Ich kann krank sein und trotzdem schreiben!

In einem Forum bin ich heute über eine Aussage eines Autors gestolpert. Er schrieb davon, dass er im Moment zwar im NaNo stecken würde, aber wegen einer längeren Krankheit seinen Wordcount nicht aktualisiert hat. Schließlich sei der öffentlich und es könne komisch aussehen, wenn er krank sei und trotzdem so viel schreiben würde. Übrigens hat er in der Zwischenzeit das NaNo-Ziel erreicht, wozu ich ihm, auch ohne seinen Namen zu nennen, herzlich an dieser Stelle gratulieren möchte!

Auch wenn es euch vielleicht langsam nervt, dann passt dieses Thema natürlich gerade voll in meine Woche hinein. Wie ich euch geschrieben habe, habe ich diese Woche auch im Arbeitsprozess aussetzen müssen. Ich war, schlicht und einfach, nicht arbeitsfähig. Die ersten Tage betraf dies ja auch die Arbeit an meinem Romanentwurf.

Als ich wieder mit dem Schreiben anfing, habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, welches Licht es auf mich werfen könnte, dass ich trotz einer Krankschreibung mehrere Stunden am Tag am Computer sitze und arbeite – was dem, das ich auf der Arbeit tue, relativ nahe kommt.

Ich habe nicht das Glück, oder in dem Fall vielleicht das Pech, wie der Autorenkollege, dass sich meine Arbeitskollegen oder Vorgesetzten groß für das interessieren, was ich so zu Papier bringe. Zu Zeiten, zu denen ich mein NaNo-Winnershirt von 2012 getragen habe, wurde ich immer nur komisch angesehen. Gut, wie ihr ebenfalls wisst, bin ich nie derjenige gewesen, der besonders offensiv mit seinem Hobby umgegangen ist. Insofern schwingt da jetzt von meiner Seite aus auch keine Enttäuschung oder Vorwurf mit.

Ich habe mich in Anbetracht der Aussage des Kollegen nur gefragt, wie ich wohl an seiner Stelle damit umgehen würde.

Und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich, für mich, mit meiner speziellen Erkrankung, keine Notwendigkeit sehen würde, mich mit meinen Fortschritten im NaNo zu „verstecken“.

Ich weiß, dass ich, der ich an psychischen oder auch seelischen Erkrankungen leide, von der Gesellschaft sowieso als jemand angesehen werde, dem man in Bezug auf seine Leiden nicht immer trauen kann. Es spricht zwar keiner offen aus, aber manchmal stellt sich schon der Glauben ein, dass man einiges von dem, was mir übel mitspielt, für einen Fake hält. Manchmal hat man mich so weit, dass ich das selber fast glaube.

Aber dann kommen die Momente, in denen ich mich an das erinnere, was ich gelernt habe: Nämlich, dass meine Erkrankungen nicht deswegen weniger real sind, weil sie nicht gesehen oder verstanden werden. Und das bedeutet, dass ich mich auch mit ihnen ganz normal verhalten und bewegen kann, wie es auch Gesunde tun.

Wenn ich einen Schnupfen habe, dann darf ich trotzdem spazieren gehen. Meine Ärztin würde mir sogar dazu raten. Wenn ich es mit dem Rücken habe, dann darf ich trotzdem einkaufen gehen, denn damit, dass ich verhungere und verdurste, ist auch niemandem geholfen.

Und wenn ich aufgrund einer psychischen Überlastungssituation nicht arbeitsfähig bin, dann darf ich trotzdem schreiben! Denn das Schreiben ist ein ungemein stabilisierender Faktor für mich. Ich habe es gerade diese Woche wieder gemerkt. Es stabilisiert mich in der Form, dass ich etwas habe, an dem ich mich festhalten kann und das meine Tage auch in eine Form lenkt.

Ich habe einen NaNo zu gewinnen, ich kann nicht einfach den ganzen Tag im Bett liegen und Löcher an die Decke starren (was ich mir zum Glück inzwischen sowieso recht erfolgreich abtrainiert habe).

Diesen Umgang mit meinen Erkrankungen habe ich im Laufe der Jahre auf die harte Tour lernen müssen. Und ich erwarte nicht, dass jeder ihn gut findet oder auch nur versteht. Es mache sich bitte auch niemand die Illusion und glaube, dass es mir leicht fallen würde. Denn das tut es ganz und gar nicht.

Deswegen bin ich auch weit, ganz, ganz weit davon entfernt, jemand anderem eine Vorbild sein zu wollen oder gar den Zeigefinger zu erheben und zu sagen: Sieh her, so musst du das machen.

Ich wünsche dem betreffenden Autorenkollegen an dieser Stelle gute Besserung!