorisch sagen kann, was genau „erotische Literatur“ zu sein hat – und was es eben nicht ist.

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