Lebenserwartung: Drei Wochen – und was jetzt!?

Gestern Abend habe ich einen Film gesehen, der schon länger auf meiner To-Do-Liste stand: „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ mit Steve Carell und Keira Knightley.

In dem Film geht es darum, dass das Ende der Welt noch genau 21 Tage entfernt ist. Ein über 112 Kilometer durchmessender Felsbrocken nähert sich der Erde und soeben ist die letzte Rettungsmission gescheitert. Es gibt keine Hoffnung mehr, denn der Einschlag wird einen Feuersturm auslösen, der alles Leben auf der Erde vernichten wird.

Die Menschen gehen völlig unterschiedlich mit diesem Wissen um. Die einen zetteln Aufstände an, andere machen sich auf an den Ort, an dem sie ihre letzten Stunden am liebsten vollbringen wollen. Wieder andere versuchen, so gut es eben geht, an ihrem normalen Leben festzuhalten. Zu dieser Sorte Menschen gehört auch Dodge. Allerdings wird er von seiner Frau verlassen, die schreiend das Weite sucht, weil sie mit seinem gepflegten Phlegma nicht klarkommt.

Nach und nach kann auch er nicht mehr anders, als sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Die Selbstmordrate in der Versicherungsagentur, in der er arbeitet, steigt, seine Freunde feiern wilde Partys mit Heroin und Partnertausch und eines Morgens findet er sich, nach einem leichten Blackout, plötzlich in Begleitung eines Hundes wieder, der ihm untergeschoben wurde.

Und dann ist da Penny. Penny ist seine Nachbarin, eine flippige Frau Ende 20, die Musik liebt und die eine oder andere Merkwürdigkeit an den Tag legt. So hat sie, rein zufällig, Monate alte Post von Dodge in ihrer Wohnung. Und sie verrät ihm, dass seine „Mitbewohnerin“ und deren Freund so ein schönes Paar gewesen seien …

Für Dodge bricht die Welt gleich zweimal verfrüht zusammen. Nicht nur, dass er jetzt weiß, dass seine Frau ihn systematisch betrogen hat, er hat auch einen Brief von Olivia erhalten, seiner großen Liebe aus vergangenen Zeiten, die ihm schreibt, dass er die Liebe ihres Lebens war.

Schade nur, dass der Brief drei Monate alt und inzwischen das Verkehrsnetz überall zusammengebrochen ist. In dieser Situation werden Penny und Dodge zu Verbündeten. Er will zu Olivia und sie zu ihrer Familie, um sich zu verabschieden. Gemeinsam machen sich die beiden auf einen Roadtrip bis an das sprichwörtliche Ende der Welt …

Zuerst ein paar Worte zum Film. Er hat mir wirklich sehr gut gefallen, weil er sich auf die leisen Töne beschränkt. Die Ausnahmezustände, die im Land herrschen, werden nur am Rande thematisiert. Die meiste Zeit über ist der Effekt dadurch wesentlich größer, dass die Normalität als etwas Groteskes gezeigt wird. Die Menschen mähen ihren Rasen, veranstalten Straßenverkäufe, solche Sachen.

Was ich auch sehr erfrischend fand ist, dass der Film keinen einfachen Ausweg sucht, sondern sein Setting konsequent bis zum Ende durchspielt. Es gibt keine Wunderrettung und es gibt keinen Superhelden, der die Menschheit rettet. Das Ende des Films ist das Ende der Welt. Und ich glaube, dass ich nicht zu viel spoilere, wenn ich sage, dass Doug und Penny dieses gemeinsam erleben – in einem wirklich emotionalen Moment.

Die Schauspieler harmonieren sehr gut miteinander. Vor allem Keira Knightley macht in ihrer Rolle einfach Spaß. Die Szene, in der sie noch schnell ihre liebsten Schallplatten zusammensucht, bevor es auf die Flucht vor dem Mob geht, ist toll. Und auch so ist sie ein interessanter Kontrast zum eher bodenständigen Carell. Klar, solche Paare sind in der Kinolandschaft nicht selten. Aber das macht die hier gezeigten Leistungen nicht schlechter.

Tja – und dann kommen wir zu dem Punkt, den man bei einem Film wie diesem, mit einem Thema wie diesem, nicht außer Acht lassen kann.

Die Welt besteht nur noch drei Wochen. Ihr kennt genau das Datum eures Todes. Was würdet ihr machen? Wohin würdet ihr gehen? Was müsstet ihr unbedingt noch erledigen?

Ich muss gestehen, dass ich so ab Mitte des Films immer mal wieder Zeit mit der Beantwortung dieser Frage verbracht habe, weswegen mir vielleicht sogar die eine oder andere Szene nur halb im Gedächtnis geblieben ist.

Ich glaube, ich würde versuchen, all meinen Mut zusammen zu nehmen und einige Dinge vielleicht noch einmal gerade zu rücken. Mich Dinge trauen, die ich mich jetzt nicht traue (und die ich an dieser Stelle garantiert nicht preisgeben werde). Es würde weniger um die Reise zu einem Ort gehen, sondern vielmehr um die Reise zu mir, zu anderen Menschen.

