Fakt und Fiktion (17) Die Sache mit den Autorenfotos

Nun war es also endlich (?) soweit: Ich hatte meinen Mut zusammengenommen und einen Termin mit dem Fotostudio vereinbart, von dem ich schon seit einiger Zeit einen Wertgutschein hatte, um dort ein oder mehrere brauchbare Autorenbilder schießen zu lassen.

Gut, einige Zeit ist leicht untertrieben. Ich hatte den Gutschein vor beinahe genau einem Jahr gekauft, was sich darin äußerte, dass er am 28.02.2017 seine Gültigkeit verloren hätte. Gegen Ende wurde es fast noch einmal knapp, einen Termin zu finden, an dem sich die Fotos machen ließen, aber mit ein wenig Geduld im Durchsuchen der jeweiligen Kalender wurden wir dann fündig.

Und so konnte ich mich auf den Weg machen um nun vor dem besagten Studio in einem großen Duisburger Einkaufszentrum zu stehen.

Dazu muss ich sagen, dass meine Beziehung zu Fotos von mir nicht unbedingt von Harmonie und Wertschätzung geprägt ist. Ich mag es nicht, fotografiert zu werden. Ich finde mich auch nicht fotogen. Und wenn es nicht Usus wäre, dass ein Autor auch Fotos von sich hat, die er auf seiner Homepage einbinden oder in seinen Romanen verwenden kann, dann hätte ich die Sache auch nicht auf mich genommen.

Aber gut, nun war ich schon einmal hier, da konnte ich den Impuls, einfach wieder nach Hause zu fahren, genauso gut auch wieder unterdrücken.

Als ich das Studio betrat wurde ich begrüßt von – Federn! Überall auf dem Boden flogen Daunenfedern herum, als habe sich gerade eine Horde ausgelassener Menschen eine Kissenschlacht geliefert. Der Verursacher war wahrscheinlich das verliebt dreinglotzende Pärchen, das auf zwei Sesseln saß. Einen Stuhl weiter wurde gerade eine junge Dame auf Business geschminkt und ehe ich es mich noch versah, stand ich auch schon einer ebenfalls jungen Fotografin gegenüber, die mich begrüßte und schnell in ein Gespräch verwickelte.

Was ich denn für Fotos wolle? Ach, das Business-Paket. Wofür ich mich bewerben wolle? Ach, gar nicht, sondern Autorenbilder. Ist das dein erster Roman? Was für eine Art Roman denn? Ist das okay, wenn ich du zu dir sage? Soll das dann ganz seriös werden, oder sollen wir auch lockerere Aufnahmen machen? Nur hier im Studio oder auch draußen?

Was sich hier liest wie ein Feuerüberfall war in der Realität wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte. Die Fotografin, Celia, ließ mir nämlich keine Zeit, groß darüber nachzudenken, was ich da eigentlich gerade tat: Ich outete mich als Schriftsteller, der gerade dabei ist, seinen ersten Roman zu veröffentlichen und sie überredete mich dazu, den schützenden Rahmen des Studios zu verlassen und im Einkaufszentrum Bilder zu machen.

Also stand ich, kaum drinnen, schon wieder draußen – und vor einem Mörderobjektiv. Schnell hatte Celia sich Gedanken gemacht, was sie sich an Bildern vorstellen konnte. Dabei berücksichtigte sie sowohl meine Größe als auch die Tatsache, dass ich nun einmal so schwarz gekleidet erschienen war, wie ich es für gewöhnlich (lies: immer) trage. Das machte es ihr am Anfang etwas schwer, aber dann lief die Sache.

Ich stellte mich an das Geländer im ersten Stock und die ersten Fotos wurden abgespult. Dabei gab sie mir immer wieder Anregungen und Kommandos, wie ich doch jetzt mal schauen oder mich halten sollte.

Die ganze Zeit über war ich mir bewusst, dass da eine Kamera war, die ich eigentlich ja gar nicht leiden konnte, und es war mir auch bewusst, dass da Menschen um mich herum waren, die wohl oder übel das Shooting sahen und die vor allem auch mich sahen! Einige Male mussten wir kurz Pause machen, um Leute durch zu lassen, aber das Erstaunliche war, dass mir das überhaupt nichts ausmachte!

Ich war von dem ganzen Vorgang, der Professionalität und den klaren Vorstellungen so abgelenkt, dass ich diese Überschreitung aller Grenzen meiner persönlichen Komfortzone zunächst gar nicht wahrnahm.

