Das Schreiben der Anderen: „Love Me The Hard Way“ von Margaux Navara

lmthwNein, leicht habe ich es mir nicht gemacht mit der Besprechung und meiner Meinung zu „Love Me The Hard Way“ von Margaux Navara. Das liegt jedoch in keiner Weise daran, dass ich ein Problem mit sexuellen Inhalten hätte. Denn bei der Autorin wusste ich, worauf ich mich einlassen würde. Und worauf ich mich auch gerne einlassen wollte, denn ansonsten hätte ich mir den Roman gar nicht erst gekauft.

Margaux Navara schreibt über Erotik aus dem Bereich des BDSM. Und auch wenn diese Abkürzung nicht auf dem Cover auftaucht, so lässt sie keinen Zweifel daran, dass dieser Spielart des Sex ihre besondere (Vor-)Liebe gilt.

Deswegen ist es nur konsequent, dass „Love Me The Hard Way“ damit beginnt, dass die Protagonistin Emma den Protagonisten Luke findet, als dieser nackt und gefesselt auf einem Bett liegt, wie er von seiner letzten Liebhaberin liegen gelassen wurde.

Dabei ist Luke eigentlich gar nicht der Typ, der sich fesseln lässt. Und binden schon gleich gar nicht. Er ist eigentlich der Prototyp des Mannes, der von einer schnellen Bekanntschaft zur nächsten springt, sobald er glaubt, dass diese ihm nichts mehr geben kann. Dass er sich damit einen gewissen Ruf erarbeitet hat, stört ihn nicht weiter. Sein Geschäft, die Räumung von Wohnungen und Häusern, läuft trotzdem sehr gut.

Emma hingegen stört dieser Ruf ganz gewaltig, auch wenn sie schnell einsehen muss, dass sie sich nicht nur beruflich gut ergänzen – sie ist Homestagerin -, sondern dass sie auch anderweitig auf den gutaussehenden Mann reagiert.

Margaux Navara schafft es, aus den sich ergebenden Spannungen eine interessante Geschichte zu weben, in die zahlreiche Nebenfiguren eingebunden werden, ohne dass sie den Fokus von dem zentralen Paar und seinen Schwierigkeiten zwischen Annäherung und Skepsis nehmen.

Hier lässt sich auch die enorme Weiterentwicklung festmachen, die ich Margaux Navara bei diesem Roman im Vergleich zum direkten Vorgänger „Hot & Dirty“ attestieren möchte. Es gelingt ihr, die beiden Protagonisten in ein sich im Laufe der Handlung erweiterndes soziales Netzwerk einzuflechten, das wirklich stimmig ist und dessen personelle Eckpfeiler realistisch wirken. Dabei nehmen weder Emmas Mann Harald, der beschlossen hat, sie zurückhaben zu wollen, noch die junge Michelle, um die und deren Schwestern sich Emma geradezu rührend kümmert, zuviel Fokus von der Haupthandlung.

Und diese Haupthandlung ist eine gemeinsame Reise in die Welt der erotischen Spiele aus dem Bereich des BDSM, bei der Emma und Luke von unterschiedlichen Punkten aus starten und versuchen, sich irgendwann, irgendwo, in der Mitte zu finden.

Ich möchte nicht zu viel verraten, deswegen bleibe ich an dieser Stelle bewusst vage. Aber es stellt sich schnell heraus, dass es eine/n Novizen gibt, die/der sich einiges an Wissen und Techniken recht schnell aneignet und eine/n Erfahrene/n, die/der Schwierigkeiten hat, sich auf diese Spielart erneut einzulassen.

Dabei wird schnell deutlich, dass sowohl Emma als auch Luke gute Gründe dafür haben, dass sie sind, wie sie sich dem Leser nun präsentieren. Es ist eine Entwicklung in den Charakteren spürbar, die schon vor dem Beginn des Buches begonnen hat und von der man annehmen kann, dass sie auch nach der letzten Seite weitergeht.

Für diese Leistung möchte ich Nargaux Navara wirklich ein großes Lob aussprechen. Es hat Spaß gemacht, den realistischen Charakteren zu folgen. Zumal die Sexszenen, die für viele wohl den Hauptkaufgrund darstellen, nichts an ihrer Explizität oder an ihrem Einfallsreichtum eingebüßt haben.

