Musik zum Schreiben: „Oxygene 3“ von Jean Michel Jarre

Eigentlich hätte ich diesen Text ja eher „Musik zum Überarbeiten“ betiteln müssen, weil ich im Moment ja kaum zu Schreiben komme (abgesehen vom Blog). Aber wir wollen ja nicht mit liebgewonnenen Traditionen brechen.

Jean Michel Jarre also. Oder auch Jean-Michel, je nach Tagesform. Muss ich viel über diesen Pionier der elektronischen Musik erzählen, der in den siebziger Jahren seine Weltkarriere startete, regelmäßig Konzerte vor Rekordkulissen gibt und, nach einigen stilistischen Problemchen in den Nuller-Jahren dieses Jahrtausends, inzwischen wieder voll auf der Höhe seiner Kunst ist?

Ich glaube, das erspare ich mir und euch. Merkt euch einfach: Jarre ist ein Ausnahmekünstler und sein Debütalbum „Oxygene“ bis heute eine Referenz für instrumentale Elektronik. Entsprechend unwillig reagierten weite Teile der Presse und des Publikums, als er zwanzig Jahre später, 1996, mit „Oxygene 2“ eine Fortsetzung vorlegte, die vielen zu sehr an den momentanen Zeitgeist angelehnt war.

Und nun, erneut zwanzig Jahre danach, ist 2016 das abschließende „Oxygene 3“ erschienen. Und hat sich mit seinen Melodien und seiner Instrumentierung sofort einen Platz in meinem Herzen gesichert.

Wie gewohnt teilt Jarre das Album in verschiedene Stücke auf, die mehr oder weniger ineinanderfließen und daher auch nur als verschiedene Teile des Gesamttitels benamt sind. Logischer Weise haben wir es also hier mit den Titeln Oxygene 14 bis 20 zu tun. Und man merkt Jarre an, dass er sich darum bemüht, das Beste aus Teil 1 und 2 zu vereinen, um den Schlusspunkt zu setzen.

Oxygene 14-16 erscheinen aufgrund der Verwendung alter Sounds so, als ob sie direkt im Dunstkreis des Ursprungsalbum entstanden wären. Zu ihnen kann man auch am besten schreiben oder überarbeiten, weil ihnen die absolute mitreißende Melodik fehlt. Damit will ich nicht sagen, dass sie langweilig oder gar belanglos wären. Es ist nur so, dass die Musik ein wenig unfokussiert erscheint.

Nach meinem Gefühl baut sich hier alles in Hinblick auf den zentralen Mittel- und auch Wendepunkt des Albums auf. Oxygene 17 ist eine lupenreine Popnummer, die zurecht als Video-Single veröffentlicht worden ist. Es besitzt eine treibende Melodie, und ist für mich ein harmonischer Rausch aus Euphorie und Raumklang.

Zumindest mir geht es so, dass ich mich hier jedes Mal zügeln muss, um nicht lauthals mitzupfeifen und mich ablenken zu lassen. Ich gebe zu, dass das zum Schreiben nun eher nicht so passt.

Aber Oxygene 18-20 bauen eine komplett neue Stimmung auf, da sich jetzt moderne Stilrichtungen mit alten Sounds koppeln. Dabei bekommt man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass hier Monotonie herrschen könnte, auch wenn vordergründig vielleicht einmal nicht viel „passiert“.

Oxygene 19 beginnt mit fast schon atonalen Harmonien, die klingen, als habe eine Sci-Fi-Version des Phantoms der Oper die Kontrolle an sich gerissen. Doch auch dies ist wieder nur ein Übergang zu einem in sich kohärenten Teilstück, das sich schließlich als Konklusion des Ganzen herausstellt.

Mit langen und weichen Flächen endet schließlich ein Werk, das uns auf eine Reise mitgenommen hat. Eine Reise, die wir als Passagiere erlebt haben, im Rahmen unseres Schreibens aber auch selber mit Leben füllen konnten.

Zum Schreiben ist das Album absolut geeignet, weil man in den meisten Stücken in den Schreibfluss kommen kann. Es gibt keine störenden Interferenzen. Alleine Oxygene 17 ist ein Track, bei dem man ein wenig aufpassen muss, dass man nicht zu sehr mitgerissen wird. Aber das ist vielleicht auch eine Frage dessen, was für eine Art Geschichte man gerade schreibt. So hatten „Oxygene“ (und das stilistisch recht ähnliche Nachfolgealbum „Equinoxe“) für mich immer schon etwas science-fiction-mäßiges an sich.

Denjenigen von euch, die keine Berührungsängste zu elektronischer Musik haben, sei ein Hereinhören und Ausprobieren dringend ans Herz gelegt!

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2 Gedanken zu “Musik zum Schreiben: „Oxygene 3“ von Jean Michel Jarre

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