Und ich habe eine Frage in mir: Muss erst die Welt untergehen, dass wir uns solche Dinge trauen können? Dass ich mich trauen kann? Was kann man darüber philosophieren …

Wie steht es mit euch? Was würdet ihr tun, wenn in drei Wochen euer Leben vorbei wäre. Und wenn keine eurer Handlungen Konsequenzen hätte, die über diese drei Wochen hinaus bestehen.

Und könntet ihr euch dem Untertitel des Films anschließen, der schlicht lautet: Schön war’s!?

Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

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23 Gedanken zu “Lebenserwartung: Drei Wochen – und was jetzt!?

  1. Das ist vermutlich der größte Reiz an einem solchen Film: sich zu überlegen, was man selbst machen würde. Und dann zu gucken, ob die Menschen im Film ähnlich denken. Oder sich zu sagen: DAS hätte ich nicht erwartet 😉 Schöne Rezension. Macht List darauf, den Film anzusehen

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  2. Ja, eine (wie immer) schöne Rezi – der Film ist auf meiner To-see-Liste gelandet, obwohl ich Happy-Ends liebe 🙂
    Bei Deiner Frage dachte ich als erstes an Brechts Keuner-Geschichte zu Gott:
    Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: “ Ich rate dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann könnten wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so behilflich sein, daß ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“
    Brechts Sätze sind ein bisschen ähnlich: Was würde sich ändern, wenn man wüsste …?
    Ich für meinen Teil würde, wenn möglich, meine Liebsten einpacken und an einsames, schönes Fleckchen am Meer fahren. Dort noch einmal süße Küsse tauschen, den Wellen lauschen und den Sternenhimmel beschauen, tieftraurig sein, ein paar letzte Gedichte aufs Papier husten, noch tiefer traurig sein, guten Wein trinken und gutes Essen futtern, auf den Sonnenuntergang und -aufgang warten …

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    • Die Keuner-Geschichte kannte ich noch nicht, aber du hast Recht, das ist sehr ähnlich. Eine hochphilosophische Frage.

      Dein Plan für das Ende der Welt klingt auch sehr schön! Im Vergleich zu meinem, wenn ich das so sagen darf, nach Jemandem, der mit sich im Reinen ist.

      Und ob der Film kein Happy-End hat … darüber reden wir noch einmal, wenn du ihn gesehen hast 😉 .

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      • Ah, das lässt mich ja auf ein zwar trauriges, aber eben auch „erfüllendes“ Filmende hoffen 🙂

        Und ja: Ich dachte schon oft darüber nach, und tue es immer noch, was denn wäre, wenn ich morgen sterben würde. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist so winzig ja nicht – ein besoffener Spinner im Auto langt schon. Zweimal kam ich in Situationen, bei denen ich fast drauf gegangen wäre (nichts Spektakuläres, aber eben knapp davor …). Und da kommt man schon ins Grübeln. Natürlich möchte ich noch tausend Sachen machen. Aber wenn ich morgen sterben würde, wäre ich doch irgendwie (klingt blöd, is aber so) zufrieden und dankbar. Wär‘ okay, weil ich schon viel gesehen, viel erlebt, mich viel getraut habe, weil ich liebe und geliebt werde, weil ich mich, zumindest soweit’s eben möglich war und ist, verwirklicht habe – und das Universum und der ganze Rest. Schwer, über sowas ohne Pathos oder Ironie zu reden. Was ich sagen will: Ich bin zwar oft unzufrieden mit mir (meist wegen meiner Bequemlichkeit und Faulheit), aber doch tatsächlich ziemlich im Reinen. Liebe Grüße!

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      • Oh ja, erfüllend ist es. Nur eben nicht gegen jeden Realismus auf „oh, wir überleben ja doch“ gepolt. Das wäre in der Tat ein Deus ex machina gewesen, der dazu geführt hätte, dass ich die Scheibe im hohen Bogen in den Garten geschmissen hätte!

        Zum Rest: Das freut mich ehrlich für dich!

        Liebe Grüße zurück.

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  3. Mich hat der Film damals auch nachdenklich gestimmt. Fand ihn gut gemacht.

    Ich würdewahrscheinlich nichts groß ändern. Höchstens nochmal die Menschen anrufen, die mir am wichtigsten sind um ihnen nochmal zu sagen, was sie mir bedeuten.
    Die letzten tage würde ich dann am liebsten mit Mann und Katze verbringen.

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  4. Ja, jetzt interessiere ich mich auch für den Film. ;D
    Nun, das dies schon mal kein klassisches „Alles wird gut“ Ende hat, spricht schon mal für einen guten Film. Aber was ich machen würde, wenn ich nur noch so kurz zu Leben hätte? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Ich versuche auch so viel mitzunehmen wie es geht um, wenn es doch mal soweit sein sollte, nichts zu bereuen habe. Leider habe ich auch ich die Erfahrung machen müssen, dass ein Leben viel zu schnell vorbei sein kann. Von daher…
    Aber den Film schau ich mir auf jeden Fall einmal an. 😀

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  5. Lieber Michael,

    gestern wollte ich den Film noch anschauen, weil ich deinen Bericht so interessant fand.