Nach einiger Zeit wechselten wir wieder nach Innen, wo die meisten Federn inzwischen beseitigt worden waren. Es folgten noch einige Fotos in sitzender Position, die mir aber irgendwie viel zu viel Zeit ließen, mir nun langsam doch meiner Situation wieder bewusst zu werden. Dazu trug auch bei, dass es im Studio allmählich wuselig wurde. Wie ich später erfuhr, war eine der Fotografinnen kurzfristig erkrankt und nun brach der eng gestrickte Terminkalender links und rechts um die Verbliebenen zusammen.

Aber gut, schließlich hatte Celia genug von mir gesehen und machte sich dann daran, an einem der bereitstehenden Macs die Fotos zu sichten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich längst wieder das Gefühl, dass ich froh sein konnte, wenn am Ende auch nur ein oder zwei Bilder in der engeren Auswahl blieben – auch wenn die Gute zwischendurch mehrmals wohlwollende Worte wie „genau so“, „super“ oder „klasse!“ gemurmelt hatte.

Irgendwann rief sie mich dann dazu und wir gingen die 80 (in Worten: achtzig!) Fotos durch, die ihrer Meinung nach infrage kamen.

Wisst ihr, wie schwer es ist, sich aus 80 Fotos welche auszusuchen, mit denen man sich wohl fühlt, weil man nicht das Gefühl hat, darauf ein wenig, nun ja, doof auszusehen? Mein Selbstwertgefühl lag vor Erschöpfung irgendwo in der Ecke, zusammengefegt mit den Federn. Aber Celia, offenbar neben ihrem Hauptberuf als Fotografin auch noch nebenberufliche Psychologin, schaffte es, mich soweit aufzubauen, dass ich mich nicht nur auf fünf Bilder festlegte, sondern mir auch das Gefühl zu geben, dass diese Bilder wirklich gut sind. Und dass ich auf ihnen gut aussehe. Ganz autorenmäßig.

Okay, im Nachhinein betrachtet hätte ich nicht alle Bilder mit dieser typischen „Der Autor stützt sein Kinn in die Hand“-Pose nehmen sollen. Aber wenigstens konnte ich das Klischee vermeiden, die doppelte „Pistolenhand“ anzuwenden. Ihr wisst schon: Hand ans Kinn und Finger steil nach oben. Auch wenn Celia die gerne gehabt hätte 😉 .

Und so stand ich, etwas über eine Stunde später, wieder vor der Tür, in meinem Besitz eine CD, auf der die fünf ausgesuchten Bilder hochaufgelöst enthalten sind und vier Fotos in ausgedruckter Form, mit denen ich nun noch schauen kann, was ich damit anfange.

War es eine gute Erfahrung? Auf jeden Fall! Auch wenn es Kraft gekostet und mich ziemlich ermüdet hat (zumal mir diese dumme Erkältung ja immer noch in den Knochen steckt). Aber ich habe jetzt ein paar schöne Bilder, die ich auf meiner Website verwenden kann. Oder auch hier im Blog, zum Beispiel auf meiner „Über mich“-Seite, die ich mal wieder updaten müsste.

Oder ich zeige euch eines davon einfach hier, an dieser Stelle. Als abschreckendes Beispiel, falls ihr es so nennen wollt:

michael-behr-1

Falls Interesse besteht, schreibe ich euch gerne die Tage noch einmal etwas ausführlicher über das Studio, in dem ich die Bilder habe machen lassen. Es gehört zur Firmengruppe „Picture People“, die in vielen Städten Filialen unterhält.

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34 Gedanken zu “Fakt und Fiktion (17) Die Sache mit den Autorenfotos

  1. Ich finde das Bild super und noch mehr freut mich, dass du dich überwinden konntest und es am Ende doch eine einigermaßen angenehme Erfahrung war 🙂

    Und ich weiß, dass es am Anfang total schräg ist, sich anderen gegenüber als Autor zu „outen“. An den Teil muss ich mich noch gewöhnen …

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    • Dankeschön!

      Ja, die Erfahrung war auf jeden Fall so, dass ich jetzt überhaupt (na ja, nicht übertreiben …) keine Probleme hätte, mich der Situation noch einmal zu stellen. Zum Beispiel für Sommerfotos draußen vor der Türe des Einkaufszentrums. Da ist eine nette kleine Grünfläche gegenüber. War uns nur jetzt etwas zu kalt ;-).

      Und das Outing klappt irgendwann immer besser. So jedenfalls meine Erfahrung. Ich habe diesmal jedenfalls kaum noch dabei gestottert *g.

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    • Dankeschön!

      Ich bin mir sicher, dass bei den vier Fotos eines „abfällt“. Die brauche ich halt nicht unbedingt, weil ich mich ja nirgendwo damit bewerben will und es mir in der Hauptsache auf die Dateien ankam 🙂 .

