Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n mit der Eisenbahn

Durch einen völligen Zufall bin ich auf einen schon älteren, aber deswegen nicht weniger lesenswerten oder tollen Artikel in der Zeit aufmerksam geworden. In diesem Artikel werden viele Mysterien geklärt, die sich hinter den Verspätungen und sonstigen Ärgernissen der Deutschen Bahn so verstecken. Es kommen Mitarbeiter aus allen wesentlichen innerbetrieblichen Sparten zu Wort – anonym, versteht sich, so dass niemand ein Blatt vor den Mund nehmen muss.

Einer von denen, die mit ihrem Namen genannt werden, ist Rüdiger Weiß, der Leiter der Abteilung Fahrplan. Folgendes Zitat von ihm finde ich erwähnenswert:

100 Prozent Pünktlichkeit zu erreichen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn Kunden Anschlussverbindungen nur noch nehmen, die 30 Minuten Puffer haben, dann trifft mich das persönlich. Wir müssen es schaffen, dass sie Verbindungen buchen, bei denen sie nur sieben Minuten Zeit haben, um den Anschlusszug zu erwischen. Das Vertrauen ist einfach nicht da, und das ärgert mich maßlos.

Okay, Herr Weiß träumt also davon, dass Bahnkunden es sich trauen, bei einer potentiellen Umsteigezeit von sieben Minuten Verbindungen zu buchen. Dazu muss ich ganz einfach fragen: »Häh?«

Ich gehöre zu denen, die jeden Arbeitstag mit der Bahn zu ihrem Arbeitsplatz pendeln. Nun bin ich zwar nur mit DB Regio, also dem Nahverkehr, unterwegs, aber durch meine Aufenthalte am Hauptbahnhof in Duisburg, der für das Ruhrgebiet eine herausgehobene Stellung besitzt, weil nahezu alle Züge, die über Köln oder Düsseldorf fahren, hier durchfahren, bekomme ich auch immer sehr gut mit, was im Fernverkehr so los ist.

Und jetzt mal ehrlich: Es gibt kaum einen Tag, an dem die Verbindungsanzeige vor den Gleisen nicht übersät ist mit weißen Laufbändern, in denen mit blauer Schrift angekündigt wird, wie viel Verspätung dieser oder jener Zug (mal wieder) aufweist.

Mich könnte das Thema ja mehr oder weniger kalt lassen. Was habe ich, der ich nur von einer Seite des Rheins auf die andere hüpfe, schon mit dem Fernverkehr zu tun? Tja, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass ich in recht naher Zukunft nach Leipzig zur Buchmesse fahren möchte …

Inzwischen steht fest, dass ich mit dem Zug fahren werde. Es macht einfach für alle Beteiligten am meisten Sinn. Und wenn man sich frühzeitig (sprich: jetzt) um eine Verbindung kümmert, dann kostet es einen auch gar nicht mal so viel. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang lautet „Sparticket“.

Das Sparticket ist ein zuggebundenes Ticket. Das bedeutet, dass es nur für den gebuchten Zug gilt und für keinen anderen sonst. Das unterscheidet es vom sogenannten „Flexticket“, mit dem man, wie der Name schon sagt, ein wenig flexibler ist. Dafür kostet dieses Ticket auch gleich ein zwei- bis dreifaches des Spartickets.

Jetzt gibt es gute Verbindungen und es gibt weniger gute Verbindungen. Weniger gute Verbindungen sind für mich die, bei denen ich mehr als einmal umsteigen muss und die, bei denen die Umsteigezeit knapp ist.

Man fasse zusammen: Nach meiner erlebten Wirklichkeit ist kaum ein Zug der Deutschen Bahn wirklich pünktlich. Der Artikel, den ich verlinkt habe, stützt diese Wahrnehmung. Und dann soll ich ein zuggebundenes Ticket kaufen, bei dem ich eine Umsteigezeit von zehn Minuten oder weniger habe?

Nein, lieber Herr Weiß, das werde ich unter Garantie nicht tun! Ich sehe mich anderenfalls schon in Frankfurt oder Hannover (das sind die möglichen Umsteigebahnhöfe) den Rücklichtern des eigentlich gebuchten Zugs hinterherstarren und dann hektisch herausbekommen, wie ich mit Nahverkehrszügen vielleicht doch noch irgendwie in die Nähe von Leipzig komme. Wenn ich keine Lust habe, ein teures Ticket nachzukaufen.

