„Der Morgen danach“ – Die erste Phase der Überarbeitung

Nachdem am Montag meine Unterschrift neben der von Frau Graf vom Scylla Verlag auf dem Vertrag getrocknet, das Ganze wieder auf dem Weg zurück zum Absender und die erste Aufregung langsam gesetzt war, hatte ich Gelegenheit, mir Gedanken dazu zu machen, wie ich jetzt eigentlich an die erste Phase der Überarbeitung herangehen wollte.

Eigentlich dachte ich, ich hätte hier schon einmal darüber berichtet, dass ich mit Scylla überein gekommen bin, die Erzählperspektive zu ändern. Aber irgendwie finde ich gerade keinen dazu passenden Beitrag. Also erzähle ich das jetzt einfach noch einmal und bitte, nicht mit mir zu meckern, wenn ich doch irgendetwas übersehen haben sollte. Ich komme jetzt in ein Alter, wo man langsam anfängt, manche Geschichten immer wieder zu erzählen ;-).

Nachdem ich im August meine Leseprobe an den Scylla Verlag geschickt hatte, hielt man von dort immer den Kontakt zu mir. Zwar hatte man eine Menge zu erledigen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass man mich vergessen oder übergangen haben könnte. Das sorgte dafür, dass ich schon vor den eigentlichen Gesprächen ein gewisses Grundvertrauen gefasst hatte.

Und so lehnte ich auch nicht sofort ab, als schließlich die Zustimmung zu einer Zusammenarbeit kam, die gleichzeitig jedoch ein gewaltiges „Aber“ mit sich brachte.

Ich habe „Der Morgen danach“ in der dritten Person geschrieben. Dabei habe ich mir nichts weiter gedacht. Ich changiere da gerne zwischen den Perspektiven mit den einzelnen Romanen. Es ist ein Gefühl, das mich jeweils wählen lässt. Und bei „Der Morgen danach“ war es eben die dritte Person.

Bei Scylla war man nun aber auf die Idee gekommen, dass der Roman in der Ich-Perspektive erzählt noch um einiges eindringlicher sein könnte. Es schloss sich die von mir hier bereits beschriebene Überarbeitung der zehn Seiten an, an deren Ende sowohl ich als auch der Verlag davon überzeugt waren, dass es den Roman insgesamt stark nach vorne bringt, wenn die Perspektive gewechselt wird.

Und an diesem Punkt befinde ich mich nun. Ich habe mich mit Scylla darauf verständigt, dass ich im ersten Arbeitsschritt das gesamte Manuskript von der dritten in die erste Person umschreibe, bevor dann die erste richtige Lektoratsrunde folgt. Das ist ein nicht zu unterschätzender Aufwand, zumal ich mich natürlich nicht darauf beschränken will, einfach nur stumpf „er“ in „ich“ zu verwandeln.

Für diese erste Phase der Überarbeitung habe ich mir zwei Durchgänge vorgenommen: Im ersten Durchlauf nutze ich die Chance, schon ein paar Dinge zu verändern, bei denen mir Änderung angezeigt scheint. Einiges kann man straffen, zwei längere Passagen habe ich auch schon einfach rausgeschmissen, weil sie sich mit späteren Entwicklungen im Manuskript beißen.

Der zweite Durchlauf soll dann dazu dienen, meinen Protagonisten ein wenig stärker zu involvieren. Der Perspektivenwechsel macht es wesentlich einfacher, aber auch notwendiger, sich auf Gedanken und Gefühle zu konzentrieren. Damit möchte ich es zwar nicht übertreiben, aber an einigen Stellen kann der Leser durchaus näher an den Prota herangeführt werden.

Das Zeitfenster, das ich vereinbart habe, ist groß genug, um dieses Vorhaben machbar erscheinen zu lassen.

Wenn euch interessiert, wie weit ich momentan bin, dann empfehle ich euch, meinen Twitter-Account im Auge zu behalten. Dort gebe ich jeden Tag eine kleine Statusmeldung über meine Fortschritte ab.

Aber natürlich gibt es auch hier im Blog immer wieder Wasserstände, wenn es etwas Besonderes zu berichten gibt :-).

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12 Gedanken zu “„Der Morgen danach“ – Die erste Phase der Überarbeitung

  1. Lieber Michael,
    Ich finde es spannend, wie so scheinbar kleine Änderungen eine so große Auswirkung haben können – sodass ihr beide danach den Perspektivwechsel um einiges besser empfandet.

    Aber das umzusetzen… . Als du schriebst, du machst das jetzt im ganzen Roman, musste ich schlucken. Du schriebst ja schon, du würdest auf Gedanken und Gefühle eingehen, aber es gibt bestimmt Abschnitte, die du komplett weglassen oder umgestalten musst, weil der Protagonist nicht direkt dabei ist. Dass man zwischen Orte und Personen umherspringen kann, ist ja gerade ein Vorteil der Er-Perspektive, den du jetzt nicht mehr hast. – Aber ich weiß auch gar nicht, ob du das hier oft gemacht hast.

    Hach! Abgesehen davon ist das alles immer noch so aufregend. 😁😁

    Drück dich,
    Kiira

    Gefällt 1 Person

    • Immer wieder eine Freude, von dir gedrückt zu werden! Da fühlt sich dann die Aufgabe auch schon gar nicht mehr so groß an.