Wieso also habe ich es mir mit dem Roman nicht leicht gemacht? Ich gebe zu, dass ich nach dem ersten Lesen etwas ratlos war. Eigentlich sind alle genannten Punkte sehr positiv zu werten. Was für mich aber nicht wirklich gestimmt hat, war die Balance zwischen den „ernsthaften“ Szenen und den Sexszenen.

Die Charakterbildung beinhaltet nämlich einige Stellen, an denen auch mal etwas daneben geht, oder in denen Sex keine Lösung sein dürfte – aber zu einer gemacht wird. An ein oder zwei Stellen hatte ich das Gefühl, dass ein sich auftuendes Problem durch die nächste kinky Szene aus der Welt geschafft wird.

Klar, nachdem man guten Sex gehabt hat, das wissen die meisten von uns, ist man erst einmal entspannt und sieht viele Dinge vielleicht auch nicht mehr so verbissen. Aber die äußeren Umstände verändern sich dadurch nicht.

Ist dieser „Vorwurf“, den ich dem Roman gemacht habe, also haltbar?

Um das zu überprüfen, habe ich eine Weile abgewartet, und dann das Buch noch einmal gelesen. Und siehe da: Mit dem genauen Wissen um die Denkweisen der Figuren, mit der Auflösung im Hinterkopf und mit dem nötigen psychologischen Background erschien mir das auf einmal alles wesentlich stimmiger.

Nun kann man sicherlich nicht von jedem Leser verlangen, dass er einen Roman erst zweimal liest, bis er hinter alle Ebenen blicken kann, die dieser umfasst. Aber der Durchschnittsleser dieses Buches wird vielleicht auch einen anderen Blickwinkel einnehmen, als ich es beim ersten Lesen tat. Denn mein Fokus lag auf den Charakteren, nicht auf den Sexszenen. Und ich denke, die stellen wohl doch für die meisten Leser den Kaufanreiz dar.

Um langsam zum Ende meiner Besprechung zu kommen: Margaux Navara ist in sprachlicher Hinsicht ebenso wie in Hinblick auf die Geschichte als solches eine ganz enorme Weiterentwicklung gelungen. Dieser Roman ist meiner Meinung nach durchaus auch für Leser von Interesse, die nicht nur von einer Sexszene zur nächsten blättern wollen.

Ich möchte die Autorin dazu ermutigen, diesen Weg weiterzugehen. Deswegen habe ich mich, wenn auch erst nach dem zweiten Lesen, dazu entschlossen, die Höchstwertung zu vergeben. Der eine größere Kritikpunkt, den ich angesprochen habe, mag sehr gut auch mit dem Zeitpunkt meines ersten Lesens zu tun gehabt haben. Und für die meisten Leser dürfte er auch keinen wirklichen Störfaktor darstellen. Zumal es mir selber beim zweiten Lesedurchgang nicht mehr störend aufgefallen ist.

Oder, um es mit einem Satz zu sagen: „Love Me The Hard Way“ ist wie ein guter Tropfen Wein – es reift mit der Zeit!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

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4 Gedanken zu “Das Schreiben der Anderen: „Love Me The Hard Way“ von Margaux Navara

  1. Irgendwie umtreibt mich nichts, mal ein erotisches Buch zu lesen. Abgesehen von „Feuchtgebiete“. Aber das zählt nicht, oder? Das wollte eher mit Ekel kokettieren und das Portmonee von Fräulein Roche füllen. Es war wirklich das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe. Und dann auch noch tapfer bis zum Ende.

    Gefällt 1 Person

    • Es ist schon eine Weile her, dass ich „Feuchtgebiete“ gelesen habe. Aber ich gebe dir in deiner Einschätzung durchaus Recht, dass es eher eine kokettierende und vor allem kalkulierte Angelegenheit war.

      Tja, was umtreibt einen, ein erotisches Buch zu lesen!? Den Spekulationen sind hier Tür und Tor geöffnet ;-).

      Aber speziell mit dieser Autorin verbindet mich halt auch eine Beziehung auf schriftstellerischer Ebene. Zumal sie wirklich deutlich besser schreibt als das Gros dessen, was man so an Leseproben im Netz lesen kann.

      Falls du also irgendwann doch mal den Umtrieb haben solltest, dann merk dir diesen Namen :-).

      Gefällt 3 Personen

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