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  2. Das ist ein wirklich schönes Foto! 👍
    Ich hatte das vor wenigen Wochen hinter mich gebracht. Wir rückten mit Hut und Mikro an und das Ganze ging fast 3 Stunden. Immer wieder sang ich „Leute“, damit die Fotos authentisch wirken.
    10 Fotos kamen raus. Ich war „scheintot“ danach. 😂
    Aber ich finde professionelle Fotos viel besser, als diese ganzen Handyaufnahmen. Für Werbung und und und machen sie eben mehr her.

    Bekommen wir denn ab und an mal eins zu sehen (außer dem im Beitrag)? 😊

    Beste Wochenendgrüße
    Sylvia

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    • Hallo Sylvia,

      dann ist das wohl der richtige Ort um dir zu sagen, dass ich dein neues Profilbild/Kommentarbild richtig toll finde! Das stammt dann bestimmt auch aus der Fotosession, oder?

      Du hast recht, Handyfotos sind ganz nett für Schnappschüsse, aber sowohl in der Qualität der Aufnahme, als auch in der ganzen Komposition kommen sie nicht mit. Und der Profi hinter der Kamera weiß halt, was er zu tun hat.

      Die anderen Fotos sollen keineswegs auf der Festplatte versauern, keine Sorge! 🙂

      Liebe Grüße zurück
      Michael

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  3. Na, da bin ich ja beglückt. Wollte die ganze Zeit mal nachfragen, dachte dann aber, lass es mal lieber – der „Bär“ wird’s schon schaffen. Glückwunsch! Du siehst super aus, und auch das Foto als Komposition ist – wie Herr Moser so einwortkurz und knackig sagt: top!

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  4. wow, Michael, das ist ja eine riesige Erfahrung! Und die Celia ist wirklich Psychologin nebenbei? So ganz ohne Scheiß? Klingt wie ein sehr, sehr interessanter Charakter. Das Foto ist echt gut geworden; ich bin gespannt auf die anderen Autorenfotos (:
    Liebe Grüße!

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    • Ob sie wirklich Psychologin ist, Kia, kann ich dir natürlich nicht sagen. Ich schätze mal nicht. Wahrscheinlich ist sie sogar nur eine Studentin, die sich da was dazu verdient (die drei Mädels, die da waren, waren alle ungefähr so im passenden Alter). Aber sie hat intuitiv das Richtige getan, was auf jeden Fall auf hinlängliche Erfahrung mit zaudernden Kunden schließen lässt.

      Freut mich, dass das Bild dir gefällt! 🙂

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  5. Wunderbares Foto und wunderbare Erfahrung, die du so sammeln konntest und die dich weiter stärken wird!
    Das Bild sieht wirklich klasse aus und vielleicht streust du ja doch noch mal das ein oder andere Foto davon hier irgendwo ein? *neugier*
    Nein wirklich, die Fotografin hat ganze Arbeit geleistet. Ich kenn das auch anders. Aber ich bin wirklich nicht fotogen. Vielleicht lag es auch daran. 🙂
    liebe Grüsse
    kitty

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  6. Sonja schreibt:

    Sieht doch echt gut aus! Ich hatte vor ca. einem Jahr auch so einen Termin und leider kann ich nicht sagen, dass mich die Professionalität der Fotografin irgendwie locker gemacht hätte. Dennoch sind die Bilder ganz okay geworden, finde ich. Ein bisschen Nachbearbeitung tut doch Wunder. 😁

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    • Vielen Dank, aber so richtig locker war ich auch nicht. Doch wenigstens nicht in Angststarre, wie ich es befürchtet hatte.

      Die Nachbearbeitung war auch einer der Hauptgründe, aus denen ich die Bilder von Profis machen lassen wollte. Ich selbst bin ein absoluter Bildbearbeitungs-Legastheniker.

      Gefällt 2 Personen

  7. Wow, tolles Foto! 🙂
    Ich finde es super, dass du dich überwunden und diesen Schritt getan hast. Das gibt einem enorm viel Selbstbewusstsein. Ich habe mich in deinem Bericht ziemlich genau wiedergefunden. Meine letzte Fotosession fand zwar nur im privaten Rahmen statt, aber auch draußen. Daher ging es mir mit vielen Dingen inklusive der Blicke neugieriger Spaziergänger sehr ähnlich.
    Ich wünsche dir, dass die Bilder ihren Zweck erfüllen, du kannst echt stolz auf das Ergebnis sein 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Sind das die Bilder im Wald, von denen du sprichst? Die sind wirklich super! Aber da müsste ich mich schon vorher irgendwie mit Alkohol halb abschießen, um sooo weit aus meiner Komfortzone zu gehen.

      Vielen Dank für deine lieben Worte! 🙂

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