      Der Vorteil bei „Der Morgen danach“ ist, dass er sich sehr auf den Protagonisten fixiert. Es gibt ein paar kurze Passagen, in denen ich in die Sicht anderer Personen gehe. Inwiefern die sich hinterher noch einfügen lassen, muss ich im Lektorat noch mit den Damen erarbeiten.

      Viel mehr „Sorge“ macht mir, dass ich durch den Sprung in den Kopf meines Protagonisten viele Dinge ganz anders, detaillierter wahrnehmen muss. Das umzusetzen und den Roman nicht künstlich aufzublähen – das wird wohl die Kunst werden.

      Es bleibt spannend!

      Drück zurück
      Michael

      Gefällt 2 Personen

      • Lieber Michael,
        *erröt* Freut mich. 🙂

        Das klingt wirklich vorteilhaft. Du schreibst, dass du durch den Sprung in den Kopf deines Protagonisten wahrscheinlich die Dinge detaillierter wahrnehmen musst. Vielleicht hilft es dir, dich gedanklich in den Kopf deines Protagonisten zu denken und durch deine Welt zu gehen. Wie würde der Protagonist hier denken? Was nimmt er wahr? Ist er ein pessimistisch angehauchter Character, nimmt er wahrscheinlich die Kälte des Raumes und die unordentlich gestapelten Bücher wahr und nicht die rührenden Familienfotos an der Wand. Wie wir denken beeinflusst, denke ich, sehr stark, was wir überhaupt wahrnehmen. Und wie intensiv wir etwas wahrnehmen. Vom Körper her gibt es dann auch Menschen, die vermehrt Töne wahrnehmen, andere Gerüche, andere Licht/Farben,… . Oder anders: Wenn dein Protagonist viel in seinen Gedanken ist, nimmt er wahrscheinlich gar nichts aus seiner Umwelt war. Andersherum: Wenn er viel wahrnimmt, denkt er wahrscheinlich nicht viel oder dauernd bewusst nach.

        Es bleibt wirklich spannend!
        Drück dich auch,
        Kiira

        Gefällt 1 Person

      • Liebe Kiira,

        das sind interessante Ansätze, die du da schilderst. Mein Protagonist hat ja das Problem, dass er vollkommen ahnungslos ist, wer er ist, was er ist und was ihn in die Situation gebracht hat, in der er ist.

        Das heißt, dass er eigentlich beständig zwischen Panik, Sorge und Mutlosigkeit pendeln müsste. Damit lässt sich natürlich keine gute Story aufbauen.

        Zum Glück geht es mir nicht ganz so perspektivlos wie diesem armen Kerl. Auch wenn seine Perspektivlosigkeit aus einem tief empfundenen Gefühl resultierte, die ich spürte, als ich den Roman schrieb.

        Da will ich allerdings nicht gerne wieder hin …

        Ich muss mal schauen, wie ich das regel.

        Gefällt 1 Person

      • Lieber Michael,
        Wenn der Protagonist beständig zwischen Panik, Sorge und Mutlosigkeit pendelt, dann macht er aus Mücken bestimmt einen Elefanten, um sich zu schützen. Ihm fallen bestimmt kuriose Details auf, die einem sonst nicht auffallen. Oder er lässt sich leicht von Veränderungen irritieren: „Das Buch war doch eben noch aufgeschlagen! Warum ist es jetzt zu?!“, „Der Vorhang wirft einen anderen Schatten als vorhin…“ Auf der anderen Seite die Müdigkeit davon, dass er die ganze Zeit hyperaktiv und hypersensibel ist. Passt sehr gut zusammen.:-)

        Dass du den Roman mit so einem intensiven Gefühl geschrieben hast, macht es sicher genauso interessant zu lesen. 😊

        Kiira

        Gefällt 1 Person

      • Nun, das hoffe ich doch, dass das Buch hinterher interessant wird.

        Aber es gibt sicherlich Emotionen, die man leichter bändigen kann als diese. Nun, ich werde weiter berichten, wie es hinhaut.

        Und dann muss das Ganze ja auch dem Lektorat noch gefallen …

        Gefällt 1 Person

      • Ja. Manche Emotionen überfluten einen. Das finde ich aber nicht schlimm, wenn man nicht darin ertrinkt, sondern nur ne Weile mit schwimmt.
        Schließlich ist das für mich ein Zeichen dafür, dass wir wirklich leben und keine Roboter sind 😊

        Drück dich,
        Kiira

        Gefällt 1 Person

  2. Schließe mich Kiira an: Fast schon eine Herkules-Arbeit. Ist ja nun wirklich nicht damit getan, aus jedem „er“ ein „ich“ zu machen 🙂 Aber ich nehme mal stark an, dass der Text ohnehin stark und fast ausnahmslos auf den Protagonisten perspektiviert ist. Jedenfalls eine sehr spannende Arbeit! Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • Wie gerade schon gesagt, durch seine Handlung „klebt“ der Roman stark an seiner Hauptfigur. Das macht die Sache ein wenig einfacher.

      Spannend ist es allemal. Der Perspektivwechsel zwingt mich ein wenig aus meiner Komfortzone heraus, was diesen Text angeht. Ich gehe jede Passage noch einmal mit kritischem Blick an.

      Zum Glück habe ich ausreichend Zeit dafür zur Verfügung gestellt bekommen.

      Liebe Grüße zurück! 🙂

      Gefällt 1 Person

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