NaNoWriMo 2016 – The Day After

Ich bin müde. Ich bin so richtig rechtschaffen müde und noch dazu ein ganz klein wenig unmotiviert. Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr auf einen Termin hin richtig gepowert habt, euch anstrengen musstet, um ihn auch einzuhalten?

Klar, jeder kennt solche Termine. In der Schule hatten wir sie, im Studium gab es sie. Manchmal gibt es diese Termine auch im Berufsleben. Ich habe jetzt zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, wenn man einen solchen Termin für sein Hobby, in diesem Fall die Schreiberei, einhalten muss.

Okay, jetzt werden die Stimmen laut werden, dass doch nirgendwo geschrieben stand, dass ich diesen komischen NaNoWriMo wirklich mitschreiben muss. Nein, stand es auch nicht. Ursprünglich jedenfalls. Aber ehe ich es mich versah, stand es auf einmal in einer kleinen, fast schon versteckten Andeutung in einem meiner Blogartikel. Und spätestens, als sich die Geschichte dann einstellte, hatte es sowieso schon keinen Zweck mehr, die Sache zu leugnen.

Ja, ich musste diesen NaNo mitschreiben. Es ging für mich nicht anders. Die Geschichte wollte aus meinem Kopf heraus und es bot sich an, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Denn ich mag das Gefühl, das sich beim NaNoWriMo einstellt, eigentlich sehr gerne. Diesen Antrieb, den man bekommt. Dieses leichte Gefühl von „ich kann es schaffen“.

Aber dann wurde auf einmal alles anders.

Ich will es mir nicht so leicht machen und es nur auf das uns allen noch bewusste Problem vom vorvorigen Wochenende schieben, auch wenn es sicherlich eine Rolle gespielt hat. Ich habe aber auch so gemerkt, dass es für mich mit zunehmender Dauer des NaNo immer schwerer wurde, mich für das tägliche Streben nach Wörtern zu motivieren.

Es liegt nicht an der Geschichte, das kann ich festhalten. „Der goldene Tod“ wird eine nette Geistergeschichte werden, die bereits jetzt einige starke Szenen enthält, die in der Überarbeitung sicherlich noch einmal gewinnen werden.

Es liegt einfach, irgendwie … ja, ich glaube, es liegt irgendwie an mir.

Auch eine Form der Erkenntnis, wenn auch keine besonders überraschende, sollte man meinen. Und doch hat es mich überrascht, festzustellen, dass ich in den letzten paar Tagen kaum noch Energie für den NaNo aufgewendet habe, wie ich es vorher tat.

Das beste Beispiel ist, dass ich kaum noch zu Hause geschrieben habe. Ich habe zum einen nicht die Zeit gefunden, sie mir aber auch nicht offensiv genommen. Ich habe aber auch nicht im Büro in der Mittagspause geschrieben. Tatsächlich geschrieben habe ich mit dem Programm „Evernote“ auf meinem Smartphone. Eine Idee, auf die ich noch vor kurzem nicht gekommen wäre.

Ich habe auch nicht jeden Tag sklavisch auf meinen aktuellen Wordcount geschielt. Noch vorgestern habe ich ganz vergessen, das neu Geschriebene einzutragen. Für jemanden, der noch vor kurzem mit Akribie jedes seiner Worte gezählt hat, ist das geradezu besorgniserregend, sollte man meinen.

Jetzt sind die 50.000 Wörter geschrieben und ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass daraus jetzt 60.000, 70.000 oder 100.000 Wörter werden sollen. Sie müssen daraus werden, denn fertig ist das Manuskript ja noch lange nicht.

Aber es muss ja nicht gleich heute sein, oder? Morgen ist auch noch ein Tag. Oder übermorgen. Dann ist ja auch schon wieder Wochenende. Ich könnte mir auch einfach mal eine Woche frei nehmen vom Schreiben – bis es mich dann sowieso wieder zwickt und zwackt und treibt.

Ich bin müde. Der NaNoWriMo ist gewonnen und ich bin müde und unmotiviert. Irgendwas stimmt nicht und ich werde schon noch dahinter kommen, was es ist.

Und wenn ich es herausgefunden habe, dann seid ihr die Ersten, die es erfahrt.

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19 Gedanken zu “NaNoWriMo 2016 – The Day After

  1. Ich kenne diese Müdigkeit gut. In meinem Brotjob habe ich diese Termine regelmäßig. Man setzt alles daran bei diesem einen Termin bestmöglich vorbereitet zu sein und für diese eine Stunde eine überzeugende Performance abzuliefern. Hinterher ist so richtig die Luft raus… Meistens klappt es am Ende besser als erwartet-zum Glück! Beim Schreiben möchte ich genau den Druck nicht von außen haben, weshalb ich mich damit zufrieden gebe, wenn ich eben nicht die 50.000 Wörter schaffe. Lieber 40.000 gute Wörter in der richtigen Reihenfolge als lauter Nonsens für den ich mir auch noch Druck mache… nicht bei jedem ist das Nonsens, aber bei mir wäre es darauf hinausgelaufen!