Safety first, so lautet auch beim Bahnfahren die erste Regel. Wenn der Konzern es irgendwann hinbekommt, seine Pünktlichkeit deutlich zu verbessern, was ichm auch anhand des Artikels, nicht in naher Zukunft sehe, dann bin ich vielleicht dazu bereit, auch mal ein gewisses Risiko zu gehen. Aber bis dahin reihe ich mich bei denen ein, die lieber eine halbe Stunde Zeit zum Umsteigen einplanen.

Weil Ankommen im Zweifel dann doch noch schöner ist als Bahnfahren.

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4 Gedanken zu “Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n mit der Eisenbahn

  1. Du machst mir Mut 😂 hab eben erst vor ein paar Tagen zwei Tickets mit Zuganbindung gebucht…und ein Aufenthalt dauert nur 7 Minuten! 😳

    Aber dazu habe ich im Internet gelesen, dass man dann auf den nächsten (verspäteten Zug) warten kann, logisch. Oder, wenn der davor verspätet war, und man den nächsten wegen der 7 Minuten verpasst hat, einen anderen, Gleichwertigen Zug nehmen darf. Denn wenn die Bahn irgendwo trödelt, kann man nichts dafür. Man sollte nur beim Personal Bescheid geben, um sich abzusichern. Soll aber auch kein muss sein.

    Nur man selbst darf nicht unpünktlich sein.

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    • Damit hast du natürlich Recht und ich gebe zu, das absichtlich ein klein wenig überdramatisiert zu haben ;-).

      Aber, ganz ehrlich: Wenn ich schon mit einem solchen Stress in das Messe-Abenteuer starten würde, dann kann das Wochenende nur bescheiden werden.

      Ich habe jetzt jedenfalls mit Sitzplatzreservierung in der 1. Klasse gebucht für insgesamt 78 Euro hin und zurück. Dafür kommt man im Normalfahrpreis nicht mal bis an die ehemalige „Zonengrenze“ …

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  2. Hach ja, die deutsche Bahn und die Anschlusszeiten … Deutschland ist schon ein armes, kleines Entwicklungsland, was das Bahnfahren angeht …

    Ich fahre oft (öfters als vielleicht gut ist) mit der Deutschen Bahn im Fernverkehr mit Spartickets. Und du glaubst nicht, wie oft ich schon den Anschluss versäumt habe. Das ist aber grad preislich gar nicht so schlimm. Wenn nämlich die Bahn selbst schuld daran ist, dass dein Anschluss weg ist, kannst du dir am Bahnhof am Schalter die Zugbindung aufheben lassen. Und dann fährst du ganz bequem mit dem selben Ticket ohne Zugbindung einfach mit dem nächsten Zug, der in deine Richtung fährt, weiter. Nicht nur mit Regionalverkehr, auch mit IC, ICE und wie die alle heißen.

    Wissen leider nur wenige. Sagt dir auch kein Schwein. Es sei denn, du gehst als armer Österreicher so wie ich zum Schalter, um zu fragen, wie du denn jetzt an dein Ziel kommst, weil du dich ja überhaupt nicht mit dem deutschen Eisenbahnnetz auskennst und Roamingbedingt auch kein Internet hast 😉

    Aber 7 Minuten würde ich als Umsteigezeit auch nicht buchen. 15 brauchst du schon, sonst guckst du durch die Finger.
    Und wenn du der Zug, in dem du verspätet bist, gerammelt voll ist, dann solltest du schleunigst zum Schalter rennen – ohne Umwege. Sonst darfst du nämlich eine halbe Stunde in der Warteschlange schmoren, weil zum Schalter dann plötzlich alle wollen.

    Wünsche gute Fahrt, Herr Behr 😉

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    • Ja, Herr Waldner, kann ja alles sein. Aber wir sprechen hier, wie gesagt, von meiner ersten Fahrt zu einer Buchmesse, ich werde ohnehin schon ziemlich aufgeregt sein und deswegen freue ich mich ganz einfach, wenn ich gemütlich meinen Hintern auf genau den Sitz pflanzen kann, den ich auch gebucht habe.

      Aber danke für deine nützlichen Tipps!

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