    Heute verfluche ich ihn und jeden Gedanken daran – und auch dich (ein bisschen). Na gut, nicht wirklich. Aber trotzdem: Du bist schuld! An einer mehr oder weniger durchwachten Nacht nämlich.

    Die Frage hat mich nicht mehr losgelassen. Wie würde ich reagieren? Was würde ich tun? Mit wem müsste ich noch reden? Und so weiter und so fort … Ein endloser Kreisel, der mir jeden Schlaf raubte.

    Zu einer kompletten Lösung bin ich nicht gekommen (wie auch? Wer weiß schon, was er wirklich tun würde?), aber ich konnte zumindest Wünsche formulieren. Mit meinem Mann und den Kindern zusammensein bis zur letzten Minute. Mit den Kindern reden, alle umarmen, mit meinem Mann zwischendurch noch ein wenig Zweisamkeit genießen.

    Ja, ich bin zufrieden mit meinem Leben.

    Und na ja, wer braucht schon Schlaf, wenn doch die Welt untergeht? Letztlich ist es egal, woran und wann wir sterben. Wichtig ist nur, dass wir am Ende denken: Es ist schön, gelebt zu haben. Und ich habe alles dazu getan, dass es schön war.

    Viele Grüße von einer leicht grummelnden und äußerst unausgeschlafenen
    Margaux

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    • Liebe Margaux,

      das tut mir leid, dass der Film so viel Eindruck auf dich gemacht hat. Tröstet es dich, dass ich just in der letzten Nacht genau die gleichen Probleme hatte? Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war ich der festen Überzeugung, dass am kommenden Freitag die Welt untergehen würde und dann alles keine Rolle mehr spielt.

      Tja, was soll ich sagen – ich wünsche dir, dass du deinen Frieden mit der Frage machen konntest. Es tut gut, Wünsche zu formulieren. Und es tut auch gut, wenn man feststellt, dass man vieles von dem, was andere sich vielleicht wünschen würden, schon hat.

      In diesem Sinne hoffe ich aber darauf, dass du deiner Familie, deinen Lesern, deinen Freunden und der Welt noch sehr, sehr lange erhalten bleibst!

      Und zürne nicht zu sehr mit mir 😉 .

      Liebe Grüße
      Michael

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  6. Lieber Michael,
    Ich habe die Überschrift deiner Rezension gesehen und sie erst jetzt gelesen, nachdem ich den Film gesehen habe, um mich nicht beeinflussen zu lassen.

    Der Film ist wirklich grausam. Das Setting an sich ist wirklich grausam. Ich würde mich in ein Loch verkriechen wollen, Decke über den Kopf und „Das bildest du dir doch nur ein!“ Ich hätte wahnsinnige Angst. Wirklich niemand sollte die Zeit seines Todes wissen. Und ich wäre so traurig, weil ich noch nicht ein Schwangersein genießen konnte, weil ich noch keine Kinder und keinen Alltag mit ihnen hatte. Wie würden die Lütten aussehen? Mehr nach Männe, mehr nach mir? Und wie wären ihre individuellen Charaktere? Oh, ich bin mir sicher, sie würden uns geistig sehr fordern und gemeine Fragen stellen! Schmunzel.

    Ich würde also zuerst an das Denken, das ich bereits verloren habe, bevor ich es bekommen habe. Und dann würde ich vielleicht daran denken, was mir Spaß macht: Kuscheln, Lesen. Einen Tee trinken. In Ruhe die Zeit vorher mit den Verwandten und Freunden genießen und dann alleine mit Männe auf der Couch sitzend verbringen. Gemütlich unter einer Decke. Eine Kerze an.

    — und mein anderes Ich würde in die Großstadt in tiefe Ubahnschächte fliehen. Ich habe gehört, dass die in Moskau ziemlich tief sein sollen. Vielleicht kommt die Feuerwalze da ja nicht hin? Oder man versteckt sich in einem Uboot im tiefen Meer? Solange der Meteorit nicht im Meer landet, könnte man da ja vielleicht Chancen haben?

    Glück auf,
    Kiira

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      • Heeeey, wieso entschuldigst du dich? Ich hab doch nirgends gesagt, dass ich bereut habe, den Film geguckt zu haben. Er war ein guter grausamer Film. Und du bist nicht für meine Reaktion verantwortlich. 🙂
        Also Kopf hoch und freu dich, dass der Film was ausgelöst hat und ich ihn nicht langweilig fand.

        Männe würde übrigens auch nichts Besonderes machen. Hab ihn abends noch gefragt. 🙂

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      • Ja, und auch da fand ich dein Entschuldigen fehl am Platze. Es ist doch gerade gut für einen Film, Musik, etc. wenn sie Gefühle in uns auslösen. Und nur weil ein Gefühl als negativ betitelt wird, ist es ja nicht schlecht. Es hat ja seine Berechtigung. 🙂

        Vielen Dank, dass du dir Gedanken machst. Aber hier brauchst du das überhaupt nicht auf dich zu beziehen (abgesehen davon, dass es auch nichts Schlechtes ist). 🙂

        Kiira

        Gefällt 1 Person

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