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    • Gut, dass du den letzten Teilsatz noch hinterher geschoben hast, ansonsten wäre mein Ego ziemlich angeknackst worden. Denn auch bei mir ist immanent immer irgendwo der Gedanke, dass ich Nonsens geschrieben haben könnte.

      Ich habe beim NaNo den Druck nicht als von Außen kommend empfunden. Wenn es so wäre, dann würde ich den Spaß nicht mitmachen. Aber irgendwie habe ich auch in diesem Jahr nicht so wirklich die motivierende Kraft der Community mit- und hinbekommen.

      Vielleicht nächstes Jahr!?

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      • Niemals würde ich dir vorwerfen Nonsens zu schreiben, Michael! Viele Schreiber in der Community geben aber ganz offen zu, dass sie „sich erstmal warm schreiben“ darunter stelle ich mir Nonsens vor und wenn ich irgendeine Szene hinausschieben will beschreibe ich auch lieber noch mal das Wetter oder so…

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      • Nun, warm schreibe ich mich allerdings sowohl im als auch außerhalb des NaNos. Bei jedem Szenenwechsel braucht es ein paar Zeilen oder auch mal zwei Absätze, bis ich richtig drin bin.

        Aber ich hatte es auch nicht als Vorwurf verstanden. Es wäre halt nur Wasser auf meine Zweifelsmühle gewesen.

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  2. Vielleicht ist es dies Ungewissheit, die dich jetzt so plagt?? Schliesslich hängst du jetzt in der Luft. Du hast dein Ziel erreicht, könntest stolz sein, weisst aber nicht genau, in welchem Umfang. Also, nicht falsch verstehen… ich weiss, in welchem Umfang ich stolz auf dich wäre – als zweite aussenstehende Person. Denn ich finde es supertoll, dass du es geschafft hast. Aber für dich selbst ist es noch nicht zu ende. Du hast dein Adrenalin aufgebraucht, du schwebst wie der Weitspringer in der Luft. Nur weisst du nicht, wie weit du kommst.
    Ist es vielleicht so?
    Ich hoffe, es geht dir bald besser. Drück dich, wenn du magst. 🙂 (lol… ich schrieb grad statt „wenn du magst“ „nagst“ oh man)

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  3. Das ist der Post-NaNo-Blues und die Post-NaNo-Müdigkeit.
    Plagt mich auch gerade ganz schlimm, aber ich habe im NaNoWriMo selbst einfach alles gegeben, um den Roman zu beenden. Habe Ressourcen ausgebuddelt und rangeklotzt. Und jetzt ist der NaNo vorbei und Körper und Geist holen sich einfach das, was ihnen zusteht.
    Ruhe.
    Es liegt also gar nicht zwingend an dir, in einem ähnlichen Zustand bin ich auch. Aber ich genieße das jetzt einfach, dass ich ein wenig wehmütig bin. Ich vermisse meinen Roman so sehr, dass ich – als absolute Discoverywriterin – fast den kompletten zweiten Band schon geplottet habe.
    Das wird wieder. Auch bei dir :).

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  4. Lieber Mic,

    ich kenne das Gefühl sehr gut. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal beim NaNo teilgenommen. Aber ich habe nicht nur gewonnen, sondern auch meinen allerersten Roman beendet. Davor ist noch nie eine Geschichte fertig geworden, die länger als ein paar Seiten war. Dadurch, dass ich an dem Roman nicht regelmäßig geschrieben habe, saß ich da bestimmt 2 Jahre dran. Als der Nano dann zu Ende war, war ich zunächst sehr erschöpft – und froh, weil ich ja momentan sowieso keine Story hatte. Entspannung! Kein schlechtes Gewissen! 😀
    Solche Phasen müssen uns auch mal vergönnt sein. Schreiben ist ein tolles Hobby, aber auch sehr anstrengend, weil wir die ganze Zeit aktive Kopfarbeit betreiben. Außerdem neigen wir Autoren auch dazu, von einer Aufgabe zur nächsten zu hetzen. Erst plotten, dann schreiben, dann überarbeiten usw. Aber wir sollten auch darauf achten, dass wir uns damit nicht überanstrengen. Wir dürfen auch mal anderen Hobbys frönen, die weniger anstrengend sind. ;D
    Von daher: Nutze die Auszeit und genieße sie. Irgendwann wirst du sicher wieder schreiben. 🙂

    Liebe Grüße
    Lisa

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    • Du hast Recht, Lisa, irgendwann werde ich garantiert wieder schreiben. Es ist schon seltsam genug, dass ich es nicht nahtlos tue. Und mich auch zu den Blogeinträgen fast „zwingen“ muss. Na ja, selbst gemachter Druck.

      Was du über die negativen Seiten des Schreibens bemerkst, kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Und ja, ich bin schuldig im Sinne der Anklage, dass ich schon während des NaNos gedanklich bei den nächsten Projekten war.

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